Immer mehr Paare im reproduktionsfähigen Alter leiden unter ungewollter
Kinderlosigkeit. Da der Wunsch nach eigenen Kindern immer öfter erst in einem höheren
Lebensalter auftritt, ist diese Tendenz steigend. Es gibt eine Vielzahl an
Behandlungsmöglichkeiten für Personen, bei denen trotz Kinderwunsch eine Schwangerschaft
ausbleibt. Bei einer solchen Therapie wird jedoch nicht immer auch die Ursache der Sterilität
behandelt. Oft bleibt diese sogar unklar. Obwohl die gynäkologischen Behandlungsmethoden
eines unerfüllten Kinderwunsches oft sehr aufwändig und kostspielig sind, ist der Erfolg nicht
garantiert. Die Erfolgsquote der verschiedenen In vitro-Fertilisations-Zentren liegt zwischen
32 und 36 Prozent, wobei die gewünschte Schwangerschaft teils erst nach zwei, drei oder
mehr Versuchen vorliegt. Dies ist zwar eine große Errungenschaft der medizinischen
Wissenschaft und Forschung, für die restlichen zwei Drittel der behandelten Paare allerdings
wenig zufrieden stellend. (Kern 2008, S.2ff)
Es stellt sich daher die Frage, ob es andere Behandlungsmethoden gibt, die alleine oder
in Kombination mit medizinischen Verfahren die Reproduktionsfähigkeit verbessern können.
Hier ist besonders die Änderung von Umwelt- und Lebensstilfaktoren von Interesse, also auch
eine Optimierung der Ernährung. Viele Studien belegen, dass nicht nur ein idealer
Gewichtsstatus und die optimale Körperzusammensetzung, sondern auch die Wahl der
Energielieferanten, die Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen und Antioxidantien,
sowie ein eingeschränkter Konsum von Koffein und Alkohol für die Fruchtbarkeit von
Bedeutung sind. Obwohl auch die Ernährung des Mannes Einfluss auf die Fertilität hat, spielt
dieser Faktor bei Frauen eine viel wichtigere Rolle, da sie auch körperlich dazu fähig sein
müssen, ein Kind neun Monate auszutragen. Wie meine Recherche im Vorfeld dieser Arbeit
ergab, wird in Österreich bei der Behandlung von Frauen mit Kinderwunsch oft nicht auf den
Ernährungsstatus geachtet. In anderen Ländern – besonders den USA – findet sich
dahingehend viel mehr Literatur. Auch in China, wo es großteils nur ein Kind pro Familie
gibt, wird sehr auf die Ernährung und einen gesunden Lebensstil geachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Fertilität, Subfertilität, Sterilität und Infertilität
1.1 Epidemiologie
1.2 Die Physiologie der weiblichen Fertilität
1.3 Ursachen der Unfruchtbarkeit
1.3.1 Anatomische Anomalitäten
1.3.2 Hormonelle Störungen
1.3.3 Sonstige Ursachen
1.4 Behandlungsmethoden
1.4.1 Operative Eingriffe
1.4.2 Ovulationsinduktion
1.4.3 Intrauterine Insemination
1.4.4 In vitro-Fertilisation
2 Energieversorgung
2.1 Einfluss des Ernährungszustands auf die Reproduktionsfähigkeit
2.1.1 Leptin
2.1.2 Insulin
2.1.3 Steroide
2.1.4 Ghrelin
2.1.5 Neuropeptid Y
2.2 Untergewicht
2.3 Übergewicht
3 Makronährstoffe
3.1 Eiweiß
3.2 Fett
3.2.1 Fettsäurezusammensetzung
3.3 Kohlenhydrate
3.3.1 Zucker
4 Flüssigkeitszufuhr
4.1 Koffein
4.2 Alkohol
5 Mikronährstoffe
5.1 Vitamine
5.1.1 Vitamin A – Retinol
5.1.2 Folsäure
5.1.3 Vitamin D
5.1.4 Vitamin E - Tocopherol
5.2 Mineralstoffe
5.2.1 Calcium
5.2.2 Eisen
5.2.3 Jod
5.2.4 Magnesium
Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Ernährungsgewohnheiten auf die weibliche Fertilität in Österreich, um eine wissenschaftliche Basis für die diätologische Beratung von Frauen mit Kinderwunsch zu schaffen.
- Analyse des Einflusses von Körpergewicht und Energiebilanz auf die Reproduktionsfähigkeit.
- Untersuchung der Bedeutung von Makronährstoffen (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) für die Fruchtbarkeit.
- Bewertung der Auswirkungen von Genussmitteln wie Koffein und Alkohol.
