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Die Wahnvorstellungen des Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Nachtstück 'Der Sandmann'

Title: Die Wahnvorstellungen des Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Nachtstück 'Der Sandmann'

Seminar Paper , 2009 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kristina Scherer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Wahnvorstellungen des Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Erzählung zu untersuchen. In den Themenkomplexen 2-4 werden zunächst die Textpassagen erläutert, in denen der Protagonist halluziniert: die Alchemie-Szene, die Sequenz der Verfassung der Dichtung, die Handels-, die Olimpia- sowie die Laborepisode und die Turmszene. Die Kapitel sind unterteilt in die Geschehnisse seiner Kindheit, der Studentenzeit und in die Phase der Ausbrüche des Wahnsinns. Im Verlauf der Erzählung werden Nathanaels Wahnzustände immer dramatischer. Die Halluzinationen führen zu einem Verlust von Identität und enden schließlich mit dem Tod.

Liest man den Sandmann, der komplex ist „wie wenige Erzählungen der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts“ und dessen „Gewebe noch nie zufriedenstellend entwirrt“ worden ist, so sieht man sich mit verschiedenen Motiven konfrontiert wie etwa dem des Automaten oder dem des Feuers. Am auffälligsten verwendet Hoffmann jedoch Motive aus dem optischen Sinnbereich – etwa Augen oder Brillen – und zwar so häufig, dass die gesamte Erzählung „optisch codiert“ erscheint. Das Leitmotiv der Augen, welches spätestens seit den Arbeiten der Literaturwissenschaftler Peter von Matt und Yvonne Holbeche nachgewiesen ist, tritt jedoch nicht zufällig auf. Es scheint den Wahnvorstellungen des Protagonisten vorauszugehen. Deshalb soll gezeigt werden, dass jenes Motiv der Augen mit dem des Wahnsinns verknüpft ist.

Der fünfte Themenkomplex widmet sich Deutungen für den Irsinn Nathanaels. Wahrlich können nicht alle Interpretationsansätze behandelt werden. Dazu existieren einfach zu viele, zumal sich an der Exegese des Sandmanns schon seit seiner Entstehung nicht lediglich Literaturwissenschaftler versuchen, sondern ebenso Forscher anderer Disziplinen, etwa der Psychologie oder der Philosophie. Neben dem zeitgenössischen Kontext und der Annahme, der Sandmann sei eine reale teuflische Macht, die das Leben des Protagonisten bedroht, werden Erklärungsversuche der zeitgenössischen Psychiatrie sowie der Psychoanalyse – sprich: das Affekt-Trauma-Schema und das Freudsche Prinzip der Verschiebung – vorgestellt, die den Schwerpunkt bilden sollen. Gerade in den letzten Jahrzehnten haben diese Modelle an Bedeutung gewonnen.

Die Erläuterungen stützen sich hauptsächlich auf Ulrich Hohoffs Standardwerk über den Sandmann, welches sich ausführlich mit der Thematik des Wahnsinns beschäftigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nathanaels Kindheit

2.1 Das Ammenmärchen vom Sandmann

2.2 Die erste Begegnung mit dem ‚Sandmann‘: Die Alchemie-Szene

3 Nathanaels Studentenzeit

3.1 Eine düstere Vision: Nathanaels Dichtung für Clara

3.2 Nathanaels zweite Begegnung mit dem Wetterglashändler Giuseppe Coppola

3.2.1 Nathanaels Wahnvorstellungen beim Anblick der Brillen und Kauf eines Perspektivs

3.2.2 Verzerrte Wahrnehmung durch das Perspektiv: Die Liebe zur leblosen Puppe Olimpia

4 Nathanaels Weg in sein Ende

4.1 „Da packte ihn der Wahnsinn mit glühenden Krallen“: Ausbruch des Wahnsinns nach Olimpias Verlust

4.2 Die Turmszene: Nathanael stürzt in den Tod

5 Erklärungsversuche für die Wahnvorstellungen Nathanaels

5.1 Der zeitgenössische Kontext

5.1.1 Romantisches Selbstverständnis

5.1.2 Psychiatrische Diskussion

5.2 Erklärungsversuche der Psychoanalyse

5.2.1 Das Affekt-Trauma-Modell

5.2.2 Das Freudsche Prinzip der Verschiebung: Coppelius/Coppola repräsentieren den bösen Teil des Vaters

5.3 Der Sandmann – eine teuflische Macht

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahnvorstellungen des Protagonisten Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann" unter besonderer Berücksichtigung der optischen Motive und der psychologischen Hintergründe seines Identitätsverlustes.

  • Die Funktion und Bedeutung des zentralen Augen-Leitmotivs in der Erzählung.
  • Die Analyse der schlüsselszenenhaften Halluzinationen in Nathanaels Kindheit und Studentenzeit.
  • Die Untersuchung der Wahnphänomene im Kontext des romantischen Weltbildes und der zeitgenössischen Psychiatrie.
  • Die psychoanalytische Deutung von Nathanaels Traumata und Vaterbildern nach Sigmund Freud.
  • Die Frage nach der Existenz einer realen dämonischen Macht versus einer rein psychischen Erkrankung des Protagonisten.

