Bereits im Jahr 1970 hatte der Psychologe Dan Olweus den Begriff „Mobbing in der Schule“ geprägt, und auf die suizidale Gefahr von Opfern hingewiesen. Die Aktualität solcher Geschehnisse ist geblieben. Der Zusammenhang von Mobbing und Suizid ist nicht zu unterschätzen, und deshalb darf der Kampf dagegen nicht nachlassen. Aus diesem Grund sollte die Gewalt- und Mobbingprävention in jeder Schule professionell implementiert werden. Gewalt- und Mobbingprävention kann nur dann nachhaltig gelingen, wenn die Präventionsarbeit konsequent in den Schul- und Unterrichtsalltag einbezogen wird.
Gewalt ist in allen Kulturen und in allen sozialen Schichten anzutreffen. Es kann viele verschiedene Formen annehmen. Während psychische und strukturelle Formen von Gewalt weniger Aufmerksamkeit finden, erregt die physische Gewaltanwendung die Gemüter. Dies gilt insbesondere dann, wenn junge Menschen aus Einwandererfamilien Aggression und Gewalt zeigen.
Doch wissen die wenigsten, dass die häufigste Form von Gewalt die psychische Gewalt ist, und Mobbing genannt wird. Das Thema „Mobbing“ ist ein weit verbreitetes Problem, sowohl außerhalb wie auch in der Schule. Körperliche Angriffe, Anpöbelung und soziale Ausgrenzung gehören zum schulischen Alltag. Häufig sind die Erwachsenen ratlos oder schauen weg, während die Opfer, egal ob Kinder oder Erwachsene, die Schuld bei sich selbst suchen und zunehmend in eine soziale Isolation geraten. Lehrkräfte sind meist überrascht, wenn man sie auf Mobbing in einer Klasse anspricht. Denn die Schikanen geschehen oft unterschwellig und meist außerhalb des Unterrichts, während der Pausen oder auf dem Schulweg.
Mobbing ist ein aggressiver Akt, bei dem das Opfer über einen längeren Zeitraum belästigt, schikaniert und ausgegrenzt wird. Je länger Mobbing andauert, umso schwieriger ist es, eine Lösung zu finden und umso sicherer ist die körperliche oder seelische Beeinträchtigung der betroffenen Kinder oder Erwachsenen. Während physische Gewalt für eine kurze Zeit Narben und Flecken hinterlassen, bohren sich psychische Narben tief in die Seele, die das Opfer ein Leben lang in und mit sich trägt. Infolgedessen ist eine langwierige Therapie meistens unabdingbar, da Mobbing bzw. Bullying Erfahrungen im Kindes- und Jugendalter die Entwicklung psychischer Störungen begünstigen, und sich bis hin zu parasuizidalen Gedanken entwickeln können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Mobbing?
3 Mögliche Ursachen
4 Islamischer Zugang zur Gewaltprävention
5 Relevanz für Schule und Schüler
6 Ziele und Kompetenzen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen Mobbing im schulischen Kontext und stellt diesem einen spezifisch islamischen Ansatz zur Gewaltprävention gegenüber, um konstruktive Lösungsstrategien für den Schulalltag zu entwickeln.
- Definition und Erscheinungsformen von Mobbing
- Psychosoziale Ursachen von Gewalt und Aggression
- Ethische Prinzipien des Islam zur Konfliktlösung
- Bedeutung der schulischen Präventionsarbeit
- Förderung sozialer Kompetenzen bei Schülern
Auszug aus dem Buch
4 Islamischer Zugang zur Gewaltprävention
Auch aus islamischer Sicht gehören Konflikte und Streitigkeiten zum menschlichen Leben und sind nicht immer zu vermeiden. Meinungsunterschiede sind nach islamischem Verständnis als Gnade oder sogar als Wille ALLAAHs جل جلاله zu sehen. Der Islam verfolgt bei den Konfliktlösungen den bestmöglichen Weg. Dieser wird im Quraan folgendermaßen beschrieben: „Rufe zum Wege deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und disputiere mit ihnen auf beste Weise.“ Dies ist die islamische Handlungs- und Lebensweise (diin), dass den Menschen im Quraan empfohlen wird. Im Folgenden wollen wir uns anschauen, was wir aus dem Quraan und der islamischen Lebensweise (diin) erfahren können.
Im Quraan wird das Wort diin für das verwendet, wofür man im deutschen das Wort Religion gebraucht. Dieses arabische Wort hat Bedeutungen wie Verantwortung, Rechenschaftspflicht oder Verbindlichkeit. Denn die Botschaft des Islam gebietet Pflichten gegenüber ALLAAH جل جلاله, Pflichten gegenüber Mitgeschöpfen und Pflichten gegenüber sich selbst. Gemäß Quraan bot ALLAAH جل جلاله die Verantwortung (diin) den Himmeln, der Erde und den Bergen an. Jedoch fürchteten sie sich vor der “Last“ der Verantwortung, und lehnten es ab. Doch der Mensch übernahm die Verantwortung. Deshalb ist Moralität eine spezifisch menschliche Eigenschaft, die sonst von keinem anderen Geschöpf getragen wird.
