Wie Zeitung, Fernsehen und Co. Vertrauen aufbauen und (ab)schaffen können

Die Realität der Medien-Wirklichkeit


Hausarbeit, 2007
17 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Das Wahrnehmungs-Problem

3. Das Wirklichkeitserleben in Bezug auf Medien

4. Wie glaubwürdig ist die Wirklichkeit?

5. Erweiterung von Wirklichkeitserfahrungen

6. Wie Wirklichkeit inszeniert werden kann

7. Ein Beispiel für Wirklichkeitsfälschung.

8. Fazit

9. Schlussbetrachtung Zeitung

10. Quellen

1. Einleitung

„Der Mensch hat als 'Resultat seiner jahrtausendelangen tätigen Kulturentwicklung ein ästhetisches Vermögen mitbekommen. Dieses ästhetische Vermögen dient ihm in der Praxis bei der Aneignung der Wirklichkeit, beim Erfassen der Lebenswahrheit, man kann wohl sagen, in starker Weise wie das logische Denken!“(Afred Kurella)1

Die Medien- und Kommunikationssysteme unserer heutigen Zeit werden zunehmend komplexer. In Bezug auf das Überangebot aus Internet, Zeitung, Fernsehen usw. stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von einer Wirklichkeit der Medien zur Realität des Leben. Wie wahr sind die Nachrichten, welche uns als authentisch aufgetischt werden tatsächlich, wie sehr kann man den Bildern trauen? Wer mag eine Fälschung vom Original, der „eigentlichen“ Wirklichkeit, tatsächlich unterscheiden?

Dem Leser einer Zeitung bzw. dem Zuschauer beim Fernsehen sind hierbei starke Grenzen gesetzt. Es bleibt nicht viel Spielraum, sich im Überangebot der Medien eine eigene Meinung zu bilden und alle Berichte zu hinterfragen. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Glaubwürdigkeit und Zweifel, was man gerade bei den Neuen Medien wie dem Internet immer wieder zu spüren bekommt. Jedoch, auch bei den vertrauten Medien wie Zeitung und Fernsehen kommt zuweilen die Frage auf, mit was für einer Wirklichkeit wir es zu tun haben, und in wie weit wir dieser Vertrauen und Zuversicht schenken dürfen.

In vorliegender Arbeit beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Wirklichkeit und Medien wie Zeitung und Fernsehen unter Zuhilfenahme bekannter Theorien. Zu aller erst möchte ich erläutern, wie es zu der Wahrnehmung überhaupt kommt und wie schwer es ist, die Realität abzubilden und welchen Beitrag die Medien zur Erfahrung von Wirklichkeit beitragen. Ganzes möchte ich an Hand des Zeitungs- und Fernsehsystems darstellen, untermauert mit einem Beispiel. Grundsätzlich stelle ich mir die Frage, ob Medien die Realität überhaupt abbilden können und versuche diese Frage im Folgenden zu beantworten.

Der Schlussteil bildet sich aus meiner Überzeugung, dass die Zeitung immer noch als das glaubwürdigstes Medium angesehen werden kann.

2. Das Wahrnehmungs-Problem

„Der Anfang der Kenntnis muss immer von den Sinnen ausgehen...Denn die Dinge prägen sich zuerst und unmittelbar den Sinnen ein, dann erst, durch Vermittlung der Sinne, dem Verstande...Wenn die Dinge selbst nicht zur Hand sind, so kann man Stellvertreter verwenden: Modelle oder Bilder... “ (Johann Amos Comenius)

