In dieser Ausarbeitung werden didaktische Ansätze zu Vermittlung von Schillers Dramen im Deutschunterricht beschrieben. Die Landesrichtlinien von NRW sehen für das Unterrichtsfach Deutsch eine Auseinandersetzung mit dem Epochenumbruch vom 18. zum 19. Jahrhundert vor.
Schillers Dramen repräsentieren diese Umbruchszeit beispielhaft: Feindliche Brüder im Sturm und Drang, Liebe über Standesgrenzen hinweg im bürgerlichen Trauerspiel, symmetrische Kompositionsprinzipien im klassischen Drama, Wunderbares in der romantischen Tragödie. Hinzu kommen die Schriften zur Tragödientheorie, in welchen Schiller die Dramentheorie der Aufklärung aufgreift und ein eigenes Konzept entwickelt. Die im Rahmen eines Deutschdidaktikseminars entstandenen Ausarbeitungen nehmen Bezug auf diese Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1. Dramendidaktik allgemein
1.1. Komödie und Tragödie
1.2. Zum Erfolg der geschlossenen Form des Dramas seit der Antike
1.3. Beliebtheit von Dramen im Deutschunterricht
2. Die Räuber
2.1. Einordnung in die Epoche des Sturm und Drang
2.2. Zum Interesse junger Menschen für Literatur des Sturm und Drang
3. Kabale und Liebe
3.1. Formale Abkehr vom Sturm und Drang
3.2. Parallelen zwischen Karl Moor und Ferdinand von Walter
3.3. Vermittlung von Literaturgeschichte und Epochenwissen im DU
4. Don Karlos
4.1. Wie würden sie sicherstellen, dass die Schüler*innen das umfangreiche Stück gelesen haben?
4.2. Parallelen zwischen dem dramatischen Frühwerk Schillers und Don Karlos
4.3. Übergang zum klassischen Drama
5. Wallensteins Lager
5.1. Selbstverständnis der Soldaten und deren Freiheitsbegriff
5.2. Gegensatz zwischen der militärischen und bürgerlichen Existenzform
5.3. Zur Eignung des Reiterlieds für eine szenische Darstellung
6. Wallensteins Tod
7. Dramen des Epochenumbruchs im DU
8. Maria Stuart
8.1. Frauenrollen in Schillers Maria Stuart
8.2. Mortimers und Leicesters Rolle bei der Zuspitzung des Konflikts
9. Die Jungfrau von Orléans
9.1. Johannas ‚Sendung‘
9.2. Vermittlungsvorschlag mithilfe kooperativer Lernformen
10. Wilhelm Tell
10.1. Rechtfertigung des Tyrannenmords
10.2. Persönliche Meinung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die didaktische Einsetzbarkeit zentraler Dramen Friedrich Schillers im modernen Deutschunterricht. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie komplexe literarische Texte, historische Kontexte und gesellschaftlich relevante Themen wie Freiheit, Macht und Geschlechterrollen für Schülerinnen und Schüler aufbereitet und methodisch erfahrbar gemacht werden können.
- Didaktik der geschlossenen Dramenform und deren Rezeption.
- Analyse und Vergleich von Heldenfiguren in Schillers Frühwerk.
- Konzepte für schülerzentriertes und kooperatives Lernen im Umgang mit Dramatik.
- Integration digitaler Medien und szenischer Interpretationsverfahren in den Literaturunterricht.
Auszug aus dem Buch
3.1. Formale Abkehr vom Sturm und Drang
Kabale und Liebe ist ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Akten, welches 1783 veröffentlicht wurde. Es handelt sich um ein geschlossenes Drama, welches eine vorgegebene Handlungsführung verwendet, die einen Konflikt bis zu einem Wendepunkt eskalieren und in einer Katastrophe enden lässt. Jede Szene kann einer klaren Funktion im Dramenaufbau zugeschrieben werden und die Handlung findet an einem Tag statt. Damit wird die Einheit der Zeit und der Handlung gewahrt. Kabale und Liebe bricht damit nicht grundsätzlich, wie für Literatur des Sturm und Drang typisch, mit den traditionellen Aspekten eines geschlossenen Dramas. Einige Aspekte des Sturm und Drang, wie die Verwendung von Alltagssprache oder die Missachtung der Ständeklausel, lassen sich dennoch auch in diesem Werk wiederfinden.
