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Über Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen"

Eine Betrachtung im autobiografischen, literarischen und philosophischen Kontext im Hinblick auf Tabubruch und Gesellschaftskritik

Title: Über Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen"

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marina Hetheier (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Schon zu Lebzeiten schaffte es der Bühnendichter Frank Wedekind, mit seinem dramatischen Werk das Publikum zu begeistern, obwohl die immer wieder in seinen Werken auftauchenden Themen wie die Bloßstellung der bürgerlichen Scheinmoral, die Entlarvung trieb- und lebensfeindlicher Moral als Heuchelei und die Emanzipation und Befreiung des Sexuellen sich offen gegen die bürgerliche Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts richteten. Das Werk, welches den Grundstein für seinen Erfolg als Bühnenautor und Dramatiker legte, gehört zum dramatischen Frühwerk Wedekinds. „Frühlings Erwachen – eine Kindertragödie“ stellt einen neuen Typus in der Dramengattung dar. Nahmen bisher nur Erwachsene die Hauptrollen in Dramen und Tragödien ein, so stehen hier erstmals Kinder im Mittelpunkt des Geschehens. In dem Stück geht es um das erste Erwachen der Sexualität Jugendlicher und darum, wie Eltern, Lehrer und Kirche damit umgehen. Es ist eine Anklage an die Gesellschaft, die durch Unterdrückung natürlicher Triebe und Veranlagungen die Kinder ins Verderben stürzt.
Um zu einer umfassenden Analyse des Werkes „Frühlings Erwachen“ zu gelangen, halte ich es für wichtig, die Einflüsse zur Entstehung in die Untersuchung zu integrieren. In der vorliegenden Arbeit stelle ich deshalb in Kapitel 2, welches einen ersten Schwerpunkt bildet, die an der Entstehung von „Frühlings Erwachen“ maßgeblich beteiligten Einflüsse vor. Dabei werde ich zunächst auf autobiografische Einflüsse eingehen, da diese eine besonderer Rolle spielen (2.1). Im Anschluss daran werde ich literarische Einflüsse erörtern und strukturelle sowie inhaltliche Ähnlichkeiten exemplarisch herausarbeiten (2.2). Anschließend wird eine Einordnung in den philosophischen Kontext vorgenommen (2.3). In Kapitel 3 schließlich wird Hintergrundwissen zu der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts bereitgestellt, was die Grundlage für die Untersuchung der Brüche bestehender Tabus und der daraus entstehenden Gesellschaftskritik bildet (Kapitel 4). Zensur und Rezeption werden in Kapitel 4.2 behandelt. Im Anschluss wird ein Ausblick auf weitere Rezeption gegeben (Kapitel 5), was auch den Schlussteil bildet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frühlings Erwachen – Einflüsse

2.1 Autobiographische Bezüge

2.2 Literarische Einflüsse und Anspielungen

2.2.1 Goethe: „Faust“ I

2.2.2 Shakespeare: Othello

2.2.3 Georg Büchner: Woyzeck

2.2.4 Heinrich Heine: Die Harzreise

2.3 Philosophische Einflüsse

2.3.1 Arthur Schopenhauer - „Die Welt als Wille“

2.3.2 Friedrich Nietzsche - das Dionysische und das Apollinische

2.3.3 Exkurs: Sigmund Freud - Vorwegnahme Freudscher Erkenntnisse?

3. Die Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert

3.1 Gesellschaft und Literatur

3.2 Lebens- und Erziehungsorientierung im Wilhelminischen Staat

3.2.1 Erziehungsnormen und schulische Erziehung

3.2.2 Häusliche Erziehung

3.2.3 Religiöse Erziehung

3.2.4 Sexualerziehung

4. Frühlings Erwachen – Tabu, Gesellschaftskritik und Zensur

4.1 Tabu und Tabubruch

4.1.1 Bestehende gesellschaftliche und moralische Tabus

4.1.2 Tabubruch und Gesellschaftskritik

4.2 Zensur

4.2.1 Kurzer Abriss der Zensurgeschichte in Deutschland um 1900

4.2.2 Zensur von „Frühlings Erwachen“

5. Weitere Rezeption

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert Frank Wedekinds Werk „Frühlings Erwachen“ unter Berücksichtigung der biographischen, literarischen und philosophischen Einflüsse sowie der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, um aufzuzeigen, wie Wedekind gesellschaftliche Tabus und die repressive Erziehung im wilhelminischen Staat kritisiert.

  • Biographische Hintergründe und ihre Verarbeitung im Drama
  • Literarische Bezüge zu Werken von Goethe, Shakespeare, Büchner und Heine
  • Philosophische Einflüsse durch Schopenhauer und Nietzsche
  • Die wilhelminische Gesellschaft, ihre Erziehungsnormen und die Rolle der Zensur
  • Analyse des Tabubruchs und der impliziten Gesellschaftskritik im Stück

Auszug aus dem Buch

2.1 Autobiographische Bezüge

Nach eigener Aussage, verarbeitet Wedekind in „Frühlings Erwachen“ zahlreiche persönliche Erlebnisse. Das Werk steht mit den Erlebnissen aus seiner eigenen Gymnasialzeit im schweizerischen Kanton Aarau eng in Zusammenhang und verarbeitet die Erfahrungen, die er in seiner Jugend mit Lehrern, Mitschülern und Freunden gemacht hat. Einige Hauptfiguren der Kindertragödie tragen Züge realer Personen aus verschiedenen Bereichen seines engeren Umfeldes. In dem Essay „Was ich mir dabei dachte“ aus dem Jahre 1911 schreibt Wedekind zur Entstehung von „Frühlings Erwachen“:

