Organized Stalking - Ein soziales Informationsproblem


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,3


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INHALT

I. INFORMATIONSTHEORETISCHE EINLEITUNG

II. DEFINITION DER SITUATION

III. INFORMATIONSMACHT

IV. QUELLENVERZEICHNIS

I. INFORMATIONSTHEORETISCHE EINLEITUNG.

Zu Beginn dieser Arbeit miissen einige allgemeine Aussagen iiber die Informationskultur der (industrialisierten1 ) Gesellschaften der Gegenwart gefällt werden.

Innerhalb der letzten drei Dekaden war die beispiellose Demokratisierung moderner — oder bereits post-moderner2 — Informationsmedien zu beobachten: jeder Anwender hat Teil nicht nur am Gebrauch, sondern auch an der Entwicklung (auf professioneller, also aktiv entwickelnder, oder auf privater, also hauptsächlich kommerziell nutzender, und damit Neuerungen austestender und durch die Konsumption Neuerungen ermoglichender Ebene; grundlegend fiir die Demokratisierung eines Mediums ist die in irgendeiner Form geartete profitable Nutzbarkeit desselben auf ebendiesen beiden professionellen oder privaten Ebenen der Anwendenden) von Radio- und Mobilfunktechnologien, elektronischer Datenverarbeitung, insbesondere auch modernen Netzwerkmedien und deren Dienstleistungsangeboten. Insbesondere die Multilateralität der Letztgenannten3 bedeutet im Zuge einer tiefgreifenden Demokratisierung von Information, und damit letztendlich stets auch von Kommunikation, eine ebenso tiefgreifende Kommerzialisierung und d.h. kommerzielle Verwertbarmachung4 von Information: die Netzwerkmedien bzw. ihre Verwalter und Anbieter integrieren ihre Benutzer in das Spektrum der Dienstleistungsangebote, und teilen diesen selbst spezifische Rollen und Funktionen von Dienstleistern zu, ohne dass diese nun ihre neu erlangten, oder auch zugewiesenen Positionen selbst gewerblich oder anderweitig zu ihrem Vorteil nutzen könnten (ausgenommen als registrierter Kunde eines Anbieters — dieser Status eines „privilegierten Nutzers" der Netzwerkmedien rangiert jedoch tatsachlich unterhalb der eigentlichen Rollen-Funktion, welche der Benutzer fur den Anbieter, von dem er szs. lediglich ,verköstigt` wird, im Grunde spielt: namlich als eigenstandiger Distributeur von verwertbarer Information).

Dies verdeutlicht einen grundlegenden und ausschlaggebenden, einen szs. existentiellen Zustand innerhalb der gegenwartigen Informationskultur: der informations- und kommunikationstechnische Fortschritt bedeutet eine Demokratisierung von Information in zwei Richtungen: einerseits werden die Informationskontingente unterschiedlichster Anbieter (Individuen wie Organisationen) im Zuge dieses Prozesses allgemein zuganglich gemacht; andererseits bedeutet eine Demokratisierung der Informationen eines individuellen Nutzers auch eine Demokratisierung, d.h. ,Vergesellschaftlichung` des Nutzers selbst. Im Zuge dieses informationskulturellen Phanomens wird der Aspekt der Kommerzialisierung dem bereits genannten der Demokratisierung hinzugefügt.

D.h., es ereignet sich nicht lediglich ein bedeutender Fortschritt fir das private Individuum, sondern auch (scheinbar oft vergessen oder unbeachtet) ein weitaus bedeutenderer Fortschritt fir Organisationen jeder Art, die darauf aufbauen, innerhalb eines aus Myriaden von Sendern und Empfängern bestehenden sozialen Netzwerkes Informationen sammeln und verwerten zu können — die post-modernen Netzwerkmedien, in der Transzendierung eines realen internationalen, heterogenen Raumes in eine raumzeitungebundene, homogene Virtualität, erweitern die Teilhabe an den Handlungsmöglichkeiten bei der Verteilung und Verarbeitung von Informationen im Sinne der Organisationen, trotz eines Individualisierungsprozesses meist in weitaus gewichtigerem MaBe, als dies bei Privatindividuen der Fall ist (im Verlauf dieser Arbeit wird noch näher auf den einzuführenden Begriff der ,Informationsmacht` eingegangen werden).

[...]


