Olympische Idee, Olympische Bewegung und Olympischer Friede


Hausarbeit, 2008
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Olympische Idee, Bewegung, Frieden in der Antike

3. Olympische Idee, Bewegung, Frieden der Neuzeit

4. Die Olympischen Werte in Peking 2008

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die olympischen Spiele werden seit langem mit großem weltweiten Interesse beachtet.

3,8 Milliarden Zuschauer verfolgten die Spiele in Sydney 2000 vor dem Fernseher und die sportlichen Wettkämpfe der Athleten. In Athen nahmen zum ersten Mal in der Geschichte mehr als 200 Nationen an den Sommerspielen teil.

Die olympischen Spiele sind in fast allen Bereichen so weit gewachsen, dass ihre Ausrichtung Städte und Länder heutzutage vor enorme wirtschaftliche und logistische Herausforderungen stellt, sie gelten als das größte sportliche Event der Welt.

Für die Dauer der Wettkämpfe haben sie einen festen Platz in den Medien. Dadurch werden aber nicht nur sportliche Erfolge, sondern auch negative Ereignisse von der Weltöffentlichkeit wahrgenommen. Dopingskandale, Korruptionsvorwürfe und Teilnahmeboykotte sind Beispiele von Nachrichten, die die olympischen Spiele seit geraumer Zeit begleiten und teilweise überschatten. Angesichts der negativen Ereignisse werden der olympische Geist und seine Werte regelmäßig von Presse und Forschung in Frage gestellt. Ein bekanntes Szenario lautet, dass die zunehmende Kommerzialisierung und Ausrichtung nach ökonomischen Gesichtspunkten einen viel zu großen Rahmen für das eigentliche sportliche Ereignis bilden, so dass die Spiele ihren ursprünglichen Charakter verloren haben. Eine andere Debatte ist um die Ausrichtung der olympischen Spiele in Peking entbrannt. Bei der Austragung in China, so der Vorwurf, würde der Sport instrumentalisiert und die Menschenrechte würden weiterhin missachtet werden.

Oft wird argumentiert und behauptet, dass die Spiele in der Moderne ihre „Werte“ oder „Ideen“ verloren hätten. Angesichts dieser Diskussion erscheint es sinnvoll, Kenntnisse über die eigentlichen Hintergründe und Ideen der olympischen Spiele zu erlangen.

In dieser Arbeit werden die Leitbegriffe der olympischen Spiele, die olympische Idee, die olympische Bewegung und der olympische Friede untersucht, dabei soll die Entstehung dieser Begriffe, ihre Bedeutung und ihre Veränderung in der Geschichte der Spiele aufgezeigt werden. Im ersten Teil wird die Ausgangssituation im antiken Olympia beschrieben und gezeigt, welche Zusammenhänge schon damals mit der modernen olympischen Idee bestanden. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der eigentlichen Entstehung des Olympismus in der Neuzeit. Anschließend wird die Situation heute dargestellt und mit den vorhergegangenen Erkenntnissen verglichen.

2. Olympische Idee, olympische Bewegung, olympischer Frieden in der Antike

Die olympische Idee, wie sie heute als „Lebensphilosophie1“ definiert ist, gab es im antiken Olympia nicht. Dennoch gab es Aspekte, die in der Neuzeit wieder aufgegriffen und in den Mittelpunkt des Olympismus gestellt wurden. Deshalb sollen im Folgenden die Funktionen des antiken Olympias dargestellt, und Wurzeln für die moderne olympische Idee aufgezeigt werden. Dabei wird weitestgehend darauf verzichtet, die Geschichte der Spiele zu beschreiben, welche das Thema anderer Arbeiten ist.

Die olympischen Spiele der Antike müssen vor dem Hintergrund der Götterverehrung der Griechen gesehen werden. Olympia, der Austragungsort der Spiele auf dem Peloponnes, war somit vor allem eine Kultstätte. Der griechische Name ta Olympia = „die Olympien“ bedeutet: das Fest des olympischen Zeus2. Der gesamte Götterkanon war zwar auf dem Gelände vertreten, hauptsächlich war Olympia aber ein Heiligtum des Zeus, der Kriegsgott der Griechen. In diesem Zusammenhang muss die allgemein kriegerische Haltung der Griechen gesehen werden. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Städten und Herrschern im antiken Griechenland waren der Normalfall3, nicht die Ausnahme.

Insofern scheint die Vermutung zulässig, daß zumindest teilweise vor bevorstehenden Kriegen durch die Teilnahme an den Wettkämpfen versucht wurde, die Gunst der Götter (vor allem des Zeus) zu erlangen. Außerdem war es möglich, dass durch Kriege und Auseinandersetzungen verfeindete Regionen oder Städte, Athleten in Olympia bewusst gegeneinander antreten ließen, da Siege offiziell unter Angabe des Namens des Athleten, des Namens seines Vaters und seiner Heimatstadt, verkündet wurden. Somit wären die olympischen Spiele schon damals ein Vorreiter des unbewaffneten Austragens von Konflikten. Der Tempel- und Kultbetrieb wurde von Priestern mit einer Hierarchie aufrechterhalten und koordiniert.

