In diesem Essay wird die Bildungsungleichheit bei Kindern/Jugendlichen in Bezug auf die soziale Herkunft und den damit einhergehenden unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zu bestimmten Bildungsressourcen betrachtet. Im Mittelpunkt dieses Essays steht die Frage, inwiefern die soziale Position der Eltern mit der Bildungspraxis innerhalb der Familie und der Art des Erziehungsstils zusammenhängt und darüber auch die schulbezogenen Dispositionen und den Schulerfolg beeinflusst. Dabei wird auf die beiden Erziehungskonzepte des "Concerted Cultivation" und "Natural Growths" der Anthropologin Anette Lareau eingegangen, um Chancen und Probleme dieser in Bezug auf Bildungsungleichheit, aber auch die kindliche Entwicklung generell zu erörtern. Zudem wird in Teilen Bezug auf die Theorie sozialer Ungleichheit von Pierre Bourdieu genommen.
Inhaltsverzeichnis
Die Verschränkung von Bildung und Herkunft - Ungleiche Kindheiten mit Blick auf Bildungspraxen und Erziehungsstile in Familien
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Kindern, den familiären Erziehungspraxen und dem damit verknüpften schulischen Erfolg zu analysieren, wobei insbesondere die Konzepte der Erziehungsstile nach Anette Lareau im Fokus stehen.
- Analyse von Bildungsungleichheit als Folge sozialer Herkunft.
- Untersuchung der Erziehungsstile „Concerted Cultivation“ und „Natural Growth“.
- Verknüpfung familiärer Bildungspraxen mit Bourdieus Theorie des sozialen Kapitals.
- Diskussion der Auswirkungen von Erziehungspraxen auf schulische Dispositionen und Entwicklung.
- Kritische Reflexion über Leistungsoptimierung und gesellschaftliche Entwicklungen.
Auszug aus dem Buch
Die Verschränkung von Bildung und Herkunft - Ungleiche Kindheiten mit Blick auf Bildungspraxen und Erziehungsstile in Familien
Lareau bezeichnet mit „Concerted Cultivation“ eine Bildungspraxis, die in allen Belangen, sei es in der kommunikativen Praxis, der gemeinsamen Praktiken der Eltern oder dem schulbezogenen Engagement und den Freizeitaktivitäten auf den schulischen Erfolg des Kindes ausgerichtet ist (vgl. Lareau, 2011, S. 2ff). Das Erziehungsideal besteht demnach in der bewussten und gezielten Förderung der Talente, Meinungen und Fähigkeiten des Kindes durch eine Vielzahl von Aktivitäten. Dies kann nur gelingen, wenn der Alltag dementsprechend durchgeplant und strukturiert ist, sodass allerdings sowohl für die Kinder als auch für die Eltern wenig Zeit für eine freiere Entfaltung bleibt, um von diesem Plan auch einmal abzuweichen. Weiter lässt sich in Lareaus Studien bezüglich des Kommunikationsstils beobachten, dass diese grundlegend auf Augenhöhe mit den Kindern stattfindet, es zu vielen Verhandlungen und Diskussionen kommt, und grundsätzlich außerdem ein eher elaborierter Sprachgebrauch zu erkennen ist.
Unter dem Konzept des „Natural Growth“ kontrastiert sie einen Alltag, der sich vor allem an Alltagsnotwendigkeiten und Sicherstellung der Versorgung der Kinder orientiert und weniger über dies hinausgeht. Zwar haben die Eltern klare Normen und Regelvorstellungen gerade im Umgang mit den Erwachsenen, was sich in einem restringierenden Sprachcode und einem hierarchischen Verhältnis zwischen Eltern und Kindern zeigt, sie gewähren ihren Kinder allerdings mehr Freiräume in der Gestaltung des Alltags und mischen sich nicht in die kindliche Lebenswelt ein. Dies allerdings nicht aus Überzeugung, dass des besser für die Kinder sei, sondern aus der Unfähigkeit heraus mehr Zeit investieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Verschränkung von Bildung und Herkunft - Ungleiche Kindheiten mit Blick auf Bildungspraxen und Erziehungsstile in Familien: Diese Arbeit untersucht, wie soziale Herkunft durch familiale Erziehungspraxen in Bildungschancen übersetzt wird, und analysiert hierbei die Konzepte von Anette Lareau sowie Bourdieu, um die Reproduktion von Bildungsungleichheit zu beleuchten.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Erziehungsstile, Concerted Cultivation, Natural Growth, Anette Lareau, Pierre Bourdieu, kulturelles Kapital, soziale Ungleichheit, Bildungserfolg, Schulerfolg, Habitus, familiale Sozialisation, Leistungsgesellschaft, Bildungschancen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem und untersucht, inwiefern die soziale Herkunft von Kindern und die damit verbundenen elterlichen Erziehungsstile den Schulerfolg beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die soziokulturelle Prägung durch das Elternhaus, die Rolle des kulturellen Kapitals nach Bourdieu und die verschiedenen Erziehungskonzepte in Familien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen der sozialen Position der Eltern, der häuslichen Bildungspraxis und den resultierenden schulischen Dispositionen der Kinder aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Literatur, insbesondere unter Rückgriff auf die empirischen Studien von Anette Lareau und die soziologischen Theorien Pierre Bourdieus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die beiden Erziehungsstile „Concerted Cultivation“ (gezielte Förderung) und „Natural Growth“ (natürliches Wachsen) gegenübergestellt, ihre Auswirkungen auf Kinder analysiert und kritisch in den Kontext der Leistungsgesellschaft gesetzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Erziehungsstile, Habitus und Kapitaltheorie charakterisiert.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen „Concerted Cultivation“ und „Natural Growth“?
„Concerted Cultivation“ beinhaltet eine strukturierte, zielgerichtete Förderung der Kinder durch die Eltern, während „Natural Growth“ den Kindern mehr Freiraum lässt und stärker auf Alltagsnotwendigkeiten fokussiert ist.
Was bedeutet der Begriff „sense of entitlement“ im Kontext der Arbeit?
Er beschreibt das selbstbewusste Auftreten gegenüber Institutionen wie der Schule, das durch den Erziehungsstil „Concerted Cultivation“ geprägt ist und Eltern sowie Kinder dazu befähigt, aktiv Ansprüche zu formulieren.
Wird die „Concerted Cultivation“ vom Autor als objektiv besser bewertet?
Nein, der Autor betont, dass dieser Stil lediglich eine bessere Passung zu den Anforderungen des Bildungssystems aufweist, jedoch auch negative Aspekte wie Stress und mangelnde Selbstbestimmung für das Kind mit sich bringt.
Welchen Einfluss hat das ökonomische Kapital auf den Erziehungsstil?
Geringeres ökonomisches Kapital führt laut Arbeit häufig dazu, dass Eltern weniger Zeit und Ressourcen für exzessive schulbezogene Förderaktivitäten aufbringen können, was den Stil „Natural Growth“ begünstigt.
- Citar trabajo
- Felina Lehmann (Autor), 2021, Die Verschränkung von Bildung und Herkunft. Ungleiche Kindheiten mit Blick auf Bildungspraxen und Erziehungsstile in Familien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309273