Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie

Der ontologische Gottesbeweis


Zwischenprüfungsarbeit, 2007

18 Seiten, Note: 2,0

Marie-Luise Leise (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der ontologische Gottesbeweis

Die III. Meditation

Die V. Meditation

Erläuterung zur Wechselbeziehung der Beweise, Rekonstruktion der Argumentation

Kritik an Descartes und abschließende Betrachtung

Verwendete Literatur

Einleitung

Meine Hausarbeit soll sich mit der dritten und fünften Meditation der Meditationes de Prima Philosophia beschäftigen, in welchen René Descartes versucht, die Existenz eines nicht-täuschenden Gottes zu beweisen. Dies ist notwendig, um die Wahrheit von klaren und deutlichen Wahrnehmungen zu garantieren, denn ein betrügerischer Gott könnte mich in allem täuschen, was sich mir selbst am offensichtlichsten darstellt.

Der Frage, ob sich Gottes Existenz aus der reinen Vernunft, sprich unabhängig von Erfahrung oder religiösem Glauben beweisen lässt, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Eine lange Tradition hat der Glaube an Gott, die Versuche, diesen zu rationalisieren und die Existenz Gottes zu nachzuweisen, sind indes jünger. Das ontologische Argument[1], erstmals um 1100 von Anselm von Canterbury artikuliert, wurde in der mittelalterlichen Philosophie neben anderen Beweisen geltend hervorgebracht, bald darauf abgelehnt, bis es mit dem spätmittelalterlichem Nominalismus hinfällig geworden zu sein schien. In der rationalistischen Metaphysik des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts gewann das ontologische Argument allerdings wieder an Bedeutung und zwar als der zentrale Gottesbeweis, welcher als alleiniger Weg zur vernünftigen Erkenntnis Gottes oder zumindest als jener Beweis, in den die restlichen Ansätze, Gott zu beweisen, mündeten, angesehen wurde.

Zunächst werde ich Descartes` Argumentation der dritten und fünften Meditation darstellen und diese folgend rekonstruieren sowie erläutern. In der Diskussion um die Gültigkeit des Beweises soll an- und abschließend auf die wesentlichen Einwände der Kritiker eingegangen werden.

Der ontologische Gottesbeweis

„Aus diesem universalen Zweifel, wie aus festem und unbeweglichen Punkt, habe ich die Erkenntnis Gottes, deiner selbst und aller Dinge, die es in der Wirklichkeit gibt, herzuleiten beschlossen“.[2]

Trotz der bereits erklärten Selbstgewissheit[3], bleibt es am Ende des Zweifelsweges denkbar, der Mensch befinde sich wesentlich in der Verkehrung. Aufgrund dieser Ungewissheit muss sich Descartes schließlich mit der zentralen Frage der Metaphysik auseinandersetzen, das heißt mit dem Ausgangspunkt aller Wirklichkeit, also mit der Frage nach Gott. Als Voraussetzung einer solchen grundlegenden Verkehrung müsste man Gott als einen Betrüger begreifen und eben dieser könnte mich in allem täuschen, was ich außer mir in der Welt wahrnehme. So bin ich in der Gewissheit des Selbstbewusstseins gefangen, wenn nicht der durch den Zweifel zerstörte Bezug zur Umwelt wiederhergestellt wird. Demgemäß soll es im folgenden Descartes` Anliegen sein, Gottes Wahrhaftigkeit zu beweisen, für dessen Begründung er jedoch zuvor zeigen muss, dass Gott existiert, „denn solange ich das nicht weiß, scheint es nicht, dass ich über irgend etwas anderes jemals völlig gewiss sein kann“. Die Wahrhaftigkeit Gottes soll also die Richtigkeit der Welt und ihrer Erkenntnis garantieren.

Aufgrund dessen, dass Descartes für dieses Vorhaben zwei voneinander verschiedene Methoden wählt, erscheint die Bedeutsamkeit des ontologischen Arguments nicht gleich offensichtlich. Zum einen versucht er Gott mit einem kausalen Rückschluss zu beweisen, zum anderen wird ein Beweis a priori, später ontologisch genannt[4], vollführt. Zunächst erscheint der kausale Beweis, als habe Descartes eingangs rein über ihn verfügt, und während er das Wesen der materiellen Dinge erforscht, trifft er schließlich, obwohl man in diesem Zusammenhang die Gottesfrage nicht vermutet hätte, auf den anderen, den von empirischen Prämissen unabhängigen ontologischen Beweis.

In der dritten Meditation beschäftigt sich Descartes eingehend mit der Gottesfrage und versucht von der Gottesidee in uns auf Gott als einzig möglichen Verursacher dieser Idee zu schließen.

Die III. Meditation

Descartes resümiert vorab den Schluss, er sei „ein Ding, das denkt“[5] und bejaht gewiss Bewusstseinsweisen wie Sinnesempfindungen und Einbildungen in sich, auch wenn diese außerhalb seiner nicht sind. Dies ist alles, was er wirklich wissen kann und zudem eine klare und deutliche Auffassung dessen, was er behauptet.[6] Alles, was er klar und deutlich auffasst, sei wahr, gilt ihm im folgenden als Regel.

