Seit Jahren ist ein stetiger Anstieg psychischer Erkrankungen in Deutschland aber auch weltweit zu beobachten. Aber auch psychisch kranke Menschen sollen in das gesellschaftliche Leben inkludiert werden und gleichberechtigt teilhaben können, doch ist dies für Menschen in psychiatrischen Kliniken überhaupt möglich? Welchen Beitrag hat das Gesundheitssystem in Bezug auf Inklusion und Exklusion?
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig es ist, sich auch mit dieser Bevölkerungsgruppe zu beschäftigen und genau zu untersuchen, wie diese Menschen von Inklusion und Exklusion betroffen sind. Hierbei soll es in dieser Ausarbeitung gerade nicht um einzelne Fälle oder Personen gehen, der Blick richtet sich vielmehr auf die gesellschaftliche Ebene. Dabei werden die Prozesse der Inklusion und Exklusion aus systemtheoretischer Perspektive beleuchtet. Niklas Luhmann bietet mit seiner umfassenden Systemtheorie ein Grundgerüst, mit dem die obengenannten Fragen und Prozesse einer genaueren Betrachtung unterzogen werden können. Nähert man sich der Frage nach Inklusion und Exklusion aus systemtheoretischer Perspektive an, gilt es vor allem, die Besonderheiten eines Systems herauszustellen und die Rolle derer zu beleuchten, die den Gegenstand der Untersuchung bilden, also psychisch kranken Menschen.
Hierzu soll zunächst auf die Grundzüge der Systemtheorie von Niklas Luhmann eigegangen werden. Hierbei sollen auch die Inklusions- und Exklusionsmechanismen genauer beleuchtet werden. Dieser Schritt ist notwendig, da diese Ausarbeitung und die Beantwortung der Ausgangsfrage auf Basis von Luhmanns Systemtheorie erfolgen soll. Weiterhin liegt der Fokus auf psychisch kranken Menschen im Gesundheitssystem. Hierbei wird zunächst das Gesundheitssystem als eigenes Funktionssystem einer näheren Betrachtung unterzogen. Darüber hinaus wird es um die Rolle psychisch kranker Menschen im Gesundheitssystem gehen, ebenso wie um die konkreten Inklusions- und Exklusionsmechanismen des Gesundheitssystems aus systemtheoretischer Sicht. Auch wird sich mit den Auswirkungen des Gesundheitssystems auf andere Teilsysteme beschäftigt. Abschließend sollen die Inhalte dieser Ausarbeitung nochmals zusammenfassend reflektiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Systemtheorie nach Luhmann
2.1. Grundzüge
2.2. Der Zusammenhang von Inklusion und Exklusion
2.3. Inklusion in einer funktional differenzierten Gesellschaft
2.4. Exklusion in einer funktional differenzierten Gesellschaft
3. Systemtheoretische Betrachtung des Gesundheitssystems
3.1. Das Gesundheitssystem als Funktionssystem
3.2. Die Rolle psychisch kranker Menschen im Gesundheitssystem
3.3. Inklusions- und Exklusion im Gesundheitssystem
4. Auswirkungen auf andere Funktionssysteme
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Funktionieren und die absonderliche Stellung des Gesundheitssystems innerhalb der modernen Gesellschaft mithilfe der Systemtheorie nach Niklas Luhmann zu analysieren, wobei der Fokus insbesondere auf der Inklusion und Exklusion von psychisch kranken Menschen liegt.
- Grundzüge der Systemtheorie von Niklas Luhmann
- Konzeptualisierung von Inklusion und Exklusion in funktional differenzierten Systemen
- Analyse des Gesundheitssystems als autonomes Funktionssystem
- Die Rolle psychisch kranker Menschen in Bezug auf diagnostische Codierung
- Strukturelle Kopplungen des Gesundheitssystems mit anderen Funktionssystemen
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Rolle psychisch Kranker Menschen im Gesundheitssystem
Die Frage nach der Rolle psychisch kranker Menschen im Funktionssystem der Krankenbehandlung, bzw. des Gesundheitssystems erscheint auf dem ersten Blick leicht zu beantworten. Legt man Luhmanns systemtheoretische Überlegungen zu Grunde und geht davon aus, dass wie im vorangegangenen Kapitel ausgeführt, die Kommunikation innerhalb des Gesundheitssystem durch die binäre Codierung von krank und gesund abläuft.
