Die Frage ob es sich beim Gottesglauben des Propheten Amos schon um einen monotheistischen handelt, setzt voraus, dass der Monotheismus, wie er in der Bibel bezeugt wird, nicht immer vorhanden war. Besonders im Alten Testament finden andere Gottheiten Erwähnung. Im Hinblick auf den evangelischen Religionsunterricht wird immer noch vorherrschend von einem Monotheismus ausgegangen, der sich nicht aus anderen Religionsformen entwickelt hat, sondern von Anfang an existierte. Die Theorie, dass der Eingottglaube im alten Orient nicht von Anfang an als gegeben vorausgesetzt werden kann, begegnete mir erst im Laufe meines Studiums. Die Richtigstellung meines gelehrten Irrglauben löste bei mir die Faszination für dieses Examensthema aus. Der Monotheismus, wie wir ihn heute kennen, durchlief mehrere Entwicklungsphasen. Nach heutigem Stand der Wissenschaft soll der Monotheismus erst durch den Propheten Deuterojesja in der Exilzeit begründet worden sein. Am Beispiel des ältesten Schriftpropheten Amos, der wahrscheinlich um die 200 Jahre vor dem babylonischen Exil Israel den Untergang voraussagte, möchte ich herausstellen in wie fern er schon ein monotheistisches Gottesbild in sich trug.
Ich beginne diese Arbeit mit einer allgemeinen Definition des Begriffes Monotheismus. In Anlehnung daran, werden ebenso Begriffe wie Polytheismus, Henotheismus und Monolatrie angeführt und erläutert. Daran anschließend stelle ich eine mögliche Entwicklung des Monotheismus im alten Israel vor, wie sie an Hand von Bibeltexten und verschiedenen archäologischen Funden von der Wissenschaft dargestellt wird.
Um die Fragestellung, ob Amos schon ein Monotheist war, beantworten zu können, wird im Folgenden das Leben des Propheten untersucht. Dabei gehe ich besonders auf die Überschrift in Am 1,1 und den Fremdbericht Am 7,10-17 ein. Um die Zeit, in der Amos lebte und wirkte, genauer zu beleuchten, wird die politische und wirtschaftliche Situation Israels, unter der Berücksichtigung verschiedener Worte des Propheten, erklärend hinzugezogen.
Weitere Aspekte um einen möglichen Monotheismus bei Amos nachweisen zu können, wird auf die Verkündigungen des Amos´ und den Fremdbericht in Am 7,10-17 eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Monotheismus und andere Religionsformen
2.1 Monotheismus – Eine Definition
2.2 Monotheismus im Alten Testament
3. Amos´ Leben
3.1 Die Überschrift
3.1.1 Die Wirkungszeit
3.1.2 Der Herkunftsort
3.1.3 Der Beruf
3.1.4 Der Wirkungsort
3.2 Die Berufung Amos zum Propheten
3.3 Die Weisheit des Amos
3.4 Die politische Situation
3.5 Die wirtschaftliche Situation
4. Amos´ Werk
4.1 Die Botschaft des Propheten
4.1.1 Kein Aufruf zur Umkehr
4.1.2 Gibt es doch noch Hoffnung?
4.1.3 Woher nahm Amos diese neue Botschaft?
4.1.4 Amos´ Besinnung auf alte Traditionen
4.2 Kritik am religiösen Selbstverständnis
4.2.1 Falscher Gottesdienst
4.2.2 Die Schuld der Nachbarvölker
4.2.4 Die Hauptanklage trifft Israel
4.3 Kritik an der Gesellschaft
4.3.1 Recht und Gerechtigkeit
4.3.2 Die Kritik an Israels Gesellschaft wird konkret
4.3.3 Von der Elite zum Mastvieh
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob das Gottesbild des Propheten Amos bereits als monotheistisch einzustufen ist, oder ob es eher einem monolatristischen Verständnis entspricht. Dabei wird das soziale, politische und religiöse Umfeld des Propheten sowie seine eigene Verkündigung einer tiefgehenden Analyse unterzogen.
- Grundlagendefinition von Monotheismus, Polytheismus, Henotheismus und Monolatrie.
- Biographische Analyse des Propheten Amos (Beruf, Herkunft, Berufung).
- Untersuchung der gesellschaftlichen und politischen Situation in Israel zur Zeit Jerobeams II.
- Kritische Analyse der prophetischen Botschaft im Kontext biblischer Traditionen und archäologischer Funde.
