Einleitung
Mit der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 kam es in den Besatzungszonen zu tief greifenden gesamt gesellschaftlichen Veränderungen. Auch im Bereich der Bildung, speziell der Hochschulpolitik kam es zu umfassenden Reformen.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Hochschulreformen in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und der Deutschen Demokratischen Republik. Die Arbeit verfolgt den Anspruch einen informativen Überblick zum genannten Thema zu geben.
Es gilt die Reformen, deren Rahmenbedingungen und das Bildungssystem darzustellen und auf die bildungsökonomische Bedarfsplanung und die Effekte im Beschäftigungssystem einzugehen. Weiterhin soll versucht werden darzustellen, welche Auswirkungen die Reformen im Bereich des Hochschulwesens auf die Studienbedingungen der damaligen Zeit hatten. Darauf folgend wird die Einflussnahme politischer Verbände am Beispiel der Funktion der Freien Deutschen Jugend (FDJ) im Hochschulsystem aufgezeigt. Im Folgenden sollen die wesentlichsten Merkmale der sozialistischen Umgestaltung des Bildungssystems aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bildungssystem – Entwicklung in Etappen
2.1 Die Zeit 19 45 – 19 49 und die 1. Hochschulreform
2.2 Zweite Hochschulreform (1951 – 1956)
2.3 Dritte Hochschulreform und die Zeit nach 1967
3 Die Abstimmung von Bildungs- und Beschäftigungssystem
4 Studienorganisation - Zulassungsvoraussetzungen
5 Die Funktion der FDJ im Hochschulsystem der DDR
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen informativen Überblick über die Hochschulreformen in der SBZ und der DDR seit 1945. Dabei wird untersucht, wie sich das Bildungssystem unter politischen Vorgaben veränderte, wie die Abstimmung zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem verlief und welchen Einfluss Organisationen wie die FDJ auf die Studienbedingungen und die politische Erziehung nahmen.
- Entwicklung des Hochschulwesens in verschiedenen Reformetappen
- Wechselspiel zwischen Bildungsplanung und Beschäftigungssystem
- Zulassungsvoraussetzungen und Zugangsmöglichkeiten zum Studium
- Ideologische Steuerung und Einflussnahme der FDJ
- Transformation des Bildungsauftrags hin zur sozialistischen Erziehung
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Zeit 19 45 – 19 49 und die 1. Hochschulreform
Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) war oberste Besatzungsbehörde und somit De-facto-Regierung in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) von Juni 1945 bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1949. Die organisatorischen Strukturen der SMAD entsprachen inhaltlich und geografisch dem neu entstehenden deutschen Verwaltungsaufbau in der SBZ. Neben dem Hauptsitz in Berlin-Karlshorst bestanden SMAD-Einrichtungen auf Länderebene (Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen) sowie ein Netz unterschiedlicher regionaler bis lokaler Militärkommandanturen. Spezielle Fachabteilungen überwachten die Tätigkeiten der verschiedenen deutschen Verwaltungsbehörden. An der Spitze der SMAD stand als erster Marshall Georgi K. Schukow.
Im Gegensatz zu den anderen Besatzungsmächten (USA, Frankreich) hatte die Sowjetunion einen detaillierten Plan für die Umgestaltung der Bildungspolitik welcher maßgeblich von Elementen der sowjetischen Hochschulpolitik geprägt war. Die Umgestaltung sollte in verschiedenen Etappen realisiert werden. Jedoch ließ sich die so genannte „Papierpolitik“, aufgrund mangelnder Erfahrung im Bildungsbereich, nicht wie erhofft in die Tat umsetzten.
