Ernährung und Fertilität österreichischer Frauen

Betrachtung der Verzehrsgewohnheiten österreichischer Frauen hinsichtlich kritischer Nährstoffe für die Empfängnisbereitschaft


Diplomarbeit, 2009

59 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Einleitung

1 Fertilität, Subfertilität, Sterilität und Infertilität
1.1 Epidemiologie
1.2 Die Physiologie der weiblichen Fertilität
1.3 Ursachen der Unfruchtbarkeit
1.3.1 Anatomische Anomalitäten
1.3.2 Hormonelle Störungen
1.3.3 Sonstige Ursachen
1.4 Behandlungsmethoden
1.4.1 Operative Eingriffe
1.4.2 Ovulationsinduktion
1.4.3 Intrauterine Insemination
1.4.4 In vitro-Fertilisation

2 Energieversorgung
2.1 Einfluss des Ernährungszustands auf die Reproduktionsfähigkeit
2.1.1 Leptin
2.1.2 Insulin
2.1.3 Steroide
2.1.4 Ghrelin
2.1.5 Neuropeptid Y
2.2 Untergewicht
2.3 Übergewicht

3 Makronährstoffe
3.1 Eiweiß
3.2 Fett
3.2.1 Fettsäurezusammensetzung
3.3 Kohlenhydrate
3.3.1 Zucker

4 Flüssigkeitszufuhr
4.1 Koffein
4.2 Alkohol

5 Mikronährstoffe
5.1 Vitamine
5.1.1 Vitamin A – Retinol
5.1.2 Folsäure
5.1.3 Vitamin D
5.1.4 Vitamin E - Tocopherol
5.2 Mineralstoffe
5.2.1 Calcium
5.2.2 Eisen
5.2.3 Jod
5.2.4 Magnesium

Conclusio

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen

Abb. 1: IVF-Fonds 2007 – Kurzstatistik IVF-Fonds-Patientenpaare – Gesamtösterreich

Abb. 2: IVF-Fonds 2007 – Prozentuale Verteilung der Versuchsanzahl je Altersklassen der Frauen

Abb. 3: Ernährung und Reproduktion verbindende endokrine Mechanismen

Abb. 4: Auswirkungen von Mikronährstoffen auf die Empfängnisbereitschaft der Frau

Abb. 5: Ernährungspyramide

Tabellen

Tab. 1: IVF-Fonds – Schwangerschaften 2007 und gemeldete Geburten

Tab. 2: Gewichtsstatus der österreichischen Frauen zwischen 15 und 45 Jahren

Tab. 3: Darstellung der Studie Clarks et al

Tab. 4: Koffeingehalt in Lebensmitteln

Tab. 5: Mittlere tägliche Vitaminzufuhr bei österreichischen Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren

Tab. 6: Mittlere tägliche Mineralstoffzufuhr bei österreichischen Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren

Einleitung

Immer mehr Paare im reproduktionsfähigen Alter leiden unter ungewollter Kinderlosigkeit. Da der Wunsch nach eigenen Kindern immer öfter erst in einem höheren Lebensalter auftritt, ist diese Tendenz steigend. Es gibt eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten für Personen, bei denen trotz Kinderwunsch eine Schwangerschaft ausbleibt. Bei einer solchen Therapie wird jedoch nicht immer auch die Ursache der Sterilität behandelt. Oft bleibt diese sogar unklar. Obwohl die gynäkologischen Behandlungsmethoden eines unerfüllten Kinderwunsches oft sehr aufwändig und kostspielig sind, ist der Erfolg nicht garantiert. Die Erfolgsquote der verschiedenen In vitro-Fertilisations-Zentren liegt zwischen 32 und 36 Prozent, wobei die gewünschte Schwangerschaft teils erst nach zwei, drei oder mehr Versuchen vorliegt. Dies ist zwar eine große Errungenschaft der medizinischen Wissenschaft und Forschung, für die restlichen zwei Drittel der behandelten Paare allerdings wenig zufrieden stellend. (Kern 2008, S.2ff)

