Suizid - vorzeitiger Ausstieg im Alter?


Hausarbeit, 2001

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Suizid alter Menschen - Einführung in das Problem

2 Zielsetzung und Fragestellung dieser Arbeit

3 Vorgehensweise und Quellen

4 Definitionen
4.1 Suizid
4.2 Suizidversuch
4.3 Suizidalität und Alter

5 Statistischer Überblick
5.1 Suizide in Deutschland 1949 bis 1997
5.2 Suizidraten in Deutschland 1949 bis 1997
5.3 Suizidraten nach Alter und Geschlecht 1994 und die altersspezifische Suizidsterblichkeit 1995

6 Ausgewählte theoretische Konzepte der Suizidforschung
6.1 Der soziologische Ansatz von Emile Durkheim
6.2 Psychopathologischer Ansatz von Ringel - das präsuizidale Syndrom
6.3 Psychoanalytische Theorie der "narzißtischen Krise" von Henseler
6.4 Biologische Theorien
6.5 Weitere Erklärungsansätze

7 Ursachen und Motive von Suizidhandlungen im Alter
7.1 Psychische Erkrankung und Alterssuizid
7.2 Körperliche Erkrankung und Alterssuizid
7.3 Soziale Aspekte beim Alterssuizid

8 Zusammenfassung

9 Literaturverzeichnis

1 Suizid alter Menschen - Einführung in das Problem

In der Bundesrepublik sterben jedes Jahr rund 12.000 Menschen durch Suizid, eine Dunkelziffer muß noch einbezogen werden. Im Vergleich kommen im Straßenverkehr in der BRD jährlich rund 8.000 Menschen zu Tode, d.h. ein Drittel mehr Menschen als im Straßenverkehr sterben durch Suizid. Im Schnitt wird alle vier Minuten ein Suizidversuch unternommen (HAENSELL, SAX, SCHWARZENAUER 1997).

Alte Menschen, besonders alte Männer, gelten in der Suizidforschung als eine Gruppe mit erhöhtem Suizidrisiko (ERLEMEIER 1992), die Suizidrate steigt besonders bei Männern ab dem 60. Lebensjahr erheblich an. Trotzdem spielt in der Suizidliteratur das Thema Alter eine eher untergeordnete Rolle. Es stellt sich die Frage nach den Bedingungen, die zu diesem erhöhten Risiko führen. Diese ist um so wichtiger im Hinblick auf die sich stark verändernde Altersstruktur unserer Bevölkerung: die Gruppe der Alten nimmt über die nächsten Jahrzehnte drastisch zu, eine Herausforderung nicht nur im Hinblick auf die ärztliche und pflegerische Versorgung, sondern auch bezüglich des Problems der sozialen Integration.

2 Zielsetzung und Fragestellung dieser Arbeit

Diese Hausarbeit soll einen Einblick in das vielschichtige Thema Suizid verschaffen und Antworten auf die Frage nach den Ursachen der Alterssuizidalität geben. Nach einem kurzen Exkurs in die Terminologie und die Statistik werden die wichtigsten Suizidtheorien vorgestellt. Mögliche Ursachen und Motive für den Suizid im allgemeinen und speziell im Alter sollen aufgezeigt und diskutiert werden.

3 Vorgehensweise und Quellen

Dies ist eine rein theoretische, literaturbezogene Arbeit, die sich vor allem auf die Diplomarbeit CHRISTEL CHRISTEs von 1989 „Suizid im Alter“ stützt. Bücher von DURKHEIM, RINGEL oder HENSELER gehören zur Basisliteratur bei diesem Thema, die Literatur speziell zum Alterssuizid ist allerdings eher begrenzt. Statistiken sind dem Internet entnommen.

4 Definitionen

In diesem Referat verwende ich ausschließlich die im folgenden erklärten Begriffe Suizid, Suizidversuch und Suizidalität, weil sie mir neutraler erscheinen als "Selbstmord", "Selbsttötung" oder "Freitod". Das Wort "Mord" impliziert zum Beispiel, daß sich der Suizident eines Verbrechens schuldig macht und enthält außerdem ein negatives moralisches Werturteil.

Problematisch scheint auch der Begriff "Freitod", da er eine Freiheit der Willensentscheidung suggeriert, die in diesem Sinne bei Suizidhandlungen wohl nur selten anzutreffen sein dürfte (vgl. CHRISTE 1989, 7).

4.1 Suizid

Der Begriff Suizid (Selbstmord oder Selbsttötung) setzt sich aus den beiden lateinischen Wörtern "sui cadere" (sich töten) oder "sui cidium" (Selbsttötung) zusammen. Man versteht darunter eine Handlung mit Todesfolge, die mit bewußter Absicht durchgeführt wird (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 1998). Der Soziologe Emile Durkheim liefert folgende Definition: "Man nennt Selbstmord jeden Todesfall, der direkt oder indirekt auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen ist, die vom Opfer selbst begangen wurde, wobei es das Ergebnis seines Handelns im voraus kannte." (DURKHEIM 1997, 27).

4.2 Suizidversuch

Als Suizidversuch (Selbstbeschädigungsversuch) bezeichnet man ein Verhalten, das in selbstmörderischer Absicht mit nichttödlichem Ausgang erfolgt. Dazu zählen auch Handlungen, die unterbrochen wurden, bevor eine tatsächliche Schädigung eintrat (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 1998).

