[...] Eine Leitfrage erscheint in diesem Zusammenhang evident: In wiefern wird die von Franz-Josef Meiers postulierte Rote Linie auf Grund der veränderten Sicherheitslage in Afghanistan durch die Regierung-Merkel überschritten? Zugespitzt formuliert: Wird zukünftig reguläre deutsche Kampftruppe offensiv in Afghanistan eingesetzt werden? Folgende Kriterien der Einsätze werden zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen: Erstens, welche außenpolitischen Forderungen von Seiten der Alliierten wurden der Bundesregierung bei der Entscheidung zur Entsendung von deutschen Soldaten gemacht? Und unter welchem innenpolitischen Druck bzw. Gegendruck wurden diese Entscheidungen getroffen? Und zweitens, welche Konsequenzen, bzw. welche Entscheidungen trafen die Bundesregierung und der Bundestag daraufhin? Genauer: Wie sah der jeweilige quantitative (etwa Umfang und Dauer der Einsätze) und wie der qualitative Ansatz (etwa Auftrag, rules of engagement (ROE), Art der Truppe und Ausrüstung) aus?
Vor der Beantwortung der Fragestellung wird zunächst in Kapitel II der theoretische Rahmen der Arbeit definiert. Dabei werden zum einen die in dem Buch „Zu neuen Ufern?“ zusammengefassten vier Ansätze zur außenpolitischen Entwicklung Deutschlands nach der Wiedervereinigung – der defensiv Neorealismus, der rationale Institutionalismus, der demokratische Liberalismus sowie der Sozialkonstruktivismus – von Franz-Josef Meiers betrachtet. Und zum anderen, basierend auf dem Text „Deutsche Auslandseinsätze in der Multilaterismusfalle“ von Markus Kaim, das Konzept der Multilateralismusfalle, dessen Argumentation deutlich in der Tradition des rationalen Institutionalismus steht, beschrieben.
In Kapitel III folgt eine Darstellung der Entwicklung des deutschen Engagements in den gegenwärtigen Afghanistan-Einsätzen OEF und ISAF. Als Quelle dienten hauptsächlich die Texte „Auslandseinsätze der Bundeswehr“ von Lutz Holländer sowie „Die roten Linien der deutschen Außenpolitik“ und „Crossing the red lines“ von Meiers. Es wird sowohl eine quantitative, als auch eine qualitative Steigerung in der Beteiligung an den Einsätzen erkennbar. Allerdings ist es fraglich in wiefern die Merkel-Regierung die von ihrem Vorgänger gesteckten Grenzen überschreitet. Eindeutig scheint zu sein, inwiefern Deutschland tatsächlich in der Multilateralismusfalle steckt. Dies wird abschließend im letzten Kapitel erörtert
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kontinuität und Wandel in der deutschen Außenpolitik
- Deutschland als Großmacht?
- Deutschland als Institutionsmacht?
- Deutschland als Zivilmacht?
- Deutschland als Selbstbeschränkungsmacht?
- Deutschland in der Mulitlateralismusfalle?
- Die Bundeswehr in Afghanistan
- Internationale Solidarität - Amerikanisches Zögern
- Afghanistan im Herbst
- UN-Truppe an den Hindukusch
- Die NATO übernimmt
- Deutschland übernimmt das Regionalkommando Nord
- Die Lage verschärft sich – Bundeswehr ab in den Süden?!
- Erster deutscher Gefechtsverband im Einsatz
- Fazit und Resümee
- Literatur
- Offizielle Dokumente
- Monographien und Artikel
- Zeitungs-, Zeitschriften-, und Online-Artikel
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan im Kontext der deutschen Außenpolitik. Sie analysiert, inwiefern die Bundesregierung durch interne Verhaltensmuster und externen Druck in ihren sicherheitspolitischen Entscheidungen beeinflusst wird. Dabei wird die Frage gestellt, ob die Zivilmacht Deutschland in der Multilateralismusfalle steckt und ob die von Franz-Josef Meiers postulierte Rote Linie in Bezug auf den Einsatz deutscher Kampftruppen in Afghanistan überschritten wird.
- Die Entwicklung der deutschen Außenpolitik nach der Wiedervereinigung
- Das Konzept der Zivilmacht und die Multilateralismusfalle
- Die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan im Kontext der internationalen Sicherheitspolitik
- Die Auswirkungen des externen Drucks auf die deutschen Sicherheitspolitischen Entscheidungen
- Die Frage der Roten Linie und der möglichen Zukunft des deutschen Engagements in Afghanistan
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel II beleuchtet die theoretischen Rahmenbedingungen der Arbeit. Es werden vier Ansätze zur außenpolitischen Entwicklung Deutschlands nach der Wiedervereinigung vorgestellt: der defensive Neorealismus, der rationale Institutionalismus, der demokratische Liberalismus und der Sozialkonstruktivismus. Darüber hinaus wird das Konzept der Multilateralismusfalle von Markus Kaim erläutert, das die negativen Auswirkungen des Multilateralismus auf die Entscheidungsfreiheit deutscher Außenpolitik thematisiert.
Kapitel III analysiert die Entwicklung des deutschen Engagements in den Afghanistan-Einsätzen OEF und ISAF. Es wird eine quantitative und qualitative Steigerung der deutschen Beteiligung an den Einsätzen festgestellt. Die Frage, inwiefern die Merkel-Regierung die von ihrem Vorgänger gesetzten Grenzen überschreitet, wird diskutiert. Es wird deutlich, dass Deutschland tatsächlich in der Multilateralismusfalle steckt.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die deutsche Außenpolitik, die Bundeswehr, Afghanistan, Zivilmacht, Multilateralismusfalle, Rote Linie, Sicherheitspolitik, internationale Solidarität, NATO, ISAF, Auslandseinsätze, Entscheidungsprozesse, Kontinuität und Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die „Multilateralismusfalle“ im Kontext der Bundeswehr?
Sie beschreibt die Situation, in der Deutschland durch internationale Verpflichtungen und Bündnisse (NATO, UN) in Einsätze gedrängt wird, die innenpolitisch schwer zu rechtfertigen sind.
Wurde die „Rote Linie“ in Afghanistan überschritten?
Die Arbeit untersucht, ob unter der Regierung Merkel reguläre deutsche Kampftruppen offensiv eingesetzt wurden und damit die bisherige defensive Ausrichtung verlassen wurde.
Welche Rolle spielt Deutschland als „Zivilmacht“?
Das Konzept der Zivilmacht betont die Bevorzugung diplomatischer Mittel. Die Arbeit analysiert den Wandel hin zu einer aktiveren militärischen Rolle in den Missionen OEF und ISAF.
Wie veränderte sich das deutsche Engagement in Afghanistan qualitativ?
Es gab eine Steigerung von rein stabilisierenden Aufgaben hin zur Übernahme des Regionalkommandos Nord und dem Einsatz von Gefechtsverbänden bei verschärfter Sicherheitslage.
Welchen Einfluss hatten die Alliierten auf die deutschen Entscheidungen?
Die Arbeit beleuchtet den externen Druck der Bündnispartner (insbes. USA) und wie dieser mit dem innenpolitischen Gegendruck in Deutschland kollidierte.
- Citation du texte
- Daniel M. Rother (Auteur), 2008, Die Bundeswehr in Afghanistan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131100