Fast 50 Jahre war Europa in zwei Systeme geteilt: Das Wirtschafts- und das Gesellschaftssystem.
Im November 1989 kam es mit dem Fall der Berliner Mauer in
den Staaten Mittel- und Osteuropas zu fundamentalen Umbrüchen, die wenige Jahre zuvor völlig undenkbar waren. Eine außergewöhnliche Systemtransformation von sozialistischer Planwirtschaft hin zur marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung
steht im Mittelpunkt dieses ökonomischen Transformationsprozess. Diese Umwandlung war eine große Herausforderung für die Staaten Mittelosteuropas und die damit verbundenen Aufgaben bezogen sich besonders auf die binnen und außenwirtschaftliche Liberalisierung der Märkte, die Schaffung eines neuen wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmens, Modernisierung, Strukturierung sowie
Privatisierung von ganzen Unternehmenssektoren. Dieser ökonomische Transformationsprozess in Mittel- und Osteuropa (MOE) stellt einen historischen Präzendenzfall dar und förderte die Stabilisierung und Weiterentwicklung dieser
Staaten. Gleich nach dem Transformationsprozess am Anfang der 90er Jahre hatten viele Bürger eine optimistische Einstellung und erwarteten schnelle fundamentale Verbesserungen
der ökonomischen Situation in den jeweiligen Volkswirtschaften
MOEs. Die Erwartungen auf schnellen Fortschritt sowie das Erreichen eines Wohlstandsniveaus westlicher Staaten wurde jedoch im Laufe der Zeit nicht erfüllt, sondern vielmehr mit ökonomischen Problemen, die durch den Transformationsprozess
entstanden, verbunden. Nach dem Zusammenbruch des planwirtschaftlichen Wirtschaftssystems MOEs, verlief der Transformationsprozess, abhängig von der Ausgangssituation des jeweiligen Landes, unterschiedlich. Dieser Zusammenbruch führte zu nicht marktgemäßen Preisen in den MOE-Staaten gegenüber
der westlichen Länder. Eine ineffiziente Waren- und Regionalstruktur des Handels und eine geringe Tiefe der internationalen Arbeitsteilung war die Folge dieser Abschottung von den westlichen Absatzmärkten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Ziel und Vorgehensweise der Arbeit
2 Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen
2.1 Definition ausländischer Direktinvestitionen
2.1.1 Direktinvestitionen und multinationalen Unternehmungen
2.1.2 Formen der Direktinvestitionen
2.2 Klassifikation der Direktinvestitionen
2.2.1 Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestitionen
2.2.2 Additive und substitutive Direktinvestitionen
2.3 Ökonomische Aspekte und Motive von ausländischen Direktinvestitionen
2.3.1 Beschaffungsorientierte Motive
2.3.2 Absatzmarktorientierte Motive
2.3.3 Effizienzorientierte Motive
2.3.4 Strategische Motive
2.4 Erklärungsansätze von Direktinvestitionen
2.5 Der Eklektische Ansatz von Dunning
3 Intensität der ausländischen Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa
3.1 Förderung und Anreize ausländischer Direktinvestitionen
3.2 Standortfaktoren als Determinanten von ausländischen Direktinvestitionen
3.2.1 Allgemeine Standortfaktoren
3.2.1.1 Geographische Entfernung und soziokulturelle Standortfaktoren
3.2.1.2 Infrastruktur in den MOEL
3.2.2 Wirtschaftliche Standortfaktoren
3.2.2.1 Inflation und Wechselkursstabilität
3.2.2.2 Zahlungsbilanz und Auslandsverschuldung
3.2.2.3 Lohnkosten und Humankapital
3.2.2.4 Größe und Wachstum des Marktes
3.2.3 Politische Standortfaktoren
3.2.3.1 Länderrisiko
3.2.3.2 Rechtliche Unsicherheit
3.2.3.3 Außenhandelspolitik
3.2.3.4 Privatisierung und Restrukturierung
3.3 Umfang und Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in MOE
3.3.1 Ziel- und Herkunftsländer
3.3.2 Sektorale Verteilung ausländischer Direktinvestitionen in MOEL
4 Ökonomische Auswirkungen der ausländischen Direktinvestitionen auf Gast- und Geberländer
4.1 Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf mittelosteuropäischen Ländern
4.1.1 Allgemeine Auswirkungen
4.1.2 Auswirkungen auf die EU-Beitrittsländer 2004
4.1.3 Auswirkungen auf die EU-Beitrittsländer 2007
4.2 Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf die Geberländer
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen (ADI) in ausgewählten mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL-7) zu analysieren und deren ökonomische Auswirkungen auf die Empfänger- und Herkunftsländer zu untersuchen, um die Bestimmungsfaktoren für Investitionsentscheidungen in der Transformationsregion zu verstehen.
