Welche Rolle spielt das Motiv der "buoze" in Hartmanns von Aue "Gregorius"?


Hausarbeit, 2007
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführendes
2.1 Etymologie und Wortbedeutung
2.2 Buße im Mittelalter

3 Das Motiv der buoze in Hartmanns „Gregorius“

4 Ergebnis

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Hilfsmittel
Sekundärliteratur

1 Einleitung

In der Forschung zu Hartmanns von Aue „Gregorius“ ist die Frage nach der Schuld ein häufig diskutiertes Thema. Es existieren viele unterschiedliche Ansichten über die Schuldfrage, welche in zahlreichen Aufsätzen und Monographien erörtert worden sind. In meiner Proseminararbeit soll jedoch eine andere Thematik behandelt werden, da es genauso wichtig ist zu erfahren, aus welchem Grund der Protagonist Gregorius von der Sünde, die er - wenn auch unwissentlich, begangen hat - freigesprochen und am Ende sogar von Gott zum Papst bestimmt wird. In der Erzählung kommt an keiner Stelle die Schuldthematik auf, weil Gregorius die Sünde wie selbstverständlich auf sich nimmt und bereit ist, für die begangenen Taten zu büßen.

Das Bußemotiv scheint bei der Erlösung Gregorius’ demzufolge eine bedeutende Funktion zu besitzen, weshalb die Rolle der buoze in Hartmanns „Gregorius“ im Folgenden genauer analysiert wird.

Dafür muss zunächst die Etymologie und Wortbedeutung des Begriffs geklärt werden. Um sich der Thematik anzunähern, soll außerdem kurz dargelegt werden, welche Bedeutung die Buße zur Zeit Hartmanns in der mittelalterlichen Gesellschaft einnahm.

Im Hauptteil seien daraufhin inhaltsanalytische Fragen geklärt, welche die Rolle der Buße verdeutlichen. Es soll erörtert werden, wann die Buße des Gregorius beginnt und welchen Verlauf sie nimmt. Zudem sollen Sünde und Buße des Fischers und Gregorius’ Mutter näher betrachtet werden, um eventuelle Unterschiede bei der Art zu büßen auszumachen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Buße des Protagonisten, aus diesem Grund soll seine Erlösung durch die Wunder Gottes ebenfalls genauer analysiert werden. Da der Erzähler sowohl im Prolog als auch im Epilog einiges über die Buße sagt, werden diese ebenso zur Kenntnis genommen.

Abschließend sollen alle Ergebnisse zusammengefasst dargestellt, die Rolle der Buße ausführlich beantwortet und eventuell auftretende Fragestellungen dargelegt werden.

2 Einführendes

2.1 Etymologie und Wortbedeutung

Der Begriff Buße stammt von dem althochdeutschen Wort buoza ab, welches übersetzt „Besserung“ bedeutet.[1] Dem mittelhochdeutschen Ausdruck buoz(e) sind mehrere Bedeutungskomponenten zugeschrieben. So kann mit buoz(e) zum einen „Heilung“ gemeint sein, zum anderen auch die „Besserung“ oder „Abhilfe“.[2] Im „Gregorius“ findet an einigen Stellen auch das Prädikat büezen Verwendung, welches mit „(aus-)bessern“, „gut machen“, „von etwas befreien“, „Buße leisten“ oder „bestrafen“ übersetzt wird.[3]

2.2 Buße im Mittelalter

Im 11. und 12. Jahrhundert gilt die Buße zunächst als „Inbegriff des christlichen Heilsweges“[4], die alles Gute bewahrt. Der Büßer soll seine Sünden bedenken und diese beichten. Dabei treten Priester, welche eine von Gott gegebene Vollmacht besitzen, als Richter auf, dem Sünder bei wahrer Buße die Strafe zu erlassen. Der Schmerz über die sündige Tat soll allerdings ein Leben lang nicht vergehen. Häufig erhalten die Büßer für ihren Glauben an die Güte Gottes jedoch am Ende eine Belohnung.[5]

Der Philosoph Abaelard teilt die Buße im 12. Jahrhundert in drei verschiedene Kate-gorien ein: Reue, Beichte und Genugtuung. Für ihn stellt hierbei die Reue das zentrale Motiv der Buße dar, weil diese die Liebe zur Güte Gottes symbolisiert und daher schon die Reue eines Sünders allein in der Lage ist, dessen Schuld zu beseitigen. Eine Beichte ist demnach genau genommen nicht nötig. Sie soll nach Abaelards Erachten dennoch stattfinden, da ein Priester auf diese Weise befähigt ist Fürbitten für den Büßer auszusprechen.[6]

