Erziehung und Unterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was bedeutet „Erziehung“?
1.1 Gibt es eine eindeutige Definition von „Erziehung“?
1.2 Drei Arten der Erziehung
1.3 Erziehung laut dem Bildungsplan der Grundschule
1.4 Erziehung laut dem Bildungsplan der Hauptschule
1.5 Erziehungsziele aus dem Bildungsplan Baden –Württemberg

2. Der Begriff der Erziehung nach Immanuel Kant
2.1 Kants Differenzierung des Erziehungsbegriffs
2.2 Interpretationen
2.2.1 Disziplinierung
2.2.2 Kultivierung
2.2.3 Zivilisierung
2.2.4 Moralisierung
2.3 Zusammenfassung

3. Ziel, Idee und notwendige Bedingung nach Immanuel Kant
3.1 Ziel der Erziehung
3.2 Idee der Erziehung
3.3 Notwendige Bedingung für eine „vollkommene Gesellschaft“

4. Kants Grundgedanken
4.1 Begründung der Erziehungswissenschaft
4.2 Prinzipien der Erziehungskunst
4.3 Das Problem der Erziehung

5. Erziehungsziele
5.1 Die subjektive Wichtigkeit von schulischen Erziehungszielen
5.2 Vergleich der vermuteten Wichtigkeit von Erziehungszielen

6. Stichwort: Erziehung = Erziehung in der Schule

7. Erziehender Unterricht
7.1 Was ist erziehender Unterricht ?
7.2 Der Lehrer als Erziehungsfaktor und Modell
7.3 Erziehungswirkungen des Unterrichts
7.4 Mindestkatalog von Erziehungsziele

8. Der Unterricht
8.1 Aufgabenstellungen im Unterricht

9. Zielsetzung – Unterricht
9.1 Planung von Unterricht
9.2 Was ist bei der Planung zu beachten?

10. Aufgabe der Schule

11. Aufgaben des Lehrers
11.1 Zusammenhang zwischen Erziehung und Unterricht

Literaturverzeichnis

Erziehung & Unterricht

1. Was bedeutet „Erziehung“?

„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“

[Grundgesetz der BRD Art. 6 Abs. 2]

Trotz zahlreicher Versuche, den Begriff der Erziehung zwingend zu definieren, mangelt es bis heute an einer allgemein anerkannten Übereinkunft, was unter Erziehung zu verstehen sei. Erziehung bedeutet generell jemanden bewusst zu lenken und zu bilden.

Von Erziehung spricht man meistens im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen, wobei es häufig um das „Aufziehen“ von Kindern und Jugendlichen geht. Als Kennzeichen von Erziehung werden u.a. genannt:

1) Erziehung versucht, die seelische Struktur des zu Erziehenden (Kind, Jugendliche/r, Schüler/in) mit Hilfe bestimmter Handlungen und Erziehungsmittel zu verändern;
2) dieser Veränderungsprozess soll bereits vorhandene, als positiv eingestufte Dispositionen und Verhaltensweisen des zu Erziehenden möglichst unangetastet lassen;
3) Erziehung sucht die Entwicklung vermeintlich negativer bzw. gesellschaftlich unerwünschter Dispositionen oder Verhaltensweisen zu verhindern;
4) im Erziehungsprozess verändert sich auch der Erzieher;
5) die das erzieherische Handeln bestimmenden Vorstellungen und Wünsche sind geschichtlich, gesellschaftlich und schichtspezifisch bedingt, weshalb die Annahme absoluter, „zeitloser“ erzieherischer Normen fragwürdig erscheint.

Da Erziehung zwischen prinzipiell gleichberechtigten Individuen erfolgen sollte, ist sie nicht auf eine bloße Mittel-Zweck-Beziehung zu reduzieren, in welcher dem Erziehenden die Mittel zur Erreichung der von ihm festgesetzten Ziele (weitgehend) überlassen bleiben; vielmehr sollte der zu Erziehende die jeweiligen pädagogischen Mittel bzw. Verfahren zumindest grundsätzlich akzeptieren können.

Begriffsinhalt: Oberbegriff für Formen erzieherischer Hilfen im Rahmen der Jugendhilfe, die eingesetzt werden, wenn die Familie mit der Erziehungsaufgabe überfordert und der junge Mensch in seiner Entwicklung in Folge individueller, sozialer und gesellschaftlicher Probleme in der Herkunftsfamilie gefährdet ist. Dabei wird der junge Mensch aus seinem Elternhaus beziehungsweise seiner gewohnten Umgebung herausgenommen und die Erziehungsaufgabe geeigneten Personen oder einer Einrichtung übertragen. Zu den Hilfen zur Erziehung außerhalb des Elternhauses zählen die Erziehung in einer Tagesgruppe, die Vollzeitpflege in einer anderen Familie, die Heimerziehung oder sonstige betreute Wohnformen und die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung.

