LAO-TSE und das TAO TE KING


Seminararbeit, 2004
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Vorwort

2 Der sozialpolitische Kontext
2.1 Das neue Zeitalter
2.2 Die Zeit der Kämpfenden Reiche
2.3 Der Alte Meister

3 Die Lehre des LAO-TSE
3.1 Das Unbeschreibbare ist das TAO
3.2 Führung und Kraft aus der Ewigkeit
3.3 Das YIN und das YANG bilden das TAO
3.4 Das Natürliche Gesetz

4 Die drei Schätze
4.1 Gezwungene, fassbare Attribute
4.2 Von der Liebe
4.3 Von der Zurückhaltung
4.4 Von der Zufriedenheit

5 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1 Vorwort

In dieser Seminararbeit soll der chinesische Philosoph LAO-TSE ( sprich Laud-se ) und das ihm zugeschriebene bedeutende Werk der menschlichen Geistesge-schichte das TAO TE KING ( Daudedsching ) näher betrachtet werden. Dabei sollen die verschiedenen Einflüsse dieses Zeitalters für ein besseres Verständnis der Beweg-gründe LAO-TSEs, diese Weisheitslehre zu verfassen, in einen sozialgeschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Neben einem kurzen Lebenslauf LAO-TSEs soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf die Lehre des Alten Meisters gelegt werden. Ein Hauptaugenmerk soll dabei der Fragestellung gewidmet sein, welche Leitsätze und Hauptaussagen dieser chinesischen Philosophie der Antike entnommen werden kön-nen. Im Speziellen soll der Versuch einer Interpretation eines ausgewählten Textab-schnittes unternommen werden, indem auch der Frage nach der Rolle der vielseitigen Übersetzungsmöglichkeiten der chinesischen bildlichen Schriftzeichen nachgegan-gen werden soll.

Als wissenschaftliche Grundlagen zur Klärung dieser Fragen dienen unter ande-rem die schriftlichen Übersetzungen von europäischen Autoren wie RICHARD WILHELM, BODO KIRCHNER, sowie ERNST SCHWARZ. Aber auch Sekundärliteratur, wie die Monographien KALTENMARKs, „Lao-tzu und der Taoismus“ , KHONRYs, „Das Ethos der Weltreligionen; Das Ethos des Konfuzianismus und Daoismus“ , so-wie „Lau-dse; Führung und Kraft aus der Ewigkeit“ von ROUSSELLE werden hierfür herangezogen, um die Ansichten und Meinungen anderer Philosophen sowie den Forschungsstand mit einzubeziehen.

2 Der sozialpolitische Kontext

2.1 Das neue Zeitalter

Im sechsten vorchristlichen Jahrhundert erwachte nicht nur in Europa, son-dern auch nahezu zeitgleich in Asien der menschliche Geist zu sich selbst und wurde sich seiner Macht bewusst.1 Der Mensch machte sich jetzt Gedanken über die Ord-nung der Welt und im Besonderen über seine eigene Stellung in ihr. Auf Grund eines sich allmählich durchsetzenden selbstständigen und kritischen Erkennens kam es zu einer Ablösung des mythischen Zeitalters, indem die Kunde der Vorzeit, das heilige Wissen vom Urgrunde der Welt und des Lebens zunehmend an Bedeutung verloren.2 Es setzte ein frühes, philosophisches und forschendes Auseinandersetzen mit den alten religiösen Bindungen und Vorstellungen der Vorzeit ein. Die Natur nachah-mende Kunst ersetzte den mythisch-magischen Stil und das eiserne Zeitalter ver-drängte langsam aber sicher das Bronzene.3 Der Mensch versuchte sich des Urälte-sten sowie des Zusammenhanges zwischen der Tiefe des Geistes und des Urgrundes des Weltganzen bewusst zu werden und nutzte erstmals die Fähigkeit des klaren Ausdrucks sowie des schöpferischen Wortes. Dieses gilt in Indien für MAHAVIRA ebenso wie für GAUTAMA BUDDHA, in Griechenland für HERAKLIT und HESIOD und im chinesischen Kulturkreis für LAO-TSE sowie KONFUZIUS.4

2.2 Die Zeit der Kämpfenden Reiche

Diese Übergangszeit, als das philosophische Denken in China einsetzte, war geprägt von langen kriegerischen Auseinandersetzungen sowie von tiefgreifenden Veränderungen im politischen und sozialen Gefüge der Region.5 Schon bereits im 5. Jahrhundert vor Chr. zerfiel China in eine sehr große Zahl von Kleinstaaten, die von Lehnfürsten regiert wurden, welche sich untereinander bekriegten. Erst 221 vor Chr. gelang es CH´IN SHIH-HUANG-TI nach drei Jahrhunderten, erster Kaiser eines verein-ten Chinas zu werden.6 Diese Zeitspanne, welche von Historikern als die Zeit der „Kämpfenden Reiche“ genannt wird, kann man aber auch ebenso gut als die Zeit der Philosophen betrachten. Es wurde niemals sonst das spekulative Denken so intensiv und in so großer Freiheit gepflegt wie in jenen unruhigen Zeiten in China.7 Man löste sich durch die Philosophie von der überkommenen Religion und Moral und es ent-stand eine Metaphysik, welche nur noch unter dem Einfluss des Buddhismus verän-dert werden sollte.8

2.3 Der Alte Meister

Neben KONFUZIUS ist wahrscheinlich LAO-TSE die berühmteste Gestalt des chinesischen Altertums und dazu noch eine, welche auch in westlichen Kontinenten einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Das Buch , welches TAO TE KING genannt wird und zu dem LAO-TSE Erhebliches beigetragen hat, ist das weltweit mit Abstand meistübersetzte Werk fernöstlicher Literatur. Doch leider weiß man nicht wirklich viel über den Philosophen und Menschen LAO-TSE. Wenig genug, so dass man, wenn man wissenschaftlich arbeiten will, alle biographischen Aspekte mit großer Vorsicht betrachten sollte.

