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Zum prägenden Eindruck Kierkegaardscher Philosophie auf Max Frisch. Allusionen und Adaptionen im Roman »Stiller«

Titel: Zum prägenden Eindruck Kierkegaardscher Philosophie auf Max Frisch. Allusionen und Adaptionen im Roman »Stiller«

Seminararbeit , 2009 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Melanie Zimmermann (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

»Geist beginnt mit Fragen: Fragen ist vorerst eine Verweigerung gegenüber dem Bestehenden, das sich für die Antwort hält«1, notiert Max Frisch (1911–1991), und in seinem Tagebuch findet sich der Ausspruch Hendrik Ibsens: »Zu fragen bin ich da, nicht zu antworten.«2 Eine zentrale Frage, die sein Schreiben begleitet und seinen Werken innewohnt, scheint die Frage Wer bin ich? zu sein. Vor allem im Roman Stiller (1954), in dem der Bildhauer gleichen Namens aus seiner Identität auszubrechen – Ich bin nicht Stiller! – versucht, wird diese Thematik deutlich, aber auch in Frischs anderen Werken: So setzt beispielsweise Gantenbein (1964) sich, sein Leben, in den Konjunktiv, versucht sich neu zu erfinden, probiert Geschichten an wie Kleider und stellt sich vor, wie seine Geschichte anders hätte ablaufen können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Dispositionen: Frisch und Kierkegaard

3 Allusionen und Adaptionen Kierkegaardscher Kategorien im Stiller

3.1 Das Gefängnis ist nur in mir

3.2 Das Selbst und das Andere

3.3 Die Frage nach der Therapie

4 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den prägenden Einfluss der Philosophie Søren Kierkegaards auf den Roman »Stiller« von Max Frisch. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Identitätsproblematik und der existenzphilosophischen Kategorien, die Frisch in die Romanfigur Anatol Ludwig Stiller einfließen lässt, um das Spannungsfeld zwischen ästhetischer und ethischer Lebensführung darzustellen.

  • Identitätsproblematik und Selbsterfahrung im Werk von Max Frisch
  • Existenzphilosophische Parallelen zwischen Kierkegaard und Frisch
  • Die Kategorien des Ästhetischen und Ethischen in »Stiller«
  • Das Scheitern der Selbstwahl und die Unmöglichkeit der Flucht
  • Das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und dem Transzendenten

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Gefängnis ist nur in mir

Als Schlüssel für die inhaltliche Anlehnung an die existentialistische Philosophie bietet sich daher die Bemerkung des Staatsanwaltes Rolf an, er habe Stiller den Band Kierkegaard »auf Grund eines Gesprächs über die Schwermut als Symptom der ästhetischen Haltung gegenüber dem Leben« zukommen lassen. Denn aus Stillers Tagebuch-Aufzeichnungen geht deutlich hervor, daß er ganz im Sinne Kierkegaards dem Leben gegenüber eine ästhetische Haltung einnimmt. Nach und nach erfährt der Leser, daß er sich selbst als Versager empfindet in sämtlichen Lebensbereichen: Als Spanienkämpfer vermag er nicht, auf den Feind zu schießen, in seiner Ehe kann er seine Frau nicht glücklich machen. Er verbeißt sich in die Kunst, um sein Scheitern zu kompensieren, doch schließlich erweisen sich seine Werke als nicht genug, um Zeugnis eines erwachsenen Mannes zu sein. [...] Wieviel Arbeit, ach wieviel Verbissenheit, wieviel Fleiß und Schweiß, und doch ist es nicht so, daß man auch nur davor die Mütze abzuziehen ein Bedürfnis hat.

Stiller empfindet sich als impotenter Schwächling, versucht seine Vergangenheit zu verdrängen statt sie anzunehmen. Begleiterscheinung dieser Unzufriedenheit mit sich selbst ist ein gestörtes Verhältnis gleichsam auch zu anderen Menschen. Mit Kierkegaard läßt sich sein Zustand zu dieser Zeit als »Verzweiflung über das Irdische oder über etwas Irdisches« bezeichnen, die Verzweiflung der Schwäche, in der es kein unendliches Bewusstsein des Selbst [gibt], was Verzweiflung ist oder dass der Zustand Verzweiflung ist; die Verzweiflung ist ein bloßes Leiden, ein dem Druck der Äußerlichkeit Unterliegen, sie kommt in keiner Weise als Handlung von innen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Identitätsproblematik bei Frisch ein und skizziert die Bedeutung Kierkegaards als philosophischen Bezugspunkt für das Verständnis der Romanfigur Stiller.