- Evaluation des Gottesbildes von Amos im Vergleich zu modernen Monotheismus-Vorstellungen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Der Herkunftsort
Laut Überschrift stammt Amos aus Thekoa. Der Ort lag etwa 825 Meter hoch, und der Wegstrecke nach ungefähr 20 Kilometer südlich von Jerusalem entfernt. Heute ist er vermutlich auf einer Kuppe am Ostrand der Siedlung Chirbet Tekūe zu lokalisieren. Auf dem Kamm des Gebirges verlief der Hauptverkehrsweg von Süden nach Norden, er war von Thekoa aus in etwa 7 Kilometer west-nordwestlicher Richtung zu erreichen. Von da aus waren es bis nach Bethlehem noch ungefähr 10 Kilometer in nördlicher Richtung.
Ebenso führte ein Weg über den „Höhenweg von Ziz“ (2 Chr. 20,16), zur Westküste des Toten Meeres in die Gegend von Ēn Ğidi. Das alte Thekoa lag folglich auf der Grenze zwischen dem Kulturland im Westen und der Wüste Juda mit ihrem Steilabfall zum Toten Meer im Osten.
Stellen aus dem Alten Testament stützen die Annahme, Thekoa habe im Südreich gelegen. An verschiedenen Stellen wird der Ort mit dem Südreich Juda in Verbindung gebracht. So wird es zum Beispiel im zweiten Buch der Chroniken als ein mehr oder weniger bedeutenden Ort erwähnt, an dem Joschafat (König von Juda 868 - 847 v. Chr.) zu seinem Volk sprach, welches mit ihm, im Auftrag des HERRN, in den Kampf gegen die Ammoniter und die Moabiter zog (2. Chron 20,20). Aus einer weiteren Stelle des Alten Testaments (2. Chron 11,5-12) erfährt man, dass Thekoa seit Rehabeam eine Festung mit ständiger Garnison war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit hinterfragt die Annahme eines von Anfang an bestehenden Monotheismus im alten Israel und zielt darauf ab, das Gottesbild des Propheten Amos kritisch zu beleuchten.
2. Monotheismus und andere Religionsformen: Es erfolgt eine begriffliche Klärung der verschiedenen Religionsformen wie Monotheismus, Polytheismus, Henotheismus und Monolatrie im Kontext der alttestamentlichen Forschung.
3. Amos´ Leben: Die biographischen Daten über Amos werden anhand der Überschrift und Fremdberichte analysiert, wobei auch der historische Kontext sowie die sozio-ökonomische Situation Israels einbezogen werden.
4. Amos´ Werk: Der Kern der prophetischen Botschaft, die als radikale Unheilsankündigung gedeutet wird, wird in Bezug auf die gesellschaftliche Kritik und den religiösen Kult hinterfragt.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Amos als Monolatrist und nicht als Monotheist zu verstehen ist, da er die Existenz anderer Götter zwar nicht leugnet, sein Wirken jedoch exklusiv auf den Dienst Jahwes fokussiert.
Schlüsselwörter
Amos, Monotheismus, Monolatrie, Jahwe, Altes Testament, Prophetie, Israel, Religionsgeschichte, Sozialkritik, Götzendienst, Kult, Thekoa, Exilzeit, biblische Exegese, Gottesbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Gottesbild des Propheten Amos und prüft die wissenschaftliche Fragestellung, ob es sich dabei bereits um einen Monotheismus handelt.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die religionsgeschichtliche Entwicklung im alten Israel, die soziale und politische Situation zur Zeit Jerobeams II. sowie die kritische Exegese der Amos-Worte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Gottesglauben des Amos historisch korrekt einzuordnen und zu bestimmen, inwiefern seine Botschaft mit dem Begriff des Monotheismus vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die biblische Texte, archäologische Befunde und exegetische Kommentare wissenschaftlicher Autoren wie Wolff, Werner und Jeremias kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der biographischen Verankerung des Propheten, der politischen und wirtschaftlichen Lage Israels sowie der Analyse seiner Botschaft, insbesondere seiner scharfen Gesellschafts- und Kultkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Monolatrie, Jahwe-Glaube, soziale Gerechtigkeit, Prophetie und der historische Kontext der Königszeit bilden die inhaltliche Basis.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff "Basanskühe" im Text zu?
Der Text verwendet diesen Begriff als polemisches Bild, mit dem Amos die wohlhabende Oberschicht von Samaria für ihre Gefräßigkeit und soziale Gleichgültigkeit kritisiert.
Wie bewertet der Autor Amos' Haltung zu anderen Gottheiten?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Amos zwar keine Polemik gegen Fremdgötter führt, deren Existenz aber auch nicht aktiv bestreitet; er ist daher als Monolatrist einzustufen, da für ihn allein Jahwe die entscheidende Rolle spielt.
- Citar trabajo
- Monique Menk (Autor), 2008, War Amos schon ein Monotheist?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130511