1.1 Gibt es eine eindeutige Definition von „Erziehung“?

Die widersprüchlichen Zitate einiger Autoren verdeutlichen, dass der Begriff der Erziehung nicht eindeutig definierbar ist:

1. Erziehung zielt auf Selbstsein.

[Robert Spaemann]

2. Erziehung ist unter allen Umständen die Eindämmung von Triebüberschüssen.

[Alexander Mitscherlich]

3. Was muss ein normaler Mensch gut können? Lieben und arbeiten.

[Sigmund Freud]

4. Erziehung muss dazu befähigen,

- in der Welt, wie sie ist, verantwortlich zu leben

- und an der Behebung der Missstände in dieser Welt mitzuwirken.

[Friedrich Schleiermacher]

5. Die Erziehung hat ihren Weg zu suchen zwischen der Scylla des Gewährenlassens und der Charybdis des Versagens.

[Sigmund Freud]

6. Das Leben ist hart. Die Erziehung muss auch hart sein.

[Dahlemer Bürgermund 1985]

7. Ich kann dem Wort Erziehung keine positive Bedeutung abgewinnen. Ich sehe in ihr die Notwehr der Erwachsenen, die Manipulation aus der eigenen Unfreiheit und Unsicherheit, die ich zwar verstehen kann, deren Gefahren ich aber nicht übersehen darf.

[Alice Miller]

8. Wenigstens einmal in seinem Leben muss ein Mensch bedingungslos geliebt worden sein.

[Alexander Mitscherlich]

9. Das erzieherische Verhältnis ist rein dialogisch und kann sich nur in einer Kontrapunktik von Hingabe und Zurückhaltung, Vertrautheit und Distanz vollziehen.

[Martin Buber]

10. Erziehung hat die Aufgabe, den bösen, weil gegenüber Gott ungehorsamen, Eigenwillen des Kindes zu brechen.

[Hermann August Francke]

11. Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts.

[Friedrich Fröbel]

12. Die Erziehung soll zärtlich und streng sein, aber nicht kalt und weich.

[Joseph Joubert]

13. Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

[Mark Twain]

14. Erziehen heißt, das Kind an das soziale Milieu des Erwachsenen anzupassen, mit anderen Worten, das Individuum abhängig von den kollektiven Realitäten, denen die Gemeinschaft Wert beimisst, zu verändern.

[Jean Piaget]

15. Alle Erziehung ist nur Handreichung zur Selbsterziehung.

[Eduard Spranger]

16. Da Pädagogen keine Menschen "machen" und ihnen die Verbesserung der Welt (der "Verhältnisse") weder aufgetragen noch möglich ist, müssen sie sich auch nicht mit Entwürfen einer anderen oder besseren gesellschaftlichen Ordnung abgeben [...] Sie haben den Auftrag, den jungen Menschen in die gewordene - teils gewollte, teils ungewollte - Kultur einzuführen, so dass er in ihr bestehen kann und sie nicht behindert oder beschädigt oder zerstört.

[Hartmut von Hentig 1999]

17. Jeder Lehrer muss lernen, mit dem Lehren aufzuhören, wenn es Zeit ist.

Das ist eine schwere Kunst.

[Bertolt Brecht]

1.2 Drei Arten der Erziehung

Der Begriff Erziehung wird normalerweise mit dem Schulsystem verbunden, was jedoch nur eine mögliche Form der Erziehung ist.

Man unterscheidet drei Arten der Erziehung:

- Formelle Erziehung ist das hierarchisch strukturierte, aufeinander aufbauende Erziehungssystem von der Grundschule bis zur Universität.

- Informelle Erziehung ist der lebenslange Prozess, wodurch jedes Individuum seine Einstellung, Werte, Fähigkeiten und Wissen erwirbt. Dies geschieht durch tägliche Erfahrungen und durch die erzieherischen Einflüsse und Möglichkeiten in seiner Umwelt.

- Nicht-formelle Erziehung ist organisierte erzieherische Aktivität außerhalb des formellen Systems. Diese Aktivitäten wenden sich an eine definierte Zielgruppe und dienen definierten Lernzielen.

1.3 Erziehung laut dem Bildungsplan der Grundschule

Die gemeinsame Verantwortung für die Erziehung und Bildung der Kinder erfordert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule.

1.4 Erziehung laut dem Bildungsplan der Hauptschule

Bezugspunkt von Elternhaus und Schule ist die Bildung der Persönlichkeit des Kindes. Dabei gilt es, die Ansätze gemeinsamer Erziehung zu fördern und Diskrepanzen zu beheben.