Alle vier Jahre (bzw. nach 49. oder 50 Mondzyklen) wurden die Spiele auf den Sportplätzen unweit der Tempelanlagen, in früherer Zeit in kleinerem Maße, später dann als gesamtgriechisches „Nationalfest“4 ausgetragen. Somit gewannen die Spiele mehr und mehr an Bedeutung und an zusätzlichen Funktionen, wie z. B. die mündliche Verbreitung von Schriften, oder das Verhandeln von Verträgen.

Die Quellen verschiedener zeitgenössischer Schreiber weisen auf eine Verehrung der Athleten hin. Erfolgreiche Sportler waren bekannt und wurden in ihren Heimatorten reich beschenkt. Die Verehrung der Teilnehmer der olympischen Spiele muss auch vor dem Hintergrund der griechischen Mentalität als etwas Besonderes gesehen werden, da viele Griechen die Spiele zumindest zunächst kritisch betrachteten, denn Sportler, die sich dem Wettkampf widmeten standen für den Kriegsdienst nicht zur Verfügung5. Da es als die höchste Ehre galt, für das „Vaterland“ oder die „Heimat“ in der Schlacht zu sterben, ist der faire und (größtenteils) friedliche sportliche Wettstreit umso revolutionärer. Autoren wie Blödorn weisen aber darauf hin, dass schon in der Antike die Spiele unter dem absoluten Leistungsgedanken und unter großer Rivalität stattfanden und warnen vor einer Glorifizierung der antiken Spiele6.

Die Verehrung der Athleten ist somit eine frühe Form des modernen Verständnisses von Fairness und friedlichem sportlichen Wettkampf. Der Sport wurde in seiner Bedeutung geboren und bekam eine Wertschätzung, die er erst in der Neuzeit wiedererlangte. Somit sind die Funktion und Bedeutung der antiken Spiele Grundzüge des modernen Verständnisses des Olympismus und der Olympischen Idee.

Als weiterer Vorläufer der olympischen Idee kann die Entstehung der Ästhetik im antiken Griechenland gewertet werden. Nach Sokrates habe die bildende Kunst „ (...) hauptsächlich einen an Geist und Körper schönen Menschen zu bilden.“7.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 : Panathenäische Preisamphora

Quelle: http://www.ausgepackt.uni-erlangen.de/presse/download/preisamphora.jpg

Diese Wertschätzung des menschlichen Körpers und der Ausgewogenheit von Körper und Geist findet man heute noch in den Ideen der Spiele8.

Entgegen der geläufigen Meinung, aufgrund der olympischen Spiele wurden Kriege oder bewaffnete Auseinandersetzungen unterbrochen oder beendet, argumentiert Höfer: „Wahrscheinlich dürfte eine solche Möglichkeit den Griechen gar nicht in den Sinn gekommen sein, da sie ihrer Lebenserfahrung und ihren gesellschaftlichen Wertvorstellungen allzu sehr widersprach.“ (Höfer, 1994, S.17) Vielmehr wurde den Teilnehmern und Zuschauern ein sicheres Fest, sowie die sichere Hin- und Abreise durch die Waffenruhe „ekecheiria“ ( griech. 'OAuprιaKή 'EKεXεIpIa: „Zustand in dem(eigene) Hände zurück gehalten werden“) garantiert, die Übergriffe unter Strafe stellte. Auch obwohl die Waffenruhe nur in Bezug auf die Teilnehmer galt, stellte sie dennoch zu der damaligen Zeit ein Unikum dar. Dennoch lässt sich kein „humanitärer Grundgedanke“ (Höfer, 1994, S.20) daraus ablesen, sondern nur der Pragmatismus, einen geregelten und reibungslosen Ablauf der Spiele zu ermöglichen. Insofern kann der antike olympische Friede nur bedingt als Vorläufer der heutigen Idee gelten.

[...]


1 Vgl. Altenberger, Haag & Holzweg (2006)

2 Vgl. Röthig und Prohl (2003)

3 Vgl. Sinn (2004)

4 Vgl. Röthig und Prohl (2003)

5 Vgl. Sinn (2004)

6 Vgl. Blödorn (1980)

7 Vgl. hierzu wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sthetik#Griechenland

8 Vgl. Altenberger, Haag & Holzweg (2006)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Olympische Idee, Olympische Bewegung und Olympischer Friede
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V130587
ISBN (eBook)
9783640414284
ISBN (Buch)
9783640407330
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Olympische, Idee, Bewegung, Olympischer, Friede
Arbeit zitieren
Ole Bartussek (Autor), 2008, Olympische Idee, Olympische Bewegung und Olympischer Friede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130587

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