Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius


Hausarbeit, 2008
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darlegung der wichtigsten Thesen Brenners
2.1 Interpretatorische Zugänge zu Gryphius Trauerspielen
2.2 Die Idee der Staatsräson im 17. Jahrhundert
2.3 Macht und Moral in den Trauerspielen des Andreas Gryphius
2.4 Der Einfluss von Thomas Hobbes auf Gryphius Trauerspiele

3. Kommentierung der Hauptthesen Brenners

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internet

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich die grundlegenden Thesen von Peter J. Brenners Aufsatz „Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius“ vorstellen und abschließend mit einem persönlichen Kommentar versehen. Der Fachaufsatz wurde im Jahre 1988 in der zweiundsechzigsten Ausgabe der „Deutsche[n] Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte“ veröffentlicht. In der Zeit, in der der Beitrag entstand, war der jetzige Kölner Universitätsprofessor an der universitären Einrichtung in Regensburg beschäftigt. In seinem Aufsatz stellt der Verfasser seine persönliche Lesart von Andreas Gryphius Trauerspielen vor, die zwischen dem heilsgeschichtlich- theologischen und geschichtlich- politischen Deutungsansatz anzusiedeln ist. Mit Hilfe dieses Fragehorizonts soll das Dilemma näher beleuchtet werden, dass sich laut Brenner daher ergibt, da Gryphius mit der Hinrichtung der Märtyrer die moralischen Ansprüche des Individuums und die juristischen Ansprüche des Absolutismus gleichberechtigt gegenüber zu stellen versucht.[1] Ich werde im Folgenden nun näher auf die Ausführungen des Autors eingehen, wobei ich dazu meine Arbeit in einzelne Unterpunkte, entsprechend der Hauptthesen des Autors, untergliedere.

2. Darlegung der wichtigsten Thesen Brenners

2.1 Interpretatorische Zugänge zu Gryphius Trauerspielen

Der Universitätsprofessor macht am Beginn seines Aufsatzes darauf aufmerksam, dass die beiden obengenannten Deutungsansätze, die sich im Lauf der literaturwissenschaftlichen Forschung zu Gryphius Trauerspielen als grundlegend herauskristallisierten, ein zentrales Problem aufweisen. So vernachlässige die ältere Forschung die geschichtlich- politische Dimension der Texte und im Gegenzug lässt der historisch- politische Ansatz, die unübersehbare heilsgeschichtliche Seite der Werke außer Acht.[2] Beide Ansätze würden weiterhin aber auch deshalb nicht den Gryphiusschen Trauerspielen gerecht werden, da sie innerhalb der entsprechenden Interpretationsperspektive nicht stringent seien. Brenner versucht diese Behauptung zu stützen, indem er die Vieldeutigkeit der Hinrichtungsszenen im „Papinian“ und der „Catharina von Georgien“ aufzeigt.[3] Legt man eher die heilsgeschichtliche Betrachtungsweise zugrunde, erscheinen die Szenerien als „Sinnbild der Vergänglichkeit; der Zuschauer soll abgehärtet werden gegen das Leid der Welt, und er soll sich die Beständigkeit der Märtyrer zum Vorbild nehmen.“[4] Anders verhält es sich bei historisch- politischer Betrachtung des Geschehens. Hier scheint die Ermordung der Protagonisten vielmehr das Ergebnis einer illegalen Tyrannenwillkür zu sein. Beide Deutungsansätze mögen einleuchtend erscheinen. Jedoch lassen sich nach Brenners Auffassung Argumente finden, die gegen die heilgeschichtlich- theologische Ausdeutung sprechen, da Gryphius keinesfalls das „Potential dieser [Hinrichtungsszenen] zur Darstellung der Vergänglichkeit und zur Erregung von Affekten“ ausschöpfe.[5] So wird z.B. die Marterung der Königin Catherina von Georgien in der „Histoires tragiques de notre temps“ des Historikers Sieur de Saint- Lazare aus dem Jahre 1635, die Gryphius nachweislich als Vorlage für sein Werk nutzte, wesentlich ausführlicher beschrieben.[6] Für den konkurrierenden Deutungsansatz stellt Brenner hingegen fest, dass die Hinrichtungen nicht als Eigenmächtigkeit der Tyrannen verstanden werden können, da diese „sowohl in der Art, wie in der Durchführung der Strafe [...] dem kodifizierten Recht [des] 17. Jahrhundert[s]“ folgten.[7]