Es stellt sich daher die Frage, ob es andere Behandlungsmethoden gibt, die alleine oder in Kombination mit medizinischen Verfahren die Reproduktionsfähigkeit verbessern können. Hier ist besonders die Änderung von Umwelt- und Lebensstilfaktoren von Interesse, also auch eine Optimierung der Ernährung. Viele Studien belegen, dass nicht nur ein idealer Gewichtsstatus und die optimale Körperzusammensetzung, sondern auch die Wahl der Energielieferanten, die Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen und Antioxidantien, sowie ein eingeschränkter Konsum von Koffein und Alkohol für die Fruchtbarkeit von Bedeutung sind. Obwohl auch die Ernährung des Mannes Einfluss auf die Fertilität hat, spielt dieser Faktor bei Frauen eine viel wichtigere Rolle, da sie auch körperlich dazu fähig sein müssen, ein Kind neun Monate auszutragen. Wie meine Recherche im Vorfeld dieser Arbeit ergab, wird in Österreich bei der Behandlung von Frauen mit Kinderwunsch oft nicht auf den Ernährungsstatus geachtet. In anderen Ländern – besonders den USA – findet sich dahingehend viel mehr Literatur. Auch in China, wo es großteils nur ein Kind pro Familie gibt, wird sehr auf die Ernährung und einen gesunden Lebensstil geachtet:

„In China gilt die Zeit vor der Empfängnis als besonders wichtige Periode im Leben eines Paares und sowohl gesundes Verhalten als auch richtige Ernährung werden dabei berücksichtigt. Etwa 3-4 Monate vor der Zeugung sollen grundlegende Verbesserungen des Verhaltens die Fruchtbarkeit gewährleisten und dem geplanten Kind Schutz bieten.“ (Hanreich 2006, S.34)

Auch in Österreich wäre eine Verbesserung des Ernährungszustands in vielerlei Hinsicht wünschenswert und – im Falle eines unerfüllten Kinderwunsches – eventuell auch hilfreich. Einen Hinweis dafür gibt auch eine Erhebung im Rahmen des österreichischen Ernährungsberichtes 2003, die ergab, dass 41 Prozent der befragten Schwangeren angaben, schon immer auf eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung geachtet zu haben. Bei der restlichen erwachsenen Bevölkerung ernährten sich nur 15 Prozent bewusst gemischt. (Österreichischer Ernährungsbericht 2003, S.59, 92)

Die vorliegende Arbeit hat die Intention, die anhand des österreichischen Ernährungsberichtes festgestellten Hauptfehler in der österreichischen Ernährung zu betrachten und etwaige Ernährungsprobleme, die Auswirkungen auf die weibliche Fertilität haben, aufzuzeigen und zu erläutern. Sie soll österreichischen Diätologen/innen als Beratungsgrundlage für dieses von der Diätetik noch kaum beachtete Thema zur Verfügung stehen.

1 Fertilität, Subfertilität, Sterilität und Infertilität

Die weibliche Fertilität bezeichnet die Fruchtbarkeit der Frau. Ab dem 30. Lebensjahr erfolgt eine natürliche Abnahme derselben. Dieser Zustand nennt sich Subfertilität. Die Chance, dass 38- bis 42-jährige Frauen in einem Zyklus, in dem sie zum richtigen Zeitpunkt Geschlechtsverkehr haben, spontan schwanger werden, beträgt nur etwa elf Prozent. Mit jüngerem Alter liegt der Prozentsatz bei 36. (Feingold 2001, S.8, König 1998, S.17, S.65)

