Von der Respektrente über die Corona-Pandemie bis hin zum Wellenbrecher – Jahr für Jahr wird in Deutschland das „Wort des Jahres“ als sprachlicher Jahresrückblick gekürt. Doch was steckt dahinter? Wieso gerade diese Wörter? Und wer wählt sie? Genau mit solchen und grundsätzlichen Fragen über die Verantwortlichkeit der deutschen Sprache beschäftigt sich die siebte Vorlesungseinheit "Wer entscheidet über Sprache?". Um einen Überblick über die Thematik zu bekommen, werden nachfolgend die zentralen Inhalte der Vorlesung wiedergegeben. Dafür wird zunächst der gegenwärtige deutsche Sprachraum dargestellt. Anschließend die für die deutsche Sprache zuständigen Akteure und Gremien innerhalb Deutschlands beleuchtet. Und zuletzt diejenigen Einrichtungen betrachtet, welche für die auswärtige Sprachpolitik des Deutschen verantwortlich sind. Damit soll Aufschluss darüber gegeben werden, welche institutionellen Grundstrukturen hinter dem Umgang mit der deutschen Sprache stecken.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhalt der Vorlesungseinheit
2. Einordnung und Reflexion
Zielsetzung und Themen
Ziel dieses Protokolls ist es, ein Verständnis für die institutionellen Strukturen und die Verantwortlichkeiten hinter dem Umgang mit der deutschen Sprache zu vermitteln. Dabei wird untersucht, welche Akteure und Gremien in Deutschland bei sprachpolitischen Debatten Entscheidungsmacht besitzen und wie die normative Entwicklung der Sprache institutionell verankert ist.
- Strukturanalyse der sprachpolitischen Akteure und Gremien in Deutschland
- Differenzierung zwischen staatlichen Institutionen, Quasiregierungsorganisationen und freien Vereinen
- Rolle des Rats für deutsche Rechtschreibung bei der Normierung
- Internationale Auswärtige Sprachpolitik durch Institutionen wie das Goethe-Institut
- Analytische Einordnung der Abwesenheit einer zentralen staatlichen Sprachregelung im Grundgesetz
Auszug aus dem Buch
Einordnung und Reflexion
Die Vorlesungseinheit lässt sich gut in den größeren Zusammenhang der gesamten Vorlesung einordnen. Denn egal ob es um Anglizismen, die Rechtschreibung oder das Gendern geht – bei der Austragung von Debatten rund um die deutsche Sprache sind immer sprachpolitische Akteure oder Gremien beteiligt. Damit eine bestimmte Position durchgesetzt werden kann, müssen diejenigen Einrichtungen konsultiert werden, die eine gewisse Entscheidungskraft besitzen. Davon gibt es in Deutschland nicht viele, da es seit jeher nur wenig staatlichen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache gibt.
Es sind auf der Seite wenige Gremien vorhanden, die tatsächlich etwas bewirken können. Dazu gehört der Rat für deutsche Rechtschreibung, der das einzige von staatlicher Seite befugte Entscheidungsgremium für die Normierung der Deutschen ist. Wie aus der vierten Vorlesungseinheit Orthografie hervorgeht, wurde der Rechtschreibrat im Rahmen der größten sprachlichen Kontroverse des 20. Jh., der Orthografiereform, eingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es kein Gremium für die Normierung der deutschen Rechtschreibung gegeben. Vielmehr hatte der Rechtschreibduden diese Kompetenz für rund 40 Jahre vom KMK zugesagt bekommen. Jedoch sollte die hoheitliche Angelegenheit um die Kultursprache Deutsch nicht länger durch einen privaten Verlag repräsentiert werden. Deshalb wurde zunächst die internationale Kommission für die Verfolgung der Entwicklung der Rechtschreibung am IDS eingerichtet und der Beirat für deutsche Rechtschreibung konstituiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Inhalt der Vorlesungseinheit: Dieses Kapitel gibt einen einführenden Überblick über die Thematik der Sprachverantwortung und skizziert die geografische Verbreitung der deutschen Sprache samt ihrer dialektalen Ausprägungen.
Einordnung und Reflexion: Hier erfolgt eine kritische Analyse der institutionellen Machtverhältnisse und der Rolle staatlicher sowie nicht-staatlicher Akteure bei der Steuerung der deutschen Sprache, ergänzt durch einen Ausblick auf den Status des Deutschen im Grundgesetz.
Schlüsselwörter
Sprachpolitik, Institutionen, Rat für deutsche Rechtschreibung, Goethe-Institut, Germanistik, Deutsche Sprache, Sprachnormierung, Kultusministerkonferenz, Gesellschaft für deutsche Sprache, Sprachgebiet, Grundgesetz, Amtssprache, Sprachliche Kontroversen, Dialekte, Auswärtige Sprachpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Dokument primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wer in Deutschland über die Sprache entscheidet und welche institutionellen Gremien und Organisationen die Entwicklung und Verwendung der deutschen Sprache beeinflussen.
Welche Akteure werden als maßgeblich für die Sprachpolitik identifiziert?
Zu den Akteuren zählen staatliche Institutionen, Quasiregierungsorganisationen, Bildungseinrichtungen sowie unabhängige Vereine wie die Gesellschaft für deutsche Sprache und der Rat für deutsche Rechtschreibung.
Was ist das Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für die Strukturen hinter dem Umgang mit der deutschen Sprache zu schaffen und aufzuzeigen, wie wenig zentralistisch die Sprachsteuerung in Deutschland organisiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der institutionellen Landschaft im Rahmen einer akademischen Vorlesungseinheit.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil behandelt die Unterscheidung verschiedener Akteure, stellt das Wirken nationaler Gremien wie der KMK vor und beleuchtet internationale Akteure wie das Goethe-Institut oder den DAAD.
Welche zentralen Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die zentralen Begriffe sind Sprachpolitik, Institutionen, Normierung, Rechtschreibung und der gesellschaftliche sowie rechtliche Status des Deutschen.
Welche Rolle spielt der Rat für deutsche Rechtschreibung in diesem Zusammenhang?
Er wird als das einzige von staatlicher Seite legitimierte Entscheidungsgremium für die Normierung der Rechtschreibung hervorgehoben, das als Reaktion auf das Ende der Phase der Duden-Dominanz entstand.
Wie bewertet der Autor die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz?
Der Autor stellt fest, dass das Grundgesetz die deutsche Sprache kaum explizit erwähnt, was historisch mit der damaligen sprachlichen Homogenität Deutschlands und dem Fokus auf das Gleicheitsgesetz erklärt wird.
Welche Bedeutung hat das Goethe-Institut für die deutsche Sprachpolitik?
Das Goethe-Institut wird als zentrale Instanz der auswärtigen Sprachpolitik identifiziert, die weltweit zur Förderung der deutschen Sprache und zur internationalen kulturellen Zusammenarbeit beiträgt.
Warum wird die Rolle der Kultusministerkonferenz (KMK) betont?
Die KMK wird als essenziell für die Koordination zwischen den Bundesländern angesehen, insbesondere um eine notwendige Gemeinsamkeit in Bildungs- und Kulturfragen trotz föderaler Strukturen sicherzustellen.
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- Anonym (Author), 2021, Wer entscheidet über Sprache? Gremien für den Umgang mit der deutschen Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1304155