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Christliche Verantwortung im Anthropozän. Von der Naturwissenschaft zur Theologie – Interdisziplinäre Analysen und Handlungsoptionen

Title: Christliche Verantwortung im Anthropozän. Von der Naturwissenschaft zur Theologie – Interdisziplinäre Analysen und Handlungsoptionen

Thesis (M.A.) , 2022 , 117 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dr. Klaus Altenbach (Author)

Theology - Systematic Theology
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Summary Excerpt Details

Der Klimawandel ist neben dem Artensterben das wohl größte menschengemachte Problem der heutigen Zeit. Der Einfluss des Menschen auf die Gestalt der Erde übersteigt in seiner Geschwindigkeit alle bisherigen geologischen und biologischen Prozesse. Diese zunächst als menschliche Erfolgsgeschichte angesehene immer stärkere Beherrschung der Naturkräfte kommt an ihre Grenzen und wird zu einer existenziellen Bedrohung für das Leben aller Spezies und somit des Menschen selbst.

Welche Auswirkungen haben die menschlichen Aktivitäten auf die Erde? Welches Ausmaß haben die zahlreichen und tiefgreifenden Veränderungen? Was sind die Ursachen und welche Rolle spielt die biblische Schöpfungsgeschichte für das Weltbild des Anthropozän? Was können wir als verantwortungsbewusste Christen tun, um die drohende Katastrophe aufzuhalten?

Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. Klaus Altenbach in seinem Buch. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Betrachtung des Anthropozän aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Mit seiner Arbeit richtet sich der Autor an Leser:innen, die über den Tellerrand ihres eigenen Fachs hinausblicken und Zusammenhänge entdecken wollen. Er gibt Anregungen zum Weiterdenken und Weiterlesen durch Querverweise auf Literatur aus verschiedenen Bereichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Anthropozän – eine Begriffsbestimmung

3. Diagnose – Zustandsbeschreibung der Erde im Anthropozän

3.1 Entwicklungen seit 1950

3.1.1 Die große Beschleunigung

3.1.2 Grenzen des Wachstums – planetarische Grenzen

3.2 Bevölkerungsentwicklung

3.3 Klimawandel

3.4 Biodiversität

3.5 Ressourcenverknappung

3.6 Wahrnehmung und Problembewusstsein

4. Ursprung und Deutung des Status quo im Anthropozän

4.1 Grundzüge der Wissenschaftstheorie

4.1.1 Werturteilsfreiheit

4.1.2 Verhältnis der wissenschaftlichen Disziplinen

4.1.3 Interdisziplinarität und normative Wende

4.2 Ausgewählte Aspekte der geisteswissenschaftlichen Debatte

4.2.1 Anthropozentrismus und Eigenwert der Dinge

4.2.2 Schöpfungstheologie

4.2.3 Technologischer Fortschritt und menschliche Hybris

4.2.4 Macht und Machtmissbrauch

4.3 Gerechtigkeit und Verantwortung

4.3.1 Synchrone Gerechtigkeit

4.3.2 Diachrone Gerechtigkeit

4.3.3 Intergenerationale Verantwortung

4.4 Kirchliche Stellungnahmen

4.4.1 Dokumente bis 2015

4.4.2 Die Enzyklika Laudato siʼ

5. Handlungsoptionen zur Sicherung einer lebenswerten Umwelt

5.1 Große Transformation und ökologische Umkehr

5.2 Verminderung und Anpassung im Klimawandel

5.3 Technische Maßnahmen

5.3.1 Energiewende – erneuerbare Energien

5.3.2 Geoengineering – Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren

5.3.3 Künstliche Intelligenz

5.4 Gesellschaftliche Veränderungen

5.4.1 Einstellungs- und Verhaltensänderung

5.4.2 Moralpsychologische Aspekte und Motivation

5.4.3 Nachhaltige Entwicklung

5.4.4 Politische Umsetzung

5.4.5 Rolle der Kirche

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Erdsystem („Anthropozän“) und leitet auf Basis des Dreischritts „Sehen – Urteilen – Handeln“ Strategien für eine christlich motivierte Verantwortung gegenüber der Schöpfung ab. Dabei wird hinterfragt, wie technischer Fortschritt und gesellschaftliche Strukturen in Einklang mit den planetaren Grenzen gebracht werden können.

  • Wissenschaftliche Diagnose der ökologischen Krise seit 1950
  • Geisteswissenschaftliche Reflexion von Anthropozentrismus und Macht
  • Ethik der intergenerationalen Gerechtigkeit und Verantwortung
  • Kirchliche Perspektiven und Impulse für ein nachhaltiges Handeln
  • Wegweiser zur „großen Transformation“ und technischen Lösungen

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Die große Beschleunigung

Die in der Mitte des 20. Jahrhunderts einsetzende große Beschleunigung wird durch die in großer Menge verfügbaren fossilen Energieträger ermöglicht. Es wird geschätzt, dass von 1950 bis heute eine Menge verbrannt wurde, für deren Produktion die Natur mehr als 100 Millionen Jahre benötigte. Bis in die 1960er Jahre wurden fossile Energieträger überwiegend in Europa und Nordamerika, also von etwa einem Fünftel der Menschheit, genutzt. Seither ist der Verbrauch beispielsweise in China um den Faktor 16 und in Indien auf das Elffache gestiegen. Nachholeffekte der industriellen Entwicklung in den bevölkerungsreichen Schwellenländern tragen demnach maßgeblich zur Beschleunigung bei. Ein weiterer Treiber der großen Beschleunigung war die zunehmende Ergänzung und teilweise Substitution der Kohle durch Erdöl in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Öl ist leichter zu transportieren und kann in Raffinerien weltweit kostengünstig zu flüssigen Treibstoffen verarbeitet werden. Diese ermöglichen erst den Aufbau der hohen Transportkapazitäten für Menschen und Material auf der Straße (PKW und LKW), in der Luft (Flugzeuge) und in den Weltmeeren (Schiffsverkehr) als Basis für die heutige Mobilität.

