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Realismus in der zeitgenössischen Kunst. Am Beispiel der "Funk Lessons" von Adrian Piper

Title: Realismus in der zeitgenössischen Kunst. Am Beispiel der "Funk Lessons" von Adrian Piper

Bachelor Thesis , 2020 , 37 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Felix Straub (Author)

Art - Art Theory, General
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Summary Excerpt Details

Die Frage nach einem Realismus in der Kunst wird in dieser Arbeit konkret auf die zeitgenössische Kunst bezogen. Differenziert sich diese zu sehr durch eine der Wirklichkeit gegenüberstehende Autonomie oder kann eine zeitgenössische Kunst realistisch und weltverbunden sein? Ist eine, wie im Beispiel der Aufnahme des Schwarzen Lochs vorgestellte, erweiterte bzw. veränderte Welterfahrung möglich?

Als Grundlage dieser Arbeit dient Wolfgang Welschs Theorie einer in Wirklichkeit verwickelten Kunst, die sich mithilfe des Einflusses der philosophischen Wahrnehmungsentwicklung begründet. Er sieht eine Verschiebung des Weltbildes von einem neuzeitlichen und modernen Dualismus zwischen Welt und Mensch zu einer evolutionstheoretisch begründeten Weltverbundenheit des Menschen als Anlass, diese Entwicklung auch auf das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit anzuwenden.

Am 10.04.2019 wird die erste Aufnahme und damit der erste visuelle Nachweis eines Schwarzen Lochs veröffentlicht. Es zeigt ein Radiobild des Ereignishorizontes eines Schwarzen Lochs, da es selbst kein Licht sendet und dementsprechend für uns nicht sichtbar ist. Dieser Ereignishorizont ist eine Grenze, hinter welcher alles Material verschwindet. Auf dessen spiralförmigen Kurven wird das Material um das Loch beschleunigt und aufgeheizt. Bei diesem Vorgang werden elektromagnetische Wellen abgegeben, die im Radiobereich von Teleskopen empfangen werden können. Diese Radiowellen sind nicht für das menschliche Auge sichtbar, weshalb die Daten für die Form eines Bildes aufbereitet werden müssen. Die rötliche Einfärbung wird dabei künstlich erzeugt und gibt die jeweiligen Intensitäten der elektromagnetischen Strahlung wieder.

Dennoch hat die Aufnahme den Anspruch, die Realität zu zeigen. Sie soll wissenschaftliche Forschung, die für einen Menschen kaum vorstellbar ist, wahrnehmbar machen. Es stellt sich damit in diesem Fall die Frage, inwiefern die fiktive Farbgebung problematisch für eine realistische Darstellung sein kann und weiterführend, ob es überhaupt eine realistische Wahrnehmung gibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur philosophischen Wahrnehmungsentwicklung

2.1 Aristoteles weltrichtige Wahrnehmung

2.2 Anthropozentrischer Dualismus

2.3 Wiederherstellung eines wirklichkeitsverbundenen Weltbilds

2.3.1 Sekundäre Qualitäten

2.3.2 Kulturelle Wahrnehmung

2.3.3 Wechselwirkungen als Vollendung der Weltzugehörigkeit

3. Zur wirklichkeitsverbundenen Kunstentwicklung

3.1 Künstlerische Autonomie

3.2 Überwindung der ästhetischen Differenz

3.3 Varianten einer wirklichkeitsverbundenen Kunst

3.3.1 Wirklichkeitsverbundene Kunstwerke

3.3.2 Kunst und Prozessualität – eine Überwindung des Kunstwerks

3.4 Wandlung der künstlerischen Funktion

4. Realisation eines zeitgenössischen Realismus

4.1 Poststrukturalismus und Konzeptkunst

4.2 Adrian Piper – eine identitäre Unschärfe

4.3 Funk Lessons

4.3.1 Eine repräsentationskritische Analyse

4.3.2 Wirklichkeitsbezug

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern zeitgenössische Kunst trotz ihrer historischen Autonomie eine weltverbundene und realistische Funktion einnehmen kann. Basierend auf der Theorie von Wolfgang Welsch wird analysiert, wie durch die Überwindung des dualistischen Weltbildes eine neue künstlerische Praxis entstehen kann, die nicht mehr nur ein ästhetisches Objekt schafft, sondern aktiv in die Wirklichkeitsproduktion eingreift.