Von Sterilität spricht man, wenn trotz regelmäßigen unverhüteten Sexualkontakts innerhalb von zwei Jahren keine Schwangerschaft eingetreten ist. Bei einem kürzeren unerfüllten Kinderwunsch handelt es sich um Konzeptionsschwierigkeiten. Allerdings wird in der Praxis vermehrt Abstand von dieser Zeitenregelung der WHO genommen, da bei Frauen unter 30 Jahren bereits nach einem Jahr ungewollter Kinderlosigkeit bei gleichzeitig ungeschütztem Geschlechtsverkehr diagnostische und therapeutische Schritte eingeleitet werden sollten. Es wird zwischen primärer Sterilität und sekundärer Sterilität unterschieden. Die primäre Form besteht dann, wenn die Frau bisher noch nie schwanger war. Die sekundäre Form bezeichnet, wenn bereits einmal oder mehrmals eine Schwangerschaft - unabhängig von deren Ende - vorgelegen hat, es aber während des entsprechenden Zeitraums von zwei Jahren zu keiner erneuten Empfängnis gekommen ist. (Kuchling 2002, S.21; Schirren 2003, S.4)

Der Begriff der Infertilität bezeichnet laut WHO die Unfähigkeit ein Kind auszutragen. Es bestehen folglich keine Probleme bei der Empfängnis, sondern beim Aufrechterhalten der Schwangerschaft. (Schirren 2003, S.5)

In der Literatur finden sich allerdings auch einige andere Definitionen dieser Termini, beziehungsweise werden die Begriffe Sterilität und Infertilität häufig synonym verwendet.

Die Fruchtbarkeit der Frau kann mit Hilfe des Fertilitätsgrades ausgedrückt werden. Bei diesem wird der Begriff Sterilität für das gänzliche Unvermögen ein Kind zu empfangen verwendet. Sterilität, wie sie zu Beginn dieses Kapitels beschrieben wurde, wird hier als Hypofertilität bezeichnet.

Der Fertilitätsgrad richtet sich nach der prozentuellen Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus:

50 % hyperfertil

25 % mittelmäßige Fertilität

10 % mittelmäßige Hypofertilität

1 % hochgradige Hypofertilität

0 % Sterilität

(Zech 2008, URL 1)

Im Folgenden wird der Begriff Sterilität gemäß der WHO-Definition verwendet.

1.1 Epidemiologie

10 bis 15 Prozent der Paare im reproduktionsfähigen Alter leiden unter einer ungewollten Kinderlosigkeit. Bei Paaren über] 30 sind es sogar 20 Prozent. Da der Wunsch nach eigenen Kindern immer öfter erst in einem späteren Lebensalter auftritt, ist die Tendenz steigend. Mittlerweile wartet fast jede dritte Frau mit Kinderwunsch ein- oder mehrmals ein Jahr lang auf den Eintritt einer Schwangerschaft. (Stauber 2007, S.429; Zech 2008, URL 1; Wischmann 2003, S.23)

In Europa wird medizinischer Rat wegen Unfruchtbarkeit von etwa 14 Prozent der Personen in Anspruch genommen. Die Erfolgsquote der verschiedenen In vitro-Fertilisations-Zentren liegt zwischen 32 und 36 Prozent (siehe Abb. 1). In mehreren Fällen sind für den Erfolg mehrere Versuche notwendig (siehe Abb. 2). Laut der offiziellen Statistik des österreichischen Gesundheitsministeriums für das Jahr 2007 kam es bei 5.932 durchgeführten Versuchen zu 1.639 herbeigeführten Schwangerschaften. Die ausgetragenen Schwangerschaften bzw. die Schwangerschaftsabbrüche werden statistisch jedoch nicht lückenlos erfasst (siehe Abb. 3). Eine solche Behandlung ist folglich nicht immer erfolgreich und überdies sehr kostspielig. Die American Fertility Association verlautbarte 2005, dass nur fünf bis zehn Prozent der Patienten tatsächlich solch medizinische Behandlungen, wie eine In vitro-Fertilisation, benötigen. (American Fertility Association 2005, in: Groll 2006, S.2; Ebisch 2007, S.163; Haggarty 2006, S.1513; Kern 2008, S.2ff)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: IVF-Fonds 2007 – Kurzstatistik IVF-Fonds-Patientenpaare – Gesamtösterreich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: IVF-Fonds 2007 – Prozentuale Verteilung der Versuchsanzahl je Altersklassen der Frauen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: IVF-Fonds – Schwangerschaften 2007 und gemeldete Geburten

