„Klasse“ als soziologischer Grundbegriff basierend auf Pierre Bourdieus 'Sozialer Raum und Klasse'


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

2: Einleitung

3. Der soziale Raum

4. Der soziale Raum und „Klassenbildung“

5. Objektive Klasse vs. Mobilisierte Klasse

6. Mobilisierte Klasse und Repräsentanz

7. Schluss

Literaturverzeichnis

1: Vorwort

Beim vorliegenden Text handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung des im Wintersemester 2008/2009 während des Proseminars „Grundbegriffe der Soziologie“ unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Martina Löw und Herrn Marcel Endres gehaltenen Referats zur Thematik des „Klassenbegriffs“ nach Pierre Bordieu in seiner Bedeutung und Tragweite für die Soziologe als einer der ihr inhärenten Grundbegriffe. Die Gliederung der Verschriftlichung folgt im Wesentlichen derjenigen des mündlichen Vortrags. Bourdieus Klassenbegriff basiert auf der Wahrnehmung eines „sozialen Raumes“, in dem Akteure angeordnet sind, aufgrund dieser Tatsache ist es zielführend und sinnig, sich zunächst mit dem Begriff des sozialen Raumes zu beschäftigen, bevor ich dazu übergehe, die internen Prozesse der Klassenbildung und der Akteursverortung einzugehen.

2. Einleitung

Der zugrunde liegende Text „Sozialer Raum und 'Klassen'“ von Pierre Bordieu legt die basale Überlegung der Einteilbarkeit von Sozietäten in Klassen dar. Der Begriff der Klasse hat seinen etymologischen Ursprung im lateinischen „Classis“, was mit „herbeigerufene Volksmasse“ zu übersetzen wäre, im historischen Verlauf der Bedeutungsentwicklung erweitert oder verändert sich selbige, insbesondere unter dem Einfluss des Französischen zur Konnotation „Gruppe mit besonderen Merkmalen“.

3. Der soziale Raum

Bordieus Soziologie lässt sich verstehen als eine Art „Sozialtopologie“1, es lassen sich gleichsam „Landkarten“ der Verteilungen sozialer Akteure im „Sozialen Raum“ zeichnen. Innerhalb dieses sozialen Raumes lässt sich jeder Akteur aufgrund spezifischer Dispositionen bezüglich divergierender Merkmale verorten, aufgrund dieser Lokalisierung und der daraus resultierenden zu einander relativen Stellung innerhalb des sozialen Raumes sind die Akteure definiert, „[m]it der Kenntnis über die jeweils eingenommene Stellung eines Akteurs in diesem Raum ist zugleich eine Information gegeben über dessen intrinsische (Lage) wie relationale Eigenschaften (Position).

Sozialer Raum lässt sich verstehen als ein Form eines „Koordinatensystems“, die Akteure des sozialen Raumes werden definiert durch ihre Disposition bezüglich Besitzes an verschiedenen Formen von Kapital, aufgrund dieses Besitzes lässt sich zudem die soziale Stellung jedes fraglichen Akteurs definieren. Bordieu erkennt im sozialen Raum vier verschiedene Formen von „Machtmitteln“2:

1. Ökonomisches Kapitel
2. Kulturelles Kapital
3. Soziales Kapital
4. Symbolisches Kapital

Ökonomisches Kapitalim bordieuschen Sinne ist der realite Besitz an Geld, Vermögenswerten und dergleichen mehr, also dasjenige Kapital, das auch im nichtsoziologischen Bedeutungskontext als Kapital verstanden und benannt wird.

Im Gegensatz dazu bezeichnetkulturelles Kapitalinsbesondere Bildungskapital, also dasjenige Kapital, welches durch zum Beispiel schulische Bildung erworben wird. Es ist dieses Kapital, welches durch Familientradition vererbbar ist, so beispielhaft in der Möglichkeit des Zugriffs aus Literatur. Das Aufwachsen in einem elterlichen Haushalt, der im Besitz von Büchern ist zählt ebenso zum kulturellen Kapital wie der Besuch einer spezifischen Schulform. Das kulturelle Kapital ist im sozialen Raum insbesondere deshalb von hoher Relevanz, da mit ihm ein bestimmterHabitus3verbunden ist, mithilfe dessen sich Akteure innerhalb des sozialen Raumes sowohl von einander Abheben als auch „erkennen“ können.

Kulturelles Kapital wird weiterhin untergliedert in die Kapitalformen „inkorporiertes Kulturkapital“, also dasjenige Kapital welches sich in Form von kulturellen Fähigkeiten oder Wissensformen äußert; „objektiviertes Kulturkapital“ in Form von Gemälden oder Büchern sowie „Institutionalisiertes Kapital“ welches akademische Titel, Bildungszertifikate (oder in heutiger Zeit auch „Weiterbildung“ beinhaltet.

Die dritte Kapitalform, dassoziale Kapitalbezeichnet das was im Volksmund „Vitamin B“ benannt wird – es handelt sich um die Zugriffsmöglichkeit auf Relationen zu einflussreichen oder kontextuell gebunden relevante Persönlichkeiten aber auch die Struktur der Vernetzung sozialer Akteure untereinander.

Die letzte Kapitalform, dassymbolische Kapitalist eine Kapitalform der Metaebene, es handelt sich dabei um eine den anderen drei Kapitalformen übergeordnete Struktur von Kapital, die als „soziale Anerkennung“ oder „Prestige“ bezeichnet werden kann. Diese letzte Form des Kapitals wird aufgrund seiner Natur als Metakapital von Bourdieu auch „Distinktion“ genannt4

Sozialer Raum, mit den ihm zugrundeliegenden Kapitalformen kann gedacht werden als „Koordinatensystem“, soziale Akteure werden darin lokalisiert aufgrund eines jeweiligen „Mehr“ oder „Weniger“ an Besitz an Kapital:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach: Markup Schwingel, Pierre Bourdieu zur Einfuhrung.Hamburg 2000, 106.

[...]


1 Vgl. Seite 9

2 S. 10

3 Habitus bezeichnet, im soziologischen Verwendungskontext, Aussehen und Verhaltensweisen eines Menschen die aufgrund der jeweiligen sozialen Disposition auftreten. Es sind die „Feinen Unterschiede“, die der Habitus ausmacht. Der Brockhaus schreibt, der Habitus sei „[das] äußeres Erscheinungsbild und Verhalten; Gestalt von Menschen, Tieren, Pflanzen, auch Kristallen“

4 Vgl. S. 22

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
„Klasse“ als soziologischer Grundbegriff basierend auf Pierre Bourdieus 'Sozialer Raum und Klasse'
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Grundbegriffe der Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V131109
ISBN (eBook)
9783640372294
ISBN (Buch)
9783640371976
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundbegriff, Pierre, Bourdieus, Sozialer, Raum, Klasse
Arbeit zitieren
Marcel Behringer (Autor), 2009, „Klasse“ als soziologischer Grundbegriff basierend auf Pierre Bourdieus 'Sozialer Raum und Klasse', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131109

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