Auszug aus dem Buch

3.1 Eine düstere Vision: Nathanaels Dichtung für Clara

Im Erwachsenenalter verlässt Nathanael seine Heimat, um in der Universitätsstadt G. sein Studium aufzunehmen. Da er Clara vermisst, die zusammen mit ihrem Bruder bei Nathanaels Mutter wohnt, kehrt er für kurze Zeit in seine Heimatstadt zurück. Er freut sich sehr darauf, Clara wiederzusehen. Als der junge Mann seiner Verlobten gegenüber steht, verflüchtigen sich zunächst alle bedrohlichen Gedanken an Coppelius, die ihn seit der Begegnung mit dessen Doppelgänger, dem Kaufmann Coppola, plagen.

Doch schon bald stellt sich heraus, dass das Zusammentreffen mit dem Wetterglashändler destruktiv auf Nathanael einwirkt. Die Personen, die ihm nahe stehen, nehmen eine Veränderung in ihm wahr: „Alle fühlten das, da Nathanael gleich in den ersten Tagen in seinem ganzen Wesen durchaus verändert sich zeigte. Er versank in düstre Träumereien, und trieb es bald so seltsam, wie man es niemals von ihm gewohnt gewesen. Alles, das ganze Leben war ihm Traum und Ahnung geworden; immer sprach er davon, wie jeder Mensch, sich frei wähnend, nur dunklen Mächten zum grausamen Spiel diene, vergeblich lehne man sich dagegen auf, demütig müsse man sich dem fügen, was das Schicksal verhängt habe.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann ein und definiert das Ziel der Arbeit, Nathanaels Wahnvorstellungen und deren Verbindung zum Augen-Leitmotiv zu untersuchen.

2 Nathanaels Kindheit: In diesem Kapitel werden die traumatischen Kindheitserlebnisse, insbesondere das Ammenmärchen und die alchemistische Szene mit Coppelius, als Ursprung der späteren Wahnvorstellungen analysiert.

3 Nathanaels Studentenzeit: Das Kapitel behandelt die Eskalation von Nathanaels Wahn während des Studiums, geprägt durch die Begegnung mit Coppola und die obsessive Beschäftigung mit dem Automaten Olimpia.

4 Nathanaels Weg in sein Ende: Hier wird der endgültige psychische Zusammenbruch Nathanaels nach der Entlarvung Olimpias und sein darauf folgender tödlicher Sturz aus dem Rathausturm beschrieben.

5 Erklärungsversuche für die Wahnvorstellungen Nathanaels: Dieses Hauptkapitel bietet eine umfassende Analyse der Wahnvorstellungen aus der Perspektive des romantischen Selbstverständnisses, der zeitgenössischen Psychiatrie und der Psychoanalyse sowie einer Deutung als teuflische Macht.

6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wahnvorstellungen Nathanaels stets mit dem Motiv des Sehens verknüpft sind und stellt fest, dass der "Rätselcharakter" des Textes keine einzige verbindliche Deutung zulässt.

Schlüsselwörter

Der Sandmann, E.T.A. Hoffmann, Wahnvorstellungen, Augenmotiv, Romantik, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Nathanael, Wahnsinn, Coppelius, Identitätsverlust, Traumata, Automatenmensch, Literaturwissenschaft, Schauerliteratur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Wesen und die Ursprünge der Wahnvorstellungen des Protagonisten Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann".

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die Rolle optischer Symbole, den Einfluss von Kindheitstraumata, den Konflikt zwischen Realität und Wahn sowie verschiedene wissenschaftliche und psychologische Interpretationsansätze.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Leitmotiv der Augen direkt mit dem fortschreitenden Wahnsinn Nathanaels verknüpft ist und ob der Irrsinn als Krankheit oder als reale dämonische Bedrohung zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse unter Einbeziehung von zeitgenössischen psychiatrischen Schriften und psychoanalytischen Modellen, insbesondere denen von Sigmund Freud.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch Nathanaels Lebensstationen – von der Kindheit über die Studentenzeit bis hin zum Ende – und prüft diese anhand verschiedener theoretischer Deutungsrahmen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Augenmotiv, Wahnsinn, Identitätsverlust, Unheimliches, Traumatas, Kastrationsangst und der romantische Diskurs.

Wie erklärt die Psychoanalyse Nathanaels Angst vor dem Augenverlust?

Sigmund Freud interpretiert diese Angst als Kastrationsangst, bei der das Auge symbolisch mit der Männlichkeit verknüpft ist und Coppelius als böser Vater-Ersatz fungiert.

Welche Bedeutung hat die Figur Olimpia für Nathanaels Wahn?

Olimpia dient als Spiegel für Nathanaels verzerrte Wahrnehmung, die durch das Perspektiv verstärkt wird, und markiert den Wendepunkt, an dem er sich von der Realität vollkommen entfremdet.

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Details

Title
Die Wahnvorstellungen des Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Nachtstück 'Der Sandmann'
College
Saarland University  (Fachrichtung Germanistik)
Course
Seminar "Romantik" (Sandra Kluwe)
Grade
1,0
Author
Kristina Scherer (Author)
Publication Year
2009
Pages
30
Catalog Number
V130622
ISBN (eBook)
9783640364091
ISBN (Book)
9783640364442
Language
German
Tags
Wahnvorstellungen Nathanael Hoffmanns Nachtstück Sandmann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Scherer (Author), 2009, Die Wahnvorstellungen des Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Nachtstück 'Der Sandmann', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130622
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