In dieser Seminararbeit sollen anhand von ausgewählten Aufsätzen und Abhandlungen verschiedener Autoren, wie Regine KOLLEK, Bernhard IRRGANG und Markus HENGSTSCHLÄGER unterschiedliche philosophische Positionen zu der umstrittenen Thematik der Präimplantationsdiagnostik (PID) näher betrachtet werden. Dabei wird für ein besseres Verständnis neben einer anfänglichen aktuellen Problemstellung der Gegenstand auch in einen kurzen sozialen Kontext eingegliedert. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit soll auf die Vorstellung sowie der ethischen Reflexion der wissenschaftlich-technischen Probleme sowie den biologischen Grenzen, die mit der PID verbunden sind, gelegt werden. Ein Hauptaugenmerk wird dabei der Fragestellung gewidmet sein, inwieweit die möglichen gesundheitlichen Risiken für die betroffenen Frauen und Kinder sowie die daraus resultierenden sozialen, rechtlichen und besonderes auch ethischen Implikationen in der Gesellschaft reflektiert werden. Im Speziellen soll dabei ein grundsätzlicher Blick auf das Machbare und das Nichtmachbare sowie auf das Wünschenswerte und das Nichtwünschenswerte im Zusammenhang mit dem fiktiven Ruf nach genetisch perfekten Kindern durch eine Aufarbeitung der aktuellen biomedizinischen Fortschritte geworfen werden, indem auch der Frage nachgegangen werden soll, in wieweit die neuartigen Qualitäten, welche die PID in das Handlungsfeld der genetischen Untersuchung einbringt, den Umgang mit dem werdenden menschlichen Lebens zukünftig verändern könnte.
Als wissenschaftliche Grundlagen zur Klärung dieser Fragen dient unter anderem der umfassende Überblick über den aktuellen Stand der biomedizinischen Forschung aus dem Werk „Präimplantationsdiagnostik. Embryonenselektion, weibliche Auto-nomie und Recht“ der Autorin Regine KOLLEK. Neben Aufsätzen wie „Analyse ethischer Positionen zur Präimplantationsdiagnostik“ von Hans-Martin BRÜLL wird aber auch Sekundärliteratur, wie die Monographien Markus HENGSTSCHLÄGERs „Das ungeborene menschliche Leben und die moderne Biomedizin. Was kann man, was darf man?“ und „Soll der Mensch biotechnisch machbar werden? Eugenik, Behinderung und Pädagogik“ von Otto SPECK sowie die orientierende Abhandlung „Einführung in die Bioethik“ von Bernhard IRRGANG hierfür herangezogen, um auch die Untersuchungen anderer Fachleute sowie den Forschungsstand mit einzubeziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die aktuelle Problemstellung
2.1 Die Chance einer Möglichkeit
2.2 Ethische Herausforderungen
3 Naturwissenschaftlich-medizinischer Sachstand
3.1 Die Untersuchung des Embryos – Embryobiopsie
3.3 Die Analyse des Erbmaterials
3.3 Anwendungsgebiete der PID
4 Einwände gegen die Präimplantationsdiagnostik
4.1 Risiken und Gefahren von Mikromanipulationen
4.2 Gesundheitliche Konsequenzen für Frauen
4.3 Das Embryonenschutzgesetz
4.4 Weitere Einwände
5 Alternative Techniken
5.1 Die Blastozystenbiopsie
5.2 Die Alternative der Polkörperbiopsie
6 Exkurs: Neue bioethische Herausforderungen
6.1 Die biologischen Grenzen des Tierversuchs
6.2 Das vermittelnde Konzept des Gradualismus
6.3 Die Zona Pellucida Definition
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die umstrittene Thematik der Präimplantationsdiagnostik (PID) durch eine interdisziplinäre Reflexion, die philosophische Positionen, medizinisch-technische Grundlagen und ethische Implikationen miteinander verknüpft, um den zukünftigen Umgang mit werdendem menschlichem Leben zu bewerten.
- Wissenschaftliche Aufarbeitung des aktuellen Stands der biomedizinischen Forschung zur PID.
- Ethische Reflexion der medizinischen Risiken für betroffene Frauen und Kinder.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und Konflikte im Kontext des Embryonenschutzgesetzes.
- Diskussion alternativer Diagnoseverfahren wie der Polkörperbiopsie.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Vision vom „genetisch perfekten Menschen“.
Auszug aus dem Buch
3.3 Anwendungsgebiete der PID
Die Präimplantationsdiagnostik wird in der Medizin zurzeit schwerpunktmäßig beim Vorliegen eines erhöhten Risikos für monogene Erbkrankheiten, die durch strukturelle Veränderungen in einem Gen hervorgerufen werden, eingesetzt. So wurde das Verfahren bereits z.B. in Bezug auf MUKOVISZIDOSE, HÄMOPHILIE A und B, TRISOMIE 21 sowie das TAY-SACHS-Syndrom erfolgreich eingesetzt. Des Weiteren können durch die PID auch die durch elterliche Chromosomenveränderungen verursachten balancierten Chromosomentranslokationen – den Umtausch innerhalb von Chromosomen oder den Austausch ganzer Chromosomenteile – verhindert werden. Zudem nutzt man diese Methode auch zur prädiktiven Diagnostik von genetischen Veränderungen, die für bestimmte Krankheiten, die erst später im Leben auftreten, disponieren oder mit einer sehr hohen Erkrankungswahrscheinlichkeit korrelieren. Ein Beispiel dafür ist die Veranlagung für die CHOREA HUNTINGTON, die durchschnittlich im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt auftritt und nach 10- bis 15-jähriger Dauer zum Tode führt.
