Es wird sich der Frage gewidmet, inwiefern Humes Kausalitätskritik einen ernstzunehmenden Angriff auf Berkeleys immaterialistisches System darstellt. Zunächst wird versucht, die Argumentation Berkeleys in „Abhandlung über die Prinzipien
der menschlichen Erkenntnis“ nachzuvollziehen und dabei insbesondere auf jene Stellen eingegangen, an denen der Kausalität eine tragende Rolle eingeräumt wird. Dies betrifft vor allem Berkeleys Gottesbeweis, der jedoch nicht verständlich erklärt werden kann, ohne vorher auf diverse Vorannahmen einzugehen. Auf die Darlegung des Immaterialismus folgend wird versucht, die wesentlichen Punkte der humeschen Kausalitätskritik in „Untersuchung des menschlichen Verstandes“ zu erläutern, um diese in Kapitel 4 auf Berkeley zu beziehen und aufzuzeigen, ob es sich dabei um wichtige Einwände für Berkeley System handelt und welche theoretischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Die beiden ausgewählten Werke gelten inhaltlich als deckungsgleich mit Humes „Ein Traktat über die menschliche Natur“ und Berkeleys „Drei Dialoge zwischen Hylas und Philonous“, auf die in dieser Arbeit nicht eingegangen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Zwei Denker des britischen Empirismus
2 Der Immaterialismus Berkeleys
2.1 Widerlegung des Materialismus
2.2 Grundlegung des Immaterialismus und die Rolle der Kausalität
3 Humes Kausalitätskritik
4 Bedeutung der Humeschen Kausalitätskritik für Berkeleys Immaterialismus
5 Das Problem des Empirismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kausalitätsproblem im ontologischen System von George Berkeley unter Einbeziehung der Kausalitätskritik von David Hume. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Humes konsequenter Empirismus Berkeleys Theorie des Immaterialismus – insbesondere dessen Gottesbeweis – durch die Infragestellung kausaler Verknüpfungen untergräbt und in eine erkenntnistheoretische Krise führt.
- Kritische Analyse des britischen Empirismus bei Berkeley und Hume
- Widerlegung des Materialismus und Begründung des Immaterialismus
- Untersuchung der Rolle der Kausalität im immaterialistischen Gottesbeweis
- Humes Kausalitätskritik und die Ablehnung unsichtbarer Wirkungskräfte
- Konfrontation von theologischen Ansprüchen mit radikal-empiristischen Anforderungen
Auszug aus dem Buch
2.2 Grundlegung des Immaterialismus und die Rolle der Kausalität
Berkeleys negative Argumentation gegen den Materialismus ist recht ausführlich, da er sich zur Aufstellung seines eigenen Systems genötigt sah, zunächst die, seiner Meinung nach, irrige Annahme desselben zu beseitigen. Da diese sich auch heute noch weitestgehend mit dem ‚common sense‘ deckt, kann nicht ohne Weiteres darüber hinweggegangen werden. Berkeley musste zeigen, dass er als Grundlage für sein, intuitiv weniger einleuchtendes, System gute Gründe anführen kann, indem er die von seinen empiristischen Vorgängern diskutierte Alternative ad absurdum führt. Bis zu diesem Punkt ist der Großteil der angeführten Argumente mit dem empiristischen Anspruch vereinbar und überwiegend konsequent gedacht. Es kann allerdings eingewandt werden, dass Berkeley bereits voraussetzt, was es zu beweisen gilt. Für einige Elemente des immaterialistischen Systems führt Berkeley keine Begründung an, da er es als selbstevident erachtet. Wie sein immaterialistisches Weltbild genauer ausgestaltet ist soll im Folgenden gezeigt werden.
In der Wirklichkeit, die Berkeley vor Augen hat, gibt es, wie bereits erwähnt, zwei Arten von Entitäten: Ideen und Geister. Während Ideen rein passiver Natur sind und nicht existieren können ohne wahrgenommen zu werden, sind Geister „ungeteilte, einfache, aktive Wesen“, die einerseits Ideen wahrnehmen und diese andererseits durch ihren Willen hervorbringen können. Diese Geister erleben eine Wirklichkeit, die nicht materiell aber dennoch physisch und völlig davon abhängig ist, wahrgenommen zu werden. Sie haben dabei einen unmittelbaren Zugriff auf die Realität, da es keine verborgene Wirklichkeit hinter den Erscheinungen gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zwei Denker des britischen Empirismus: Einleitung in die empiristische Denkweise und Problemstellung bezüglich der Kohärenz zwischen Berkeleys System und Humes Kausalitätskritik.