So kommt man zu dem Schluss, dass sich die Rolle psychisch kranker Menschen nicht von denjenigen unterscheidet, die an einer körperlichen Erkrankung leiden. Aus systemtheoretischer Sicht macht es also keinen Unterschied ob der Erkrankte nun körperlichen oder psychisch krank ist. Der binäre Code von krank und gesund erlaubt keine weitere Ausdifferenzierung bezogen auf den Ursprung der Krankheit oder der Art und Weise der Symptomatik. Ein Patient der unter einer Herzrhythmusstörung leidet und ein depressiver Patient sind aus Sicht von Luhmanns Theorie gleichzusetzen. Somit ist krank derjenige der nicht gesund ist.
Bleiben wir also auf einer derartig abstrakten Ebene haben wir die Eingangsfrage beantwortet, psychisch Kranken kommt im Wesentlichen keine besondere Rolle im Gesundheitssystem zu. Die Themen Inklusion und Exklusion sind in diesem Zuge noch nicht thematisiert, hierzu soll auf das nächste Kapitel verwiesen werden. Dennoch sollten wir uns zumindest teilweise der Frage annähern was körperlich Kranke von psychisch Kranken unterscheidet. Hierbei geht es nicht um spezifische Erkrankungen oder Symptome, sondern vielmehr um die Frage wie es ÄrztInnen gelingt die Unterscheidung zwischen krank und gesund zu treffen. Diese Operation der Diagnosestellung ist stark gekoppelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas angesichts steigender psychischer Erkrankungen ein und umreißt die systemtheoretische Fragestellung der Arbeit.
2. Systemtheorie nach Luhmann: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Theorie von Niklas Luhmann, insbesondere die Differenz von System und Umwelt sowie die Mechanismen von Inklusion und Exklusion.
3. Systemtheoretische Betrachtung des Gesundheitssystems: Hier wird das Gesundheitssystem als autonomes Funktionssystem mit seiner speziellen, gegenüber anderen Systemen "vertauschten" binären Codierung von krank und gesund analysiert.
4. Auswirkungen auf andere Funktionssysteme: Dieses Kapitel skizziert die strukturellen Kopplungen zwischen dem Gesundheitssystem und anderen Systemen, wie etwa dem Wirtschafts- oder Rechtssystem.
5. Fazit: Das Fazit reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und unterstreicht die systemtheoretische Paradoxie, dass das Gesundheitssystem Inklusion und Exklusion gleichzeitig benötigt, um seine Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Inklusion, Exklusion, Gesundheitssystem, Funktionssystem, Psychisch krank, Binär-Code, Strukturelle Kopplung, Autopoiesis, Soziale Systeme, Diagnostik, Krankenbehandlung, Gesellschaft, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Gesundheitssystem unter der Perspektive der Systemtheorie von Niklas Luhmann und beleuchtet die Inklusions- und Exklusionsprozesse, denen psychisch kranke Menschen innerhalb dieses Systems unterliegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die soziologische Systemtheorie, die Funktionsweise des Medizinsystems, die Codierung von Gesundheit und Krankheit sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Klassifizierungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren inwieweit psychisch kranke Menschen im Gesundheitssystem eine Sonderrolle einnehmen und wie das System seine autopoietische Funktion durch Inklusion und Exklusion erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die sich primär auf die systemtheoretischen Ansätze von Niklas Luhmann stützt und diese auf das spezifische Beispiel des Gesundheitssystems anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Systemtheorie, der Analyse des Gesundheitssystems als Funktionssystem, der spezifischen Situation psychisch Kranker und der strukturellen Kopplung des Gesundheitssystems zu anderen gesellschaftlichen Bereichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Systemtheorie, Inklusion, Exklusion, Funktionssystem, Autopoiesis und die binäre Codierung von krank und gesund charakterisiert.
Warum bezeichnet Luhmann das Gesundheitssystem als "absonderliches" System?
Luhmann bezeichnet es als absonderlich, weil der Zielwert (Gesundheit) und der Reflexionswert im System vertauscht sind, was eine kritische Reflexion des eigenen Operationserfolgs innerhalb des Systems erschwert.
Was bedeutet die "inkludierende Exklusion" im Bereich der Psychiatrie?
Dies beschreibt einen Prozess, in dem Personen aus dem normalen gesellschaftlichen Leben exkludiert und in einem territorial abgegrenzten Raum (wie einer geschlossenen Klinik) erneut inkludiert werden.
Inwieweit spielt das Wirtschaftssystem eine Rolle für das Gesundheitssystem?
Das Wirtschaftssystem ist durch die gesetzliche Krankenversicherung eng an das Gesundheitssystem gekoppelt, da sich Beiträge am Lohnsummenniveau orientieren und das System somit indirekt vom Wirtschaftswachstum oder -abschwung profitiert.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Inklusion und Exklusion im Gesundheitssystem am Beispiel psychisch kranker Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1308321