Ereignisberichte zu einer Sachbeschädigung schreiben und in Expertengruppen überarbeiten

Unterrichtsstunde Fach Deutsch, Klasse 6 (Realschule)


Unterrichtsentwurf, 2008

20 Seiten


Leseprobe

Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit :

- Wiederholung und Festigung der Zeiten Präsens, Perfekt, Präteritum und Plusquamperfekt am Beispiel von ausgewählten Textauszügen (2 Stunden)
- Zeitungsberichte auf W-Fragen (Wer? Was/Wie? Wann? Wo? Warum? Welche Folgen?) untersuchen (1 Stunde)
- Schreiben eines Berichtes über einen Vorlesewettbewerb zur Einführung der Textform „Bericht“ (1 Stunde)
- Überarbeiten des Berichtes in Expertengruppen (1 Stunde)
- Ereignisberichte zu einer Sachbeschädigung schreiben und in Expertengruppen überarbeiten (1 Stunde)
- Kooperatives Schreiben der Schülertexte am PC (1 Stunde)
- Unfallberichte schreiben und anhand eines gemeinsam entwickelten Bewertungsbogens in einer Schreibkonferenz überarbeiten (2 Stunden)
- Arbeit am Stil: Einen Bericht durch den Einsatz von Konnektoren und Synonymen überarbeiten (1 Stunde)
- Vorzeitigkeit: Verwendung des Plusquamperfekts und Präteritums beim schriftlichen Berichten (1 Stunde)
- Klassenarbeit (1 Stunde)
- Kritischer Umgang mit Berichterstattung in Printmedien - Untersuchung von Boulevardzeitung im Vergleich zu seriöser Berichterstattung (1 Stunde)
- Rückgabe und Überarbeitung der Klassenarbeit (1 Stunde)

1. Zur Situation der Lerngruppe und zur Lernausgangslage

Ich unterrichte die Klasse 6.1 seit dem zweiten Schulhalbjahr 2007/2008 eigenverantwortlich mit vier Stunden pro Woche. Die Klasse besteht 16 Mädchen und 11 Jungen. Wir haben ein recht vertrautes Verhältnis zueinander. Die Lernatmosphäre hat sich seit den Sommerferien durch ein gemeinsames Projekt zur Förderung der Klassengemeinschaft sowie eine etwas neue Klassenzusammensetzung weiter positiv entwickelt.

Die Schülerinnen und Schüler nehmen meist engagiert am Unterricht teil und gehen respektvoll miteinander um. Trotz der meist guten Mitarbeit sind einzelne Schülerinnen und Schüler teilweise zu lebhaft und abgelenkt. Deshalb ist der Unterricht so gestaltet, dass jeder einzelne aktiv mitgestalten und mitdenken muss. Gelegentlich erhalten einige Schülerinnen und Schüler zusätzliche Aufgaben, um ihre Aufmerksamkeit von unterrichtsstörenden Aktivitäten auf das Unterrichtsgeschehen zu lenken.

Die Klasse hat Erfahrung mit Gruppenarbeit. Sie kennt bereits Rollenverteilungen (wie Sprecher, Schreiber, Timer) in der Gruppe. Jedoch treten bei Gruppenarbeiten häufig Probleme auf. Deshalb erfordert Gruppenarbeit ein hohes Maß an Disziplin und Einfühlungsvermögen. Positive Bestärkung und die Einführung einer Gruppenbewertung (grüne, gelbe und rote Karte) haben sich hier als „lernklimaförderlich“ erwiesen.

Die Schülerinnen und Schüler haben von Methoden des individuellen und kooperativen Schreiben bereits die Verfahren „Schreibkonferenz“ und „Textlupe“ kennengelernt; diese Methodenkompetenz soll in der heutigen Stunde geübt werden, weil das sinnentnehmende und kriterienorientierte Lesen anderer Schülertexte den meisten Schülerinnen und Schülern noch große Schwierigkeiten bereitet. Es zeigte sich, dass die Textüberarbeitungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler weiter geübt, sowie ihre Fähigkeit, Fremdtexte kriterienorientiert zu beurteilen, gefestigt werden muss. Deshalb wird in dieser Stunde das Verfahren „Experten-Team“ eingesetzt werden.[1] Dieses Verfahren wurde bereits ein Mal eingesetzt.

In den vorherigen Stunden haben die Schülerinnen und Schüler Merkmale der Textform Bericht exemplarisch geübt. Das Wissen über die Merkmale sollte bereits vorhanden sein. Diese Stunde hat das Ziel, das vorhandene Wissen der Schülerinnen und Schüler zu festigen.

