Kajaks bauen - Kajaks beherrschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

35 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Geschichte des Kajak
1.1 Die verschiedenen Arten des Kajak

2. Die Bauweise des Kajak
2.1 Holzbauweise
2.2 Kunststoffbauweise

3. Materialliste

4. Bauanleitung

5. Gewichtsklassen

6. Zubehör

7. Kostenschätzung

8. Fahrtechnik, relevant für die Schule

9. Fahrtechnik für Fortgeschrittene

10. Risiken und Sicherheitshinweise

11. Direkter Schulbezug
11.1 Planung einer Flussfahrt mit einer Schulklasse
11.2 Geeignete Streckenrouten
11.3 Handlungs – und Erlebnismöglichkeiten für Schüler
11.4 Fächerübergreifender Unterricht

12. Literaturverzeichnis

1. Die Geschichte des Kajak

Allgemeine Definition des Kajak:

„Kajak ist die Bezeichnung für das Jagdboot der Eskimos. Der kleine, schlanke Kajak ist über einem Rahmengerüst aus Holz, das mit Riemen aus Robbenhaut zusammengebunden ist, rundherum mit zusammengenähten Seehundfellen bekleidet. Um das runde „Mannloch“ wird der wasserdichte Anorak des Eskimojägers festgeschnürt, so dass kein Wasser eindringen kann, selbst wenn der Kajak kentert“.

Definition des Kajak im Sportlexikon:

„Ein Kajak ist ein ursprünglich geschlossenes, zur Jagd verwendetes Boot der Eskimos, heute ein Bootstyp im Kanusport, der in zwei Klassen eingeteilt ist:

Rennkajak ( aus Holz mit Flossen – oder Hecksteuer ) und Slalom – und Wildwasserkajak ( aus Kunststoff, ohne Steuer, unsinkbar mit Halteschlaufen und Spritzdecke ). Nach der Besatzungsstärke unterscheidet man Einerkajak ( K1 ), Zweierkajak ( K2 ), Dreierkajak ( K3 ) und Viererkajak ( K4 ). Slalom - und Wildwasserkajaks sind immer Einerkajaks.

Weit vor unserer Zeitrechnung begann die Geschichte des Kanufahrens. Wann zum ersten Mal das Kanu das Wasser überquerte weiß man nicht, aber die Sumerer kannten vor etwa 5000 Jahren bereits Kanus.

Kajaks dienten den Inuit ( „Eskimo“ ) für den Transport, für die Jagd im Kampf ums Überleben in der rauhen Umgebung der Arktis und als Reisefahrzeug , die man zur Erkundung neuer Jagdgebiete und zur Eroberung neuer Territorien nutzte.

Im Laufe von mehreren Jahrtausenden entwickelten sich die Kajaks immer weiter zu hochspezialisierten Geräten die schnell und seetüchtig waren.

Das Kajak war hochgradig an die Bedürfnisse angepasst; es ist leicht, schnell und absolut wasserdicht. Das Boot ist bis auf den Einstieg völlig dicht. Ist es ersteinmal besetzt und haben die Fahrer ihren ebenfalls wasserdichten Anorak an den Ecken des Einstiegs befestigt, bilden Männer und Boot eine wasserfeste Einheit.

Kajakfahren erfordert ein hohes Maß an Geschicklichkeit, da die zerbrechlichen, kiellosen Boote leicht kentern, besonders während der Arbeit auf rauhem Wasser.

Um auch nach einer Kenterung auf See überleben zu können, entwickelten die Eskimos eine Technik, mit der sie ihren Kajak nach einer Kenterung wieder aufrichten konnten: die Eskimorolle. ( Diese wird unter Punkt 9 näher erläutert ).

Alle Materialien zum Kajakbau werden traditionell aus den natürlichen Rohstoffen gewonnen. Da es so gut wie kein Holz in der Arktis gibt, wurde der Rahmen aus Treibholz und Knochen gemacht. Die Hülle wurde aus mit Tran – Öl imprägnierten Häuten, meistens Robben, gefertigt. Kajakbau war eine Gruppenarbeit, die von beiden Geschlechtern ausgeübt wurde.

