Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, die Systematik der zukunftserfolgs- und marktorientierten
Verfahren darzustellen und darauf aufbauend einen Vergleich zwischen beiden
Verfahren vorzunehmen. Der Schwerpunkt des Vergleichs soll hierbei auf der unterschiedlichen
Methodik der Ansätze und der jeweiligen Ergebnisqualität bei Veränderung von Parametern
liegen. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, welcher Ansatz den Wert
eines Unternehmens am genauesten bestimmt und somit für die Praxis am praktikabelsten
erscheint. Zunächst werden die Grundlagen des Themenkomplexes Unternehmensbewertung erläutert,
wobei der Schwerpunkt auf Bewertungsanlässen und Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung
gelegt wird. Neue Tendenzen im Zuge des Shareholder Value Ansatzes
werden ebenfalls behandelt. Anschließend erfolgt eine genaue Darstellung der zukunftserfolgsorientierten
Verfahren anhand des Ertragswert- und der DCF – Verfahren. Dabei
wird auf grundsätzliche Problemfelder, die in der Methodik der Verfahren zu finden sind
explizit eingegangen. Im weiteren Verlauf wird der marktorientierte Ansatz hinsichtlich der
Multiplikatormethode beschrieben und erörtert.
Auf Einzelbewertungs- und Mischverfahren wird in diesem Zusammenhang nicht näher
eingegangen, da zum einem die praktische Anwendung dieser Verfahren stark rückläufig
ist3 und sie zum anderen methodische Schwächen aufweisen. Diese Schwächen liegen in
der ausschließlich vergangenheitsorientierten Analyse der Handelsbilanz, die durch bilanzpolitische Maßnahmen (z.B. überhöhte Abschreibungs- oder kurzfristige Liquiditätsbildung)
nur ein verzerrtes Bild des Unternehmens liefern kann. Damit sind diese Verfahren unbrauchbar,
um den Wert eines Unternehmens objektiv und unter Einbeziehung der zukünftigen
Entwicklung zu beurteilen. Auch der Hauptfachausschuss des IDW ordnet dem Subtanzwertverfahren
als Einzelbewertungsverfahren nur noch eine untergeordnete Rolle im
Portfolio der Bewertungsverfahren zu.1 [...]
3 nach einer empirischen Untersuchung von Peemöller, Volker H./ Bömelburg, Peter/ Denkmann, Andreas [
Empirische Erhebung, 1994 ] benutzen deutsche Unternehmen nur noch zu 4 % das den Einzelbewertungsverfahren
zuordenbare Substanzwertverfahren zur Bewertung von Unternehmen.
1 vgl. IDW [ IDW S1, 2000 ], S 826, Gliederungspunkt 2.1 (6)
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung
2 GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG
2.1 Bewertungsanlässe
2.2 Die Begriffe Wert und Preis
2.3 Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung
2.3.1 Objektive Unternehmensbewertung
2.3.2 Subjektive Unternehmensbewertung
2.3.3 Funktionale Unternehmensbewertung
2.3.3.1 Beratungsfunktion
2.3.3.2 Vermittlungsfunktion
2.3.3.3 Kritik an der funktionalen Unternehmensbewertung
2.3.4 Marktwert und der Shareholder Value Ansatz bei Unternehmensbewertungen
3 VERFAHREN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG
3.1 Zukunftserfolgsorientierte Verfahren
3.1.1 Einleitende Betrachtung
3.1.2 Ertragswertverfahren
3.1.2.1 Problematik des Planungszeitraums
3.1.2.2 Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes
3.1.3 Discounted Cash-Flow Verfahren
3.1.3.1 Entity-Approach
3.1.3.1.1 Die Definition der Cash Flows
3.1.3.1.2 Durchschnittliche gewogene Kapitalkosten - WACC
3.1.3.2 APV-Verfahren
3.1.3.3 Equity-Approach
3.2 Marktorientierte Verfahren
3.2.1 Idee des marktorientierten Verfahrens
3.2.2 Definition der Vergleichsunternehmen
3.2.3 Festlegung der Multiplikatoren und Berechnung des Unternehmenswertes
4 VERGLEICH DES DCF-VERFAHRENS UND DER MULTIPLIKATORMETHODE
4.1 Konzeption des Vergleichs
4.2 Modellrechnung
4.2.1 Modellrechnung mittels Entity-Approach
4.2.2 Modellrechnung mittels Multiplikatormethode
4.2.3 Ergebnisinterpretation und Parametervariation
5 FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, die Systematik zukunftserfolgsorientierter sowie marktorientierter Unternehmensbewertungsverfahren darzustellen und diese auf Basis einer Modellrechnung kritisch zu vergleichen, um deren jeweilige Eignung für die Praxis zu evaluieren.
