In dieser Forschungsarbeit wird der Fokus auf den Einfluss emotionaler, enger Netzwerke, in diesem Fall beschränkt auf den Zeitaufwand für Freunde und dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Partnerschaft, auf die Lebenszufriedenheit gelegt. Hieraus ergeben sich folgende Forschungsfragen, welche im Laufe dieser Arbeit versucht werden zu entschlüsseln:
Welchen Einfluss hat der Zeitaufwand für Freunde und die Partnerschaft auf das subjektive Wohlbefinden? Beeinflusst das Vorhandensein einer Partnerschaft den postulierten Effekt des Zeitaufwands für Freunde auf das subjektive Wohlbefinden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Thematik
1.1 Subjektives Wohlbefinden
2. Theorie und Forschungsstand
2.1 Soziale Beziehungen und das Netzwerkkonzept
2.2 Soziale Unterstützung
2.3 Soziales Konvoi und Dyadischer Rückzug
2.4 Forschungsstand
2.5 Hypothesen
3. Daten und Methoden
3.1 Datensatz und Variablen
3.2 Methodik der multiplen linearen Regression
4. Ergebnisse und Diskussion
4.1 Deskriptive Analyse
4.2 Regressionsanalyse
4.3 Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Zeitaufwands für Freunde sowie des Vorhandenseins einer Partnerschaft auf die Lebenszufriedenheit von Individuen. Ziel der empirischen Analyse ist es zu klären, ob soziale Bindungen einen signifikanten Beitrag zum subjektiven Wohlbefinden leisten und ob eine Partnerschaft den Effekt der Freundschaftszeit moderiert (dyadischer Rückzug).
- Soziale Netzwerke und Netzwerkkonzepte
- Einfluss sozialer Unterstützung auf das Wohlbefinden
- Dyadische Rückzugshypothese im Kontext von Partnerschaften
- Empirische Sekundärdatenanalyse basierend auf dem ALLBUS 2018
- Methodik der multiplen linearen Regression zur Hypothesenprüfung
Auszug aus dem Buch
2.3 Soziales Konvoi und Dyadischer Rückzug
Um die Idee des möglichen Zusammenhangs zwischen der Partnerschaft und dem Zeitaufwand für Freunde bzw. dem generellen Aspekt der Freundschaft näher zu beleuchten, werden zwei essentielle Theorien herangezogen: Die des „Sozialen Konvois“ und die Verknüpfung mit der Hypothese des „Dyadischen Rückzugs“.
Ersteres gibt einen Einblick in die Netzwerke eines Individuums und betrachtet deren Zusammensetzung. Dieses Konzept findet seinen Ursprung bei Kahn und Antonucci (1980) und gibt das Zusammenspiel lebenslaufperspektivisch wider (ebd., 1980). Nach Plath (1975) kann ein Konvoi als Netzwerk definiert werden, welches dynamische Strukturen aufweist. Durch die verschiedenen Lebenslagen und das Altern selbst, passt sich dieses an die neuen Gegebenheiten an, dementsprechend ist auch die Nachfrage nach sozialer Unterstützung unterschiedlich ausgeprägt und die Gruppen um das Individuum herum ändern sich (vgl. Kahn und Antonucci 1980, 269). Es ist davon auszugehen, dass das Hinzukommen einer Partnerschaft und damit eine Veränderung der Gegebenheiten, Auswirkungen auf das soziale Netzwerk hat, was wiederum die Lebenszufriedenheit beeinflussen kann. Um die Partnerschaft in Bezug zu anderen sozialen Beziehungen zu setzen, ist eine nähere Betrachtung der „Dyadic-Withdrawal-Hypothese“ unabdingbar. Die Frage die sich hierbei stellt ist, ob das Bedürfnis nach sozialer Interaktion, ab einem gewissen Punkt gesättigt ist.
