Die im Folgenden behandelte Fassung A der Gedichte des Rosengartens zu Worms ist ungefähr 50 Jahre jünger als das Nibelungenlied.
Im Gedicht findet ein Vergleich zwischen Helden statt, bei dem im Verlauf der Arbeit insbesondere der Kampf zwischen Siegfried und Dietrich im Blickpunkt stehen wird.
Die einzelnen Kapitel befassen sich mit der genauen Beschreibung Dietrichs von Bern, zu dessen Epen der Rosengarten zählt.
Hier gilt zu beachten, dass die gewählten Begriffe, die die Dietrichgestalt beschreiben, mit Vorsicht auf ihren mittelalterliche Kontext zu verwenden sind.
Dietrichs Ruf bezieht sich sowohl auf sein Ehrverhalten, als auch auf die untersuchten Attribute seiner Figur im Epos, die im Zusammenhang mit ihm auftauchen.
Man spricht demnach zufolge von Merkmalen, die bei der Beschreibung verwendet werden und zur Funktion der Gestalt führen sollen.
Um dies zu erreichen ist es nötig, die wichtigsten Figurenkonstellationen zu Dietrich zu untersuchen, was im Folgenden die zwischen Hildebrand-, bzw. Kriemhilt und Dietrich sein müssen.
In der Bearbeitung verwende ich die Begriffe `Rolle der Dietrichgestalt´, bzw. `- der Person Dietrichs´, ebenso wie `Rolle´ in Bezug auf die Beschreibung der Attribute, um den Ruf, bzw. das Ehrverhalten zu erklären.
Hierbei steht die Entwicklung in der Kampfszene, in welcher Siegfried gegen Dietrich kämpft im Mittelpunkt.
Die Arbeit soll einen Umriss der Dietrichgestalt ergeben, wobei der neuzeitliche Begriff der Charakterisierung nicht verwendet wird. Wie auch im Beispiel Nibelungenlied sind die psychologischen Begriffe eher mit Verhalten zu tauschen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
1) Die Beschreibung der Dietrichgestalt
1.1 Dietrichs Ruf
1.2 Dietrichs Attribute
2) Im Vordergrund stehende Figurenkonstellationen
2.1 Die Beziehung zwischen Dietrich und Hildebrand
2.2 Dietrichs Beziehung zu Kriemhilt
3) Die Rollenfunktion Dietrichs
3.1 Die Entwicklung während der Kampfszenen
3.2 Die Kampfszene zwischen Dietrich und Siegfried
Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der Dietrichgestalt im Rosengartengedicht (Fassung A) unter besonderer Berücksichtigung seines Wandels von einer autonomen zu einer passiven bzw. fremdgesteuerten Rolle. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Figurenkonstellationen und die Analyse, wie Dietrich durch äußere Einflüsse und den Kampf gegen Siegfried in seiner Charakteristik beeinflusst wird.
- Analyse des "vorauseilenden Rufs" von Dietrich von Bern.
- Untersuchung der Einflussnahme durch die Figur Hildebrand.
- Betrachtung der Interaktion zwischen Dietrich und Kriemhilt.
- Untersuchung der strukturellen Funktion der Kämpfe für Dietrichs Rollenentwicklung.
- Analyse der Schlüsselszene des Kampfes zwischen Dietrich und Siegfried.
Auszug aus dem Buch
1.1 Dietrichs Ruf
Kriemhilts Motivation Dietrich eine Nachricht zukommen zu lassen ist, ihn mit Siegfried zu messen und einen Vergleich zu arrangieren. Sie hat über Dietrich gehört, dass er Heldentaten begangen habe, die denen Siegfrieds ebenbürtig sein könnten.
Dô wart ir von dem Berner wunders vil geseit.
si gedâhte ir manege liste, diu keiserlîche meit,
wie si ze samene braehte die zwêne küenen man,
durch daz man saehe, von welhem daz beste würde getân.
Zu Beginn des Rosengartens taucht die Zeile „wunders vil geseit“ im Zusammenhang mit Siegfrieds erster Erwähnung auf. Dem Verfasser, wie auch dem Publikum ist der Nibelungenstoff, bzw. das Lied bekannt. Es verwendet zu Beginn einleitend die gleiche Zeile und ist „ein Stück Rezeptionsgeschichte des >Nibelungenliedes<.“
Dies bedeutet, dass die Heldentaten Siegfrieds im Nibelungenlied, bzw. Rosengarten nicht mehr erwähnt werden müssen, weil sie dem Publikum bekannt sind, genauso wenig wie die Taten Dietrichs im Rosengarten ausführlich angesprochen werden. Ich sehe an dieser Stelle eine Parallele, da es wichtig ist klar zu machen, das sowohl der Held auf Wormser Seite, der von Siegfried verkörpert wird, als auch Dietrich von Bern eine dem Publikum bekannte Vorgeschichte hat. Dies bekräftigt die Funktion ihrer Rollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Die Beschreibung der Dietrichgestalt: Dieses Kapitel analysiert Dietrichs vorauseilenden Ruf sowie seine Attribute, die ihn als Anführer und König etablieren. Es wird verdeutlicht, wie Dietrichs Identität über seine Attribute und seine höfische Rolle im Epos definiert wird.