Schon der Name LAO-TSE ist kein Eigenname, sondern ein Appellativum, welches so viel wie der „Alte Meister“ bedeutet. Die Überlieferungen, welche seinen wirkli-chen Namen betreffen, nennen seinen Familiennamen LI (Pflaume) und seinen Ruf-namen ÖRH (Ohr), wobei der Familienname auf einen Stammbaum der Familie LI zurückzuführen ist, welche höchstwahrscheinlich ihren Ursprung auf LAO-TSE be-gründen wollte, um ihren gesellschaftlichen Status zu verdeutlichen.9 Vielfach wird ihm auch der Titel DAN zugenannt, das als Ohr mit herabhängenden Läppchen über-setzt werden kann und als Zeichen des Alters und der Weisheit gegolten hat. Und so nennen ihn die Chinesen auch heute noch manchmal liebevoll LAO-DAN, „ Altes Weisheitsohr“.10

Als einzige sichere Informationsquelle dienen uns nur die drei wesentlichen Aus-sagen des SZU-MA CH´EIN, welcher die erste Geschichte Chinas ca. 100 vor Chr. ver-fasste und zugeben musste, dass nur sehr wage Überlieferungen über LAO-TSE schon zu seiner Zeit existierten. Als ziemlich sicher gilt, dass LAO-TSE ein älterer Zeitge-nosse K´UNGS (KONFUZIUS) gewesen ist, da von einem Treffen beider in mehreren Quellen berichtet wird.11 Man schätzt ihn auf ungefähr 50 Jahre älter als KONFUZIUS, sodass seine Geburt noch in das 7. vorchristliche Jahrhundert fällt. Darüber hinaus ist überliefert, dass LAO-TSE königlicher Notar am Hofe des CHOU-Königs in LOYANG gewesen ist, welches der Provinz HONAN entspräche, wo er seine Lehre des TAO vermittelte.12

Bekümmert und enttäuscht über die Verhältnisse in der Gesellschaft und den Un-tergang des Königshauses ahnend, soll LAO-TSE nachdem er keine Aussicht auf eine Wiederherstellung der Ordnung sah, auf einem schwarzen Wasserbüffel nach Westen in die Einsamkeit geritten sein.13 Am Grenzpass HAN GU wurde er von einem Grenzbeamten namens YIN HI gebeten, ihm etwas Schriftliches für die Nachwelt zu hinterlassen. So entstand der Legende nach eine in über 5000 chinesischen Schrift-zeichen zusammengefasste Aphorismensammlung, welche man in sieben Bücher und 81 Kapiteln aufteilen kann. Diese Essenz der Lehre des LAO-TSEs bildete die Grund-lage für das Buch „TAO TE KING“, welches erst in der HAN Dynastie seinen Namen bekommen hat, nachdem man die Lehren LAO-TSEs als Staatsphilosophie aufnahm. Für über 2500 Jahre bildete dieses Werk die hauptsächlichen und grundlegenden Einflüsse auf die chinesische Kultur und Gedankenwelt. LAO-TSE selbst aber ver-schwand im Nebel der Berge und kein Mensch weiß, wohin er gegangen ist.

[...]


1 Vgl. ROUSSELLE, Erwin: Lau-dse; Führung und Kraft aus der Ewigkeit, Insel –Bücherei Nr. 253, Wiesbaden, S. 57.

2 Vgl. ROUSSELLE: Lau-dse; Führung und Kraft aus der Ewigkeit, S. 57.

3 Ebd., S. 57.

4 Ebd., S. 57.

5 Vgl. KALTENMARK, Max: Lao-tzu und der Taoismus, Frankfurt am Main und Leipzig 1996, S. 9.

6 Vgl. KALTENMARK: Lao-tzu und der Taoismus, S. 9.

7 Vgl. KALTENMARK: Lao-tzu und der Taoismus, S. 9.

8 Ebd., S. 9.

9 Ebd., S. 20.

10 Vgl. ROUSSELLE: Lau-dse; Führung und Kraft aus der Ewigkeit, S. 57 f..

11 Vgl. KALTENMARK: Lao-tzu und der Taoismus, S. 20.

12 Ebd., S. 20.

13 Ebd., S. 21.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
LAO-TSE und das TAO TE KING
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Ethik in den Weltreligionen
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V131216
ISBN (eBook)
9783640414406
ISBN (Buch)
9783640408412
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
LAO-TSE, TAO TE KING, Taoismus, Lau-dse, Lao-tzu, Daoismus, Yin, Yang, Liebe, Güte, Ren, Menschlichkeit, ZUrückhaltung, Zufriedenheit
Arbeit zitieren
André Schmidt (Autor), 2004, LAO-TSE und das TAO TE KING, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131216

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