Tatsächlich gehen Johnson und Leslie (1982) davon aus, dass sich diese Grenzen verzeichnen lassen. Konkret kann gesagt werden, dass ein ständiger Ausgleich stattfindet, welcher die summierte Anzahl an Beziehungen immer auf Null setzt. Kommt es also zu einer Intensivierung der Bindung in der Beziehung zu einem anderen Individuum, führt das zu einer Reduktion dieser zu einem Anderen. Entsteht beispielsweise eine Partnerschaft, herrscht eine Unstimmigkeit innerhalb des Netzwerkes, welche ausgeglichen werden muss. Hierbei handelt es sich um einen „Kampf“ um die sozialen Ressourcen des Individuums (vgl. Johnson und Leslie, 1982). Im Sinne der sozialen Ressourcen ist hier von gemeinsam verbrachter Zeit wie auch von der emotionale Nähe zum Ego die Rede. In diesem Fall kann es sein, dass sich das Individuum von Anderen aus dem Netzwerk zurückzieht, vor allem wenn die Bindung zum Partner sehr stark ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Thematik: Einführung in die soziale Natur des Menschen, Bedeutung sozialer Netzwerke für das Wohlbefinden und Formulierung der Forschungsfragen.
2. Theorie und Forschungsstand: Erläuterung der Netzwerkkonzepte, der Theorie des sozialen Konvois, der Bedeutung von sozialer Unterstützung sowie Ableitung der vier Hypothesen.
3. Daten und Methoden: Beschreibung des ALLBUS 2018 Datensatzes, der Operationalisierung der Variablen und der methodischen Durchführung der multiplen linearen Regression.
4. Ergebnisse und Diskussion: Auswertung der Daten, Darstellung der Regressionsmodelle, Verwerfung der Interaktionshypothesen sowie Interpretation der Haupteffekte.
Schlüsselwörter
Soziale Netzwerke, Lebenszufriedenheit, ALLBUS 2018, Partnerschaft, Freundschaft, Zeitaufwand, Dyadischer Rückzug, Soziale Unterstützung, Multiple lineare Regression, Subjektives Wohlbefinden, Soziales Konvoi, Empowerment, Sozioökonomische Faktoren, Regression, Empirische Sozialforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Intensität von Freundschaftskontakten, dem Vorhandensein einer Partnerschaft und der allgemeinen Lebenszufriedenheit von Menschen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind soziale Netzwerke, die Bedeutung von "strong ties" wie Partnern und Freunden sowie die psychologischen Auswirkungen unterschiedlicher Zeitbudgets für soziale Interaktionen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob ein höherer Zeitaufwand für Freunde die Lebenszufriedenheit positiv beeinflusst und ob das Eingehen einer Partnerschaft diesen Effekt durch eine Verdrängung (dyadischer Rückzug) abschwächt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Studie verwendet eine quantitative Sekundärdatenanalyse mittels multipler linearer Regression unter Anwendung der Statistik-Software R.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung soziologischer Konzepte, die Beschreibung des Datensatzes und der Variablen (z. B. Alter, Einkommen, Erwerbsstatus) sowie die schrittweise Auswertung der Regressionsmodelle.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind subjektives Wohlbefinden, soziale Netzwerke, dyadischer Rückzug und die empirische Überprüfung von Interaktionseffekten zwischen verschiedenen Lebensbereichen.
Warum wurden gerade die Daten des ALLBUS 2018 gewählt?
Der Datensatz bietet eine repräsentative Querschnittserhebung der in Deutschland lebenden Bevölkerung, was eine fundierte statistische Analyse und Verallgemeinerung der Ergebnisse ermöglicht.
Was ist das zentrale Ergebnis der Analyse?
Die Ergebnisse bestätigen, dass sowohl ein höherer Zeitaufwand für Freunde als auch eine bestehende Partnerschaft das subjektive Wohlbefinden erhöhen; ein signifikanter Interaktionseffekt (Verdrängung) konnte hingegen nicht nachgewiesen werden.
- Arbeit zitieren
- Andrea Benkö (Autor:in), 2021, Subjektives Wohlbefinden in Freundschaft und Partnerschaft. Welchen Einfluss hat der Zeitaufwand?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1313294