Den Beginn der „Ersten Hochschulreform“ markierte der gemeinsame Aufruf der KPD und SPD zur demokratischen Schulreform vom 18. Oktober 1945. Nach der Zwangsvereinigung der KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im Juni 1946 avancierte diese Partei in den darauf folgenden Jahren zur führenden Staatspartei. Bis zum Februar 1948 wendete sich die Regierung primär der Aufgabe der Entnazifizierung zu und der einen neuen Lehrkörper aufzubauen. Aufgrund der zahlreichen Entlassungen (ca. 31000 Lehrer wurden ihres Amtes enthoben) sank die Qualität der Schulbildung erheblich. Der Versuch die fehlenden Lehrstellen zu besetzen, indem in kurzfristigen Kursen ausgebildete Lehrer in den Schulalltag eingeführt wurden änderte an der desolaten Situation nicht viel.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Umgestaltung des Hochschulwesens in der SBZ und DDR unter Berücksichtigung bildungsökonomischer Aspekte und politischer Einflussnahme.
2 Das Bildungssystem – Entwicklung in Etappen: Die historische Entwicklung wird in drei Reformphasen unterteilt, die von der Entnazifizierung über den Aufbau sozialistischer Hochschulstrukturen bis zur totalen Integration in den Staatsapparat reichen.
3 Die Abstimmung von Bildungs- und Beschäftigungssystem: Es wird analysiert, wie die DDR versuchte, das Bildungswesen an den ökonomischen Bedarf und den Arbeitsmarkt anzupassen, was jedoch oft an mangelnder Planungseffizienz scheiterte.
4 Studienorganisation - Zulassungsvoraussetzungen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Wege zur Hochschulreife, einschließlich der Arbeiter- und Bauernfakultäten und der Begabtenprüfungen unter ideologischen Vorzeichen.
5 Die Funktion der FDJ im Hochschulsystem der DDR: Die Rolle der Freien Deutschen Jugend als staatliches Instrument zur Überwachung und sozialistischen Erziehung der Studentenschaft wird detailliert dargestellt.
6 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass das Bildungssystem primär zur Etablierung einer sozialistischen Intelligenz diente und die Expansion der Bildung schließlich zugunsten der Ausbildung von Facharbeitern gestoppt wurde.
Schlüsselwörter
Hochschulreform, SBZ, DDR, Sozialistische Einheitspartei, SMAD, FDJ, Bildungsökonomie, Beschäftigungssystem, Hochschulzugang, Arbeiter- und Bauernfakultät, Ideologisierung, Studienorganisation, Facharbeiter, Sozialistische Erziehung, Volkswirtschaftsplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung, Reformen und die Neugestaltung des Hochschulsystems in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR seit 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Hochschulreformen, der Steuerung durch die SED, dem Einfluss der FDJ und der Abstimmung von Bildung und Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen informativen Überblick über die Reformen und deren Auswirkungen auf die Studienbedingungen sowie die gesellschaftliche Funktion der Hochschulbildung in der DDR zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um die bildungspolitischen Veränderungen auf Basis von Literaturquellen und statistischen Daten zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Phasen der Hochschulreform, die Verzahnung von Bildung und Beschäftigungssystem, die Zulassungsregeln und die politische Kontrollfunktion der Jugendorganisation FDJ.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Hochschulreform, SBZ/DDR, FDJ, sozialistische Erziehung, Bildungsplanung und Arbeiter- und Bauernfakultäten.
Welche Rolle spielten die Arbeiter- und Bauernfakultäten bei der Zulassung?
Sie dienten dazu, sozial benachteiligten Schichten den Hochschulzugang durch Vorbereitungslehrgänge zu ermöglichen und gleichzeitig eine ideologisch gefestigte Studentenschaft heranzuziehen.
Warum wurden die Zulassungszahlen Anfang der 1970er Jahre gesenkt?
Aufgrund eines politischen Machtwechsels und dem Fokus auf die Ausbildung von Facharbeitern wurde die Expansion höherer Bildung zugunsten des technokratischen Bedarfs der Wirtschaft reduziert.
- Quote paper
- Anke Seltmann (Author), 2006, Das Hochschulsystem der SBZ und DDR – Entwicklung, Reformen und Neugestaltung seit 1945 , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131329