Das Zwiespalt der menschlichen Wahrnehmung besteht darin, dass wir keinen unmittelbaren oder direkten Zugang zu unserer Welt haben. Die so wahrgenommene Welt ist ausschließlich in uns und von uns produziert, allerdings vermittelt und geprägt durch soziale Kommunikation. Daraus ergeben sich Vereinbarungen darüber, was und wie wir Dinge sehen. Der zweite Schwerpunkt der Wahrnehmung liegt darin begründet, dass sich jeder Mensch grundsätzlich ähnlich, jedoch individuell jeweils sehr unterschiedlich seine Welt in der der lebt und handelt konstruiert. Aus diesem Grund ist die Vorstellung über Sachverhalte und äußere Einflüsse in keinem Fall völlig identisch mit denen anderer Menschen. So gesehen sind Aussagen über Wirklichkeit, Wahrheit, Authentizität, Echtheit etc. dementsprechend immer subjektiv und können nur über ähnliche Sozialisationssysteme und Kulturen verglichen werden. Aus diesem Grund ist eine Vergleichsmöglichkeit mit der „wahren“ Wirklichkeit nicht möglich bzw. kann es diese überhaupt nicht geben. Somit schafft sich jeder Mensch letzten Endes seine eigene Welt. Hierbei ergibt sich schlussfolgernd allerdings die Frage, wie in so einer Welt Orientierung und Koordinierung zustande kommen kann?

Fest steht, dass Dinge, die nicht nur von uns, sondern auch von anderen wahrgenommen werden, ganz allgemein, d.h. im Alltagsleben [...] als real.“gelten.2 Was wir zumeist als „objektive“ Wirklichkeit betrachten, entsteht in der Regel dadurch, dass unser eigenes Erleben von anderen bestätigt wird. Dabei bilden Medien Domänen des Wahrnehmens, Erkennens und Handelns aus, in denen wir uns zu der erfassten Wirklichkeit verhalten.3 Darüber hat sich ein System unserer Wahrnehmung entwickelt, dass uns quasi im Alltag versucht zu vermitteln (mit Hilfe von Sprache und Bild), dass wir einen direkten Zugang zur Wahrnehmung hätten und dass wir an Hand dieses Zugangs alle die gleiche Wahrnehmung hätten, nicht subjektiv jeder für sich, sondern ganz objektiv. Das ist es, was uns Nachrichten gerne vermitteln möchten. Meines Erachtens sollte diese vermeintliche Objektivität von Wirklichkeit, wie sie uns Tag für Tag offenbart wird, auch in Frage gestellt werden.

3. Das Wirklichkeitserleben in Bezug auf Medien

Im Folgenden möchte ich versuchen zu hinterleuchten, in wie weit Informationen tatsächlich mit Hilfe der Sprache eindeutig übertragen und ausgetauscht werden können und inwiefern dies überhaupt möglich ist. Hierfür möchte die Zeitung als Medium in Beziehung zu setzen mit allgemeinen Medientheorien. Herauskristallisiert werden soll, welche Bedeutung ihr im Verhältnis zur Wahrnehmung, meines Erachtens als wichtigste Voraussetzung zum Erfassen und Begreifen der Medien, zu Grunde liegt.

Wie oben bereits erläutert, ist eine Kultur die Medien betreffend auch gleichzeitig immer an eine Kultur der Wahrnehmung gebunden.4 Was wir wahrnehmen, ist nicht einseitig ein Produkt unseres physischen Wahrnehmungsapparates, sondern mindestens ebenso ein Produkt der Bedingung, unter denen wir wahrnehmen.5 Grundsätzlich definiert Marshall McLuhan Medien als Ausweitung der Sinnesorgane.6 Begreift man Medien umfassend als das „Dazwischenliegende“, „Vermittelnde“, Mittel oder Mittler, aber auch Öffentlichkeit, Gemeinwohl sowie öffentlicher Weg,7 so erweitert sich das Feld der Wahrnehmung als Bereich der Medienanwendung.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Funktion der Medien mehr ist als die der Vermittlung, Übertragung und Verbreitung von Informationen: Medien sind auch Instrumente der „Kopplung“8 von Kognition (oder Bewusstsein) und Kommunikation, Medien sind seiner meinung nach Instrumente des Wirklichkeitserlebens.9 Niklas Luhmann zu Folge beobachtet und beschreibt das Mediensystem die Wirklichkeit nicht nur, sondern es bringt sie im Zuge der Beobachtung und Beschreibung erst hervor.10 Es unterliegt einer eigenen Logik, konstruiert eine eigene Form der Realität11 und dient somit als Instrument der zwischenmenschlichen Kommunikation: Ohne Medien (in diesem Sinne die Zeitung) ist Kommunikation nicht möglich, und ohne Kommunikation wiederum gibt es keine Kultur. Beide verweben die Gesellschaft zur Einheit.12

