Reality-TV als Wegbereiter moralischen Verfalls

Wohin steuern die Medien im 3. Jahrtausend?


Essay, 2009

9 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Reality-TV als Wegbereiter moralischen Verfalls

Wohin steuern die Medien im 3. Jahrtausend?

Reality-TV ist dem breiten Publikum seit den 1990er Jahren ein Begriff. Darunter lassen sich eine Reihe von Sendeformaten zusammenfassen, in welchen versucht wird, die Realität möglichst genau abzubilden. Während die ersten Formate dieser neuen Kategorie, die ihre Ursprünge in den 1940ern hatte, noch weitgehend als Spielwiese kreativen Experimentierens mit dieser neuartigen Unterhaltungsform voyeuristischer Prägung dienten, so ist deren genuin verspielte Naivität mittlerweile radikalisierten Veränderungen gewichen: ließ sich der Zuseher anfänglich von versteckten Kameras oder harmlosen Talentshows verzücken, so trieb der Kampf um Einschaltquoten die Sender im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Genres zu immer bizarreren Ideen. Mittlerweile charakterisieren Attribute wie Ekel, Geschmacklosigkeit und moralische Entgleisungen Sendeformate im Reality-Modus. Wie schon so oft in der Vergangenheit beim Aufkommen neuartiger Trends

zu beobachten war, kennzeichnet auch hier ein harmloser Beginn einen späteren, fragwürdig gewordenen Entwicklungsverlauf. Um die Quoten der einzelnen Sendungen weiter halten oder gar steigern zu können, versuchen nun die Macher dieses Voyeurmarktes, welcher anscheinend zu nivellieren begann, sich an Perversionen in den gezeigten Inhalten zu überbieten. Neuere Sendeformate dieses Genres entwachsen folglich sukkzessive ihrem voyeuristischen Erbe und beginnen andere Elemente wie Geschmacklosigkeit oder Sadismus als subtile Aufwertung zu integrieren. Dem Publikum scheint es zu gefallen; denn dieses erkennt sich scheinbar selbst in den gezeigten Sendungen und nimmt das eigene, sich verändernde Wesen wenig selbstkritisch an.

Die Realität möglichst genau abbilden – mit diesem Vorhaben ist das Genre ursprünglich an den Start gegangen – offensichtlich entsprechen die neuen inhaltlichen Aufwertungen der Realität im angehenden 3. Jahrtausend. Darüber hinaus beeinflusst die gezeigte Realität rückwirkend die „reale“ Realität dergestalt, dass Tendenzen moralischen Verfalls durch die opportun aufbereiteten Voyeursendungen verharmlost werden und so auf diese Weise gezeigte Inhalte als gesellschaftsfähig legitimierbar erscheinen.

Als hintergründige Persiflage dieses Trends hat der Film „The Truman Show“ diese Thematik bereits Ende der 1990er Jahre aufgegriffen und eine von Medien geprägte Welt angeprangert. Selbst im Stile einer Reality-Show inszeniert, hat der Film den manipulativen Einfluss der Medien auf das einzelne Individuum thematisiert. Einem nach Lust gierenden Publikum an der Privatsphäre anderer wird gegeben, was es fordert.

Obwohl der Film ansich zwar ein fiktives, aus gesellschafts-ethischer Perspektive abzulehnendes Szenario skizziert, welches ein potentiell quotenbringendes Sendeformat illustriert, könnte er aber aufgrund des vorhandenen Reality-Hypes und der menschlichen Grenzenlosigkeit eines Tages selbst zur Vorlage für ein Sendeformat mutieren.

Der Dschungel als Ursprung modernen Grenzgängertums

Ein aktuelles Sendeformat, welches schon zum wiederholten Male in Deutschland aufgelegt wurde, steht beispielhaft für die moralisch-psychische Selbstverstümmelung der Kandidaten und Zuseher dieses Genres. Zum einen handelt es sich dabei um ein weiteres Format im Reality-TV-Modus mit dem diesem Sendungstypus inhärenten, salonfähig gewordenen Voyeurismus, und zum anderen ist ein bereits in der ersten Sendung ein viel zitiertes und groß geschriebenes Grenzgängertum deutlich erkennbar. Anscheinend eine weitere feinsinnige inhaltliche Verbesserung des Genres mit dem Ziel der Quotensteigerung. Nicht nur die simple Frage nach dem Unterschied von gelungener Unterhaltung und übertriebener Geschmacklosigkeit erscheint bei deren Rezeption legitim, sondern auch die Frage, ob denn der Begriff der Menschenwürde einer neuen Definition im angelaufenen Millenium bedürfe? Denn als Zuschauer konnte man dabei Zeuge abartig gewordener Vorstellungen der Menschenwürde von zum Teil mit Versagensängsten behafteten Persönlichkeiten werden. Was folgte war eine schändliche öffentliche Zurschaustellung und infame Ausnutzung von mit Angst und Ekel ringenden Menschen, die offensichtlich ihre persönllichen ethischen Prinzipien in diesem Moment aufgaben, nur um einem vor sadistischer Gier lechzenden Publikum gerecht zu werden. Versagensängste buchstäblich ins Gesicht geschrieben, hatten die Kandidaten in diesem Moment keine Bedenken mehr, selbst lebende Tiere zu töten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Reality-TV als Wegbereiter moralischen Verfalls
Untertitel
Wohin steuern die Medien im 3. Jahrtausend?
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V130981
ISBN (eBook)
9783640374106
ISBN (Buch)
9783640373864
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reality TV, Moral, moralischer Verfall, Sensationslust, Quotengier, Voyeurismus
Arbeit zitieren
Klaus Hofmann (Autor), 2009, Reality-TV als Wegbereiter moralischen Verfalls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130981

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