Der amerikanische Polarforscher Robert E. Peary beschreibt die Kajaks 1910 wie folgt:

„Das Fellboot dieser nordländischen Ureinwohner samt seinen Jagtgeräten ist nach meiner Ansicht einer der vollendetsten und sinnreichsten Bestätigungen der Intelligenz, die man bei Eingeborenen finden kann. Über einen leichten Rahmen, eine schier unendliche Zahl von kleinen Holzstäben, die geschickt mit Riemen aus Seehundsfell zusammengebunden sind, ist ein gegerbtes Seehundsfell gespannt, das die Frauen sauber zusammengenäht haben, und das dann durch Anwendung von Seehundstran und Ruß von Eingeborenenlampen wasserdicht gemacht wird. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug von großer Schwimmfähigkeit, einer gewissen Anmut und besonderer Tauglichkeit und Wirksamkeit für den Zweck, für den es bestimmt ist, das heißt Jäger in Stand zu setzen, leise und geräuschlos an den Seehund, das Walross oder den weißen Wal heranzuschleichen. Dieses Boot ist je nach Größe des Eigentümers und Verfertigers durchschnittlich zwischen 5 bis 6 Meter lang. Es trägt nur einen Mann.

Der schottische Rechtsanwalt John MacGregor (1825 – 1891) machte das Kajakfahren in Europa bekannt, jedoch erlang der Kanusport erst im Jahre 1880 in Europa und Nordamerika seinen Durchbruch.

Anfänglich setzten sich Faltboote mehr und mehr durch, bis später in den 60er Jahre die ersten Boote aus Polyester erschienen. Diese wiederum wurden Anfang der 80er Jahre von Kajaks aus Polyethylen, einem Thermoplast abgelöst.

1.1 Die verschiedenen Arten des Kajak

Kanu, das ist der Begriff der Kajak und Canadier umfasst, der Boote beschreibt, die in Sichtrichtung vorwärts per Muskelkraft bewegt, also gepaddelt werden. Rudern hat also wenig mit dem Kanu zu tun und wer paddelt sagt: „Der Ruderer sieht das Schöne erst, wenn es schon vorbei ist“.

Größe und Art des Kajak hängen vom Verwendungszweck ab. Momentan gibt es im Handel ca. 160 verschiedene Typen des Kajaks.

Man unterscheidet im Wesentlichen 3 Typen des Kajaks:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Entweder werden sie als handlaminierte Kajaks angeboten, dann sind sie aus Glasfaser, Diolen, Carbon oder Kevlar hergestellt – im Fachjargon werden sie auch unter dem Oberbegriff Kunststoffboote zusammengefasst , oder sie werden als Thermoplastboote gefertigt; der Werkstoff ist dann immer Polyethylen.“

Außerdem gibt es auch aufblasbare Kajaks und Faltboote, womit nun alle Versionen genannt wären. Alle genannten Versionen werden auch als Einer – oder Zweierkajaks angeboten.

Grundsätzliche Fragen wären beim Kauf eines Kajaks zu stellen:

1) Welchen Zweck soll es erfüllen?

Welche Gewässer wollen wir damit befahren?

- Binnenseen
- beschauliche Flüsse
- Wildwasser
- Salzwasser

3) Welche Fahrten wollen wir damit machen?

- Tagesfahrten
- Wochenendfahrten
- Urlaubsfahrten
- Abenteuerfahrten
- Expeditionsfahrten

2. Die Bauweise des Kajak

Im Wesentlichen unterscheidet man zwei unterschiedliche Bauweisen:

2.1 Holzbauweise

Dabei wird der Bootsrumpf aus einem speziellen, sehr leichten und astfreien Fichtenholz gefertigt. Zur Verstärkung und als optisch reizvoller Kontrast wird an exponierten Stellen sowie als Zierstreifen hartes Eschen -, Erlen -, Kirsch- oder Mahagoniholz verwendet. Nach dem Schleifen des Rumpfes wird beidseitig mit Epoxydharz auf die Oberfläche laminiert, dann Epoxydharz und UV - Schutzlack überlackiert. Die Glasgewebeverstärkung ist nach dem Schleifen mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar.

Der Vorteil dieser Bauweise ist das geringe Gewicht kombiniert mit hoher Stabilität und extrem harter und widerstandsfähiger Oberfläche bei vollendet schöner Optik. Diese Boote sind ca. 40% leichter, aber deutlich stabiler als ein vergleichbares Kunststoffboot.

2.2 Kunststoffbauweise

Hierbei wird bevorzugt das Vakuum - Infiltrierverfahren angewendet. Bei diesem Fertigungsverfahren werden trockene Gewebe in eine Bootsform eingelegt. Durch Ansetzen eines Vakuums wird die Luft aus der Form evakuiert. Danach erfolgt die Zufuhr des Spezialharzes, das sich wegen des enormen Unterdrucks durch sämtliche Kapillaren der Gewebe windet. Der technisch aufwendige Prozess gilt gegenüber herkömmlichen Laminierverfahren als umweltschonend. Das fertige Boot weist eine um 25-30% höhere Festigkeit auf, als bei einer Gewichtsreduktion zwischen 5-10%.