- Methodik des zukunftserfolgsorientierten Ertragswert- und DCF-Verfahrens
- Strukturelle Analyse der marktorientierten Multiplikatormethode
- Anwendung der Verfahren an einem fiktiven Unternehmensbeispiel
- Vergleichende Analyse der Ergebnisqualität unter Parameterveränderung
- Diskussion der Grenzen und Anwendungsbereiche der Bewertungsmodelle
Auszug aus dem Buch
3.1.3.1 Entity-Approach
Der Entity-Approach stellt den üblichen Standard des DCF-Verfahrens dar, wie er in der Praxis am häufigsten verwendet wird. Im ersten Schritt wird der Wert des Gesamtkapitals ermittelt, von dem anschließend der Marktwert des Fremdkapitals subtrahiert wird, um die Zielgröße, den Wert des Eigenkapitals (Shareholder Value), zu erhalten. Der Entity-Approach kann zur Ermittlung der Zielgröße auf zwei Methoden zurückgreifen: Den WACC- (weighted average cost of capital) und den Total Cash Flow-Ansatz. Der Unterschied bei der Ansätze besteht darin, dass der Letztere in seiner Systematik von einem verschuldeten und der WACC-Ansatz von einem fiktiven unverschuldeten Unternehmen ausgeht. Dies hat zur Folge, dass beim WACC-Ansatz die prognostizierten Cash Flows, aufgrund der Nichtberücksichtigung des steuermindernden Effektes durch Fremdkapitalfinanzierung, niedriger ausfallen als beim Total-Cash Flow Ansatz. Im WACC-Ansatz findet deshalb ein Ausgleich dahingehend statt, dass im Diskontierungssatz die Fremdkapitalkosten um Steuervorteile (tax shield) reduziert werden. Für das weitere Vorgehen wird der WACC-Ansatz erläutert, da dieser fast ausschließlich eine theoretische Betrachtung des Entity-Approach in der Literatur umfasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Unternehmensbewertung ein, beleuchtet die Problemstellung und definiert die Zielsetzung sowie den methodischen Gang der Untersuchung.
2 GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG: Es werden die verschiedenen Anlässe, Begrifflichkeiten, historische Entwicklungsphasen und Funktionen der Unternehmensbewertung erörtert.
3 VERFAHREN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten Darstellung zukunftserfolgsorientierter Ansätze (Ertragswert, DCF) sowie der marktorientierten Multiplikatormethode.
4 VERGLEICH DES DCF-VERFAHRENS UND DER MULTIPLIKATORMETHODE: Hier erfolgt eine praktische Gegenüberstellung der Verfahren anhand einer Modellrechnung zur Analyse der Ergebniskonformität.
5 FAZIT: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Anforderungen an zukünftige Bewertungsverfahren.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Zukunftserfolgsorientierte Verfahren, Marktorientierte Verfahren, Ertragswertverfahren, Discounted Cash Flow, DCF-Verfahren, Entity-Approach, WACC, Multiplikatormethode, Shareholder Value, Kapitalisierungszinssatz, Bewertungsanlässe, Unternehmenswert, Peer Group, Finanzanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Darstellung von zukunftserfolgs- und marktorientierten Verfahren der Unternehmensbewertung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Ertragswertverfahren, den verschiedenen DCF-Ansätzen und der Multiplikatormethode.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist ein Vergleich der unterschiedlichen Methodiken und eine Beurteilung der Ergebnisqualität bei Parameteränderungen, um die Praktikabilität der Ansätze zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Neben der theoretischen Herleitung wird eine Modellrechnung an einem fiktiven Unternehmen durchgeführt, um die Ansätze gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Ertragswert, DCF-Verfahren (Entity, APV, Equity) sowie die Anwendung von Peer-Group-Multiplikatoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unternehmensbewertung, DCF-Verfahren, WACC, Multiplikatormethode und Shareholder Value.
Warum schneidet der Entity-Approach im Vergleich zur Multiplikatormethode oft anders ab?
Der Entity-Approach basiert auf einer zukunftsorientierten Planung des gesamten Unternehmens, während die einfache Multiplikatormethode oft stichtagsbezogenes, vergangenheitsorientiertes Datenmaterial verwendet.
Welche Rolle spielt der Zinsfuß im Bewertungsprozess?
Der Kapitalisierungszinssatz (z.B. WACC) ist entscheidend für die Diskontierung zukünftiger Cashflows auf den Bewertungsstichtag; kleine Änderungen hier führen zu massiven Abweichungen beim Unternehmenswert.
- Arbeit zitieren
- Jan-Pascal Mellies (Autor:in), 2002, Darstellung und Vergleich zukunftsorientierter und marktorientierter Verfahren der Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13101