Zunächst werde ich zeigen, was nach Spinoza unter Selbstverursachung zu verstehen ist und dass dieser Begriff tatsächlich nicht widersprüchlich ist. Abschließend werde ich erörtern, dass Schopenhauers contradictio in adiecto nichts anderes als argumentum ad hominem ist, weswegen diese Kritik ursprünglich ein Scheinargument ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die spinozistische Selbstverursachung und ihr Verständnis in der Ethik
2.1. Ontologische Stellung und Definition bei Spinoza
2.2. Kausalität und das Verhältnis von Substanz und Modus
3. Schopenhauers Kritik an der causa sui
3.1. Die contradictio in adiecto als Scheinargument
3.2. Kritische Auseinandersetzung mit dem Vorwurf des Sophismus
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Auseinandersetzung zwischen Baruch de Spinoza und Arthur Schopenhauer bezüglich des Begriffs der Selbstverursachung (causa sui). Ziel der Untersuchung ist es, aufzuzeigen, dass der von Spinoza eingeführte Begriff in seinem System kohärent ist und Schopenhauers Einordnung als „widersprüchlich“ auf einer Fehlinterpretation der spinozistischen Kausalität sowie einem rhetorischen Scheinargument beruht.
- Analyse des Begriffs causa sui bei Spinoza
- Untersuchung der Definitionstheorie im Kontext der Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes
- Kritische Analyse von Schopenhauers Vorwurf der contradictio in adiecto
- Untersuchung der Verbindung zwischen Spinozas Kausalitätsverständnis und dem Theodizee-Problem
Auszug aus dem Buch
Schopenhauers Kritik am Begriff der Selbstverursachung bei Spinoza
Hatte jener [Descartes, M.H.] im ontologischen Beweise gelehrt, daß aus der essentia Gottes seine existentia folgt, so macht dieser [Spinoza, M.H.] daraus die causa sui und eröffnet dereist seine Ethik mit: >per causam sui intellego id, cuisus essentia involvit existentiam.< […] Hier haben wir nun die handgreiflichste Verwechslung des Erkenntnisgrundes mit der Ursache. […] So sehe ich meinerseits in >causa sui< nur eine contradicto in adiecto, ein Vorher, was nachher ist, ein freches Machtwort, die unendliche Kausalkette abzuschneiden, ja ein Analogon zu jenem Österreicher, der, als er die Agraffe auf seinem festgeschnallten Tschako zu befestigen nicht hoch genug hinaufreichen konnte, auf den Stuhl stieg. Das rechte Emblem der >causa sui< ist Baron Münchhausen, sein im Wasser sinkendes Pferd mit den Beinen umklammernd und an seinem über den Kopf nach vorn geschlagenem Zopf sich mitsamt dem Pferd in die Höhe ziehend; und darunter gesetzt: >Causa sui<. (G, 28)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die problematische Rezeption der causa sui ein und formuliert die Absicht, Schopenhauers Kritik als argumentum ad hominem zu entlarven.
2. Die spinozistische Selbstverursachung und ihr Verständnis in der Ethik: Dieses Kapitel erläutert Spinozas Definition von Definitionen als abstrakte Entitäten und stellt das Verhältnis von Substanz und Modus mittels hegelianischer Terminologie (Allgemeines und Besonderes) dar.
3. Schopenhauers Kritik an der causa sui: Der Autor legt dar, dass Schopenhauer aufgrund seines Verständnisses von Ursache als bloß bewirkendem Prinzip das spinozistische Konzept verkennt und lediglich polemisiert.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass Schopenhauers Angriff auf Spinoza eng mit dessen Unbehagen gegenüber dem Theodizee-Problem verknüpft ist und weist auf weiterführenden Forschungsbedarf zur Rolle der causa sui hin.
Schlüsselwörter
Causa sui, Selbstverursachung, Schopenhauer, Spinoza, Ethik, Kausalität, Substanz, Modus, Definitionstheorie, contradictio in adiecto, Erkenntnisgrund, Theodizee-Problem, Argumentum ad hominem, Rationalismus, Ontologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen Arthur Schopenhauer und Baruch de Spinoza, explizit mit der Kritik Schopenhauers am Begriff der Selbstverursachung (causa sui).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Ontologie von Spinoza, die Theorie der Definition, die Unterscheidung zwischen Kausalität und Erkenntnisgrund sowie die historische Kritik des deutschen Idealismus am Spinozismus.
Was ist das Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Begriff der causa sui bei Spinoza logisch kohärent ist und Schopenhauers Polemik eher aus dem Unvermögen resultiert, das spinozistische System ohne metaphysische Vorurteile zu betrachten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Textanalyse, bei der primäre Quellen (Spinozas Ethik/Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes und Schopenhauers Werke) interpretiert und gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Spinozas Begriff der Essenz, die Struktur der Kausalität und Schopenhauers Vorwürfe (wie die contradictio in adiecto und der Sophismus-Verdacht) im Detail analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Selbstverursachung, Substanz, Kausalität sowie die philosophische Auseinandersetzung mit der klassischen Metaphysik geprägt.
Warum vergleicht der Autor Spinozas Begriffe mit Hegels Kategorien?
Der Autor nutzt Hegels Unterscheidung zwischen dem Allgemeinen, Besonderen und Einzelnen, da diese für die Darstellung des Verhältnisses von Substanz zu Modus bei Spinoza als hilfreicher und anschaulicher für den Zweck der Argumentation erachtet werden.
Wie bewertet der Autor Schopenhauers Kritik?
Der Autor bewertet Schopenhauers Kritik primär als "Scheinargument" (argumentum ad hominem), da Schopenhauer nicht auf der Sachebene argumentiere, sondern die spinozistische Lehre aus einer polemischen Haltung gegenüber dem Theodizee-Problem diskreditiere.
- Arbeit zitieren
- Mohammad Hassan Heshmatifar (Autor:in), 2022, Schopenhauers Kritik am Begriff der Selbstverursachung bei Spinoza, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1306650