(Kern 2008, S.16)

1.2 Die Physiologie der weiblichen Fertilität

Die Fertilität wird innerhalb eines jeden weiblichen Zyklus durch die Ausschüttung unterschiedlich konzentrierter Hormone gesteuert. Für die Freisetzung dieser Botenstoffe ist das im Hypothalamus gebildete Gonadotropin releasing hormone (GnRH) verantwortlich. (Feingold 2001, S.22)

Die erste Hälfte des Zyklus nennt sich Follikelphase. In ihr bewirkt das GnRH die vermehrte Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) aus der Hypophyse, wodurch etwa 20 Follikel heranwachsen, die verstärkt Östrogen produzieren. Ab einer gewissen Östrogenkonzentration wird FSH vermindert freigesetzt, wodurch sich im Normalfall nur noch ein Eibläschen zu einer befruchtungsfähigen Eizelle entwickeln kann. Das Östrogen bewirkt weiters, dass die Gebärmutterschleimhaut wächst und gut durchblutet wird und dass der Gebärmutterhals für Spermien durchlässig wird. Beim Übergang dieser Phase in die nächste, erfolgt – ebenfalls östrogenabhängig – die Ovulation sowie der Transport des Follikels durch den Eileiter. Nur zu diesem Zeitpunkt ist die Befruchtung der Eizelle möglich. (Feingold 2001, S.23; Thöne 1999, S.27ff)

Die zweite Hälfte des Zyklus ist die Luteale Phase, in der nun durch das GnRH der Hypophyse eine gesteigerte Freisetzung des luteinisierenden Hormons (LH) ausgelöst wird, welches gemeinsam mit dem Östrogen zum Eisprung führt. Um den geplatzten Follikel herum kommt es unter Einfluss von LH zu einer Vermehrung der Zellen und somit zur Entstehung des Gelbkörpers oder Corpus luteum, welcher das Schwangerschaftshormon Progesteron absondert. Dieses Hormon schafft im Uterus den geeigneten Nährboden für eine befruchtete Eizelle. Bleibt die Fertilisation aus, sinkt die Progesteronproduktion und die Schleimhaut der Gebärmutter – das Endometrium – wird mit der Menstruation abgestoßen. Ein neuer Follikelreifungsprozess beginnt. (König 1998, S.22; Thöne 1999, S.29f)

Endorphine stimulieren den Hypothalamus, wodurch mehr GnRH und in weiterer Folge mehr FSH und LH produziert werden. Endorphine sind hormonähnliche Substanzen, welche unter anderem bei entspanntem Sexualverkehr ausgeschüttet werden. Der Einfluss dieser Substanzen kann gut bei Paaren beobachtet werden, die lange Zeit auf ein Kind warten, und erst dann wieder entspannten Geschlechtsverkehr haben, nachdem sie sich mit der Kinderlosigkeit abgefunden haben. Immer wieder finden sich solche Beispiele, bei denen eine Schwangerschaft genau dann entsteht, als die Hoffnung bereits aufgegeben wurde. (König 1998, S,26f)

1.3 Ursachen der Unfruchtbarkeit

Die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch liegt zu etwa 30 bis 35 Prozent bei der Frau zu 30 bis 35 Prozent beim Mann und zu 30 bis 35 Prozent bei beiden Partnern. (Spitzer 2001, S.37)

Im Folgenden werden nur die Ursachen für Sterilität bei der Frau beschrieben.

