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Auswege aus den Leiden? Rousseaus Naturphilosophie und ihr Scheitern in Goethes "Die Leiden des jungen Werther"

Título: Auswege aus den Leiden? Rousseaus Naturphilosophie und ihr Scheitern in Goethes "Die Leiden des jungen Werther"

Trabajo Escrito , 2017 , 19 Páginas , Calificación: 1

Autor:in: Florian Zerhoch (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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In der vorliegenden Arbeit soll gezeigt werden, dass der junge Werther in den Gedankenkreisen der rousseauschen, melancholisch-empfindsamen Philosophie festhängt, und die möglichen Auswege, die Rousseau in seinem Briefroman "Julie oder Die neue Heloise" darstellt, mit Werther im Selbstmord scheitern.

Noch 1972 leitete Hans-Heinrich Reuter aus Christian Friedrich Daniel Schubarts Lob über Goethes Werther ganz intentionalistisch ab, dass "Indem Schubart auf alle subtilen Räsonnements verzichtete und sein Ton ganz auf das aus der Identifikation mit Werther entspringende leidenschaftliche Ergriffensein abstellte, bestätigte er die grundlegende konzeptionelle Intention des Dichters und machte sich zugleich zum Sprecher der Empfindungen breitester Leserkreise."

Man kann Reuter noch soweit folgen, dass Schubart als Sprecher typischer empfindsamer Leser gelten kann, aber daraus die „konzeptionelle Intention des Dichters“ abzuleiten geht zu weit. Die neuere Forschung legt zusätzlich zu dieser empfindsam-identifikatorischen Lesart nämlich eine ironisch-distanzierende Lesart nahe, die Kritik am Umgang der empfindsamen Bürger bzw. Schriftsteller mit den gesellschaftlichen Zwängen und der politischen Ohnmacht der Bürger im Feudalabsolutismus ermöglicht. Diese bürgerliche "Erfahrung der Einschränkung bildet den Ursprung jener Melancholie, die sich im 18. Jahrhundert zu einer Gesellschaftskrankheit auswächst" und "im Gefolge der Rousseau-Rezeption kommt es zu einer Sentimentalisierung des Naturerlebnisses und zur Rückwendung des Individuums von der Gesellschaft auf sich selbst und die Hinwendung zur Natur."

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rousseaus Naturphilosophie als schlechter Ausweg aus der bürgerlich-empfindsamen Melancholie des Werther

2.1. Werther als Rousseaujünger

2.2 Scheitern rousseauschen Auswege aus der Heloise im Werther

3. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung Johann Wolfgang von Goethes mit den naturphilosophischen und gesellschaftskritischen Ansätzen von Jean-Jacques Rousseau in seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethe die als Auswege aus der bürgerlich-empfindsamen Melancholie vorgeschlagenen Modelle Rousseaus in seiner Romanhandlung konterkariert und als für den Protagonisten nicht tragfähig entlarvt. Dabei wird analysiert, inwiefern der Rückzug in die Natur sowie Versuche der psychotherapeutischen Selbsthilfe bei Werther scheitern.

  • Rousseaus Naturphilosophie als ideelle Bezugsgröße für Werthers Handeln
  • Die ironisch-distanzierte erzählerische Perspektive bei Goethe
  • Vergleichende Analyse der „Auswege“ (Reisen, Tätigkeit, Selbstmord) zwischen Werther und St. Preux
  • Die Rolle von Mitleid, Leidenschaft und Vernunft
  • Die gesellschaftskritische Dimension des Romans

Auszug aus dem Buch

2.1. Werther als Rousseaujünger

Der Argumentation von Tantillo folgend, sind die zwei wichtigsten Parallelen erstens die Ablehnung der Zivilisation und deren Ersatz durch Landleben und Natur, und zweitens die Ablehnung einer aufgesetzten Vernunft und deren Ersatz durch Mitleid und Leidenschaft: Schon eingangs begegnet man im Roman einem Werther, der in der Einsamkeit einer paradiesischen Gegend schwärmt: „Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.“ Das kommt dem Geborgensein alles Lebenden, wie Rousseau es beschreibt sehr nahe, denn „Die Erde, die ihrer natürlichen Fruchtbarkeit überlassen und von ungeheuren Wäldern bedeckt ist […] bietet den Tieren jeder Art auf Schritt und Tritt Vorratslager und Zufluchtsorte.“ Die Stadt empfindet Werther als unangenehm und kontrastiert sie mit der unaussprechlichen Schönheit der Natur rings umher. Seinem Befinden in dieser Natur verleiht Werther im Brief vom 10. Mai Ausdruck:

Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein, und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungslage zum Werther-Roman dar und grenzt die traditionelle identifikatorische von einer moderneren, ironisch-distanzierten Lesart ab, welche die Grundlage der vorliegenden Untersuchung bildet.

2. Rousseaus Naturphilosophie als schlechter Ausweg aus der bürgerlich-empfindsamen Melancholie des Werther: Hier wird untersucht, wie Werther als Rousseaujünger agiert und warum er im Gegensatz zu den Figuren in Rousseaus „neuer Heloise“ an den dort vorgezeichneten Bewältigungsstrategien wie Naturerleben, Reisen und Arbeit scheitert.

3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Goethe Rousseaus Philosophie durch das Scheitern Werthers kritisiert und selbst einen anderen Weg der schriftstellerischen Auseinandersetzung wählt, um Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen.

Schlüsselwörter

Werther, Johann Wolfgang von Goethe, Jean-Jacques Rousseau, Naturphilosophie, Empfindsamkeit, Melancholie, Nouvelle Héloise, Identifikation, Zivilisationskritik, Selbstmord, Aufklärung, psychotherapeutische Ansätze, Tugend, St. Preux, Literaturkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Es geht um die kritische Analyse des Einflusses von Rousseaus Philosophie auf Goethes „Werther“ und die Frage, wie der Autor die Konzepte seines Zeitgenossen narrativ verarbeitet und hinterfragt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Naturphilosophie, der Umgang mit gesellschaftlichen Zwängen, die Natur der Melancholie und die Möglichkeiten zur Bewältigung existentieller Krisen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu belegen, dass Goethes Roman eine ironisch-distanzierte Kritik an Rousseaus rousseauschen Lebensidealen darstellt, da diese für den Protagonisten Werther im fatalen Scheitern enden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparatistische und literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im Licht der Schriften Rousseaus (insbesondere „Julie oder Die neue Heloise“ und der Abhandlung zur Ungleichheit) betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Werther als „Rousseaujünger“, vergleicht ihn mit der Figur St. Preux und untersucht einzelne „Auswege“ wie Natur, Reisen, Arbeit und Musik auf ihre Wirksamkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Werther, Rousseau, Melancholie, Empfindsamkeit, Naturphilosophie, Gesellschaftskritik und literarische Selbstbehauptung.

Wie unterscheidet sich Werthers Weg von dem der Hauptfiguren in Rousseaus „neuer Heloise“?

Während St. Preux und Julie durch Leidenschaft zur Tugend und Vernunft gelangen und sich in die Gesellschaft integrieren, verharrt Werther im affektiven Zustand und findet keine Möglichkeit zur gesellschaftlichen oder psychischen Adaption.

Weshalb scheitert die Arbeit als Heilmittel?

Die Arbeit scheitert, da Werthers Leidenschaft zu absolut gesetzt ist, um durch vernunftgesteuerte Tätigkeiten oder einfache Ablenkung gelindert zu werden, was letztlich in die Selbstzerstörung führt.

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Detalles

Título
Auswege aus den Leiden? Rousseaus Naturphilosophie und ihr Scheitern in Goethes "Die Leiden des jungen Werther"
Universidad
LMU Munich
Calificación
1
Autor
Florian Zerhoch (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
19
No. de catálogo
V1309008
ISBN (Ebook)
9783346786746
ISBN (Libro)
9783346786753
Idioma
Alemán
Etiqueta
auswege leiden rousseaus naturphilosophie scheitern goethes werther
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Florian Zerhoch (Autor), 2017, Auswege aus den Leiden? Rousseaus Naturphilosophie und ihr Scheitern in Goethes "Die Leiden des jungen Werther", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309008
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