Das Papsttum als Ausgeburt der Hölle

Ein populäres Motiv deutscher Flugblätter der Reformationszeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

12 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen konfessioneller Bildpropaganda im 16. Jahrhundert
2.1 Interkonfessioneller Konflikt
2.2 Auswirkungen des Konflikts auf die Bildpropaganda

3. Ausgewählte Flugblätter zum Motiv „Das Papsttum als Ausgeburt der Hölle“
3.1 Allgemeine Formen der Papstdarstellung
3.2 Beschreibung der Flugblätter
3.3 Funktion des Motivs

4. Resümee

5. Bibliographie
5.1 Quellen

1. Einleitung

Unter dem Begriff der Reformation werden eine Reihe religiöser Umbrüche des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zusammengefasst, die sich nicht nur auf den Glauben des Individuums, sondern auch auf die politischen und gesellschaftlichen Strukturen Europas auswirkten. Den Auftakt der deutschen Reformation bildete das Jahr 1520, als die Thesen Luthers von 1517 zu einem bedeutenden Politikum avancierten. Im Laufe des 16. Jahrhunderts spitzte sich die reformatorische Kritik zu einem immer schärfer werdenden Konflikt mit der katholischen Kirche zu, der 1618 im Beginn des Dreißigjährigen Krieges gipfelte.1

Nachfolgend soll an ausgewählten Flugblättern des süd- und mittel-deutschen Raums aus der Mitte des 16. bzw. zu Beginn des 17. Jahrhunderts erörtert werden, wie die Reformatoren den Papst als Repräsentanten des alten Glaubens in den reformatorischen Flugblättern nutzten, um zum einen ihrer Kritik an der Amtskirche Ausdruck zu verleihen, zum anderen, um sich von ihr abzugrenzen und dadurch eine eigene Identität zu finden. Damit wurde das Flugblatt zu einem wichtigen Träger der protestantischen Propaganda. Um die Flugblätter in einen historischen Kontext setzen zu können, sollen zuerst die politischen und gesellschaftlichen Rahmen-bedingungen im 16. Jahrhundert abgesteckt werden. Die Funktion, die dem Motiv „Papsttum als Ausgeburt der Hölle“ innerhalb der reformatorischen Bildpropaganda zukommt, ist nach der Beschreibung und dem Vergleich des Quellenmaterials zu analysieren.

Im Gegensatz zu anderen bildpublizistischen Themen fand die reformatorische Bildpublizistik in der Geschichtswissenschaft große Beachtung und es findet sich eine große Zahl einschlägiger Literatur, die den propagandistischen Charakter der Flugblätter aufzeigt2 und den Papst als Symbolfigur reformatorischer Polemik thematisiert.3 Mit der umfang- reichen Flugblattedition von Harms4 ist das Quellenmaterial zwar leicht zugänglich, jedoch kann auch diese nur eine Auswahl bieten. Eine detaillierte Beschreibung der Flugblätter des Jahres 1545 findet sich in Heft IV der Luther Studien5. In ihrer Analyse beziehen die Autoren jedoch zu offensichtlich Partei für die katholische Seite, so dass von einer differenzierten Darstellung nicht die Rede sein kann.

2. Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen konfessioneller Bildpropaganda im 16. Jahrhundert

2.1 Interkonfessioneller Konflikt

Der Konflikt zwischen den Konfessionen entwickelte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus der protestantischen Kritik an den Strukturen und Lehren der katholischen Kirche. In deren Zentrum stand das wesentliche Struktur-merkmal der römischen Kirche, die strenge hierarchische Ordnung mit dem Papst an der Spitze. Das Papstamt wird mit der besonderen Stellung des Apostel Petrus’ als erster Vorsteher der „ecclesia katholica“6 aus dem Matthäusevangelium abgeleitet.7 Entsprechend der Dogmatik steht der Bischof von Rom in einer ununterbrochenen Nachfolge zu Petrus, dem ersten Bischof von Rom. Dadurch wird die Stellung des Papstes als Stellvertreter Christi auf Erden und Leiter der gesamten Kirche gerecht-fertigt. Alle Vollmachten und Aufgaben, die Petrus direkt von Jesu Christi erhalten habe, gehen direkt auf die Nachfolger im römischen Bischofsamt polemischen Flugblatts im Zusammenhang der Publizistik der Reform-ationszeit, Frankfurt am Main 1994; Goertz, Hans-Jürgen: „Bannwerfer des Antichrist" und „Hetzhunde des Teufels". Die antiklerikale Spitze der Bildpropaganda in der Reformation. In: Antiklerikalismus und Reformation, hrsg. von dems., Göttingen 1995, S. 75-102.