2.2 Die Idee der Staatsräson im 17. Jahrhundert

Grundlegend geht der Verfasser des Aufsatzes davon aus, dass anhand der scheinbaren Tyrannen der Trauerspiele deutlich wird, dass Gryphius „die juristische und historische Notwendigkeit der Idee der Staatsräson mit ihrer Implikation der absoluten Souveränität des Fürsten“ anerkannte.[8] So repräsentieren die Herrscher die Staatsräson, wobei sie mit einer unantastbaren Souveränität ausgestattet sind, um eventuelle Störungen der politischen Ordnung unterbinden zu können. Dies zeige sich z.B. darin, dass der römische Kaiser Bassian im Trauerspiel „Papinian“ dessen Hinrichtung legitimiert, indem er seine „standhaffte Tapfferkeit“ als Ausgangspunkt für mögliche Aufstände im Reich bzw. als Bedrohung seiner eigenen Person wertet.[9] Es ist deshalb notwendig und rechtmäßig, dass Bassian den römischen Rechtsgelehrten hinrichten lässt, da er nur so die Einheit des Staates und die ihm obliegende absolute Souveränität wahren kann.[10] Papinian wird, nach Peter J. Brenners Auffassung, deshalb auch „nicht das Opfer roher übermächtiger Gewalt, er ist auch nicht das Opfer einer formalen Pflichtethik, der er sich als kaiserlicher Beamter auch im Unrecht verbunden fühlt,; sondern er stirbt, weil er sich dem staatlichen Rechtsanspruch nicht entziehen kann und will.“[11] Auch in der „Catharina von Georgien“ beruft sich Chah Abas von Persien auf seine ihm, als oberster Souveräne des Reiches innewohnende, rechtssetzende Gewalt, die die Hinrichtung der Hauptfigur legitimiert.[12]

[...]


[1] Vgl. Brenner, Peter J.: „Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius“; Seite 246-265; in: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte; Nr. 62; hrsg. von Richard Brinkmann, Gerhart von Graevenitz, Walter Haug; J. B. Metzler Verlag; Stuttgart; 1988; Seite 246

[2] Vgl. Ebd.; Seite 247 ff

[3] Siehe dazu: Gryphius, Andreas: Papinian; hrsg. von Ilse-Marie Barth; Reclam; Stuttgart; 2000; Seite 112 ff sowie Gryphius, Andreas: Catharina von Georgien; hrsg. von Alois M. Haas; Reclam, Stuttgart; 1991; Seite 106 ff

[4] Brenner, Peter J.: „Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius“; Seite 249

[5] Ebd.; Seite 249

[6] Brenner macht weiterführend darauf aufmerksam, dass eine reduzierte Darstellung von Folter aber keineswegs typisch für Gryphius war. Deutlich wird dies in der „Felicitas“, einer vom Dichter ins Deutsche übersetzten Märtyrertragödie des Franzosen Nicolaus Caussinus. In dieser wird das Sterben der sieben Brüder der gleichnamigen Protagonistin in drastischer Art und Weise und in seiner Deutlichkeit über die Originalvorlage hinausgehend beschrieben.

[7] Brenner, Peter J.: „Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius“; Seite 251

[8] Ebd.; Seite 254

[9] Gryphius, Andreas: Papinian; Seite 108

[10] Siehe dazu: Steinhagen, Harald: Wirklichkeit und Handeln im barocken Drama. Historisch-ästethische Studien zum Trauerspiel des Andreas Gryphius; Max Niemeyer Verlag; Tübingen 1977; Seite 240 ff

[11] Brenner, Peter J.: „Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius“; Seite 253

[12] Auch in der „Catharina von Georgien“ beruft sich Chah Abas von Persien auf seine ihm, als oberster Souveräne des Reiches innewohnende, rechtssetzende Gewalt die, die Hinrichtung der Hauptfigur des Stückes legitimiert. Siehe dazu: Gryphius, Andreas: Catharina von Georgien; Seite 80

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Details

Titel
Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V130529
ISBN (eBook)
9783640392261
ISBN (Buch)
9783640392209
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märtyrers, Trauerspielen, Andreas, Gryphius
Arbeit zitieren
B.A. Förster Markus (Autor), 2008, Der Tod des Märtyrers: “Macht” und “Moral” in den Trauerspielen von Andreas Gryphius , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130529

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