„Ich begann zu schreiben ohne irgendeinen Plan, mit der Absicht zu schreiben, was mir Vergnügen macht. Der Plan entstand nach der dritten Szene und setzte sich aus persönlichen Erlebnissen oder Erlebnissen meiner Schulkameraden zusammen. Fast jede Szene entspricht einem wirklichen Vorgang. Sogar die Worte: „Der Junge war nicht von mir“, die man mir als krasse Übertreibung vorgeworfen, fielen in Wirklichkeit.“

Bereits im Sommer 1883, also sieben Jahre vor der Entstehung von „Frühlings Erwachen“, verfasste Wedekind das Gedicht „Santa Simplicitas“, welches in komischer Art und Weise ein Ereignis behandelt, welches auch später Anregung zu „Frühlings Erwachen“ gab: den Selbstmord seines Mitschülers Frank Oberlin. In einem Brief an seinen Schulfreund Adolph Vögtlin im Juli 1881 schreibt er:

Letzten Freitag schwänzte Frank Oberlin die Schule. Samstagmorgen um 4 Uhr nimmt er sein Geschichtsbuch und geht in den Schachen, um Geschichte zu repitieren. Zwei Stunden später, um 6 Uhr, fand man seinen Leichnam, der in der Telli von der Aare aufs Landgeworfen war. Wie er umgekommen, weiß niemand zu sagen. Die Vermuthungen aber über seinen Tod halte ich für grundlos und unwürdig, als daß ich sie weiter melden möchte.[...]Die Gedanken eines Pessimisten über diesen Vorfall wirst Du erraten. Ich umgehe also ihre Mitteilung.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt Frank Wedekind als Dramatiker vor und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die Einflüsse und den gesellschaftlichen Kontext von „Frühlings Erwachen“ zu analysieren.

2. Frühlings Erwachen – Einflüsse: Dieses Kapitel arbeitet die autobiographischen, literarischen und philosophischen Einflüsse heraus, die die Entstehung des Dramas maßgeblich beeinflusst haben.

3. Die Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert: Hier werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das wilhelminische Erziehungssystem und die moralischen Werte der Zeit, als Grundlage für das Verständnis des Dramas dargestellt.

4. Frühlings Erwachen – Tabu, Gesellschaftskritik und Zensur: Dieses zentrale Kapitel analysiert die im Werk thematisierten Tabubrüche, die Kritik an Schule und Erziehung sowie die massiven Eingriffe der staatlichen Zensur.

5. Weitere Rezeption: Dieser Abschnitt beschreibt die wechselhafte Aufnahme des Stücks, von der Zensur bis hin zur späteren, anhaltenden Anerkennung und Aktualität der behandelten Probleme.

Schlüsselwörter

Frank Wedekind, Frühlings Erwachen, Kindertragödie, Wilhelminismus, Gesellschaftskritik, Tabubruch, Sexualerziehung, Zensur, Pubertät, Schopenhauer, Nietzsche, Selbstmord, Erziehung, Moral, Literatur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ hinsichtlich seiner Entstehungsgeschichte, der darin geübten Gesellschaftskritik und der historischen Einordnung.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die Darstellung jugendlicher Sexualität, die Kritik an repressiven Erziehungsmethoden des wilhelminischen Staates sowie die Konfrontation mit gesellschaftlichen Tabus.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für das Drama zu entwickeln, indem die verschiedenen Einflüsse (biographisch, literarisch, philosophisch) mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten der Entstehungszeit verknüpft werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textstellen des Dramas mit zeitgenössischen Briefen, philosophischen Schriften und historischen Dokumenten in Bezug setzt.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Entstehungseinflüssen, den gesellschaftlichen Kontext der Jahrhundertwende sowie eine detaillierte Analyse der Tabuthemen und der Zensurgeschichte des Stücks.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Kernbegriffe sind Frank Wedekind, Gesellschaftskritik, Tabubruch, Sexualerziehung, wilhelminische Ära und die literarische sowie philosophische Einordnung des Werkes.

Warum spielt die Figur des Melchior Gabor eine so zentrale Rolle in der Untersuchung?

Melchior fungiert als intellektuelles Sprachrohr Wedekinds, der durch seine Auseinandersetzung mit der Welt und sein philosophisches Interesse die Diskrepanz zur restriktiven Erwachsenenwelt verdeutlicht.

Welche Rolle spielt die Zensurbehörde für das Verständnis des Dramas?

Die Zensur wird als direkter Indikator für die Radikalität des Stücks interpretiert; sie zwang Wedekind zu Streichungen und verdeutlicht, wie sehr das Werk gegen die damaligen Normen verstieß.

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Details

Title
Über Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen"
Subtitle
Eine Betrachtung im autobiografischen, literarischen und philosophischen Kontext im Hinblick auf Tabubruch und Gesellschaftskritik
College
Saarland University  (Komparatistik)
Course
Tabu und Zensur in der Literatur
Grade
1,3
Author
Marina Hetheier (Author)
Publication Year
2008
Pages
28
Catalog Number
V131517
ISBN (eBook)
9783640463503
Language
German
Tags
Frank Wedekinds Frühlings Erwachen Eine Betrachtung Kontext Hinblick Tabubruch Gesellschaftskritik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marina Hetheier (Author), 2008, Über Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131517
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