In der folgenden Arbeit möchte ich mich daher auf die Bildung der größten faschistischen Strömung in Litauen, dessen Umstände, vor allem aber dessen Scheitern konzentrieren. Meine Ausführungen können daher maximal überblicksweise den Verlauf hin zu einem litauischen Faschismus, so er existiert, aufzeigen. Dennoch werden wichtige Konzepte und Entwicklungslinien herausgearbeitet und schließlich eingeordnet. Dazu möchte ich zuerst einen kleinen Abriss der Geschichte Litauens geben in welchem das Fundament des Faschismus in Litauen beleuchtet werden kann. Anschließen wird sich das Regime Smetona, welches maßgeblich, wenn auch nicht unbedingt intentionell, an der Bildung des Faschismus in Litauen beteiligt war und auch selbst in der Diskussion stand, faschistisch zu sein. Hauptaugenmerk liegt jedoch auf dem folgenden Teil über den Geležinis Vilkas und die Anhänger eines gewissen Voldemaras. Schlussendlich werde ich ein Fazit ziehen und sowohl das Regime Smetona als auch den Geležinis Vilkas in das Spektrum des Faschismus einordnen. Zusätzlich werde ich versuchen Parallen zu anderen Faschismen und Staaten zu ziehen.
Betrachtet man Faschismus kommt man nicht umher, sich mit Mussolini und Italien beziehungsweise dem Nationalsozialismus und Hitler zu beschäftigen. Dieser Ansatz ist zwar nicht falsch, beschränkt den Blick aber nur auf die ‚erfolgreichen‘ Spielarten des Faschismus. Ein umfassendes Verständnis kann so kaum erreicht werden und auch ein Vergleich mit kleineren Bewegungen wie der in Litauen ist ohne weiteres Fehl am Platz. Vor allem das Scheitern solcher Bewegungen wie in Litauen können Aufschluss darüber geben, inwiefern Faschismus eine Ideologie darstellt, welche sich ‚natürlich‘ in Gesellschaften bilden kann oder ob nicht beispielsweise der Geležinis Vilkas lediglich eine weitere gescheiterte Kopie eines radikalen italienischen Staatskonzepts der 1920er Jahre darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abriss der Lage Litauens
3. Das Regime Smetona
4. Geležinis Vilkas und die Voldemarininkai
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, Entwicklung und das letztendliche Scheitern faschistischer Strömungen in Litauen zwischen den Weltkriegen. Dabei steht die Analyse der Rolle des Regimes Smetona sowie der paramilitärischen Organisation „Geležinis Vilkas“ (Eiserner Wolf) im Fokus, um zu klären, inwiefern diese Bewegungen als tatsächlicher Faschismus oder lediglich als autoritäre Abwehrreaktionen gegen die junge Demokratie und äußere Bedrohungen zu bewerten sind.
- Historischer Kontext der litauischen Staatswerdung nach 1918
- Die autoritäre Transformation unter Antanas Smetona
- Struktur und Ideologie der Organisation Geležinis Vilkas
- Vergleich der litauischen Phänomene mit europäischen Faschismuskonzepten
- Einfluss von Minderheitenpolitik, Antisemitismus und polnischer Bedrohungswahrnehmung
Auszug aus dem Buch
4. Geležinis Vilkas und die Voldemarininkai
Der Geležinis Vilkas oder Eiser Wolf hat seinen Ursprung in der Zeit nach dem Putsch. Die Namensgebung bezieht sich dabei auf den Gründungsmythos der Stadt Vilnius und den Großfürsten Gedimas, welcher die Stadt angeblich aufgrund eines Traumes über einen Eisernen Wolf hat errichten lassen. Im Jahr 1927 wurde er von der LTS als paramilitärische Organisation mit Smetona als Chef und Voldemaras als Patron ins Leben gerufen. Das Ziel hierbei war die Schaffung einer Nationalgarde, weswegen die Organisation ursprünglich, als Sportbund getarnt, geheim gehalten werden sollte. In der Praxis blieb der Eiserne Wolfs jedoch nicht lange geheim, da er zunehmend als persönliches Werkzeug Voldemaras zur Unterdrückung der Opposition eingesetzt wurde.