Petrus Lombardus, welcher ein Schüler Abaelards gewesen ist, erweitert den Gedanken seines Mentors, indem er zwischen leichter und schwerer Sünde differenziert. Für ihn genügt es bei leichten Vergehen beispielsweise, wenn tägliche Buße durch das Beten eines „Vater Unsers“ geleistet wird. Auf diese Weise ist es einem Sünder möglich seinen Fehltritt, auch ohne Mithilfe eines Priesters, wieder gutzumachen.[7]

Schwere Sünden sind hingegen anders zu behandeln. Lombardus erklärt, dass für ein schweres Vergehen eine Beichte notwendig ist. Dem Sündenbekenntnis muss jedoch die ehrliche Reue vorausgehen, weil nur sie maßgebend für die daraus folgende Absolution ist, da Gott alleine die schwere Sünde vergeben kann, da „nur er [...] die Seele [reinigt]“[8]. Nachdem einem Priester gebeichtet wurde, verkündet dieser Gottes etwaige Bestrafung, ob dem Sünder also noch von Gott erlassene Bußleistungen auferlegt worden sind oder nicht.

Im 15. Jahrhundert wurde den Menschen von der Kirche erzählt, sie könnten ihre Strafen für begangene Sünden durch das Zahlen von Geld reduzieren. Der Ablasshandel ist für diese Arbeit jedoch unwichtig, da Hartmanns von Aue „Gregorius“ zu einer früheren Zeit entstand.

3 Das Motiv der buoze in Hartmanns „Gregorius“

Im Prolog des Werkes wird gleich zu Beginn „über die Buße zur rechten Zeit (V. 6-34)“[9] reflektiert. Mit der Verwendung eines Oxymorons in Vers 79 gibt Hartmann dem Rezipienten eine kleine Definition der Buße.[10] Diese hat demnach gute und schlechte Seiten. Die Buße stellt einerseits eine süeze (V. 79) dar, weil sie einen Sünder an ein „süßes“ Ende führen wird. Gleichzeitig ist sie aber auch bitter (ebd.), da der Weg zu dem erhofften Ziel sehr schwer zu bewältigen ist. Wählt man jedoch den leichten Pfad und umgeht auf diese Weise die Buße, führt dies den Sündhaften in den êwigen tôt (V. 86).

Damit die Rolle der Buße in Hartmanns Werk geklärt werden kann, muss zunächst analysiert werden, wann die Buße des Gregorius beginnt und was der Auslöser für sie ist. Anschließend soll der Weg der Buße erläutert werden. Weil die Erlösung durch Gott für das Verständnis des Bußemotivs ebenfalls von großer Wichtigkeit ist, soll diese auch genauer betrachtet werden.

Nachdem Gregorius’ Ehefrau dessen Tafel findet und daraufhin erkennt, dass er ihr eigener Sohn ist, lässt sie diesen zu sich rufen. Unter Tränen offenbart sie ihm: ich bin iuwer muoter und iuwer wîp (V. 2604), woraufhin er sich in einem Anruf verzweifelt an Gott wendet. Seine Gemahlin tadelt ihr eigenes Handeln und fragt Gregorius, ob es für sie eine Möglichkeit gäbe, ihr die Hölle etwas senfter sî danne maniges leben / der ouch der helle ist gegeben (V. 2693f.) zu gestalten. Gregorius erklärt ihr daraufhin, daz got die wâren riuwe hât / ze buoze über alle missetât (V. 2701f). Empfindet die Königin folglich wahre Reue für ihr sündiges Verhalten, so muss sie keine Angst haben, nicht gerettet zu werden. Er empfiehlt seiner Frau und Mutter von nun an jedoch Buße zu tun, indem sie den lîp mit tägelîcher arbeit (V. 2723f.) belastet, um auf diese Weise gote erbarmen (V. 2730) zu erlangen und seinen Zorn zu mindern.