4.3 Suizidalität und Alter

Unter Suizidalität versteht man die Neigung, eine Selbsttötung zu begehen. Im Zusammmenhang mit der Suizidalität weist WÄCHTLER daraufhin, daß bereits ab der Altersgruppe der über 40jährigen von den Älteren gesprochen werden muß, da im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen diese verstärkt suizidgefährdet sind (WÄCHTLER in CHRISTE 1989, 21).

Eine generelle Festlegung auf eine bestimmte Gruppe nach dem kalendarischen Alter ist allerdings problematisch und soll in diesem Referat umgangen werden.

5 Statistischer Überblick

5.1 Suizide in Deutschland 1949 bis 1997

CHRISTE (1989) weist auf das Jahr 1985 hin: damals starben 12.617 Menschen in der BRD durch Suizid, davon waren 3.432 über 65 Jahre alt. D.h., daß bei einem Anteil dieser Altersgruppe von 15% an der Gesamtbevölkerung 27% aller Suizide von älteren Menschen verübt wurden. Offizielle Angaben unterschätzen allerdings die wirkliche Zahl, die Dunkelziffern sind hoch (häufig verbirgt sich unter den Todesarten Verkehrsunfall, Drogen oder ungeklärt ein nicht erkannter Suizid).

5.2 Suizidraten in Deutschland 1949 bis 1997

Aussagekräftiger ist die Suizidrate (standardisiert pro 100.000 Einwohner) in Abbildung 2. Sie hat ihren Höhepunkt 1977, ist seit Mitte der 80er Jahre am Sinken und hat sich die letzten Jahre tendenziell stabilisiert. Dies kann verschiedene Ursachen haben, z.B. verbesserte Versorgungsleistungen für bestimmte Risikogruppen, eine Verschiebung von Suiziden zu anderen Todesursachen (z.B. ist die Zahl der Drogentoten im selben Zeitraum angestiegen) und auch die Altersstruktur hat Einfluß auf die Rate. Das durchschnittliche Verhältnis der Suizidrate von Frauen zu Männern liegt bei 1 : 2,8.

5.3 Suizidraten nach Alter und Geschlecht 1994 und die altersspezifische Suizidsterblichkeit 1995

Die Suizidrate variiert sowohl nach Geschlecht, als auch nach dem Alter. Sie ist bei jungen Menschen vergleichsweise niedrig und steigt besonders bei Männern ab dem 60. Lebensjahr erheblich an. Die Suizidrate bei jungen Frauen ist relativ gering, daraus folgt, daß fast jede zweite Frau, die einen Suizid begeht, älter ist als 60 Jahre (1.507 von 3.077 im Jahre 1999, Quelle: Statistisches Bundesamt). Beachtenswert sind dabei auch die unterschiedlichen Raten im Westen und Osten. An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß ca.16% der Suizidhandlungen 20jähriger tödlich enden, hingegen bei den über 70jährigen mehr als 80% (RINGEL in CHRISTE 1989, 53).

6 Ausgewählte theoretische Konzepte der Suizidforschung

6.1 Der soziologische Ansatz von Emile Durkheim

Durkheim legte mit seinem 1897 erschienenen Werk "Le suicide" den Grundstein einer soziologisch ausgerichteten Suizidforschung. Nach DURKHEIM ist der Zustand der jeweiligen Gesellschaft für den Suizid eines Individuums verantwortlich, die allgemeine Ursache liegt in der Abhängigkeit des Einzelnen von der Gesellschaft (JONAS in CHRISTE 1989, 78). Durkheim unterscheidet den egoistischen, den altruistischen und den anomischen Suizid. Allen drei Typen liegt ein problematisches Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft zugrunde, das es zum Selbstmord treibt (CHRISTE 1989, 78). Es handelt sich hierbei um drei unterschiedliche Grade der Integration / Desintegration in die Gesellschaft:

Der egoistische Suizid wird Menschen mit Tendenzen zu starkem Individualismus zugeschrieben, sie lösen sich von den Normen und damit von der Kontrolle der Gesellschaft. Dies führt zu Vereinsamung und "Alleingelassensein", ohne den Schutz der Gemeinschaft (=der sozialen Beziehungen) vor einer möglichen Selbstzerstörung steigt die Gefahr eines Suizids. Übertragen auf die Frage des Alterssuizids ließe sich somit die hohe Zahl von im höheren Alter begangenen Suiziden mit dem Verlust der Integriertheit in die soziale Gemeinschaft erklären

Der altrusitische Suizid entsteht durch eine die Individualität überdeckende Gruppennorm (WEDLER 1984, 21). Entsprechend einem zu geringen Maß an Zugehörigkeit kann ein zu großer Druck auf das Individuum genauso schädlich sein. Dies führt zur Einengung, Verkümmern, zur Selbstopferung des Individuums, da es zu stark von der Gesellschaft abhängig ist.

Der anomische Suizid wird verursacht durch Desorientiertheit infolge Normen - und Grenzenlosigkeit der Gesellschaft (WEDLER 1984). Viele Bedürfnisse sind unbegrenzt und brauchen einen klaren Rahmen, um zu einer wirklichen Befriedigung zu kommen. Regellosigkeit führt zu individueller Frustration und Unzufriedenheit.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Suizid - vorzeitiger Ausstieg im Alter?
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin  (Pflegemanagement)
Veranstaltung
Soziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V13069
ISBN (eBook)
9783638188173
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizid, Alter, alte Menschen, Selbstmord
Arbeit zitieren
Ute Hauser (Autor), 2001, Suizid - vorzeitiger Ausstieg im Alter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13069

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