2 Dispositionen: Frisch und Kierkegaard: Dieses Kapitel arbeitet die parallelen Denkansätze von Frisch und Kierkegaard heraus, insbesondere in Bezug auf die Künstlerproblematik und die Widersprüchlichkeit zwischen Leben und Kunst.

3 Allusionen und Adaptionen Kierkegaardscher Kategorien im Stiller: Der Hauptteil analysiert die konkrete Umsetzung existenzphilosophischer Konzepte im Roman, wobei insbesondere die ästhetische Haltung und der Versuch der Selbstwahl untersucht werden.

3.1 Das Gefängnis ist nur in mir: Der Abschnitt verdeutlicht Stillers inneres Gefängnis, das aus seiner Unfähigkeit resultiert, seine Vergangenheit anzunehmen und sich als Selbst zu definieren.

3.2 Das Selbst und das Andere: Hier wird der Stellenwert der Kategorie des Anderen (Gott) beleuchtet und gezeigt, warum Stiller an der notwendigen existenziellen Umwandlung scheitert.

3.3 Die Frage nach der Therapie: Dieses Unterkapitel erörtert das Scheitern des Kierkegaardschen »Therapievorschlags« am Beispiel Stillers und stellt die Frage nach der Heilbarkeit des Individuums ohne religiöse Gewissheit.

4 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Konflikt zwischen ästhetischer und ethischer Lebensführung das zentrale Thema von Frischs Auseinandersetzung mit Kierkegaard darstellt.

Schlüsselwörter

Max Frisch, Stiller, Søren Kierkegaard, Identitätsproblematik, Existenzphilosophie, Ästhetisches Stadium, Ethisches Stadium, Verzweiflung, Selbstwahl, Wiederholung, Entweder-Oder, Die Krankheit zum Tode, Lebensgeschichte, Individuum, Existenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den tiefgreifenden Einfluss der Existenzphilosophie Søren Kierkegaards auf Max Frischs Roman »Stiller«.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Identitätsproblematik, der Konflikt zwischen ästhetischer und ethischer Lebensführung sowie die Frage nach der Selbstannahme eines Individuums.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Frisch spezifische Kategorien Kierkegaards in die Entwicklung seiner Hauptfigur Stiller integriert und diese kritisch adaptiert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die das Werk Frischs mit zentralen philosophischen Schriften Kierkegaards, insbesondere »Entweder – Oder« und »Die Krankheit zum Tode«, in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Analyse von Stillers Fluchtbewegungen, seiner Verzweiflung sowie seiner Unfähigkeit, den notwendigen Sprung in den Glauben bzw. die ethische Selbstannahme zu vollziehen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Existenzphilosophie, ästhetische Haltung, Selbstwahl, Verzweiflung und das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Leben.

Warum bezeichnet Stiller Kierkegaards Werk als »schweres Zeug«?

Stiller meidet das Lesen, weil die philosophische Auseinandersetzung ihn zur schmerzhaften Konfrontation mit der eigenen Identitätskrise zwingen würde.

Kann Stiller am Ende Heilung finden?

Laut der Untersuchung scheitert Stiller an der Forderung nach religiöser Gewissheit; ob er am Ende eine Form von innerer Ruhe oder gar Gott findet, bleibt im Roman offen.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zum prägenden Eindruck Kierkegaardscher Philosophie auf Max Frisch. Allusionen und Adaptionen im Roman »Stiller«
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt als Erzähler
Note
1,0
Autor
Melanie Zimmermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V131288
ISBN (eBook)
9783640373437
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eindruck Kierkegaardscher Philosophie Frisch Allusionen Adaptionen Roman
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melanie Zimmermann (Autor:in), 2009, Zum prägenden Eindruck Kierkegaardscher Philosophie auf Max Frisch. Allusionen und Adaptionen im Roman »Stiller«, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131288
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  26  Seiten
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