In dieser Arbeit wird untersucht, ob sich die Ursachen der Geselligkeit in den räumlichen Gegebenheiten der Kneipen finden lassen. Zu diesem Zweck werden ethnografische Beobachtungen unter anderem mithilfe von Georg Simmels Konzept der Geselligkeit und den raumsoziologischen Überlegungen von Martina Löw untersucht. Als Ergebnis dieser Arbeit lässt sich festhalten, dass die räumlichen Gegebenheiten einer Kneipe einen erheblichen Einfluss auf die in ihr herrschende Geselligkeit haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geselligkeit
3. Raumsoziologie
4. Forschungsstand
5. Methodisches Vorgehen
6. Die Geselligkeit im Raum der Kneipe
6.1 Räume im Raum
6.2 Die Kneipe als eigene Sphäre der Geselligkeit
6.3 Grenzen der Geselligkeit
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die räumliche Organisation von Kneipen einen Einfluss auf die dort entstehende Geselligkeit hat. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob und wie soziale Interaktionen durch die räumliche Gestaltung und die Wahrnehmung der Gäste konstituiert werden.
- Soziologische Analyse des Begriffs der Geselligkeit (nach Georg Simmel)
- Anwendung des raumsoziologischen Konzepts der Raumkonstitution (nach Martina Löw)
- Ethnographische Untersuchung von Kneipen in Mainz und Darmstadt
- Erforschung der Wechselwirkung zwischen Inneneinrichtung, Kommunikation und sozialem Verhalten
Auszug aus dem Buch
Die Geselligkeit im Raum der Kneipe
In diesem Kapitel der Arbeit werden drei verschiedene Auszüge aus ethnografischen Beobachtungsprotokollen untersucht. Dabei wird mithilfe der raumsoziologischen Konzepte von Martina Löw analysiert, wie der jeweilige Raum der Kneipe konstituiert ist, wie sich die Menschen in dem Raum verhalten und in welcher Verbindung der Raum und das Verhalten der Menschen zueinander stehen.
In dem ersten behandelten Protokollauszug wird einer Gruppe von Frauen, die eine Kneipe vor kurzer Zeit betreten haben, von einer Angestellten der Kneipe ein Tisch zugewiesen. Die Frauengruppe platziert sich daraufhin um den Tisch herum.
Mariam antwortet: „Alles klar, ich hab‘ den Tisch da hinten für euch reserviert.“, und zeigt dabei mit ihrem Finger in eine Richtung der Kneipe. Sabrina bedankt sich und läuft in Richtung des ihr gezeigten Tisches. Die anderen Frauen laufen ihr hinterher. Sie setzen sich auf die zwei Bänke, die den Tisch umgeben. Die Bänke haben niedrige Lehnen, die eine Abgrenzung zwischen den einzelnen Tischen der Kneipe bilden. (Protokollauszug 1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Kneipen als fester Bestandteil deutscher Freizeitkultur trotz drohendem „Kneipensterben“ und definiert das Forschungsinteresse an der Abstraktheit der Geselligkeit.
2. Geselligkeit: In diesem Kapitel wird Geselligkeit mittels Georg Simmels Konzept als eine eigene, vom Alltag abgekoppelte Sphäre definiert, in der soziale Stellungen in den Hintergrund treten.
3. Raumsoziologie: Das Kapitel führt Martina Löws Theorie der Raumkonstitution ein, die Raum als relationale Anordnung von Lebewesen und sozialen Gütern begreift.
4. Forschungsstand: Hier wird der Mangel an spezifischer Forschung zur räumlichen Wirkung auf Gäste in Kneipen aufgezeigt und relevante soziologische Vorarbeiten diskutiert.
5. Methodisches Vorgehen: Es wird erläutert, wie durch ethnografische Beobachtungen und Datenkodierung nach der Grounded Theory die Erkenntnisse für die Arbeit gewonnen wurden.
6. Die Geselligkeit im Raum der Kneipe: Dieses Hauptkapitel analysiert anhand konkreter Protokollauszüge, wie räumliche Anordnungen die Interaktion und Geselligkeit innerhalb der Kneipe steuern.
7. Fazit und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, die einen bedeutsamen Einfluss der räumlichen Gegebenheiten auf die Geselligkeit bestätigen, und Möglichkeiten für weitere Forschung aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Geselligkeit, Raumsoziologie, Ethnografie, Kneipe, Raumkonstitution, Spacing, Syntheseleistung, Soziale Interaktion, Kneipenkultur, Georg Simmel, Martina Löw, Kommunikation, Soziale Güter, Feldstudie, Freizeitkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das soziologische Phänomen der „Geselligkeit“ in Kneipen und analysiert, wie diese durch die räumliche Gestaltung der Lokalitäten beeinflusst oder erzeugt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die raumsoziologische Perspektive auf soziale Räume, die theoretische Fundierung des Geselligkeitsbegriffs sowie die empirische Praxis der Kneipen-Ethnografie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Geselligkeit innerhalb von Kneipen durch die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten erzeugt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine ethnografische Methode gewählt, durch die teilnehmende Beobachtungen und ausformulierte Ereignisprotokolle erstellt wurden, welche anschließend mittels Grounded Theory kodiert und analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung (Geselligkeit, Raumsoziologie), eine Bestandsaufnahme zum Thema und die detaillierte Analyse von drei empirischen Protokollauszügen aus dem Kneipenalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch die Begriffe Geselligkeit, Raumkonstitution, Ethnografie, soziale Interaktion und Kneipenkultur zusammenfassen.
Warum spielt die Inneneinrichtung eine Rolle für die Geselligkeit?
Die Einrichtung vermittelt symbolische Werte und schafft Territorien, die den Gästen signalisieren, wie sie sich verhalten sollen und welche Atmosphäre zu erwarten ist, wodurch die „Syntheseleistung“ der Gäste angeregt wird.
Wie beeinflusst Alkoholkonsum das soziale Miteinander im Kneipenraum?
Alkohol wirkt enthemmend und kann die soziale Interaktion in Kneipen fördern; er führt jedoch auch zu bewussten Normüberschreitungen, deren Duldung oder Sanktionierung ebenfalls Teil des sozialen Geschehens ist.
Warum wird im Kontext der Raumsoziologie von „Spacing“ und „Syntheseleistung“ gesprochen?
Nach Martina Löw beschreibt „Spacing“ die physische Anordnung von Objekten und Menschen, während die „Syntheseleistung“ den aktiven Prozess der Gäste darstellt, diese Anordnung in der Wahrnehmung zu einem stimmigen sozialen Raum zusammenzufügen.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Abgrenzung von Räumen?
Niedrige Lehnen an Kneipentischen ermöglichen sowohl eine gewünschte Abgrenzung zur Wahrung der Privatsphäre als auch eine nötige Offenheit für soziale Interaktionen, was das Spannungsfeld der Geselligkeit in Kneipen prägt.
- Arbeit zitieren
- Christian Röhricht (Autor:in), 2022, Geselligkeit und Raum. Eine ethnografische Untersuchung über Kneipen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1311245