über. Hiermit begründet sich das Primat des Papstes in Fragen der Glaubenslehre und der Kirchenordnung.8

Die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Gläubigen manifestiert sich durch den Empfang der sieben Sakramente. Das Sakrament der Weihe ist jedoch nur dem Kleriker vorbehalten und unterscheidet ihn dadurch von den Laien. Die strikte Trennung von Laien und Geweihten ist ein weiteres katholisches Strukturmerkmal. Denn nur wer die Weihe empfangen habe, sei im Stande Zugang zum göttlichen Heil zu erlangen, um dies den Laien zu vermitteln. Die damit beanspruchte Rolle der Kirche als Heilsmittlerin ist die Grundlage ihrer Machtstellung9. Hier setzt die protestantische Kritik erneut ein, da für die Reformatoren nur die Heilige Schrift Maß für christliches Handeln sei. Außerdem sei das Individuum durch die Taufe ein freier Mensch10, dem in religiösen Belangen niemand Auflagen machen dürfe. Damit zielte man auf die Zerstörung der traditionellen Ordnung der katholischen Kirche.11

Nach protestantischer Auffassung habe die katholische Kirche nichts mit der Kirche Jesu gemein, vielmehr sei sie die Kirche des Antichristen. Dieser Umstand müsse aufgedeckt und für jedermann sichtbar gemacht werden. Die Entlarvung des antichristlichen Charakters der Kirche bedeutete für die reformatorische Bewegung einen großen Erfolg. Sie ist nicht nur als Metapher zu verstehen, da für die Gesellschaft der frühen Neuzeit die Bedrohung durch das Böse, vor dem man sich schützen musste, allgegen-wärtig war. Um weitere Anhänger für die reformatorische Idee zu mobilisieren, wurde das neue Medium des illustrierten Flugblatts, das sich inhaltlich in zwei Tendenzen unterscheiden lässt, genutzt. Die Verherr-lichung Luthers als reformatorische Zentralgestalt wurde gewählt, um die Integration der verschiedenen protestantischen Strömungen zu erreichen wohingegen die polemische Darstellung des Klerus, dazu diente sich selbst von der katholischen Kirche abzugrenzen und damit die eigene Identität zu stärken.12

[...]


1 Scribner, Robert/ Porter, Roy/ Teich, Mikulás: The Reformation in national context, Cambridge 1994, S. 1-3.

2 Heintzel, Alexander: Propaganda im Zeitalter der Reformation. Persuasive Kommunikation im 16. Jahrhundert, St. Augustin 1998; Oelke, Harry: Die Konfessionsbildung des 16. Jahrhunderts im Spiegel illustrierter Flugblätter, Berlin 1992; Scribner, Robert: Reformatorische Bildpropaganda. In: Histo-rische Bildkunde. Probleme-Wege-Beispiele, hrsg. von Brigitte Tolkemitt /Rainer Wohlfeil, Berlin 1991, S. 83-106.

3 Beyer, Franz-Heinrich: Eigenart und Wirkung des reformatorisch

4 Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Sam-mlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Kommentierte Ausgabe, Band 2: Historica, hrsg. von Wolfgang Harms, u.a., Tübingen 1997.

5 Grisar, Hartmann/ Heege, Franz: Luthers Kampfbilder. IV. „Die Ab-bildung des Papsttums“ und andere Kampfbilder in Flugblättern 1538-1545, Freiburg 1923.

6 Die allumfassende, allgemeingültige Kirche.

7 Mt 16, 18-19: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und dir will ich geben die Schlüssel über das Himmelreich. Was du auf Erden bindest, soll im Himmel gebunden sein. Und was du auf Erden lösest, soll im Himmel gelöst sein.“.

8 Vgl.: Schmaus, Michael/ (u.a.): Handbuch der Dogmengeschichte, Band III: Congar, Yves: Die Lehre von der Kirche. Vom Abendländischen Schisma bis zur Gegenwart, Freiburg 1971, S: 28-29.

9 Vgl.: Müller; Gerhard Ludwig: Katholische Dogmatik. Für Studium und Praxis der Theologie, 5. Aufl., Freiburg 1995., S. 631-641; Ullmann, Ernst: Von der Macht der Bilder. Kunst und Reformation, Berlin 1985, S. 14.

10 Diese Freiheit beschränkte sich ausschließlich auf religiösen Angelegen-heiten.

11 Vgl.: Simon, Karl (Hrsg.): Deutsche Flugschriften zur Reformation (1520-1525), Stuttgart 1980, S.15; Congar: Die Lehre von der Kirche, S. 40­45; Heintzel: Propaganda im Zeitalter der Reformation, S. 87-89.

12 Vgl.: Scribner: Reformatorische Bildpropaganda, S. 85; Heintzel: Propaganda der Reformation, S. 87-89; Oelke: Konfessionsbildung, S. 217-220.

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Details

Titel
Das Papsttum als Ausgeburt der Hölle
Untertitel
Ein populäres Motiv deutscher Flugblätter der Reformationszeit
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V130641
ISBN (eBook)
9783640364138
ISBN (Buch)
9783640364473
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papsttum, Ausgeburt, Hölle, Motiv, Flugblätter, Reformationszeit
Arbeit zitieren
Tanja Rilka (Autor:in), 2005, Das Papsttum als Ausgeburt der Hölle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130641

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