Das Verfahren der PID eignet sich aber auch für die genetische Auswahl besonders geeigneter Embryonen. So kann die Suche nach potentiellen Spendern z.B. von Nabelschnurblut oder Knochenmark für ein bereits geborenes, schwerkrankes Geschwisterkind eine solche Anwendung sein. Ein weiterer Einsatz kann aber auch die ethisch bedenkliche Geschlechtswahl des zukünftigen Kindes aus Gründen der individuellen Lebensplanung darstellen. Darüber hinaus zeichnen sich im Zusammenhang mit den Fortschritten der molekulargenetischen und embryologischen Forschung weitere Entwicklungen und Anwendungsgebiete der PID ab, deren Zielsetzungen weit über die der Pränataldiagnostik hinausreichen, da nicht nur all die Veränderungen auf Gen- oder Chromosomenebene erfasst werden können, die durch pränatale Untersuchungen diagnostiziert werden können, sondern alle Strukturveränderungen, die nach dem jeweiligen Stand von Wissenschaft und Technik erkennbar sein werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Zielsetzung der Arbeit vor, die darin besteht, anhand ausgewählter Autoren die philosophischen und ethischen Positionen zur Präimplantationsdiagnostik in einem sozialen Kontext zu reflektieren.
2 Die aktuelle Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Ambivalenz der modernen Gen- und Reproduktionstechnologie und diskutiert das Spannungsfeld zwischen dem medizinisch Machbaren und den gesellschaftlichen Erwartungen an den „neuen Menschen“.
3 Naturwissenschaftlich-medizinischer Sachstand: Hier werden die technischen Verfahren der PID, insbesondere die Embryobiopsie, sowie die Analyse des Erbmaterials und die Anwendungsgebiete der Methode detailliert dargelegt.
4 Einwände gegen die Präimplantationsdiagnostik: Dieses Kapitel beleuchtet kritisch die invasiven Risiken für Embryo und Frau, die rechtliche Situation in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz sowie gesellschaftliche Bedenken hinsichtlich Eugenik.
5 Alternative Techniken: Es werden methodische Alternativen wie die Blastozystenbiopsie und die Polkörperbiopsie diskutiert, um die rechtliche und medizinische Problematik des PID-Verfahrens zu beleuchten.
6 Exkurs: Neue bioethische Herausforderungen: Dieser Exkurs setzt sich mit den Grenzen von Tierversuchen und dem Gradualismus-Konzept auseinander, um eine ethisch vermittelnde Position in der Debatte um den Status des Embryos zu finden.
7 Schlussbemerkung: Die abschließende Betrachtung fasst zusammen, dass die PID kein Instrument zur totalen Kontrolle genetischer Eigenschaften sein kann und plädiert für eine ethisch reflektierte, regulierte Nutzung anstelle eines generellen Verbots.
Schlüsselwörter
Präimplantationsdiagnostik, Biomedizin, Embryonenschutzgesetz, PID, Genetik, Reproduktionsmedizin, Embryobiopsie, Ethik, Bioethik, Gradualismus, Polkörperdiagnostik, Eugenik, Humangenetik, Lebensqualität, Selektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) als Verfahren zur genetischen Untersuchung menschlicher Embryonen vor der Implantation und den damit verbundenen ethischen, medizinischen und rechtlichen Fragestellungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit thematisiert insbesondere den medizinisch-technischen Stand der PID, die Risiken invasiver Eingriffe, die rechtliche Lage in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz sowie ethische Debatten über Eugenik und den Schutzstatus des Embryos.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine interdisziplinäre Reflexion, die aufzeigt, inwieweit die PID eine medizinisch notwendige Technologie zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten darstellt, ohne dabei unkritisch eugenische Zielvorstellungen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturbasierte Analyse durch, indem er zentrale Werke und Aufsätze renommierter Experten wie Regine Kollek, Markus Hengstschläger und Bernhard Irrgang vergleicht und ethisch interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des naturwissenschaftlichen Sachstands, die Diskussion von Einwänden (Risiken, ESchG), die Vorstellung alternativer Techniken und einen bioethischen Exkurs über den Status des Embryos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Präimplantationsdiagnostik, Embryonenschutzgesetz, Bioethik, Reproduktionsmedizin, genetische Selektion und Gradualismus charakterisieren.
Wie bewertet der Autor das deutsche Embryonenschutzgesetz im Kontext der PID?
Der Autor sieht das Embryonenschutzgesetz als in vielen Punkten inkonsistent an und plädiert für eine Neudefinition der rechtlichen Rahmenbedingungen, um eine ethisch vertretbare Forschung und medizinische Anwendung zu ermöglichen.
Inwiefern stellt die Polkörperdiagnostik eine Alternative dar?
Sie ermöglicht eine genetische Untersuchung bereits vor der Verschmelzung der Vorkerne, wodurch sie rechtlich nicht unter das Verbot des Embryonenschutzes für bereits erzeugte Embryonen fällt, jedoch in ihrem Umfang eingeschränkter ist.
- Arbeit zitieren
- André Schmidt (Autor:in), 2006, Präimplantationsdiagnostik (PID) - Die genetische Diagnose vor Eintritt der Schwangerschaft , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131224