  • Philosophische Grundlagen der Wahrnehmungsentwicklung und des Realismusbegriffs.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der künstlerischen Autonomie und der ästhetischen Differenz.
  • Transformation des Kunstbegriffs hin zur Prozessualität.
  • Analytische Fallstudie zu Adrian Pipers "Funk Lessons" als Beispiel einer transformativen Realisationspraxis.

Auszug aus dem Buch

3.3.2 Kunst und Prozessualität – eine Überwindung des Kunstwerks

Das Problem der vorgestellten Varianten ist, dass nach einer Produktionsphase ein für sich stehendes Kunstwerk entsteht, welches der sonstigen Wirklichkeit gegenübersteht und nicht in diese integriert ist. Es kann keine dauerhafte Naturbindung geschaffen werden, da diese durch das fertige Werk gekappt wird. „Die Verbindung mit Wirklichkeit beschränkte sich auf die Hervorbringung, sie gilt nicht mehr für das Resultat. Das fertige Werk ist von den Wirklichkeitsprozessen abgekoppelt und steht nun der Wirklichkeit […] gegenüber.“ Denn die Folge eines für sich stehenden Kunstwerks ist immer eine Aufrechterhaltung der ästhetischen Differenz, die eine Unterscheidung von Kunst und Wirklichkeit als Grundlage ansieht. Ohne ein solches oppositives Wirklichkeitsverhältnis kann diese Form von Kunst nicht existieren.

Als eine Lösung des Problems sieht Welsch es als notwendig an sich von einem Kunstwerk als Ergebnis der künstlerischen Produktion zu trennen. Er orientiert sich hierbei besonders an der Kunstform der Musik, für die sich eine Prozessualität als eine Grundlage ihrer Existenz herausstellt. Ein musikalisches Werk kann nur durch den Prozess einer Aufführung realisiert werden und muss für jede Rezeption neu erzeugt werden. „Alle Schönheit, Erschütterung, Verstörung und Beglückung entsteht und besteht nur im Verlauf im Prozess.“ Um eine absolute Verwicklung von Kunst mit Wirklichkeit zu erreichen, darf das Ziel einer künstlerischen Arbeit nicht ein für sich stehendes Kunstwerk sein. Stattdessen wird die ästhetische Differenz mit einer Fokussierung auf den Prozess überwunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob zeitgenössische Kunst realistisch und weltverbunden sein kann, und stellt das theoretische Fundament mittels Wolfgang Welschs Ansatz vor.

2. Zur philosophischen Wahrnehmungsentwicklung: Dieses Kapitel erläutert den Wandel vom aristotelischen objektiven Wahrnehmungsverständnis hin zu einem modernen Dualismus und der anschließenden Wiederherstellung eines wirklichkeitsverbundenen Weltbildes.

3. Zur wirklichkeitsverbundenen Kunstentwicklung: Hier wird untersucht, wie die Überwindung des dualistischen Denkens die Kunst beeinflusst, mit Fokus auf ästhetische Differenz, künstlerische Autonomie und prozessorientierte Kunstformen.

4. Realisation eines zeitgenössischen Realismus: Dieses Kapitel analysiert anhand der Performances "Funk Lessons" von Adrian Piper, wie eine weltverbundene, transformative Kunstpraxis in der Realität umgesetzt werden kann.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die prozessuale Kunstform als eine wirksame, gesellschaftlich relevante Alternative zur traditionellen autonomen Kunst.