Medien können dem zu Folge als die materiellen Bausteine der Kommunikation bezeichnet werden. Sie dienen der kulturell geregelten Produktion, Distribution, Rezeption und Verarbeitung von dem, was Menschen über die Dinge der Welt,13 über die sie umgebenden Menschen und über sich selbst denken. Sie ermöglichen Verlässlichkeit und Wiederholbarkeit im Austausch von Informationen, und sie bringen eine relative Konstanz in die Interaktion. Ihre Verbreitung geht einher mit epochalen Umbrüchen in den kulturellen Praktiken des Wahrnehmens, Erkennens und Erinnerns, aber auch in der Unterscheidung von Fiktion und Realität und der Bildung unserer Wirklichkeitskonzepte.14 Laut Seel sind durch Medien Spielräume des sinnlichen, kognitiven, instrumentellen, sozialen, politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Operierens gegeben, aus denen die kulturelle Wirklichkeit eines jeweiligen Lebensbereiches besteht.15 Dies sehe ich als eine grundsätzliche Zielsetzung der Zeitung an, wenn sie die Wirklichkeit zu Tage bringen und kein verfälschtes Abbild derselben zu Tage fördern möchte.

Zu beachten ist allerdings, dass jede Erfahrung in den Medien vor dem Hintergrund der eigenen leiblichen Situation geschieht. Aus diesem Grund bleibt die Differenz zwischen Welt und Medium immer erhalten und es ist keine Welt möglich, die vollständig eine virtuelle Welt wäre. Diese Situationen und Welten hängen vom Gegebensein realer Situationen und Welten ab.16 Ihre durch die Verbreitung der Neuen Medien (wie das Internet) geschaffene Zugänglichkeit jedoch verändert die Realität dieses realen lebensweltlichen Lebens. Insofern haben die Neuen Medien Realität und schaffen sie neue Realität — nicht durch die Abschaffung der Wirklichkeit, sondern deren Veränderung durch die Eröffnung der Möglichkeit, uns nahezu andauernd auf Situationen zu beziehen, in denen wir nicht sind.17

Dies bedeutet in Bezug auf unser spezielles Thema der Zeitung, dass uns die Möglichkeit zuteil wird, uns dieses Medium als Erweiterung von Wissens- und Sinnzusammenhängen anzueignen, wir uns jedoch auch immer gewahr bleiben sollten, wie wichtig eine eigene Meinung ist und diese durch Medien beeinflusst werden kann.

[...]


1 Friebach / Franz/ Hirdina/ Mayer/ Pracht/ Reschke (1978) : S. 45.

2 Zit. In: Bredemeier/ Schlegel (1991): S. 53. Glaserfeld (1985): S. 365.

3 Seel. In: Krämer (1998): S. 250.

4 Pias/ Vogl/ Lorenz/ Fahle/ Neitzel (2004): S. 301.

5 Ebd. S. 304.

6 Ebd. S. 301.

7 Schanze (2002).

8 Bolik/ Kammer/ Kind/ Pütz (1999): S.18.

9 McLuhan (1994).

10 Pias/ Lorenz/ Vogl/ Fahle/ Neitzel (2004): S. 305.

11 Gerhards (2005): S.5.

12 Luhmann (1993): S. 309.

13 Krämer (1998): Vorwort.

14 Ebd. Vorwort.

15 Seel (1998): S. 248.

16 Ebd. S. 265.

17 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie Zeitung, Fernsehen und Co. Vertrauen aufbauen und (ab)schaffen können
Untertitel
Die Realität der Medien-Wirklichkeit
Hochschule
Universität Erfurt  (Fakultät Medien)
Veranstaltung
E-Paper, Weblogs, Online-Portale: Warum Printmedien dennoch Zukunft haben
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V130606
ISBN (eBook)
9783640393886
ISBN (Buch)
9783640394197
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitung, Fernsehen, Vertrauen, Realität, Medien-Wirklichkeit
Arbeit zitieren
Katharina Bucklitsch (Autor), 2007, Wie Zeitung, Fernsehen und Co. Vertrauen aufbauen und (ab)schaffen können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130606

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