1.1 Dietrichs Ruf: Hier wird untersucht, wie Kriemhilts Motivation, Dietrich mit Siegfried zu messen, auf dessen bekanntem Heldenruf aufbaut. Der Abschnitt beleuchtet die literarischen Parallelen zum Nibelungenlied als Teil der Rezeptionsgeschichte.
1.2 Dietrichs Attribute: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf Dietrichs Auftreten als Festgeber und Vogt von Bern. Es wird aufgezeigt, wie sein Verhalten gegenüber Untertanen und Boten seinen Status und seine höfische Führungsrolle untermauert.
2) Im Vordergrund stehende Figurenkonstellationen: Das Kapitel behandelt die Dynamik zwischen den Hauptakteuren. Es wird dargelegt, dass Dietrichs Handlungsspielraum durch andere Figuren, insbesondere Hildebrand und Kriemhilt, maßgeblich mitbestimmt wird.
2.1 Die Beziehung zwischen Dietrich und Hildebrand: Hier wird der Rollentausch zwischen Dietrich und seinem Lehrer Hildebrand analysiert. Hildebrand übernimmt in entscheidenden Situationen die Führung, während Dietrich eine passive Rolle einnimmt.
2.2 Dietrichs Beziehung zu Kriemhilt: Dieser Teil betrachtet die antagonistische Beziehung zu Kriemhilt. Ihr Handeln fungiert als Auslöser für den Zorn Dietrichs und leitet seine Rollenveränderung ein.
3) Die Rollenfunktion Dietrichs: Das Kapitel fokussiert auf die strukturelle Entwicklung von Dietrichs Rolle im Verlauf der Kämpfe. Dietrich tritt als Protagonist zunehmend in den Hintergrund und agiert nur noch in Ausnahmesituationen.
3.1 Die Entwicklung während der Kampfszenen: In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie Dietrich die Einteilung der Kämpfer an Hildebrand übergibt. Die Kämpfe dienen als Instrument, um Dietrichs Passivität im Vergleich zum aktiven Hildebrand herauszustellen.
3.2 Die Kampfszene zwischen Dietrich und Siegfried: Dies ist die Schlüsselszene der Arbeit, in der Dietrichs Zorn durch eine List Hildebrands entfacht wird. Der Kampf gegen Siegfried stellt den Höhepunkt seiner Rollenwandlung und eine temporäre Flucht aus der höfischen Ordnung dar.
Schlüsselwörter
Dietrich von Bern, Rosengarten zu Worms, Hildebrand, Kriemhilt, Siegfried, Nibelungenlied, Rollenfunktion, Heldensage, Figurenkonstellation, höfisches Verhalten, Heldenepik, Kampf, Führungsrolle, Mittelhochdeutsch, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wandlung der Figur Dietrich von Bern im Rosengartengedicht. Dabei steht der Übergang von einer aktiven, autonomen Führungsrolle zu einer eher passiven, fremdgesteuerten Funktion im Vordergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Beschreibung des Heldenrufs, die Analyse höfischer Attribute, die Dynamik der Figurenkonstellationen sowie die strukturelle Bedeutung der Kampfszenen für die Charakterentwicklung des Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Dietrichs Rolle kein statisches Konstrukt ist, sondern sich im Verlauf des Epos durch das Eingreifen anderer Figuren und spezifische Ereignisse von einer autonomen zu einer nicht-autonomen Gestalt wandelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit nutzt eine philologisch-literaturwissenschaftliche Analyse. Sie arbeitet mit dem Vergleich von Textstellen und der Einordnung in den Kontext der mittelhochdeutschen Dietrichepik sowie des Nibelungenliedes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dietrichs Attributen, die Analyse der Interaktion mit Schlüsselfiguren wie Hildebrand und Kriemhilt sowie die detaillierte Auswertung der Kampfszenen als strukturelles Gerüst für Dietrichs Rollenentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Dietrich von Bern, Rosengarten, Heldenepik, Rollenfunktion, Hildebrand, Siegfried und höfisches Verhalten.
Warum spielt die Figur Hildebrand eine so wichtige Rolle für Dietrich?
Hildebrand fungiert als Mentor und strategischer Lenker. Er ist derjenige, der Dietrich durch Ratschläge und gezielte Listen (etwa das Vortäuschen seines Todes) aus seiner Passivität reißt und ihn in die Kämpfe drängt.
Welche besondere Bedeutung hat der Kampf gegen Siegfried für Dietrichs Charakter?
Dieser Kampf ist der Höhepunkt der Entwicklung. Hier verlässt Dietrich seine höfische Zurückhaltung. Durch die List Hildebrands wird er so zornig, dass er in einen mythischen Zustand gerät, der weit über seine normale Rolle als höfischer Fürst hinausgeht.
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- Michael Bylsma (Author), 2004, Die Gedichte vom Rosengarten zu Worms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131456