Das International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP) sammelte von 1999 bis 2003 in einem durch die Arbeit von Crutzen inspirierten Projekt Daten, um die Idee des Anthropozäns zu veranschaulichen und zu plausibilisieren. Crutzen identifizierte den Beginn des neuen Zeitalters in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Deshalb startete die Erhebung der meisten Indikatoren im Jahr 1750, wenn entsprechende Daten verfügbar waren, und endete zunächst im Jahr 2000. Später wurde die Studie bis zum Jahr 2010 erweitert. Das Wissenschaftlerteam stellt jeweils zwölf sozioökonomische und zwölf erdsystematische Trends dar und ist überrascht von den über fast alle Trends hinweg zu beobachtenden steilen Anstiegen der jeweiligen Werte ab etwa 1950. Für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich folglich der Begriff ‚große Beschleunigung‘ (great acceleration) eingeprägt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Diese Einleitung erläutert den Spannungsbogen der Arbeit von der naturwissenschaftlichen Problemanalyse bis zur theologischen Reflexion und führt in den methodischen Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“ ein.

2. Das Anthropozän – eine Begriffsbestimmung: Hier wird die etymologische und wissenschaftliche Herkunft des Begriffs „Anthropozän“ hergeleitet, der das „Zeitalter des Menschen“ beschreibt.

3. Diagnose – Zustandsbeschreibung der Erde im Anthropozän: Dieses Kapitel stellt faktenbasiert die ökologischen Auswirkungen der „großen Beschleunigung“ dar, wie den Klimawandel, den Artenverlust und die Ressourcenverknappung.

4. Ursprung und Deutung des Status quo im Anthropozän: Kapitel vier untersucht die wissenschaftstheoretischen Hintergründe und die geisteswissenschaftliche Debatte, insbesondere zur Kritik am unreflektierten Anthropozentrismus.

5. Handlungsoptionen zur Sicherung einer lebenswerten Umwelt: Der letzte Hauptteil diskutiert konkrete Wege der Transformation, unterteilt in technische Maßnahmen, gesellschaftliche Veränderungen und die spezifische Rolle der Kirche.

6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit und einer grundlegenden kulturellen Umkehr.

Schlüsselwörter

Anthropozän, Große Beschleunigung, Schöpfungstheologie, Nachhaltige Entwicklung, Klimawandel, Biodiversität, Humanökologie, Intergenerationale Gerechtigkeit, Anthropozentrismus, Planetarische Grenzen, Energiewende, Große Transformation, Laudato si', Verantwortungsethik, Technikethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit, die unter dem Begriff „Anthropozän“ zusammengefasst werden, und sucht nach einer Antwort aus christlich-theologischer sowie interdisziplinärer Perspektive.

Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?

Zu den Kernpunkten gehören die Diagnose des Erdzustands, die Kritik an einem rein auf Ausbeutung ausgerichteten technischen Fortschrittsverständnis sowie die Suche nach einer nachhaltigen Ethik.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den menschlichen Handlungsspielraum im Anthropozän auszuloten und auf Basis christlicher Verantwortung konkrete Handlungsoptionen für Politik und Gesellschaft zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?

Die Arbeit folgt dem methodischen Dreischritt der kirchlichen Soziallehre: „Sehen“ (Diagnose), „Urteilen“ (theologische und ethische Einordnung) und „Handeln“ (Ableitung von Strategien).

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine naturwissenschaftliche Zustandsbeschreibung, eine geisteswissenschaftliche Analyse der Ursachen (wie Anthropozentrismus) und eine Diskussion technischer und gesellschaftlicher Transformationswege.

Was charakterisiert die in der Arbeit verwendeten Schlüsselwörter?

Die zentralen Begriffe verbinden naturwissenschaftliche Fakten (z.B. Klimawandel, Biodiversität) mit normativen Konzepten christlicher Umweltethik (z.B. Schöpfungsverantwortung, Mitgeschöpflichkeit).

Welche Rolle spielt die Enzyklika Laudato si' in der Arbeit?

Die Enzyklika fungiert als Meilenstein, da sie ökologische Probleme ganzheitlich mit sozialer Gerechtigkeit verknüpft und den Menschen als Teil einer verwobenen Schöpfungsgemeinschaft neu definiert.

Warum wird dem „Technologischen Fortschritt“ kritisch begegnet?

Die Arbeit diskutiert, dass technischer Fortschritt ohne ethische Einbettung in die „Hybris“ führt – den Hochmut des Menschen, der die endlichen Ressourcen der Erde ignoriert und seine eigene Lebensgrundlage gefährdet.

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Details

Title
Christliche Verantwortung im Anthropozän. Von der Naturwissenschaft zur Theologie – Interdisziplinäre Analysen und Handlungsoptionen
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Katholisch-theologische Fakultät)
Grade
1,0
Author
Dr. Klaus Altenbach (Author)
Publication Year
2022
Pages
117
Catalog Number
V1314563
ISBN (PDF)
9783346796691
ISBN (Book)
9783346796707
Language
German
Tags
Anthropozän Klimawandel Biodiversität Schöpfung Anthropozentrismus Sozialethik Gerechtigkeit Weltbild Hybris Fortschritt Kirche Papst Enzyklika Energiewende Geoengineering Verantwortung Interdisziplinarität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Klaus Altenbach (Author), 2022, Christliche Verantwortung im Anthropozän. Von der Naturwissenschaft zur Theologie – Interdisziplinäre Analysen und Handlungsoptionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1314563
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