In der hier vorliegenden Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, den Weg der Weiterentwicklung der bildungstheoretischen Didaktik von Klafki über die Jahrzehnte bis zur Jahrtausendwende zu skizzieren und zugleich die Beeinflussung seines Modells durch andere didaktische Theorien mit ihren Positionen darzustellen. Dabei richtet sich der Fokus vornehmlich auf die Modelle der lehr-lerntheoretischen Didaktik, der kritisch-kommunikativen Didaktik sowie der lernzielorientierten Didaktik. Im Anschluss an die dabei erkennbaren Einflüsse der zuvor genannten didaktischen Theorien, die die bildungtheoretische Didaktik Klafkis über die Jahre hinweg verändert haben, soll abschließend eine Bewertung über die Entwicklung der bildungtheoretischen Didaktik aus einer pragmatischen Perspektive erfolgen.
Für die Untersuchung der weiteren Entwicklung der bildungstheoretischen Didaktik Klafkis und der Beeinflussung durch andere didaktische Theorien bis in die 1990er Jahre wird auf Literatur aus dem neuen und neueren erziehungwissenschaftlichen Forschungs- und Diskussionsstand zurückgegriffen, der sich hauptsächlich bis zur Jahrtausendwende erstreckt. Als Referenzlektüre dient dazu im wesentlichen das Werk von Wilhem H. Peterßen, welches zur Bearbeitung und zur Darstellung des Themas der Hausarbeit als Leitfaden herangezogen wird.
Die bildungstheoretische Didaktik geht auf Wolfgang Klafki zurück und ist heute allgemein unter der Bezeichnung kritisch-konstruktive Didaktik bekannt. Dazu hat Klafki die bildungstheoretische Didaktik seit Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts durch stetige Forschungsarbeit fast ausschließlich allein bestimmt und sie über die vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt. Erstmals im Jahre 1957 legte Klafki mit seiner Dissertation „Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung“ ein eigens von ihm entworfenes didaktisches Modell vor. Diese eigenständige didaktische Theorie wurde im Anschluss an die geisteswissenschaftlichen Entwicklungen der Pädagogik und ihrer zuvor verfassten Theorien aufgrund der Zentrierung auf das didaktische inhaltliche Problem als eine Didaktik im engeren Sinne bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemaufriss
2. Die bildungstheoretische Didaktik nach Wolfgang Klafki
2.1 Die bildungstheoretische Didaktik
2.2 Der zentrale Begriff der Kategorialen Bildung
2.3 Die Theorie des Elementaren
3. Die bildungstheoretische Didaktik unter dem Einfluss weiterer didaktischer Theorien
3.1 Die lehr-lerntheoretische Didaktik
3.2 Die kritisch-kommunikative Didaktik
3.3 Die lernzielorientierte Didaktik
4. Von der bildungstheoretischen Didaktik zur kritisch-konstruktiven Didaktik
5. Die bildungstheoretische Didaktik in der Praxis von Schule und Unterricht
6. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht die historische Weiterentwicklung der bildungstheoretischen Didaktik Wolfgang Klafkis bis zur Jahrtausendwende unter Berücksichtigung verschiedener einflussreicher didaktischer Strömungen, um eine pragmatische Bewertung der Transformation zur kritisch-konstruktiven Didaktik vorzunehmen.
- Die Entwicklung der bildungstheoretischen Didaktik von Klafki.
- Einfluss der lehr-lerntheoretischen Didaktik auf Klafkis Modell.
- Rolle der kritisch-kommunikativen Didaktik in der Theoriebildung.
- Bedeutung der lernzielorientierten Didaktik für die Unterrichtsplanung.
- Die kritisch-konstruktive Didaktik als Integrationsmodell in der Schulpraxis.
Auszug aus dem Buch
Die Theorie des Elementaren
Hinsichtlich der kategorialen Bildung innerhalb der didaktischen Theorie Klafkis stellt sich die Frage, wie die doppelseitige Erschließung ausgelöst werden kann, beziehungsweise wodurch kategoriale Bildung erst ermöglicht wird. Die Frage nach der Auslösung doppelseitiger Erschließung wird beantwortet, indem sie nur durch die Inhalte von Bildungsprozessen bewirkt werden kann. Nach Klafki stellen die Bildungsinhalte gleichsam ein Medium dar, womit der Zögling beim Bildungsprozess seiner Wirklichkeit gegenübertritt. Hierbei ergibt sich die Kernfrage, wie Bildungsinhalte beschaffen sein sollten, um damit eine doppelseitige Erschließung ermöglichen zu können. Vereinfacht formuliert, handelt es sich dabei nach der Frage nach Inhalten von bildenden Prozessen (vgl. Peterßen 2001, S. 160). Klafki definiert seine bildungstheoretisch begründete Didaktik dementsprechend als eine „Theorie der Bildungsinhalte, ihrer Struktur und Auswahl“ (vgl. Klafki 1964, S. 72).