Die Ideologie des Eisernen Wolfes deckte sich grundsätzlich mit den Werten ihrer Mutterpartei, nur legte die Bewegung diese deutlich radikaler aus. Dennoch war Ziel des Wolfes nach dessen Verbot vor allem der Sturz des Regimes um Smetona. In einem Manifest um 1930 schwärmt man so davon, dass es jungen Nationalisten nur gelingen müsste die alten konservativen Kräfte zu ersetzen, um alle Probleme Litauens zu lösen. So wäre der Coup von 1926 zwar richtig gewesen, aber durch korrupte Politiker ‚versaut‘ worden. Die zentrale Figur des Geležinis Vilkas, Voldemaras wäre demnach nur entfernt worden, weil er die Minister dazu anhielt ihre Arbeit richtig zu machen.
Kapitelübersicht
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Faschismus in Litauen ein und begründet die methodische Herangehensweise anhand von Faschismuskonzepten von Reichardt und Griffin.
2. Abriss der Lage Litauens: Dieses Kapitel skizziert die komplexe historische Ausgangslage Litauens, die von der Staatsbildung nach dem Ersten Weltkrieg bis hin zu den politischen Herausforderungen der jungen Demokratie reicht.
3. Das Regime Smetona: Das Kapitel analysiert den Aufstieg des Nationalismus, die Entstehung des autoritären Systems unter Antanas Smetona und dessen Verfestigung als Präsidialdiktatur.
4. Geležinis Vilkas und die Voldemarininkai: Hier wird die Rolle der paramilitärischen Organisation „Eiserner Wolf“ und deren radikale Opposition gegen das Smetona-Regime untersucht.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das litauische Geschehen als autoritäre Abwehrreaktion statt als klassischen Faschismus ein.
Schlüsselwörter
Litauen, Faschismus, Antanas Smetona, Geležinis Vilkas, Augustinas Voldemaras, Autoritarismus, Nationalismus, Zwischenkriegszeit, Demokratie, Parlamentarismus, Eiserner Wolf, Voldemarininkai, Staatsbildung, Ideologie, politische Instabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie faschistische Ideologien und Bewegungen in Litauen in der Zwischenkriegszeit existierten und warum sie scheiterten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der politische Wandel Litauens von der Demokratie zur Präsidialdiktatur unter Smetona sowie der Einfluss paramilitärischer Gruppen wie dem Geležinis Vilkas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Eigenart des litauischen Regimes und oppositioneller rechter Bewegungen historisch einzuordnen und abzugrenzen, ob sie tatsächlich als „faschistisch“ gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich primär auf die Faschismuskonzepte von Sven Reichardt und Roger Griffin und ordnet die historischen Ereignisse diesen theoretischen Rahmenbedingungen zu.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der geschichtliche Kontext Litauens, die Etablierung des Smetona-Regimes und die Aktivitäten der radikalen Voldemaras-Anhänger detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalismus, autoritäre Herrschaft, Geležinis Vilkas (Eiserner Wolf), Faschismus-Debatte und das Scheitern parlamentarischer Strukturen.
Welche Rolle spielte der „Eiserne Wolf“ im politischen System?
Er fungierte zunächst als paramilitärisches Werkzeug der Regierung, radikalisierte sich jedoch unter Voldemaras zu einer konspirativen Organisation, die den Sturz Smetonas anstrebte.
Warum ordnet der Autor das Regime Smetona nicht eindeutig dem Faschismus zu?
Er argumentiert, dass wesentliche Elemente wie Palingenese (die Wiedergeburt der Nation), eine exzessive Gewaltrhetorik oder die Zerstörung alter Eliten im Vergleich zu Italien oder Deutschland fehlten.
Welchen Einfluss hatte der Antisemitismus auf die untersuchten Bewegungen?
Laut der Studie diente Antisemitismus in Litauen eher als Mittel zum Zweck, um sich diplomatisch an das Deutsche Reich anzubinden, hatte jedoch keine tief verwurzelte programmatische Basis.
- Arbeit zitieren
- Anton Bernhard Tantow (Autor:in), 2022, Das Scheitern des Faschismus in Litauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1305345