Die Falkenmotive des von Kürenberger und Dietmar von Aist

Ein Querschnitt der deutschen Minne


Seminararbeit, 2008

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Minne, Minnesang und höfische Liebe

3. Gattungen des Minnesang

4. Donauländischer Minnesang

5. Die Autoren
5.1. Der von Kürenberg
5.2. Dietmar von Aist

6. Form und Inhalt
6.1. Textgegenstand
6.1.1. ich zoch mir einen valken
6.1.2. Ez stuont eine frouwe alleine
6.2. Form
6.3. Inhalt
6.3.1. Das Falkenmotiv
6.3.2. Das Falkenmotiv des Kürenberger
6.3.3. Das Falkenmotiv des Dietmar von Aist

7. Schlusswort

8. Quellenverzeichnis

Vorwort

In meiner folgenden Arbeit möchte ich zunächst auf den Begriff des Minnesangs eingehen. Aufgrund der literarischen Erscheinungsvielfalt während der Zeit des Minnesangs möchte ich kurz die verschiedenen Formen der höfischen Liebeslyrik vorstellen.

Mein Hauptaugenmerk richte ich auf die Lieder bzw. Texte von Kürenberg ´ich zoch mir einen Falken´ sowie Dietmar von Aists ´Ez stuont ein vrouwe alleine´. Beide bedienen sich des Falkenmotivs, ferner ist das Lied des von Kürenberg ein Synonym für das Falkenmotiv par excellence. Ich werde die Autoren und ihre Wirkungszeit in groben Zügen wiedergeben und anschließend die Lieder zunächst unabhängig voneinander, dann im direkten Vergleich untersuchen.

1. Einleitung

Das Erste das ich an dieser Stelle vorausschicken möchte ist, dass das Corpus des Minnesangs in keiner Weise als ein Dokument für die damaligen Rollenverhältnisse von Mann und Frau zu verstehen ist, ebenso wenig ist es Erlebnislyrik. Die Frauen- und Männerbilder entsprechen, in vielerlei Hinsicht lediglich fiktiven stark idealisierten Vorstellungen von Mann und Frau. Insbesondere die Frau stellt ein von der Herrenkunst kreierte staturische Madonnengestalt dar, ein idealisiertes Objekt, welches aber mit der Realität wenig zu tun hat.

Die Realität des 12 Jahrhunderts war sogar für die oberen Gesellschaftsschichten und den Adel eine harte Zeit. Es wird nicht grundlos das dunkle Zeitalter genannt. Die Menschen waren gebeutelt von Kriegen, Hungernöten und mangelnder Hygiene. Dichter schufen eine Gegenwelt in der sich vornehmlich das höfische Publikum zurückziehen konnte um der harten Wirklichkeit zu entfliehen. Es entstanden Texte und Geschichten, Lieder und Epen die von einer stark idealisierten Welt erzählen, in der es züchtiger und gesitteter vorgeht [1].

2. Minne, Minnesang und die höfische Liebe

Der Minnesang ist ein einzigartiges Phänomen in der Literaturgeschichte, das weltweit nach wie vor für eine rege Auseinandersetzung bezüglich des Umgangs und der Auslegung der Texte sorgt. Datiert wird er auf den Zeitraum 1160-1300. Das Minnelied war eine Einheit aus Wort und Ton, bis in die Gegenwart ist größtenteils jedoch nur der Text erhalten geblieben. Der Sänger, der auch der Komponist war, fertigte z. T. seine arbeiten im Auftrag eines Mäzenen an. Ein Mäzen ist ein in der Regel adliger Gönner, der die Kunst des Minnelyrikers subventionierte. Die Werke waren aber nicht für die Lektüre gedacht, sondern wurden einem Publikum vorgetragen. Der Minnesang ist eine Dichtung von Männern für ein höfisches Publikum, das zum größten Teil weiblich war.