Allgemein betrachtet, lautet der Auftrag der Didaktik danach zu fragen, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen bildende Inhalte zu Bildungsinhalten werden (vgl. Peterßen 2001, S. 160). Eine doppelseitige Erschließung wird nach Auffassung Klafkis nur durch Inhalte mit einer spezifischen Gegenstandsstruktur ausgelöst. Hierbei muss im „Besonderen“ ein „Allgemeines“ enthalten sein. Der Bildungsinhalt wird dadurch charakterisiert, dass er als einzelner Inhalt immer stellvertretend für viele Kulturinhalte steht (vgl. Klafki 1964, S. 134). Im Vorgang der bildenden Begegnung tritt dem Zögling im besonderen Inhalt immer ein allgemeiner Sachverhalt gegenüber. Dadurch lernt er nicht nur den konkreten Inhalt kennen, sondern er erkennt darin auch das darin eingeschlossene Allgemeine.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemaufriss: Einleitung in die Themenstellung und Erläuterung des Vorhabens, die Entwicklung der bildungstheoretischen Didaktik Klafkis unter dem Einfluss neuerer Modelle nachzuzeichnen.
2. Die bildungstheoretische Didaktik nach Wolfgang Klafki: Darstellung der Grundlagen der kategorialen Bildung und der Theorie des Elementaren als zentrales didaktisches Modell.
3. Die bildungstheoretische Didaktik unter dem Einfluss weiterer didaktischer Theorien: Analyse der lehr-lerntheoretischen, kritisch-kommunikativen und lernzielorientierten Didaktik und deren Bedeutung für das Modell Klafkis.
4. Von der bildungstheoretischen Didaktik zur kritisch-konstruktiven Didaktik: Erläuterung der Metamorphose zur kritisch-konstruktiven Theorie durch die Integration verschiedener metatheoretischer Ansätze.
5. Die bildungstheoretische Didaktik in der Praxis von Schule und Unterricht: Betrachtung der Umsetzung der Theorie in das Perspektivenschema zur Unterrichtsplanung und der Bedeutung für das professionelle Handeln von Lehrkräften.
6. Abschließende Betrachtung: Zusammenfassende Bewertung der kritisch-konstruktiven Didaktik als Integrationsmodell, das verschiedene wissenschaftliche Paradigmen sinnvoll vereint.
Schlüsselwörter
Bildungstheoretische Didaktik, Wolfgang Klafki, Kritisch-konstruktive Didaktik, Kategoriale Bildung, Doppelseitige Erschließung, Didaktische Analyse, Lehr-lerntheoretische Didaktik, Berliner Modell, Kritisch-kommunikative Didaktik, Lernzielorientierte Didaktik, Unterrichtsplanung, Allgemeinbildung, Individualbildung, Schulpraxis, Interdependenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der bildungstheoretischen Didaktik von Wolfgang Klafki und analysiert deren Weiterentwicklung zur heute bekannten kritisch-konstruktiven Didaktik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Theorie der kategorialen Bildung, der Einfluss des Berliner und Hamburger Modells, die kritisch-kommunikative Didaktik sowie die Herausforderungen der Lernzielorientierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Transformationsprozess des ursprünglich inhaltsorientierten Modells Klafkis hin zu einem umfassenden, pragmatischen Integrationsmodell für die Unterrichtsplanung zu beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, systematische Aufarbeitung, die sich primär am Lehrbuch von Wilhelm H. Peterßen orientiert, um didaktische Modelle in ihrem historischen Kontext zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Grundbegriffen Klafkis sowie eine kritische Untersuchung der Einflüsse anderer didaktischer Strömungen auf seine Theorie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kategoriale Bildung, Didaktische Analyse, Perspektivenschema, Allgemeinbildung und Emanzipation.
Inwiefern hat das Berliner Modell Klafki beeinflusst?
Das Berliner Modell zwang Klafki dazu, sein Modell für kritische Erörterungen zu öffnen und Aspekte wie eine explizite Bedingungsanalyse in seine Überlegungen aufzunehmen.
Was bedeutet der Begriff "kritisch-konstruktiv" im Kontext der Didaktik?
"Kritisch" bezieht sich auf die Analyse der gesellschaftlich-historischen Realität, "konstruktiv" auf die Forderung, bei der Gestaltung von Schule und Unterricht aktiv und gestaltend mitzuwirken.
Wie unterscheidet sich die lernzielorientierte Didaktik vom ursprünglichen Klafki-Modell?
Während Klafki ursprünglich von einem inhaltlichen Primat ausging, setzte die lernzielorientierte Didaktik Lernziele ins Zentrum der Planung, was Klafki später in seinen revidierten Studien aufgriff.
- Arbeit zitieren
- Kjell Ostenrath (Autor:in), 2011, Von der bildungstheoretischen zur kritisch-konstruktiven Didaktik. Einflüsse, weitere Entwicklung und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1311117