In dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden, ob das Interesse an der Geheimhaltung von Staatsgeheimnissen derzeit das Interesse am Schutz von hinweisgebenden Amtsträgern überwiegt. Zunächst wird dazu der geschichtliche Hintergrund und die strafrechtliche Rechtsgrundlage beleuchtet. Darauf folgt die Darstellung der Problempunkte, gefolgt von der Abwägung der Interessen des Staates, der Öffentlichkeit und der Whistleblower. Zum Schluss erfolgt ein Blick auf zukünftige Veränderungen und die Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Geschichtlicher Hintergrund
C. Strafbarkeit und Risiken nach aktueller Rechtslage
I. Verletzung von Dienstgeheimnissen
II. Verletzung von Staatsgeheimnissen
III. Arbeitsrechtliche Konsequenzen
D. Problempunkte
I. Pflichtenkollision
II. Meinungsfreiheit gem. Art. 5 I GG
III. Umgang mit Journalisten und der Pressefreiheit gem. Art. 5 I 2 GG
IV. Unsicherheit durch Meldemöglichkeiten
1. Allgemein
2. Stufentheorie
3. Fazit
V. Rechtsunsicherheit für Whistleblower
VI. Verschlusssachen
VII. Illegale Staatsgeheimnisse
VIII. Fazit
E. Interessenabwägung
I. Zwischen Geheimhaltung und Öffentlichkeit – Staatliche Interessen
1. Staatliches Interesse am Whistleblowerschutz
2. Staatliches Interesse an der Geheimhaltung
a) Arcana imperii
b) Innere und äußere Sicherheit
II. Interessen der Whistleblower
III. Interessen der Öffentlichkeit
IV. Fazit
F. Zukünftige Änderungen und mögliche Lösungen
I. Einbezug in den Anwendungsbereich
II. Vorgaben für Meldesysteme
III. Ausschlusstatbestände
IV. Lösungsvorschläge
G. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strafrechtliche Situation von Whistleblowern im öffentlichen Dienst in Deutschland. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen dem staatlichen Geheimhaltungsinteresse und dem Schutz von hinweisgebenden Personen zu beleuchten und zu klären, unter welchen Bedingungen die Offenlegung von Missständen gerechtfertigt ist.
- Strafbarkeit gem. § 353b StGB und § 94 ff. StGB
- Konflikt zwischen Treuepflicht und Zivilcourage
- Die Rolle der Stufentheorie und des Instanzenwegs
- Problematik von Verschlusssachen und Arcana imperii
- Zukünftige Perspektiven durch die Whistleblower-Richtlinie (WBRL)
Auszug aus dem Buch
D. Problempunkte
Derzelt sucht man vergeblich nach einheitlichen Schutzbestimmungen zugunsten von Whistleblowern. Nur vereinzelt bestehen gesetzliche Sonderregelungen, die ausgewählten Personen bereichsspezifisch die Offenlegung von Informationen gestatten und sie vor nachteiligen Rechtsfolgen schützen. Im Folgenden soll auf einzelne Problempunkte des Whistleblowerschutzes von Amtsträgern eingegangen werden und die Basis für die Interessenabwägung und dessen Bewertung bilden.
I. Pflichtenkollision
Die Pflicht zur Verschwiegenheit nach § 67 I 1 BBG, § 37 I 1 BeamtStG und die Pflichten zur Treue und Loyalität aus den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums (Art. 33 V GG), haben Verfassungsrang und gehören zu den Hauptpflichten eines Beamten. Für Angestellte im öffentlichen Dienst findet sich das Pendant in Tarifverträgen (§ 3 I TVöD/ § 3 II TV-L), wonach die Verschwiegenheit sich auch auf Angelegenheiten erstreckt, deren Geheimhaltung durch den Arbeitgeber angeordnet werden kann. Dazu gehört unter anderem die Verschlusssachenanweisung (VSA).
Die Treuepflicht verpflichtet laut BVerwG den Beamten, alles zu vermeiden, was dienstliche Interessen schädigen und das Wohl der Allgemeinheit gefährden könnte. Damit existiert im Beamtenverhältnis kein unbedingter Gehorsam und dem Beamten kommt eine eigene Verantwortung für das Allgemeinwohl zu. Dies bedeutet auch, dass der Beamte ohne „blinden Gehorsam“ stets gem. § 63 I BBG selbst für eigene Handlungen verantwortlich ist. Durch die Fach- und Sachnähe haben Beamte dabei oft als Einzige Kenntnis von möglichen Missständen. Die Treuepflicht stellt schon in sich einen Widerspruch dar, da der Beamte zum einen nicht der Behörde schaden, aber gleichzeitig auch der Allgemeinheit und der Verfassung dienen soll. Dazu kommt die Pflicht für die Erhaltung der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ einzutreten, welche eine Ausnahme der Verschwiegenheitspflicht darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in das Thema Whistleblowing und die strafrechtliche Relevanz insbesondere für Amtsträger im öffentlichen Dienst.