Eine formale Besonderheit des Dramas ist, dass insgesamt drei Handlungsstränge verfolgt werden: Die Kabale (äußere Handlung), die Liebeshandlung mit Luise (innere Handlung) und die Lady-Milford-Handlung. Dabei sind die Figuren durch einen Schuldzusammenhang miteinander verbunden.
Auch inhaltlich zeigt sich, dass Kabale und Liebe in die Endphase des Sturm und Drang einzuordnen ist, da im Moment der Katastrophe eine „Einsicht in das Scheitern des absoluten Individualismus“ vorliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Dramendidaktik allgemein: Einführung in die gattungstheoretischen Grundlagen des Dramas nach Aristoteles sowie Erläuterung der anhaltenden Beliebtheit dramatischer Texte im Lehrplan.
2. Die Räuber: Analyse des Erstlingswerks als Paradebeispiel des Sturm und Drang unter besonderer Berücksichtigung der jugendlichen Faszination für Rebellion.
3. Kabale und Liebe: Untersuchung der formalen Übergangsphase zwischen Sturm und Drang und Klassik sowie die methodische Vermittlung von Epochenwissen.
4. Don Karlos: Diskussion über Lesekompetenz bei komplexen Werken und die Parallelen der Heldencharaktere in Schillers Frühwerk.
5. Wallensteins Lager: Betrachtung des Soldatenethos und des Gegensatzes zur bürgerlichen Existenzform sowie der Einsatz des Reiterlieds im Unterricht.
6. Wallensteins Tod: Dokumentation einer Rollenbiografie aus der Sicht des Max Piccolomini zur vertieften Auseinandersetzung mit der Entscheidungssituation.
7. Dramen des Epochenumbruchs im DU: Vermittlungskonzept für Kabale und Liebe unter Einbindung digitaler Medien und theaterpädagogischer Ansätze.
8. Maria Stuart: Analyse der Frauenfiguren sowie der motivationspsychologischen Aspekte von Mortimer und Leicester.
9. Die Jungfrau von Orléans: Untersuchung von Johannas Sendungsbewusstsein im Spannungsfeld zwischen Berufung und eigener Weiblichkeit inklusive kooperativer Lernmethoden.
10. Wilhelm Tell: Ethische Hinterfragung des Tyrannenmords und abschließende kritische Bewertung der Protagonistenhandlung.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Dramendidaktik, Sturm und Drang, Weimarer Klassik, Kabale und Liebe, Die Räuber, Don Karlos, Maria Stuart, Wilhelm Tell, Literaturunterricht, Szenische Interpretation, Kooperatives Lernen, Geschlechterrollen, Individuum, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturdidaktischen Aufarbeitung der Dramen Friedrich Schillers für den Deutschunterricht der Sekundarstufen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Epochenzuordnung, die Analyse von Charakteren und Konflikten sowie moderne methodische Ansätze zur Textvermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden zu identifizieren, mit denen Schülerinnen und Schüler für Schillers Werke begeistert werden und diese aktiv durchdringen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es werden gattungstheoretische Analysen, produktionsorientierte Verfahren sowie theaterpädagogische und kooperative Lernformen herangezogen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert spezifische Dramen von den Räubern bis zum Wilhelm Tell und verknüpft diese jeweils mit didaktischen Vermittlungsvorschlägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Dramendidaktik, Epochenumbruch, Schülerzentrierung, Rollenbilder und Freiheitsbegriff bei Schiller.
Warum spielt das "Gruppenpuzzle" bei der Jungfrau von Orléans eine Rolle?
Es wird als Methode gewählt, um komplexe Frauencharaktere und deren Rollenbilder in einer patriarchalen Gesellschaft durch Expertenaustausch schüleraktiv zu erschließen.
Wie bewertet der Autor den Tyrannenmord in Wilhelm Tell kritisch?
Der Autor hinterfragt die Vergeltungslogik und die persönliche Naivität des Helden, da Gewalt als Ultima Ratio in einem Rechtsstaat problematisch bleibt.
- Arbeit zitieren
- Felix Straub (Autor:in), 2020, Friedrich Schillers Dramen im Deutschunterricht. Durchführung der Dramendidaktik für ausgewählte Werke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1308048