Der Holocaust ist das schwerste Verbrechen in der Geschichte der Menschheit. Dennoch wird in der breiten Öffentlichkeit die Meinung vertreten, dass dieser Teil der deutschen Geschichte abgeschlossen werden sollte. Ferner herrscht trotz der Vielzahl von Arbeiten über den Holocaust in weiten Bereichen noch Unkenntnis. Daher muss auch der Einsatz der Ordnungspolizei im "Dritten Reich" und deren Schuld an der Ermordung der europäischen Juden nach neusten Erkenntnissen der Holocaustforschung genauer betrachtet werden. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, den Anteil der Ordnungspolizei am Holocaust aufzuzeigen. Dabei werden die Theorien von Christopher R. Browning mit einbezogen, um den "Entscheidungsprozess", der zur "Endlösung" führte, und die Motive der Täter besser darstellen zu können. In dieser Arbeit werden die Besonderheiten des Antisemitismus und die Organisation der Ordnungspolizei in der zentralistischen Diktatur des "Dritten Reiches" untersucht. Ferner werden beispielhaft die Einsätze der Polizeibataillone in den entscheidenden Phasen des "Entscheidungsprozesses" dargestellt und die Motive der Täter erörtert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Weg in den Holocaust
- Der deutsche Antisemitismus
- Die Ordnungspolizei im ,,Dritten Reich"
- Geschichte und Aufbau der Ordnungspolizei
- Einordnung in Himmlers »Polizeistaat <<
- Die Einsätze der Polizeibataillone
- Polen 1939-1940
- Der Vernichtungskrieg in der Sowjetunion
- Bialystok Juni/Juli 1941
- Polizeibataillone in den Einsatzgruppen
- Unter der Führung der Höheren SS- und Polizeiführer
- Im Generalgouvernement 1941-1943
- Die Browning – Theorie
- Intentionalismus und Funktionalismus
- Der >>Entscheidungsprozess«< nach Browning
- Die Motivation der Täter
- Die Goldhagen-These
- Der Erklärungsansatz von Browning
- Schlussbetrachtung
- Abstract
- Abkürzungsverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Rolle der Ordnungspolizei im Holocaust, insbesondere im Kontext der These von Christopher R. Browning. Ziel ist es, die Beteiligung der Ordnungspolizei an der Vernichtung der europäischen Juden aufzuzeigen und den Entscheidungsprozess, der zu dieser Beteiligung führte, zu analysieren. Die Arbeit beleuchtet die Einsätze der Polizeibataillone in Polen und der Sowjetunion und vergleicht die Erklärungsansätze von Browning und Goldhagen hinsichtlich der Motivation der Täter.
- Die Rolle der Ordnungspolizei im Holocaust
- Der Entscheidungsprozess zur Beteiligung am Völkermord
- Die Einsätze der Polizeibataillone in Polen und der Sowjetunion
- Die Motivation der Täter im Vergleich der Theorien von Browning und Goldhagen
- Die Bedeutung der Ordnungspolizei im Kontext der deutschen Polizeigeschichte
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Relevanz des Themas Holocaust und die Notwendigkeit seiner Aufarbeitung dar. Sie führt in die Thematik der Ordnungspolizei und die Bedeutung der Arbeiten von Browning und Goldhagen ein. Das zweite Kapitel beleuchtet den deutschen Antisemitismus im Kontext der europäischen Geschichte und untersucht die Besonderheiten des deutschen »Sonderwegs«. Das dritte Kapitel widmet sich der Geschichte und dem Aufbau der Ordnungspolizei im »Dritten Reich« und ihrer Einordnung in Himmlers »Polizeistaat«. Das vierte Kapitel analysiert die Einsätze der Polizeibataillone in Polen und der Sowjetunion, wobei die Ereignisse in Bialystok, die Beteiligung der Polizeibataillone an den Einsatzgruppen und die Rolle der Höheren SS- und Polizeiführer im Fokus stehen. Das fünfte Kapitel stellt die Browning-Theorie vor, die den Entscheidungsprozess zur Beteiligung am Völkermord untersucht und die Motivation der Täter analysiert. Der Vergleich mit der Goldhagen-These beleuchtet unterschiedliche Erklärungsansätze.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen den Holocaust, die Ordnungspolizei, die Polizeibataillone, den Entscheidungsprozess, die Motivation der Täter, Christopher R. Browning, Daniel Jonah Goldhagen, Antisemitismus, Polen, Sowjetunion, Einsatzgruppen, Himmlers »Polizeistaat«, deutsche Polizeigeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte die Ordnungspolizei im Holocaust?
Die Ordnungspolizei war durch ihre Polizeibataillone massiv an der Ermordung der europäischen Juden beteiligt, insbesondere bei Deportationen und Massenerschießungen.
Was besagt die Theorie von Christopher Browning?
Browning betont in seinem funktionalistischen Ansatz, dass "ganz normale Männer" durch Gruppendruck, Gehorsam und situative Faktoren zu Mördern wurden.
Wie unterscheidet sich die Goldhagen-These von Browning?
Während Browning situative Faktoren betont, sieht Goldhagen einen spezifisch deutschen "eliminatorischen Antisemitismus" als Hauptmotiv der Täter.
Was geschah beim Einsatz in Bialystok 1941?
Polizeibataillone verübten in Bialystok schwere Gräueltaten, die als beispielhaft für die Radikalisierung der Ordnungspolizei im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion gelten.
Wie war die Ordnungspolizei in Himmlers Machtapparat eingebunden?
Sie wurde zentralisiert und eng mit der SS verzahnt, wodurch sie zu einem wesentlichen Instrument des nationalsozialistischen Polizeistaates wurde.
- Arbeit zitieren
- Diplomverwaltungswirt Andre Borchert (Autor:in), 2008, Die "Verstrickung" der Ordnungspolizei in den Holocaust , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130709