Schreibkompetenz: Einige Schüler haben große Probleme in der Rechtschreibung. In dieser Stunde spielt die Rechtschreibung eine untergeordnete Rolle. Deshalb gehen wir in der nächsten Stunde an die PCs zur Textüberarbeitung. S. und K. haben Schreibhemmungen, aus diesem Grund wird als Differenzierung ein Schreibgerüst angeboten. Die vorbereitende Hausaufgabe soll die Schülerinnen und Schüler bereits eine kognitive Vorbereitung auf den Textinhalt ermöglichen und so das Schreiben des Berichtes erleichtern.

2. Sachanalyse

Der Bericht ist eine objektive Darstellungsform und der verlangt, Schlussfolgerungen und eigene Wertungen klar zu unterscheiden, sodass Fakten und Wertungen deutlich getrennt sind.[2] Berichte lassen sich in die Formen Erfahrungsberichte, Ereignisberichte und Untersuchungsberichte einteilen.[3] Der Bericht über eine Sachbeschädigung ist der Gruppe der Ereignisberichte zuzuordnen. Hier gelten die gleichen stilistischen Vorgaben wie für andere Formen des Berichtes: Im Bericht werden die Ereignisse abstrakter, das heißt mit allgemeineren Handlungsbeschreibungen oder Ergebnisangaben wiedergegeben und nicht wie in Erzählungen szenisch in einem Vorstellungsraum. Die einzelnen Ereignisse und Handlungen werden als Teile in die Logik eines umfassenden Vorgangs eingeordnet. Hieraus leiten sich folgende Merkmale her für den in dieser Stunde von den Schülerinnen und Schülern zu schreibenden Ereignisbericht[4]:

- der Bericht orientiert sich an den sogenannten „W-Fragen “ (Vollständigkeit)
- die chronologische Reihenfolge der Ereignisse ist richtig wiedergegeben (richtige Reihenfolge)
- der Bericht enthält Tatsachen und ist sachlich korrekt formuliert (Sachlichkeit)
- die Tempusform Präteritum wird durchgehend verwendet; wenn etwas vorher passiert, wird das Plusquamperfekt verwendet (Zeitform)[5]
- besondere Verknüpfungen werden durch Konnektoren ausgedrückt: und, oder, ... (reihend), dann, später, zwei Stunden später, ... (temporal), daher, deshalb, folglich... (argumentativ)[6] (Konnektoren)

Weitere wichtige Merkmale eines Berichts sind[7]:

- der Bericht eignet sich für den Zweck und ist adressatenorientiert,
- die Überschrift informiert richtig über den Inhalt des Berichtes.

Das Verfahren „Experten-Team“ ähnelt der Schreibkonferenz (ein kooperatives Verfahren der Textproduktion- bzw. -überarbeitung), ist jedoch sehr viel stärker kriterienorientiert. Es trainiert aber ebenso das schrittweise kooperative Schreiben, während es gleichzeitig die Internalisierung der wesentlichen Merkmale fördert (indem der einzelne Schüler jeden Text jeweils auf ein Merkmal hin untersucht). Die Überarbeitung des Texts erfolgt in Gruppen von drei bis fünf Experten, die jeweils den Text in Hinblick auf ihr Spezialgebiet. Diese Spezialgebiete leiten sich von den erarbeiteten Kriterien ab und heißen demnach „W-Fragen“, „richtige Reihenfolge“, „Zeitform“, „Sachlichkeit“ und „Rechtschreibung“.

3. Didaktische Entscheidungen

„Für Berichte gilt in besonderem Maße: Der Leser möchte es ‚genau wissen’, was Spielräume und Toleranzen auch für den Schreiber eng steckt. Wer berichtet, übernimmt Verantwortung für den Kenntnisstand anderer. Das gilt in der Alltagskommunikation und besonders für die öffentliche Kommunikation. Die damit verbundenen Erwartungen sind zum Teil schon stark schematisiert, was sich etwa in dem bekannten journalistischen Schema der W-Fragen zeigt: wer, was, wann, wo, wie, warum, welche Folgen, welche Quelle? (...) Den besonderen Anforderungen entsprechen aber auch besonders hohe Chancen. Das ist der Grund dafür, dass das Berichten didaktisch vielleicht ein größeres Potenzial hat, als ihm gemeinhin zugebilligt wird.“[8]

Dem Berichten kommt in der Schreibdidaktik eine wichtige Rolle zu: Wir finden den Handlungstyp Berichten und die Textform Bericht sowohl mündlich als auch schriftlich in vielen Kontexten und Medien wieder.[9] Laut Kerncurriculum sollen die Schülerinnen und Schüler im 5. und 6. Schuljahrgang die Strukturmerkmale von Berichten kennen lernen. Weiter sollen sie lernen, Texte nach vorgegebenen Kriterien zu überprüfen und zu überarbeiten. Sie sollen die Methoden und Verfahren der Textüberarbeitung, wie Schreibkonferenz und Textlupe kennen lernen. Außerdem sollen die Schülerinnen und Schüler üben, Kommentare zu notieren sowie Verbesserungsvorschläge unter Anleitung umzusetzen.[10]

Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Fähigkeit zur Selbst- und Fremdbeurteilung trainieren; dies wird in dieser Stunde durch den Einsatz von Experten-Teams[11] geschult, weil viele unserer Schüler ihre Texte nicht überarbeiten.