1.3.1 Anatomische Anomalitäten

Unfruchtbarkeit kann aus angeborenen oder erworbenen Missbildungen entstehen. Geschlechtskrankheiten, Endometriose, Polypen, Myome, Infektionen, Abtreibungen und andere Umstände können zu einer veränderten Anatomie führen und die Empfängnis erschweren. (Groll 2006, S.169f)

Einengung der Eileiter

Die Tuben können durch Entzündungen verkleben oder durch operative Eingriffe vernarben und so verengt oder verschlossen sein. Ist dies der Fall, können die Spermien nicht zur Eizelle und die Eizelle nicht in die Gebärmutter gelangen. Es besteht die Gefahr einer Eileiterschwangerschaft. (Thöne 1999, S.49)

Endometriose

25 bis 50 Prozent der weiblichen Bevölkerung, die unter Unfruchtbarkeit leiden, haben Endometriose. Endometriose führt nicht zwangsweise zu Sterilität, es trifft allerdings auf etwa ein Drittel der betroffenen Frauen zu. (Feingold 2001, S.30; Shannon 2001, S.82)

Die Pathologie der Endometriose besteht darin, dass sich Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb des Uterus ansiedelt. Das endometriale Gewebe bildet Zysten an den Ovarien, den Tuben oder anderen Teilen der Bauchhöhle. Da die Endometrioseherde hormonabhängig sind, verändern sie sich zyklisch und werden bei der Menstruation abgeblutet. Kann das Blut aus den Zysten nicht aus dem Körper gelangen, gerinnt es und dickt ein. Solche Regelblutungen sind oft von starken Unterbauch- und Kreuzschmerzen begleitet. Es gibt jedoch auch asymptomatische Verläufe einer Endometriose. (Feingold 2001, S.31; Thöne 1999, S.48)

Es wird angenommen, dass es sich bei Endometriose um eine Autoimmunerkrankung handelt, da das Immunsystem betroffener Frauen nachweislich unterdrückt ist. Auch genetische Faktoren könnten von Bedeutung für die Entstehung dieses Krankheitsbildes sein. Es gibt allerdings verschiedene Umstände, die zum Ausbruch dieser Erkrankung beitragen. Diese Faktoren sind industrielle Chemikalien, Dioxine, Radioaktivität und Stress, sowie eine Ernährung reich an tierischen Fetten und arm an Jod, essentiellen Fettsäuren und verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen. (Feingold 2001, S.31f)

Endometriose kann durch Entzündungen und Narben zu Sterilität führen, insbesondere wenn die Eileiter betroffen sind. Sie können verkleben, vernarben oder blockiert werden. Außerdem können blutgefüllte Zysten in den Eierstöcken das funktionstüchtige Gewebe verdrängen. (Shannon 2001, S.82; Thöne 1999, S.49)

Operative Eingriffe

Nach Unterleibsoperationen – auch außerhalb des Reproduktionstraktes – können sich vergleichsweise harmlose Erreger in den Tuben ausbreiten und zu Entzündungen oder Verwachsungen führen. Weiters können durch die Operation selbst die Reproduktionsorgane verletzt werden – zum Beispiel durch eine Curettage. Durch das entstandene Narbengewebe ist weniger Gewebe für die Funktionsausübung der Organe vorhanden. (Feingold 2001, S.35f; Thöne 1999, S.50)

1.3.2 Hormonelle Störungen

Mindestens 25 Prozent der infertilen Frauen leiden unter einer endokrinen Dysfunktion. Hormonstörungen können sich auf die Eireifung, den Eisprung und die Einnistung einer befruchteten Eizelle auswirken. Wenn FSH und LH unzureichend produziert werden, kann kein Follikel entstehen. Besteht ein Mangel an LH, kann die Eizelle nicht freigesetzt werden.

Für endokrine Störungen gibt es im Wesentlichen drei Ursachen:

1. Die Steuerung der Eierstöcke durch Hypothalamus und Hypophyse ist gestört.
2. Die Ovarien sind verändert und haben in Folge eine gestörte oder keine Hormonbildung.
3. Die Hormonproduktion der Eierstöcke ist durch ein Ungleichgewicht anderer endokriner Systeme (z.B.: Schilddrüse) gestört.