2 Der Immaterialismus Berkeleys: Darstellung von Berkeleys ontologischem Idealismus, unterteilt in die Widerlegung des Materialismus und die Grundlegung des eigenen Systems mittels des Gottesbeweises.
2.1 Widerlegung des Materialismus: Analyse von Berkeleys Strategie, materielle Entitäten durch die Kritik an abstrakten Ideen als unhaltbare Konstrukte zu verwerfen.
2.2 Grundlegung des Immaterialismus und die Rolle der Kausalität: Erläuterung der dualen Ontologie von Geistern und Ideen sowie die fundamentale Bedeutung des Willensaktes Gottes als Ursache der Ideen.
3 Humes Kausalitätskritik: Radikale Anwendung des empiristischen Sinnkriteriums auf den Kausalitätsbegriff, die zu einer Ablehnung notwendiger Verknüpfungen führt.
4 Bedeutung der Humeschen Kausalitätskritik für Berkeleys Immaterialismus: Konfrontation der beiden Denker, bei der Humes Kritik die Basis von Berkeleys Gottesbeweis und damit dessen Immaterialismus als Ganzes in Frage stellt.
5 Das Problem des Empirismus: Reflexion über die Konsequenzen der radikalen Empirismus-Forderung für das Scheitern von Berkeleys theologischem Ziel und Ausblick auf verbleibende skeptische Fragen.
Schlüsselwörter
Empirismus, Immaterialismus, Kausalität, George Berkeley, David Hume, Materialismus, Gottesbeweis, Ideen, Geist, Wahrnehmung, Ursache und Wirkung, Erkenntnistheorie, Ontologie, Skepsis, Sinnkriterium.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung mit dem Kausalitätsproblem innerhalb der Theorien des britischen Empirismus, insbesondere mit Fokus auf George Berkeleys Immaterialismus und David Humes Kausalitätskritik.
Welche Denker stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen George Berkeley und David Hume, wobei Humes Kritik an Kausalbeziehungen als Maßstab herangezogen wird, um Berkeleys System zu prüfen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern Humes Kausalitätskritik einen schwerwiegenden Angriff auf Berkeleys immaterialistisches System darstellt und ob dieses System trotz der Kritik kohärent bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine analytisch-philosophische Untersuchung, die auf dem Studium primärer Texte (Abhandlung über die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis, Untersuchung über den menschlichen Verstand) und relevanter Sekundärliteratur basiert.
Worauf konzentriert sich der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Rekonstruktion von Berkeleys Widerlegung des Materialismus, die detaillierte Darstellung von Humes Skeptizismus gegenüber Kausalität und die direkte Anwendung dieser Kritik auf Berkeleys Gottesbeweis.
Welche zentralen Schlüsselwörter definieren diese Arbeit?
Schlüsselwörter sind Empirismus, Immaterialismus, Kausalität, Materialismuskritik, Gottesbeweis, Perzeption und erkenntnistheoretische Skepsis.
Warum ist laut Autor der Gottesbeweis bei Berkeley als Schwachpunkt anzusehen?
Der Gottesbeweis stützt sich kausal auf die Annahme, dass jede Idee eine Ursache haben muss. Wenn jedoch, wie Hume zeigt, keine notwendige kausale Verbindung beweisbar ist, verliert diese zentrale Stütze von Berkeleys Argumentation ihre Kraft.
Welche Rolle spielt der Begriff "Geist" in Berkeleys System?
Geister sind für Berkeley die einzigen aktiven Wesen, die perzipieren können und als einzige Ursache für Ideen fungieren, da Materie als passives und somit wirkungsloses Konstrukt abgelehnt wird.
Inwiefern führt Humes Kritik Berkeley in das Problem des Solipsismus?
Wenn die kausale Schließung auf andere Geister (durch die Beobachtung von Wirkungen) wegfällt, bleibt für das erkennende Subjekt keine methodische Basis, die Existenz anderer Geister oder einer unabhängigen Außenwelt jenseits der eigenen Ideen zu belegen.
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- Fabian Fischbach (Autor), 2020, Das Kausalitätsproblem bei Hume und Berkeley. Anwendung der Kausalitätskritik Humes auf den Gottesbeweis Berkeleys, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309650