Darüber hinaus fördert das Berichten das kognitiv-analytische Denken, da die Ereignisse in einer logischen und zeitlichen Reihenfolge wiedergegeben werden müssen, was nicht nur für den Deutschunterricht wichtig ist; insbesondere in den naturwissenschaftlich Fächern spielt das sachlich korrekte Berichten, z.B. von Untersuchungen, oder Experimenten eine wichtige Rolle. Später dominieren sachliche Aufsatzformen wie Erörterung und Inhaltsangabe. Deshalb ist das Üben von sachlichem Berichten von sehr hoher didaktischer Relevanz.

Die Aufgabenstellung dieser Unterrichtsstunde legt alle üblichen Merkmale des Berichtes fest: Die Schülerinnen und Schüler sehen sofort ein, dass Sachlichkeit, Genauigkeit und Folgerichtigkeit einen solchen Text bestimmen müssen, um seinen Zweck zu erfüllen. Die Vermittlung von scheinbar eindeutig normierten Stilformen kann damit vermieden werden.[12] Somit ist der Bericht kein von außen aufgezwängtes Schreibgerüst sondern Mittel zum Zweck.

Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sachlich und präzise von einem Tathergang zu berichten. Die Situation, dass sie Zeuge von einer Sachbeschädigung, einem Streit oder Unfall werden und hierzu einen schriftlichen Bericht formulieren sollen, geschieht häufig im Schulalltag. Wenn die Schüler die Form des Berichts beherrschen, ist die Klärung des Vorfalls für alle Beteiligten einfacher.

4. Didaktische Reduktion

Die Schülerinnen und Schüler können die Länge ihres Textes frei wählen. Da die Schülerinnen und Schüler lernen sollen, sich auf bestimmte Kriterien zu konzentrieren, wähle ich vorher die Merkmale aus, die in dieser Stunde didaktisch[13] relevant sind. Wie in der Sachanalyse bereits aufgeführt sind dies:

[...]


[1] vgl. Sachanalyse und didaktische Entscheidungen

[2] Vgl. Becker-Mrotzek/Böttcher 2006: 126

[3] Vgl. Feilke 2006:10

[4] Vgl. prototypischen Bericht für diese Stunde im Anhang

[5] Da der aktive Gebrauch des Plusquamperfekts und z.T. des Präteritums vs. Perfekts den Schülerinnen und Schülern große Schwierigkeiten bereitet, wird in dieser Stunde nicht die Vorzeitigkeit thematisiert, sondern in einer weiteren Stunde exemplarisch erarbeitet. Vgl. Punkt 4, didaktische Reduktion

[6] Vgl. Becker-Mrotzek/Böttcher 2006: 125

[7] Vgl. Punkt 4, didaktische Reduktion

[8] Feilke 2006: 6. Vgl. didaktische Entscheidungen Punkt 3

[9] Vgl. Becker-Mrotzek/Böttcher 2006: 124

[10] Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2006: 21f. (Kompetenzbereich Schreiben)

[11] Alternativ bietet sich das Verfahren „Schreibkonferenz“ an, welches ebenso wie Experten-Teams Internalisierungsprozesse fördern. (Vgl. methodische Entscheidungen)

[12] Schwarz 2004:22

[13] Vgl. didaktische Entscheidungen

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ereignisberichte zu einer Sachbeschädigung schreiben und in Expertengruppen überarbeiten
Untertitel
Unterrichtsstunde Fach Deutsch, Klasse 6 (Realschule)
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V130445
ISBN (eBook)
9783640379293
ISBN (Buch)
9783640379101
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Anhang befinden sich die Zeugenaussagen, anhand derer die Schülerinnen und Schüler einen Bericht verfassen. Die Berichte werden in Experten-Teams überarbeitet (Material im Anhang).
Schlagworte
Ereignisberichte, Sachbeschädigung, Expertengruppen, Unterrichtsstunde, Fach, Deutsch, Klasse
Arbeit zitieren
Nathalie Schween (Autor), 2008, Ereignisberichte zu einer Sachbeschädigung schreiben und in Expertengruppen überarbeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130445

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