Mögliche Ursachen für eine endokrine Störung sind aber auch Essstörungen und Stress. (Feingold 2001, S.33; Thöne 1999, S.43)

Störung der hormonellen Schaltzentren

Wenn der Hypothalamus nicht genügend Releasinghormon bildet, fehlt der Hypophyse die Anregung, die Ovarien zu stimulieren. Die endokrine Regulation ist sehr empfindlich. Stress oder ungewohnte Belastungen können die Hormonausschüttung verändern, um die zusätzliche Belastung einer Schwangerschaft zu verhindern. Dies soll den Organismus in Krisen- oder Hungerzeiten schützen und tritt folglich bei Frauen ein, die an anorektischen Erkrankungen leiden, Leistungssport betreiben oder sich radikalen Diäten unterziehen. (Thöne 1999, S.44)

Störung der Ovarien

Eine mögliche Ursache für Sterilität ist der vorzeitige Eintritt des Klimakteriums, zum Beispiel durch Strahlen- oder Chemotherapie. Die Östrogen- und Progesteronwerte sind in den Wechseljahren zu niedrig, um eine Eizelle heranreifen zu lassen. (Thöne 1999, S.44)

Eine weitere Möglichkeit ist eine verminderte Bildung des Gelbkörperhormons in den Ovarien. Bei einer Lutealinsuffizienz wird nicht genug Progesteron gebildet, welches zur Erhaltung der Schwangerschaft notwendig ist. (Thöne 1999, S.45)

Hyperandrogenämie

Erkrankungen, bei denen eine Hyperandrogenämie besteht, stören den hormonellen Regelkreis der Frau empfindlich und gehen mit unangenehmen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel verstärkter Körperbehaarung, einher. Ein Überschuss an Androgenen besteht zum Beispiel beim polyzystischen Ovarsyndrom. (Thöne 1999, S.45)

Polyzystisches Ovarsyndrom

Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine chronische Erkrankung mit Zystenbildung in den Eierstöcken. Es besteht ein Überschuss an Testosteron, wodurch in der ersten Zyklushälfte zuviel LH und zuwenig FSH produziert werden und die Reifung der Follikel gehemmt wird. Symptome des PCOS sind verlängerte Zyklen und Oligomenorrhoe, sowie eine verstärkte Körperbehaarung. Meist sind die Betroffenen übergewichtig. (Feingold 2001, S.34; Thöne 1999, S.46)

Eine Ursache für PCOS ist eine Insulinresistenz. Ein hoher Insulinwert kann zum Ansteigen des LH-Spiegels beitragen und ebenso direkt negativ auf die Follikel wirken. (Shannon 2001, S.152)

Hyperprolaktinämie

Prolaktin ist ein milchbildendes Hormon, das während der Stillzeit ausgeschüttet wird, um eine weitere Schwangerschaft in dieser energetisch fordernden Zeit zu verhindern. Auch Stresssituationen, Hypothyreose und die Einnahme bestimmter Medikamente können zu einer Hyperprolaktinämie führen, wodurch eine Konzeption erschwert wird. (Ludwig 2005, S.31; Thöne 1999, S.46)

Störungen der Schilddrüsenhormone

Die Schilddrüse bildet die Transportproteine für die Geschlechtshormone. Eine Hypothyreose beeinträchtigt durch einen Mangel an diesem Transporteiweiß die Fertilität. Aber auch eine Hyperthyreose kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken, da Sexualhormone nur in freier Form wirken können und bei einem Überschuss an Transportproteinen zu wenig freie Geschlechtshormone vorhanden sind. (Thöne 1999, S.47)

Hormonelle Kontrazeptiva

Nach dem Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln braucht der Organismus Zeit, um in seinen normalen endokrinen Rhythmus zurückzufinden. Außerdem kann die Verwendung von hormonellen Kontrazeptiva zu einem Mangel an bestimmten Mikronährstoffen führen und so zu Fertilitätsproblemen führen. (Feingold 2001, S.38)

1.3.3 Sonstige Ursachen

Neben einigen seltenen Auslösern für Unfruchtbarkeit bleibt ein wesentlicher Anteil an Sterilität von ungeklärter Ursache. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle wird von einer idiopathischen Sterilität gesprochen. (Spitzer 2001, S.37)