Bevor ich fortfahre, sollen die Begriffe Islam und Muslim kurz erklärt werden. Sowohl Islam als auch Muslim entspringen aus der Wortwurzel s-l-m. Islam bedeutet vereinfacht gesagt „sich den Frieden hingeben“ und Muslim ist derjenige, der Frieden stiftet. Daraus lässt sich ableiten, dass Islam die Lebensweise (Diin, Religion) des Friedens und der Barmherzigkeit ist. Im weiteren Sinne bedeutet dies Frieden mit der Schöpfung, Frieden mit den Mitmenschen und Frieden mit sich selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet Gewalt und Mobbing als gesellschaftliches Phänomen und betont die Notwendigkeit einer professionellen Präventionsarbeit in Schulen.
2 Was ist Mobbing?: Definiert den Begriff Mobbing als Form systematischer Ausgrenzung und unterscheidet zwischen aktiven, physischen und passiven, psychischen Handlungsweisen.
3 Mögliche Ursachen: Analysiert die Bedeutung familiärer Erziehungsmethoden und die Folgen eines bedrohten Selbstbildes für die Entstehung von aggressivem Verhalten bei Jugendlichen.
4 Islamischer Zugang zur Gewaltprävention: Erläutert islamische Konzepte von Verantwortung, Frieden und Moral und leitet daraus konkrete ethische Handlungsanweisungen für Konfliktsituationen ab.
5 Relevanz für Schule und Schüler: Diskutiert die Auswirkungen von Mobbing auf das Lernklima und unterstreicht die politische und pädagogische Aufgabe der Schule bei der Vermittlung sozialer Werte.
6 Ziele und Kompetenzen: Definiert konkrete Lehr-/Lernziele zur Stärkung der Konfliktfähigkeit und beschreibt Methoden wie Rollenspiele zur Förderung eines verantwortungsbewussten Umgangs miteinander.
Schlüsselwörter
Mobbing, Gewaltprävention, Schule, Islam, Diin, Konfliktlösung, Soziale Kompetenz, Psychoterror, Prävention, Ethik, Erziehung, Aggression, Quraan, Moralität, Werte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von Mobbing an Schulen und der Frage, wie islamische Lehren zur Gewaltprävention und Konfliktlösung beitragen können.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Mobbing, der Analyse von Gewaltursachen im familiären Umfeld, islamischen Prinzipien der Friedfertigkeit und der pädagogischen Verantwortung von Schulen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schülern durch quranische Gebote eine islamische Gewaltprävention zu vermitteln, die auf Gerechtigkeit und Deeskalation basiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse von erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur sowie die Interpretation islamischer Quellentexte aus dem Quraan.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Entstehung von Mobbing, die Rolle von Erziehung und Selbstwertgefühl bei der Entstehung von Gewalt sowie Strategien zur Förderung sozialer Kompetenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mobbingprävention, islamische Ethik, schulische Bildung, Konfliktmanagement und soziale Verantwortung geprägt.
Wie definiert der Autor das Wort "Diin"?
In der Arbeit wird "Diin" als der islamische Begriff für Religion verwendet, der eine tiefere Bedeutung von Verantwortung, Rechenschaftspflicht und Verbindlichkeit gegenüber Gott, den Mitgeschöpfen und sich selbst trägt.
Welchen Stellenwert nimmt die "Fitrah" ein?
Der Autor führt an, dass die natürliche Veranlagung (Fitrah) des Menschen auf Wohlergehen und Sicherheit ausgelegt ist, was als Basis für ein friedliches Zusammenleben dient.
Welche Empfehlungen gibt der Autor für den Unterricht?
Es wird empfohlen, nicht nur an der kognitiven Ebene zu arbeiten, sondern mittels Rollenspielen und Diskussionen soziale Innovationskraft und affektive Dimensionen des Lernens zu fördern.
Was bedeutet die "Goldene Regel" im islamischen Kontext laut der Arbeit?
Die Arbeit betont unter anderem, das Schlechte mit Gutem abzuwehren und in Konflikten stets Barmherzigkeit und Standhaftigkeit zu zeigen, um Feindschaften in Freundschaften zu verwandeln.
- Arbeit zitieren
- Deniz Canli (Autor:in), 2021, Mobbing- und Gewaltprävention in Schulen mit Zugang zur islamischen Gewaltprävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1314656