Eng verbunden mit dem Minnesang ist der aus dem mittelalterlichen Frankreich stammende Minnedienst, die hohe- wie auch die niedere Minne. Der Haupttopos ist die höfische Liebe. Der Begriff der Minne ist nicht klar einzugrenzen. Das Ziel des Minnedienstes ist Erziehung, jenseits der irdischen Gelüste und Körperlichkeiten. Gegenstand des Minnedienstes ist die frouwe, die adlige Frau dargestellt als literarische Manifestation weltlicher Vollkommenheit und Objekt der poetisierten Begierde des Mannes.

Minne bedeutet nicht Liebe wie wir sie dieser Tage definieren. Minne ist vielmehr die Kunst der Auslegung von Liebe zur Selbsterziehung des Mannes. Mit den Äußerungen der Wünsche geht auch ein gleichzeitiges Verbot der Erfüllung dieser einher. Denn die Minne führt, im Gegensatz zur Liebe, die Liebenden nicht zusammen, sondern zielt auf ein unglückliches getrennt sein, welches frei von jeglicher Hoffnung ist, doch noch vereint zu werden [2]

Im Sinne der hohen Minne war es der frouwe schlichtweg untersagt der Werbungen des Minnesängers zu folgen und sich hinzugeben, andernfalls wäre es ihr gesellschaftlicher Selbstmord. In der niederen Minne, die später auch mitunter zur Abkehr und zur Denunzierung des Minnedienstes gegen Ende des 13.- bis ins 14 Jahrhundert hinein führte, erliegt die Frau dem Mann. Oftmals wurde hier versucht das zeremonielle Korsett des Minnesangs zu sprengen und kritisch zu durchleuchten, wie es in den Liedern Neidharts vorkommt [3]

Die höfische Liebe ist eng verbunden mit der Minne. Sie ist aufgrund der im Mittelalter herrschenden strikten Verhaltensnormen Gesetzen der Diskretion unterworfen um überhaupt stattzufinden können. Jene Gesetze sind einst von dem französischen Romanisten Gaston Paris, der auch den Begriff der höfischen Liebe - amour courtois - im 19.Jahrhundert eingeführt hat, zusammengefasst worden:

Die höfische Liebe erfordert aufgrund ihrer ungesetzlichen und körperlichen Natur den Deckmantel der Heimlichkeit; die Subordination des Mannes bildet die Grundlage der Minne, er ist es, der sich die Wünsche seiner Herrin – frouwe- zu Befehl macht um dadurch der Forderung der Minne nachzukommen, ein besserer und vollkommener Mensch zu werden, welcher ihrer würdig ist; die höfische Liebe ist, um es mit Gaston Paris´ Worten auszudrücken "eine Kunst, eine Wissenschaft, eine Tugend" und jene Liebenden die sich an diesem Spiel beteiligen, müssen die Regeln der Minne inne haben [4] .

[...]


[1] Wapnewski, Peter: Deutsche Literatur des Mittelalters: ein Abriss von den Anfängen bis zum Ende der Blütezeit / Peter Wap- newski.- 5., bibliograpisch erg. Aufl. – Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1990; S.76-79

[2] Brackert, Helmut: Minnesang: Mittelhochdeutsche Texte und Übertragungen. – 8. Auflage: Januar 2004. Fischer Taschenbuchverlag GmbH , Frankfurt am Main. S.317ff.

[3] Buhmke, Joachim: Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. - 9.Auflage – München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1999; S.503ff.

[4] Kasten, Ingrid: Frauenlieder des Mittelalters / Ingrid Kasten.- 1.Aufl.- Ditzingen: Reclam, 1990.S13-23.

[5] Brackert, Helmut, S. 280-281

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Falkenmotive des von Kürenberger und Dietmar von Aist
Untertitel
Ein Querschnitt der deutschen Minne
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Frauenlieder des Mittelalters
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V130741
ISBN (eBook)
9783640507276
ISBN (Buch)
9783640507665
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit eignet sich hervorragend zum einlesen in die Materie der deutschen MInne und Minnelyrik sowie den kulturhistorischen Begebenheiten des frühen deutschen Mittelalters.
Schlagworte
Falkenmotive, Kürenberger, Dietmar, Aist, Querschnitt, Minne
Arbeit zitieren
Siham Butakmani (Autor), 2008, Die Falkenmotive des von Kürenberger und Dietmar von Aist, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130741

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