Bevorzugtes Material ist neuerdings Kunststoff, der thermisch verformt wird. Beim sogenannten Rotationsverfahren wird in eine beheizte Hohlform Kunststoffgranulat eingefüllt. Die Form wird hin- und herbewegt, das Granulat schmilzt an und bleibt haften. Überschüssiges Granulat rollt (rotiert) weiter, bis der Vorgang abgeschlossen ist. Durch verschieden heiße Formzonen können unterschiedliche Wandstärken erzielt werden.

Im Blasverfahren wird ein Hohlstrang erschmolzen, der in eine Form eingebracht wird. Der Strang wird mit Druckluft an die Formwand gepresst (geblasen). Bei diesem Verfahren lässt sich eine Wandungsstärke des Stranges – also des späteren Bootes – abschnittsweise unterschiedlich stark ausformen.

Die noch stark verbreitete sogenannte GFK - Bauweise (GFK=Glasfaserverstärkter Kunststoff) ist aufwendig und weitgehend Handarbeit. Hierbei werden Bootshalbschalen gefertigt (laminiert), indem in eine Form flüssiger Kunststoff (Polyesterharz/Epoxydharz) eingebracht wird, der durch eine Faserarmierung (Glasfasermatten, -gewebe, -vlies, Diolengewebe etc.) verstärkt wird. Durch diverse Harz- und Fasersorten (Kevlar etc.) können unterschiedliche Festigkeiten und – leider – Preise erzielt werden. Die Schalen werden dann zu einer Bootseinheit verklebt.

Während die GFK - Bauweise wohl am Endpunkt ihrer Möglichkeiten angelangt ist, dürfte die Thermoplast - Bauweise noch einiges an Know-how zulegen. Noch gibt es gewichtige Nachteile, die abzustellen sind: Die hohen Formkosten bedingen hohe Stückzahlen. Einmal aufgelegte Serien müssen abgesetzt werden, auch wenn neuere Form-, Sicherheits- oder Markterkenntnisse dagegen sprechen.

Die Thermoplaste haben eine geringe Eigensteifigkeit, so dass einigermaßen stabile und steife Boote noch sehr schwer ausfallen (25-30kg). Dagegen stehen der günstige Preis und die beeindruckende Robustheit des Materials.

GFK - Boote sind, weil Handarbeit, teuer. Es können aber individuell gestaltete Boote hergestellt werden. Dies betrifft Farbe und Design, aber auch Gewicht oder Sonderausstattung. Zudem sind die Formkosten gering. Als Nachteile sind rascherer Verschleiß und leichtere Beschädigungen zu nennen.

3. Materialliste für Kajak (Einer)

Für ein Boot benötigt man:

- ca. 8-9 kg Polyester
- ca. 13 m (Breite i. d. Regel 1 m) Glasfasergewebe
- ca. 10 m² Glasfasermatte

Für den Bau von vier Booten nimmt man obige Werte mal 4 und rundet nach unten ab.

Materialbezeichnungen

- Polyesterharz Marke Alpolit 6.08 UP303 Hockfest

(30 kg Eimer ausreichend)

- dazu Cobalt-Vorbeschleuniger (Zugabe 0,3%)

0,25 kg Dose

- Härter ME KP-N-100 (1 kg ausreichend)
- Deckschichtharz verschiedene Farbpasten (0,25 kg) erhältlich, die beliebig
gemischt werden können
- Glasfasermatte 40 m² (Breite 1,25 m x 32 m) bei 450g/m²

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Kajaks bauen - Kajaks beherrschen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Sportdidaktik)
Veranstaltung
Didaktik und Methodik der interdisziplinären Spiel - und Sporterziehung und des Projektunterrichts
Autor
Jahr
2001
Seiten
35
Katalognummer
V13054
ISBN (eBook)
9783638188074
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit eignet sich hervorragend für die Projektarbeit in der Haupt- oder Realschule. Sie stellt die verschiedenen Kajaks, die Geschichte des Kajaks und dessen unterschiedliche Bauweisen dar. Ergänzend zum Schulbezug sind Sicherheitshinweise und Fahrtechniken zu finden.
Schlagworte
Kajaks, Didaktik, Methodik, Spiel, Sporterziehung, Projektunterrichts
Arbeit zitieren
Katja Biersch (Autor), 2001, Kajaks bauen - Kajaks beherrschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13054

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