Gregorius will ebenfalls Buße leisten. Er sagt von nun an dem lande und dem guote / und dem werltlîchem muote (V. 2745f.) ab, will das Land verlassen und als Bettler bis zu seinem Tod für die Sünde büßen. Er nimmt „die Schuld des Inzests [folglich] ganz wie seine eigene auf sich“[11] und gibt seine gesellschaftliche Stellung vollständig auf. Dieses Verhalten und die Tatsache, dass er das Leiden spilnde bestuont (V. 2760) verdeutlichen, dass seine Sühne total und sein zukünftiges Leben somit „nur noch Buße sein“[12] soll.

Gregorius legt seine prachtvollen Gewänder ab, verlässt seine Frau und Mutter und zieht hinaus in das Land. Drei Tage lang meidet er jeglichen Kontakt zu Menschen, nimmt kein Essen zu sich und spricht nur sînes gebetes (V. 2769). Er will sein bisheriges Leben, welches voll von Sünde war, hinter sich lassen. Gregorius erkennt, dass er nur außerhalb dieser Welt für sein Handeln büßen kann. Indem er sich von der Gesellschaft abwendet und seine soziale Stellung aufgibt, distanziert er sich gleichzeitig von der Sünde. Da seine Mutter jedoch zurückbleibt und von ihm aufgetragen bekommt, in der Welt zu büßen, kann nicht gesagt werden, dass für Büßer ein von der Welt zurückgezogenes Leben der Normalfall gewesen ist. Der Entschluss des Gregorius, auf diese Weise zu büßen, geht folglich „aus seinem einmaligen Schicksal hervor.“[13]

Am dritten Tag seiner Buße trifft er auf einen Fischer, welcher Gregorius misstraut und ihn verhöhnt. Als Gregorius ihn um Unterkunft bittet, betitelt der Fischer ihn auf Grund seines noch immer erhabenen Aussehens als trügen ære (V. 2787) und schickt den bettelnden Mann weg. Die Frau des Fischers hat jedoch Mitleid und sieht in Gregorius zudem einen Boten Gottes. Sie überredet ihren Ehemann, den armen Bettler doch aufzunehmen. Als sie ihm sehr gutes Essen zubereitet, lehnt er dieses ab. Selbst als er Haferbrot und Brunnenwasser zu sich nimmt, erklärt er, daz kûme sîn sündic lîp / der spîse wert w ære (V. 2896f.). Als der Fischer Gregorius erneut seine Abneigung ihm gegenüber verdeutlicht, begegnet dieser ihm „mit fröhlichem Gleichmut, bereit, alles als Buße hinzunehmen.“[14] Er dankt Gott sogar für die schlechte Behandlung von Seiten des Fischers und

[...]


[1] Vgl. Yavuzyasar, Ayfer: (Art.) Buße/Büßer. In: Metzler-Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien, hg. v. Christoph Auffarth; Jutta Bernard; Hubert Mohr. Bd. 1. Stuttgart/Weimar 1999, S. 195.

[2] Vgl. Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Stuttgart 341976, S. 28/376.

[3] Vgl. ebd., 28.

[4] Benrath, Gustav A.: (Art.) Buße. In: Theologische Realenzyklopädie, hg. v. Gerhard Krause; Gerhard Müller. Bd. 7. Berlin/New York 1981, S. 460.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd., 461.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Cormeau, Christoph: Hartmanns von Aue ,Armer Heinrich’ und ,Gregorius’. Studien zur Interpretation mit dem Blick auf die Theologie zur Zeit Hartmanns. München 1966 [MTU 15], S. 45.

[10] Vgl. Hartmann von Aue: Gregorius, hg. v. Hermann Paul; Burghart Wachinger. Tübingen 141992 [ATB 2], S. 3.

[11] Cormeau, Christoph: Hartmanns von Aue ,Armer Heinrich’ und ,Gregorius’, S. 70.

[12] Ebd., 71.

[13] Ebd., 72.

[14] Cormeau, Christoph; Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche – Werk – Wirkung.

München 21993, S. 137.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Welche Rolle spielt das Motiv der "buoze" in Hartmanns von Aue "Gregorius"?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Legendenhafte Erzählungen Hartmanns von Aue
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V131186
ISBN (eBook)
9783640367092
ISBN (Buch)
9783640367405
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Motiv, Hartmanns, Gregorius, Buße
Arbeit zitieren
Katharina Büker (Autor), 2007, Welche Rolle spielt das Motiv der "buoze" in Hartmanns von Aue "Gregorius"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131186

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