Sexuell übertragbare Erkrankungen

Sexuell übertragbare Erkrankungen, besonders Chlamydia und Gonorrhea, können zu Entzündungen in der gesamten Bauchhöhle führen und so auch Uterus, Ovarien, Tuben und Vagina betreffen. Diese bakteriellen Entzündungen können sehr schmerzhaft sein, aber auch beinahe unbemerkt verlaufen, wobei die Gefahr besteht, dass die Inflammation chronisch wird. (Feingold 2001, S.33f; Thöne 1999, S.49f)

Immunologische Sterilität

Bei der immunologischen Unfruchtbarkeit differenziert das weibliche Immunsystem nicht zwischen Spermien und viralen oder bakteriellen Erregern. Körperfremde Substanzen werden gleichermaßen bekämpft, so dass die Spermien abgetötet werden, bevor sie die Eizelle erreichen. (Feingold 2001, S.38)

1.4 Behandlungsmethoden

Es gibt verschiedene medizinische Möglichkeiten, um die Entstehung einer Schwangerschaft zu begünstigen oder zu initiieren. Diese sind oft mit hohen Kosten verbunden, nicht immer erfolgreich und ethisch teilweise bedenklich. (Prat 2006, S.3f)

Eine alternative Behandlungsmethode, die an der kritischen Betrachtung des Lebensstils und dessen Optimierung ansetzt, wäre folglich wünschenswert – sei es als alleinige oder auch als begleitende Therapiemaßnahme. Obwohl es vereinzelt Literatur zu Fruchtbarkeitsdiäten gibt und auch die Wissenschaft viel Forschung betreibt, bleibt diese Art der Behandlung – bei der die Ernährung eine wichtige Rolle spielt – noch weitgehend ungenutzt. Der Arzt Dr. David Feingold und die Biologin Deborah Gordon machen die Bedeutung einer solchen Behandlung folgendermaßen deutlich:

„Every aspect of human health is impacted by what we eat, and fertility is no exception.“ (Feingold 2001, S.12)

1.4.1 Operative Eingriffe

Verklebungen und Verwachsungen in den Reproduktionsorganen können operativ behoben werden. Nicht immer kann damit die Fertilität wiederhergestellt werden. (Croon 2004, S.224)

1.4.2 Ovulationsinduktion

Die medikamentöse Induktion des Eisprungs kann Frauen helfen, deren Fortpflanzungsorgane gesund sind, die aber eine zu geringe oder schwankende Produktion von FSH oder LH haben. Eine Ovulationsinduktion kann auch bei Frauen mit PCOS oder Lutealinsuffizienz helfen. (West 2004, S.150)

1.4.3 Intrauterine Insemination

Bei der intrauterinen Insemination wird das Sperma aufbereitet, um eine höhere Konzentration funktionstüchtiger Samenzellen zu erreichen, und nach dem Eisprung mittels Katheter direkt in die Gebärmutter injiziert. Diese Form der künstlichen Befruchtung kann bei abnormalem Zervixschleim, hohem FSH-Spiegel, Endometriose oder Sterilität ungeklärter Ursache helfen. Die Erfolgsrate liegt bei etwa zehn Prozent je Zyklus. (Croon 2004, S.232; West 2004, S.152f)

[...]

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Ernährung und Fertilität österreichischer Frauen
Untertitel
Betrachtung der Verzehrsgewohnheiten österreichischer Frauen hinsichtlich kritischer Nährstoffe für die Empfängnisbereitschaft
Hochschule
Akademie für den Diätdienst und ernährungsmedizinischen Beratungsdienst am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
59
Katalognummer
V131387
ISBN (eBook)
9783640492626
ISBN (Buch)
9783640492558
Dateigröße
1345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernährung, Fertilität, Frauen, Betrachtung, Verzehrsgewohnheiten, Frauen, Nährstoffe, Empfängnisbereitschaft
Arbeit zitieren
Agnes Hechtberger (Autor:in), 2009, Ernährung und Fertilität österreichischer Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131387

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