Schlüsselwörter

Realismus, Zeitgenössische Kunst, Wolfgang Welsch, Philosophische Wahrnehmungsentwicklung, Künstlerische Autonomie, Ästhetische Differenz, Prozessualität, Adrian Piper, Funk Lessons, Wirklichkeitsbezug, Repräsentationskritik, Transformation, Poststrukturalismus, Weltzugehörigkeit, Sozialer Wandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Wechselverhältnis von Wahrnehmung, Wirklichkeit und Kunst und untersucht, wie Kunst sich von einem autonomen Modell zu einer weltverbundenen, transformativen Praxis entwickeln kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind philosophische Wahrnehmungstheorien, die Überwindung der strikten Trennung von Kunst und Wirklichkeit sowie die Rolle von künstlerischen Prozessen in der gesellschaftlichen Wirklichkeitsproduktion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob zeitgenössische Kunst als "realistisch" gelten kann, wenn sie ihre Autonomie überwindet und statt statischer Objekte prozessuale Interaktionen mit der Wirklichkeit anbietet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretische Analyse auf Basis von Wolfgang Welschs Evolutions- und Wahrnehmungstheorie durchgeführt, gefolgt von einer fallstudienbasierten Analyse des Werks von Adrian Piper.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die philosophischen Grundlagen der Wahrnehmung, die theoretische kunsthistorische Überwindung von Dualismen und die detaillierte Untersuchung von Adrian Pipers Performance-Reihe "Funk Lessons".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Realismus, Ästhetische Differenz, Künstlerische Autonomie, Wirklichkeitsbezug, Transformation und Prozessualität.

Warum spielt das "Schwarze Loch" eine Rolle in der Arbeit?

Das Beispiel des ersten Bildes eines Schwarzen Lochs dient als wiederkehrende Metapher, um zu veranschaulichen, wie Wahrnehmung und technologische Medien unsere Welterfahrung erweitern und warum wissenschaftliche Repräsentationen aus menschlicher Sicht als "unvollständig", aber dennoch realistisch gelten können.

Welchen Einfluss hat Adrian Pipers Herkunft auf ihre "Funk Lessons"?

Pipers ethnische Vielfalt und ihre "identitäre Unschärfe" führen zu einer kritischen Reflexion über soziale Normen, wobei sie durch die "Funk Lessons" mit Leichtigkeit zwischen verschiedenen kulturellen Verfahren wechselt, um Stereotype der US-amerikanischen Gesellschaft zu hinterfragen.

Inwiefern unterscheiden sich "Funk Lessons" von gesellschaftskritischer Kunst?

Im Gegensatz zur klassischen gesellschaftskritischen Kunst, die oft urteilt, zielen Pipers Performances auf eine Transformation ab, indem sie Teilnehmer durch aktive Partizipation befähigen, ihre eigene Rolle und Identität innerhalb gesellschaftlicher Strukturen neu zu bestimmen.

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Details

Title
Realismus in der zeitgenössischen Kunst. Am Beispiel der "Funk Lessons" von Adrian Piper
College
University of Cologne  (Institut für Kunst und Kunsttheorie)
Grade
1,5
Author
Felix Straub (Author)
Publication Year
2020
Pages
37
Catalog Number
V1308073
ISBN (PDF)
9783346780164
ISBN (Book)
9783346780171
Language
German
Tags
Realismus Kunst zeitgenössisch Wahrnehmung Wahrnehmungstheorie Wolfgang Welsch Adrian Piper Wahrnehmungstäuschung Funk Lessons Wirklichkeitsbezug Konzeptkunst Performance Kunst Poststrukturalismus Autonomie Künstlerische Autonomie Anthropozentrischer Dualismus Mensch-Welt-Opposition Prozesskunst künstlerische Funktion Ästhetische Differenz Bachelor Lehramt Schwarzes Loch Wirklichkeitsverbundenheit Dualismus Welterfahrung Philosophie Evolutionstheorie Kunst und Wirklichkeit Repräsentationalismus Fiktionalismus Weltverbundenheit Realität Wahrnehmungsentwicklung Radiobild Ereignishorizont elektromagnetische Wellen Theorie Weltbild Radiowellen
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GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Straub (Author), 2020, Realismus in der zeitgenössischen Kunst. Am Beispiel der "Funk Lessons" von Adrian Piper, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1308073
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