- Theoretische Fundierung von ADI und multinationalen Unternehmen
- Analyse von Anreizstrukturen und Standortfaktoren in MOE
- Quantifizierung der ADI-Entwicklung und sektoralen Verteilung
- Ökonomische Folgen für Gastländer (z.B. Technologietransfer, Beschäftigung)
- Auswirkungen der ADI auf die Geberländer (z.B. Handelsbeziehungen, Arbeitsmarkt)
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition ausländischer Direktinvestitionen
Der Begriff der DI wird in der Literatur nicht einheitlich definiert, sondern es ist in einer ausreichenden Anzahl von Definitionsansätzen zu finden. Aufgrund dessen wird die Definition der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) betrachtet, die auch in der Folge als Grundlage für diese Arbeit dient:
Eine DI wird nach der OECD als eine grenzüberschreitende Investition definiert, bei der ein Investor (Direktinvestor) das Ziel hat, dauerhafte Wirtschaftsbeziehungen (Langfristigkeit) an einem Unternehmen (Direktinvestitionsobjekt) im Ausland zu schaffen.5
Der Direktinvestor, die Langfristigkeit und das Direktinvestitionsobjekt sind von der oben genannten Definition der ADI von besonderer Bedeutung und werden im Folgenden kurz erläutert.
Als ein Direktinvestor kann eine Person- oder Kapitalgesellschaft, eine Einzelperson, eine Regierung oder ein Zusammenschluss dieser Personen oder Unternehmen mit oder ohne eigene Rechtsfähigkeit genannt werden, der ein Direktinvestitionsobjekt, wie Tochtergesellschaft, Niederlassung oder ein verbundenes Unternehmen in einem Land erwirbt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ökonomische Transformation in Mittel- und Osteuropa und definiert das Ziel, die ADI-Entwicklung in der Region zu analysieren.
2 Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen: Dieses Kapitel erläutert die Definitionen, Formen und Klassifikationen von ADI sowie relevante Theorieansätze, inklusive Dunnings Eklektischem Ansatz.
3 Intensität der ausländischen Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa: Hier werden die Anreizsysteme und spezifischen Standortfaktoren wie Infrastruktur, wirtschaftliche Stabilität und Politik für die MOEL analysiert.
4 Ökonomische Auswirkungen der ausländischen Direktinvestitionen auf Gast- und Geberländer: Das Kapitel untersucht die Folgen von ADI, wie Technologietransfer und Beschäftigungseffekte, auf die Transformationsstaaten sowie die Auswirkungen auf Geberländer.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Analyseergebnisse und betont die Bedeutung notwendiger struktureller Reformen für zukünftiges Wachstum.
Schlüsselwörter
Ausländische Direktinvestitionen, ADI, Mittel- und Osteuropa, MOEL, Transformation, Standortfaktoren, Technologietransfer, Kapitalverflechtung, EU-Beitritt, Privatisierung, Länderrisiko, Wirtschaftsentwicklung, Investitionsklima, OLI-Paradigma, Beschäftigungseffekte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit untersucht die Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen in sieben mittel- und osteuropäischen Staaten und deren ökonomische Auswirkungen auf diese Länder sowie auf deren Investitionsherkunftsländer.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit behandelt theoretische Definitionen, die Analyse von Standortfaktoren (wirtschaftlich, politisch, infrastrukturell) und eine empirische Betrachtung der ADI-Entwicklung in den MOEL.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der ADI in den ausgewählten Ländern zu analysieren und zu erläutern, welche ökonomischen Konsequenzen diese Investitionen für Empfänger- und Herkunftsstaaten haben.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und einer deskriptiven Analyse von Daten aus verschiedenen Quellen (OECD, Bank Austria, UNCTAD etc.), um die ADI-Intensität und deren Bestimmungsfaktoren darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen (Kapitel 2) intensiv die Standortdeterminanten wie Infrastruktur, makroökonomische Stabilität und die Privatisierungsprozesse in den Transformationsländern analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben ADI/FDI, Transformationsprozess, Standortvorteile, Spillover-Effekte, Leistungsbilanz und OLI-Paradigma nach Dunning.
Warum spielt die Privatisierung eine so wichtige Rolle?
Die Privatisierung war ein entscheidender Motor für den Anstieg der ADI-Zuflüsse in der Transformationsphase, da sie die Öffnung der Märkte vorantrieb und den Einstieg ausländischer Investoren ermöglichte.
Wie korrelieren ADI mit den Arbeitsmärkten?
Die Arbeit zeigt, dass ADI durch Beschäftigungseffekte in den Gastländern wirken und zwischen den Gast- und Geberländern eine positive Korrelation hinsichtlich der geschaffenen Arbeitsplätze bestehen kann.
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- Diplomvolkswirt Tihomir Sevov (Author), 2008, Ausländische Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa und deren Auswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130439