- Erfassung der Relevanz kritischer Mikronährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe).
- Darstellung der Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und endokrinen Regulationsmechanismen.
Auszug aus dem Buch
Die Metabolic Fuel Hypothese
Für den Zusammenhang zwischen Energiebilanz und Reproduktion ist nicht nur die äußere Energiezufuhr wichtig, sondern auch die Verfügbarkeit innerer Energiespeicher. Die Metabolic Fuel Hypothese nimmt an, dass Änderungen hinsichtlich der oxidierbaren Brennstoffe (Glukose, freie Fettsäuren, Ketonkörper) und/oder in weiterer Folge deren Oxidationsprodukte (z.B.: ATP) die primäre sensorische Stimulation darstellen, auf welche das Reproduktionssystem reagiert. Der am meisten überzeugende Beleg hierfür kommt aus der Beobachtung, dass das Reproduktionssystem fähig ist, auf kurzfristige – sogar minutiöse – Änderungen der metabolischen Brennstoffoxidation zu reagieren. Wird die Oxidation von Glukose oder langkettigen Fettsäuren limitiert, wird die Gonadotropinsekretion stark eingeschränkt. Dies belegt eindeutig, dass die Verfügbarkeit von metabolischem Brennstoff und nicht die Tatsache, dass ein Energiespeicher besteht, essentiell für die Reproduktion ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fertilität, Subfertilität, Sterilität und Infertilität: Definition der grundlegenden medizinischen Fachbegriffe und Darstellung der physiologischen hormonellen Steuerung des weiblichen Zyklus.
2 Energieversorgung: Analyse der Auswirkungen von Körpergewicht, Essverhalten und Energiebilanz auf die hormonelle Regulation und Fruchtbarkeit.
3 Makronährstoffe: Diskussion über die Qualität und Quantität der Zufuhr von Eiweiß, Fett sowie Kohlenhydraten und deren direkte Auswirkungen auf reproduktive Stoffwechselprozesse.
4 Flüssigkeitszufuhr: Untersuchung der physiologischen Auswirkungen von Koffein- und Alkoholkonsum auf die Empfängnisbereitschaft.
5 Mikronährstoffe: Detaillierte Betrachtung der Bedeutung von Vitaminen und Mineralstoffen sowie Empfehlungen für eine adäquate Nährstoffzufuhr vor und während des Kinderwunsches.
Schlüsselwörter
Fertilität, Infertilität, Sterilität, Ernährung, Gewichtsstatus, Energiebilanz, Mikronährstoffe, Folsäure, Insulinresistenz, Koffein, Alkohol, endokrine Dysfunktion, Reproduktionsfähigkeit, Nahrung, Österreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen den Ernährungsgewohnheiten österreichischer Frauen und deren Auswirkung auf die weibliche Empfängnisbereitschaft.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Sie umfasst Aspekte wie Energiebilanz (Gewicht), Makronährstoffqualität, die Wirkung von Genussmitteln (Alkohol, Koffein) sowie die Versorgung mit essenziellen Mikronährstoffen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss von Ernährungsfehlern auf die Fertilität aufzuzeigen und Diätologen/innen eine fundierte Beratungsgrundlage für die Kinderwunschbehandlung zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende wissenschaftliche Studien sowie Daten des österreichischen Ernährungsberichts analysiert und synthetisiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in physiologische Grundlagen der Reproduktion, den Einfluss der Energieversorgung, die Bedeutung der Makro- und Mikronährstoffe sowie die Wirkungen von Koffein und Alkohol.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Fertilität, Ernährung, Energiebilanz, Folsäure, hormonelle Regulation und reproduktionsmedizinische Beratungsaspekte.
Warum spielt die Energiebilanz für die Fertilität eine so große Rolle?
Der Körper reagiert sehr sensitiv auf die verfügbaren metabolischen Brennstoffe; sowohl Unter- als auch Übergewicht stören die hormonelle Steuerung durch den Hypothalamus und die Ovarien.
Welche Rolle spielt Folsäure in dieser Arbeit?
Die Arbeit identifiziert Folsäure als kritischen Nährstoff, dessen Supplementation bei Kinderwunsch essenziell ist, um das Risiko für Neuralrohrdefekte zu minimieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Kaffee und Alkohol?
Beide Substanzen werden kritisch betrachtet, da sie die hormonelle Balance stören können; insbesondere bei Alkohol wird zur Abstinenz bei Beginn des ungeschützten Geschlechtsverkehrs geraten.
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- Agnes Hechtberger (Author), 2009, Ernährung und Fertilität österreichischer Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131387