Schon früher habe er sich getäuscht beziehungsweise Dinge für wahr gehalten, die er nachträglich anzweifelte. Einzig für klar genug, um sie als wahrhaftig gelten zu lassen, ersah Descartes die elementaren Rechnungen in der Arithmetik oder Geometrie, an welchen er jedoch nachfolgend auch zweifelte, denn Gott könnte ihm eine Natur verliehen haben, durch welche er sich zwingend irren müsse. Ein konkreter Grund, einen solchen täuschenden Gott[7] anzunehmen, besteht allerdings nicht, zumal er nicht einmal weiß, ob einer existiert; der Zweifelsgrund ist also eher schwach und metaphysisch. Also muss die Existenz Gottes zunächst bewiesen werden und, sollte sie bestätigt werden können, ob dieser düpiert, denn ansonsten könnte zu keiner Zeit etwas zweifelsfrei als wahr bestimmt werden.

Um ermitteln zu können, wo Wahrheit und wo Irrtum vorkommen kann, gliedert Descartes nun seine Gedanken: in Bilder (Vorstellungen, idea), in Wollungen (Affekte) und drittens in Urteile. Lediglich Urteile, da sie wahrheitsfähig sind, können falsch sein. Irrtum kann dann auftreten, wenn man annimmt, gewisse Vorstellungen in einem selbst würden Dingen außerhalb gleichkommen.

Auch Vorstellungen ordnet Descartes und zwar sind diese nach ihm entweder angeboren, von außen kommend oder selbst gebildet. Es gilt zu untersuchen, ob Vorstellungen von Dingen außerhalb seiner herrühren, denn es ist nicht bewiesen, dass Vorstellungen, bei denen man es zwar vermutet, wirklich von außen kommen. Durchaus möglich wäre, dass er ein anderes Vermögen in sich birgt, welches diese Vorstellungen bewirkt. Doch selbst wenn Vorstellungen von außen kommen, besagt dies nicht, dass sie den Dingen zwangsläufig ähnlich sein müssen, was Descartes am Beispiel der Sonne, von welcher er zwei unterschiedliche Vorstellungen hat, deutlich macht: eine von den Sinnen herrührende („Sonne ist klein“) sowie eine astronomische („Sonne ist vielfach größer als die Erde“) und beide zugleich können der Sonne nicht ähnlich sein, sodass die Vermutung nahe liegt, außerhalb seiner sind von ihm verschiedene Dinge vorhanden, welche ihm Bilder von sich vermitteln. Um dieser nachzugehen, verfährt Descartes wie folgt weiter: Keine Differenz gäbe es, wären Vorstellungen nur bestimmte Denkensarten, doch werden hingegen verschiedene Sachen gezeigt, so sind auch die Vorstellungen verschiedenartig, denn jene, bei denen Substanzen demonstriert werden, sind größer und enthalten mehr objektive Realität als solche, welche nur Akzidenzien veranschaulichen.

Deutlich wird durch das natürliches Licht, dass die wirkende Ursache mindestens so viel Realität aufweisen muss wie das durch die Ursache Bewirkte, denn weder kann etwas aus Nichts, noch etwas Vollkommenes aus weniger vollkommenerem, aufgehen.[8] Ferner ist es nicht möglich, dass etwas zu sein beginnt, ohne von einem anderem mit höherem Sein ins Dasein gerufen zu werden. Unmöglich ist somit, eine Vorstellung von etwas haben, wenn diese nicht von der Ursache mit mindestens genauso viel Realität in uns gesetzt wurde. So unvollkommen eine Seinsweise auch sein mag, so muss sie doch noch mehr als Nichts sein und kann nicht aus nichts hervorgehen. Und wenn die objektive Realität der Vorstellung größer als die in einem enthaltene Wirklichkeit ist[9], so kann man selbst nicht Ursache dieser Vorstellung sein, es muss also anderes geben, das die Ursache dieser Vorstellung ist, woraus folgt, dass man nicht alleine auf Welt sein kann.

[...]


[1] (gr.) „on“: Seiende/ „logos“: Aussage, Lehre > „Seinslehre“, Lehre des Seins

Existenz/ Dasein Gottes aus dem Begriff hergeleitet

[2] Weischedel, Wilhelm: Die philosophische Hintertreppe. München 2001, Seite 120.

[3] sein Wahrheitskriterium; einzige Aussage, derer man sich sicher sein kann, alles andere bleibt zweifelhaft

[4] erst im 18. Jh. (erstmals von Kant) „ontologischer Gottesbeweis“ genannt

[5] d.h. das zweifelt, bejaht, verneint, einiges erkennt, vieles nicht weiß, will, will nicht, sich bildlich vorstellt, empfindet

[6] Prinzip der Wahrheit („clare et distincte percipere“); frühere Evidenzen (die vor den Meditationen auftauchten): konnten täuschen/ somit nicht klar und deutlich; Dinge, die evident, aber nicht klar und deutlich: können täuschen

[7] „genius malignus

[8] gilt für Vorstellungen, deren Realität sowohl formal (wirklich) als auch objektiv (vorgestellt)

[9] also selbst nicht genug formale Realität besitzt

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie
Untertitel
Der ontologische Gottesbeweis
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V130695
ISBN (eBook)
9783640363032
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Meditationen, Descartes, cogito, Gottesbeweis, ontologischer Gottesbeweis, meditationes de prima philosophia, Gott, Existenz, denken, Verstand, Metaphysik, Dreieck, Ideen, Mangel, Prämisse, genius malignus, Schöpfer, Prädikat, Berg, Tal, Gottesidee, Seiende, Anselm von Canterburry, Cartesisch, Logik, Zirkel, Wahrheit, Methode
Arbeit zitieren
Marie-Luise Leise (Autor), 2007, Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130695

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