1.5 Erziehungsziele aus dem Bildungsplan Baden –Württemberg

- Verantwortung vor Gott - Eigenverantwortung
- Christliche Nächstenliebe - Soziale Bewährung
- Menschlichkeit und Friedensliebe - Anerkennung der Wert- und
- Liebe zu Volk und Heimat Ordnungsvorstellung
- Achtung der Würde und Überzeugung anderer

2. Der Begriff der Erziehung nach Immanuel Kant

Immanuel Kant hat erstmalig im Wintersemester 1776/77 „Über Praktische Pädagogik“ (Erziehungskunst) gelesen und auch in späteren Semestern Vorlesungen über Pädagogik gehalten. Argumentativ bündige und systematisch angelegte Abhandlungen zur Pädagogik hat er nicht verfasst. Der von seinem Kollegen Theodor Rink 1803 herausgegebene Text stellt eher eine Sammlung wichtiger Aphorismen zum pädagogischen Thema dar. Neuerdings hat Peter Kauder (1999) eine zuverlässige Textgrundlage geschaffen.

Da Kant zu den bedeutendsten Köpfen der Aufklärung zählt, ist die Frage zu prüfen, ob seine Pädagogik auch für unsere Zeit gültige Aussagen enthält.

2.1 Kants Differenzierung des Erziehungsbegriffs

Kant bestimmt Erziehung als: - Wartung (Verpflegung, Unterhalt),

- Disziplin (Zucht),
- Unterweisung (nebst Bildung)

Demzufolge ist der Mensch Säugling, Zögling und Lehrling.

Immanuel Kant versteht Erziehung als Menschwerdung. Er sieht vier Etappen dieses Vorganges und gliedert deshalb den Begriff der Erziehung in vier Bereiche oder Handlungsformen auf:

- Disziplinierung,
- Kultivierung,
- Zivilisierung,
- Moralisierung.

Den letzten drei Begriffsdimensionen ordnet er dabei die Prinzipien der Geschicklichkeit, der Klugheit und der Sittlichkeit zu. Dadurch stellt Kant den Anschluss der Pädagogik an seine Theorie der praktischen Vernunft her; denn in jenen Prinzipien wird die technisch-, die pragmatisch- und die sittlich-praktische Vernunft verwirklicht.

Erziehung soll demnach die Realisierung aller Erscheinungsweisen der praktischen Vernunft ermöglichen. Disziplinierung, Kultivierung, Zivilisierung und Moralisierung sind pädagogische Handlungsformen, die auf eine nicht - naturale Gesetzlichkeit bezogen sind, auf die unterschiedlichen Gesetzlichkeiten der theoretischen und der praktischen Vernunft. Diese Begriffe sind in der zeitgenössischen Sprache nicht gebräuchlich oder gar missverständlich. Sie bedürfen daher der Interpretation.

2.2 Interpretationen

2.2.1 Disziplinierung

Der Disziplinierung fällt eine im engeren Sinne propädeutische Rolle zu. Kant spricht deshalb auch von ihr als dem negativen Teil der Erziehung. „Disziplin oder Zucht ändert die Tierheit in die Menschheit um“. Das bedeutet die Erzeugung von Gesetzesbewusstsein, Einführen in das Denken, also in den vielfältigen Bereich der Intersubjektivität. Disziplinierung als erste Stufe dieser Initiation soll Wegbereiter zur höchsten Form der Humanität (der Sittlichkeit) sein, indem sie - wertend verstanden - den Abfall in die Inhumanität, in die bloße Willkürlichkeit, in die voluntative Egozentrizität, in missverstandene, nämlich chaotische Freiheit zu verhindern sucht. Disziplinierung eröffnet Vernünftigkeit und damit Freiheit; sie zielt auf Emanzipation. Das erzieherische Endziel, die Autonomie, ist bereits im disziplinierenden Handeln angelegt.

Mit der Disziplinierung soll eine neue Welt bzw. eine neue Qualität des Menschseins geschaffen werden. Erst nachdem dieser Schritt getan ist, kann die pädagogische Handlungsform der Kultivierung mit Aussicht auf Erfolg eingesetzt werden.

[...]

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Details

Titel
Erziehung und Unterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Pädagogik)
Veranstaltung
Hauptseminar
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V13055
ISBN (eBook)
9783638188081
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung der Erziehungsproblematik in Unterricht und Schule. Zusammenhang von Erziehung und Unterricht sowie Lösungsansätze. Neben der Definition von Erziehung und Unterricht sind auch die Grundgedanken Kants dargestellt.
Schlagworte
Erziehung, Unterricht, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Katja Biersch (Autor), 2003, Erziehung und Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13055

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