1 Das bedeutet die Gesellschaften, die im Rahmen dieser Arbeit von alleinigem Interesse sind. Vgl. E. White, Organized Stalking: A Target ' s View, 2008, S. 4.

2 Das Internet sei als nur ein, aber auch als das bereits klassisch gewordene Beispiel (und in seiner sowohl ,kulturpessismistischen' als auch ,kulturoptimistischen' Verwendbarkeit als Symbol, sogar als Signifikant und Signifikat für das gegenwärtige, noch nicht abgeschlossene Informations-Zeitalter — der Überschuss und Überfluss an vorhandener und vor allem zugänglicher Information über die eigene Gegenwart ,reizt' anscheinend förmlich zu einer ununterbrochenen Reflexion) genannt: die beständige Ausweitung seiner kommunikativen und interaktionären Dienstleistungsangebote, und die schrittweise Annäherung dieser vom virtuellen Raum hin zum tatsächlich reellen Raum (die Funktionen der echtzeitlichen Kommunikation in Schrift, Bild, Ton und vor allem dem eigenen gesprochenen und gehörten Wort), und die gleichzeitige Auflösung der raumgebundenen interaktionären Grenzen, schafft eine völlig neue Situation der Kommunikation und somit der Information, welche die kommunikativen Moglichkeiten der Realitat zwar zu ,imitieren' versucht, sie in seiner Beschaffenheit als globales Netzwerkmedium in der Virtualität jedoch transzendiert; und hierbei haben wir der grundlegenden Beschaffenheit des Internets als Speicher- und Distributionsmedium von nicht direkt vermittelter oder vermittelbarer Information noch nicht einmal Rechnung getragen.

3 Der Begriff der Multilateralität meint hierbei das Verhältnis des individuell möglichen Informationserwerbs sowie der Möglichkeiten der Informationsverteilung: an die Stelle der monologischen und dialogischen Kommunikationsformen moderner Informationsmedien — d.h. der Vermittlung von Information durch einen Sender an einen Empfänger in der monologischen Variante, und dem wechselseitigen Austausch von Informationen durch zwei Subjekte in einer relativ egalitären Sender/Empfänger-Doppelrolle (das dialogische System basiert in dieser Hinsicht in gewisser Weise auf einer reziproken ,Austauschsnorm') — tritt die szs. ,multilogische' Kommunikationsform der post-modernen Informationsmedien, die den Zugriff des Individuums auf die Informationen von anderen Individuen relativ frei von dem das Individuum betreffende Gutdünken seiner Quellen, oder irgendwelchen interaktionären Reziprozitätsnormen, macht. Zwar sind (wie bei den genannten anderen Formen) Zensur und Manipulation möglich, es ist auch nicht plötzlich ein Jeder befähigt, alles wissen zu können, spezifische Informationsbereiche bleiben nachwievor Spezialisten (wie z.B. Journalisten oder Angestellten einer staatlichen oder nichtstaatlichen Organisation) vorbehalten (wenn auch das allumfassende private Netzwerk die territorialen Begrenzungen von offiziellen Netzwerken aufzuweichen und durchlässig zu machen in der Lage ist); es kann aber eine Einzelperson sehr leicht sehr viele Informationen aus sehr vielen verschiedenen Quellen sich zugänglich machen, und dies vor allem raumzeitlich ungebundener als zuvor und in geringerem Maße auf die Hilfe Dritter angewiesen.

4 Der Begriff des ,Kommerziellen' soll hierbei eine Verwertbarmachung von Informationen zu im Prinzip egal welchem Zwecke bedeuten: eine im Rahmen eines (noch zu erläuternden) Stalking-Prozesses vollzogene Verwertung persönlicher Informationen eines betroffenen Individuums durch Mitglieder einer Stalking Group, ist ebenso kommerziell zu nennen, wie die durch einen Anbieter vollzogene Weiterleitung spezifischer Daten eines Kunden an Dritte (zumeist andere Dienstleistungsanbieter) gegen bspw. eine Prämie (Paid Results).

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Details

Titel
Organized Stalking - Ein soziales Informationsproblem
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V131431
ISBN (Buch)
9783640373932
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziologie, organized stalking, deviantes verhalten, abweichendes verhalten, kommunikation, information, soziale gegenbewegungen, desintegration
Arbeit zitieren
Martin Teske (Autor), 2009, Organized Stalking - Ein soziales Informationsproblem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131431

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