B. Geschichtlicher Hintergrund: Darstellung historischer Präzedenzfälle und der Entwicklung des Umgangs mit hinweisgebenden Personen seit dem frühen 20. Jahrhundert.
C. Strafbarkeit und Risiken nach aktueller Rechtslage: Analyse der einschlägigen Strafnormen (§ 353b StGB, §§ 94 ff. StGB) sowie arbeitsrechtlicher Konsequenzen für Verräter von Dienst- und Staatsgeheimnissen.
D. Problempunkte: Auseinandersetzung mit der Pflichtenkollision, der Meinungsfreiheit und der praktischen Schwierigkeit, den korrekten Dienstweg einzuhalten.
E. Interessenabwägung: Abwägung zwischen dem staatlichen Geheimhaltungsinteresse, dem Informationsanspruch der Öffentlichkeit und den individuellen Schutzinteressen der Whistleblower.
F. Zukünftige Änderungen und mögliche Lösungen: Diskussion des Einflusses der EU-Whistleblower-Richtlinie und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Rechtslage in Deutschland.
G. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der derzeitigen restriktiven Praxis und der Notwendigkeit gesetzgeberischer Nachbesserungen zum Schutz von Whistleblowern.
Schlüsselwörter
Whistleblowing, Dienstgeheimnis, Staatsgeheimnis, Strafbarkeit, Beamtenrecht, Amtsträger, Pflichtenkollision, Stufentheorie, Geheimhaltungsinteresse, Transparenz, Korruption, EU-Whistleblower-Richtlinie, freie Meinungsäußerung, Arbeitnehmerschutz, Rechtsunsicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der strafrechtlichen Absicherung von Hinweisgebern (Whistleblowern) im öffentlichen Dienst unter Berücksichtigung der kollidierenden Pflichten aus dem Beamten- und Strafrecht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die rechtliche Ausgangslage bei der Offenlegung von Geheimnissen, die Rolle der Pressefreiheit, die Problematik der "Stufentheorie" bei Meldewegen sowie staatliche Interessen an Geheimhaltung.
Was ist das Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob der aktuelle rechtliche Schutz von hinweisgebenden Amtsträgern ausreicht oder ob die staatlichen Interessen an der Geheimhaltung (z.B. bei Verschlusssachen) den Schutz der Whistleblower unangemessen überwiegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen rechtswissenschaftlichen Ansatz, der aktuelle Gesetze, Rechtsprechung (insbesondere BVerfG und EGMR) sowie fachwissenschaftliche Kommentarliteratur analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die strafrechtlichen Risiken, die Problematik der Pflichtenkollision, die Bedeutung der Meinungsfreiheit sowie die Interessenabwägung zwischen Transparenz und Geheimnisschutz detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Whistleblowing, Dienstgeheimnis, Pflichtenkollision, Staatsgeheimnis und Stufentheorie.
Wird auch auf die europäische Rechtslage eingegangen?
Ja, ein eigenes Kapitel widmet sich der Umsetzung der EU-Whistleblower-Richtlinie in deutsches Recht und den damit verbundenen neuen Anwendungsbereichen.
Welches Problem identifiziert die Autorin bei Verschlusssachen?
Das Hauptproblem liegt in der exzessiven und oft rein formellen Einstufungspraxen durch Behörden, die Whistleblower pauschal vom Schutzbereich ausnehmen, selbst wenn es sich um die Aufdeckung illegaler Handlungen handelt.
Was wird als Lösungsvorschlag angeführt?
Als Lösung wird unter anderem die Schaffung einer unabhängigen Transparenzbeauftragten-Instanz oder eines einheitlichen Whistleblower-Gesetzes vorgeschlagen, das eine materielle Prüfung der Geheimhaltung rechtfertigt.
- Arbeit zitieren
- Marie Bokeloh (Autor:in), 2022, Strafbarkeit von Whistleblowing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1312965