Die Tatsituation als Ansatzpunkt hat zur Erklärung von abweichendem Verhalten durch die traditionellen Kriminalitätstheorien lange Zeit keine Beachtung erhalten. Es dominierte eine täterbezogene Sicht. Daher wirkte der durch Cohen und Felson entwickelte Ansatz revolutionär, stellte dieser doch erstmalig die Tatgelegenheiten und nicht die Täterpersönlichkeit in den Fokus. Gegenstand dieser Arbeit ist der auf Grundlage dessen entstandenen Routine Activity Approach zum einen und die dazu betriebene Forschung zum anderen. Ziel ist es, die empirische Überprüfbarkeit herauszufiltern und damit ihre Nutzbarkeit für Kriminalitätspräventionen abzuleiten. Schwerpunkt dieser ist die Darstellung des aktuellen Forschungsstands, wobei im Rahmen dieser Arbeit ein Ausschnitt dargestellt wird.
Der Forschungsstandort Nordamerika bietet derzeit die umfangreichste Studienanzahl. Die empirischen Erkenntnisse können jedoch unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Unterschiede in ihren Grundzügen ebenfalls auf die europäische Gesellschaft übertragen werden. In der vorliegenden Arbeit wird zuerst die Theorie dargelegt. Es folgt eine Präsentation der veröffentlichten Studien, um die empirische Überprüfbarkeit des Ansatzes aufzuzeigen. Zunächst wird die Entstehung des Ansatzes kurz skizziert. Daran anknüpfend werden die drei wichtigsten Kernelemente der Theorie wiedergegeben. Im Folgenden wird die Bedeutung der Routineaktivitäten für der Routine Activity Approach zusammengefasst. Anschließend wird der aktuelle Forschungsstand aufgeteilt auf einzelne Delikte und Risikogruppen für Viktimisierung vorgestellt. Abschließend folgt ein Fazit und eine kritische Stellungnahme.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Routine Activity Approach
I. Kernelemente
II. Routineaktivitäten
III. Mikro-Makro-Modell
C. Aktuelle Forschung
I. Eigentumskriminalität
1. Allgemein
2. Bezugspunkt Europa
II. Stalking
III. Amokläufe
IV. Organisierte Kriminalität
V. Vergewaltigung
VI. Sonstige Delikte
VII. Individuell abweichendes Verhalten
VIII. Behinderung als Risikofaktor
D. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Analyse des Routine Activity Approach (RAA) von Cohen und Felson. Ziel ist es, die empirische Überprüfbarkeit dieses kriminologischen Ansatzes zu explorieren, seine Anwendbarkeit auf verschiedene Deliktsbereiche darzustellen und daraus Erkenntnisse für die Kriminalitätsprävention abzuleiten.
- Grundlagen und Kernelemente des Routine Activity Approach
- Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Wandel, Routineaktivitäten und Kriminalitätsaufkommen
- Empirische Anwendung des Modells auf Eigentums- und Gewaltdelikte
- Kritische Würdigung der Erklärungsleistung des Ansatzes
Auszug aus dem Buch
I. Kernelemente
Der Täter müsse eine kriminelle Neigung und die Fähigkeit besitzen, dieser auch zu folgen. Das sei grundsätzlich gegeben. Da Cohen und Felson jedoch die Person des Täters in ihrer Theorie ausklammern, vertiefen sie diesen Indikator nicht. Dennoch sprachen sie dem Täter ein Maß an Rationalität zu, welches es ermögliche, rational kalkulierend abzuwägen.
Zudem müsse das Tatziel verfügbar sein. Dafür kämen beliebige Gegenstände sowie Menschen in Frage. Das Tatziel steht in Abhängigkeit zu der verübten Deliktart. Die potenziellen Tatziele seien hierbei aus der Täterperspektive zu beurteilen. Nach Cohen und Felson ist die Verfügbarkeit des Tatziels an vier Eigenschaften messbar. Zur Darstellung der Eigenschaften bedienen sie sich dem Akronym „VIVA“. „VIVA“ steht für value, inertia, visibility und access. Die erste kennzeichnende Eigenschaft ist somit der Wert (value). Entscheidend ist er für die durch den Täter verfolgten Ziele. Dazu zählen: der Verkaufserlös, die Eigenbesitzverschaffung oder das immaterielle Interesse.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in die Thematik der Tatgelegenheitsstrukturen und Vorstellung des Routine Activity Approach als alternativen Erklärungsansatz zu täterorientierten Theorien.
B. Routine Activity Approach: Detaillierte Darstellung der drei Kernelemente (motivierter Täter, geeignetes Tatziel, Abwesenheit schutzbereiter Wächter) sowie des Zusammenhangs zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und Routineaktivitäten im Mikro-Makro-Modell.
C. Aktuelle Forschung: Exemplarische Untersuchung verschiedener Kriminalitätsformen (u.a. Eigentumskriminalität, Stalking, Amokläufe, organisierte Kriminalität) hinsichtlich ihrer empirischen Bestätigung durch den Ansatz.
D. Fazit: Kritische Reflexion und abschließende Bewertung der Innovationskraft sowie der Grenzen des Routine Activity Approach in der modernen Kriminologie.
Schlüsselwörter
Routine Activity Approach, Tatgelegenheitsstruktur, Kriminologie, Kriminalitätsprävention, motivierter Täter, geeignetes Tatziel, VIVA-Akronym, Deliktsformen, Viktimisierung, sozialer Wandel, Routineaktivitäten, Situationale Analyse, Kriminalitätsentwicklung, RAA, Schutzwächter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den "Routine Activity Approach", eine kriminologische Theorie, die abweichendes Verhalten nicht durch die Persönlichkeit des Täters, sondern durch situative Tatgelegenheiten erklärt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die drei Kernelemente des Ansatzes, der Einfluss von Routineaktivitäten des Alltags auf Kriminalitätsraten sowie die empirische Validität der Theorie bei verschiedenen Deliktarten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die empirische Überprüfbarkeit des Routine Activity Approach systematisch zu filtern, um daraus Erkenntnisse für eine effektivere Kriminalitätsprävention abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit bedient sich einer Literatur- und Forschungsstandanalyse, in der aktuelle Studien zu unterschiedlichen Deliktfeldern herangezogen und auf Basis des Routine Activity Approach interpretiert werden.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Ansatzes sowie einen umfangreichen empirischen Teil, der die Theorie auf Delikte wie Eigentumskriminalität, Amokläufe, Stalking und organisierte Kriminalität anwendet.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören: Routine Activity Approach, Tatgelegenheitsstruktur, motivierter Täter, geeignetes Tatziel, Schutzwächter und situative Kriminalitätsprävention.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von klassischen Theorien?
Klassische Theorien konzentrieren sich oft auf die Persönlichkeit oder die Motive des Täters. Dieser Ansatz hingegen klammert die Täteridentität weitgehend aus und fokussiert rein auf das räumliche und zeitliche Zusammentreffen von Gelegenheitsfaktoren.
Welche Bedeutung hat das "VIVA"-Akronym in der Theorie?
Das VIVA-Akronym (Value, Inertia, Visibility, Access) dient als Messinstrument für die objektive Attraktivität eines Tatziels aus der Perspektive eines potenziellen Täters.
Kann der Routine Activity Approach Amokläufe vollständig erklären?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Ansatz zwar hilfreiche Erklärungsansätze liefert, Massenschießungen jedoch zu komplex sind, um sie allein durch das Routine-Modell abschließend zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Michelle Kartsch (Autor:in), 2021, Aktuelle Forschung zum Routine Activity Approach und die Nutzbarkeit für Kriminalitätspräventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309514