Viva Las Vegas! Die Entwicklung des Tourismus in Las Vegas: Themenhotels


Diplomarbeit, 2008

213 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Fotoverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodische Vorgehensweise
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Definitionen
2.1 Der Begriff „Hotel“
2.2 Themenhotels als Sonderform der Hotelbetriebe
2.3 Der Erlebnisbegriff

3 Destination Las Vegas
3.1 Landeskundlicher Überblick
3.1.1 Geographische Lage und Ausdehnung
3.1.2 Physiogeographische Merkmale
3.1.2.1 Geomorphologie
3.1.2.1.1 Der Grand Canyon und das Colorado-Plateau
3.1.2.1.2 Red Rock Canyon
3.1.2.1.3 Death Valley
3.1.2.2 Klima und Vegetation
3.1.3 Stadtgeschichte
3.1.3.1 Ureinwohner
3.1.3.2 Gründung der Stadt Las Vegas
3.1.3.3 Vom ersten Hotel zur heutigen Entertainment-Metropole
3.1.4 Bevölkerung
3.1.4.1 Bevölkerungsgeographische Entwicklung
3.1.4.2 Gegenwärtige bevölkerungsgeographische Strukturen
3.1.5 Wirtschaft
3.2 Funktionale Gliederung der Stadt Las Vegas
3.2.1 Las Vegas Boulevard (Strip)
3.2.2 Downtown Las Vegas
3.3 Tourismus in Las Vegas
3.3.1 Tourismuswirtschaft
3.3.1.1 Die Las Vegas Convention and Visitors Authority
3.3.1.2 Entwicklung der touristischen Kennzahlen
3.3.1.3 Ökonomische Bedeutung des Tourismus in Las Vegas
3.3.1.4 Marktsegment der deutschen Touristen in Las Vegas
3.3.2 Das touristische Angebot
3.3.2.1 Ursprüngliches, naturgegebenes Angebot
3.3.2.2 Abgeleitetes touristisches Angebot
3.3.2.2.1 Beherbergungswesen
3.3.2.2.2 Verkehr
3.3.2.2.3 Einkaufstouristisches Potential in Las Vegas
3.3.2.2.4 Kulturtouristisches Potential
3.3.2.2.5 Unterhaltungstouritische Angebote
3.3.2.2.6 Der Kongress- und Tagungsmarkt
3.3.2.2.7 Potential des glücksspielorientierten Tourismus
3.3.2.2.8 Hochzeitstouristisches Potential
3.3.2.3 Motive für den Las Vegas-Aufenthalt
3.3.3 Auswirkungen des Tourismus
3.3.3.1 Positive Auswirkungen
3.3.3.2 Probleme
3.3.3.2.1 Ökologische Probleme
3.3.3.2.2 Ökonomische Probleme
3.3.3.2.3 Soziale Probleme
3.3.4 Touristische Zukunft der Destination Las Vegas

4 Glücksspiel in Las Vegas
4.1 Entwicklung des Glücksspiels
4.1.1 USA
4.1.1.1 Erste Phase (1600 bis ca. 1850)
4.1.1.2 Zweite Phase (ca. 1850 bis ca. 1910)
4.1.1.3 Dritte Phase (1930 bis Mitte 1970)
4.1.1.4 Vierte Phase (1976 bis heute)
4.1.2 Las Vegas
4.2 Bedeutung des Glücksspiels für Las Vegas
4.3 Formen des Glücksspiels
4.4 Aufbau und Taktik der Casinos
4.5 Casino-Übersicht

5 Die Themenhotellerie in Las Vegas
5.1 Der US-amerikanische Hotelmarkt
5.1.1 Historische Entwicklung der Hotellerie in den USA
5.1.2 Struktur des US-amerikanischen Hotelmarktes
5.1.3 Klassifikation der Hotelbetriebe
5.2 Entstehung der Themenhotels
5.3 Bedeutung des Themas und Themenkategorien
5.4 Themenhotels als touristische Angebotsform
5.4.1 Das Erlebnis zählt! – Merkmale der Themenhotels
5.4.2 Einteilung in verschiedene Themenhotelkategorien
5.4.3 Themenhotels als Ersatz für Originaldestinationen?
5.5 Strip versus Downtown
5.6 Themengastronomie
5.7 Hotelkonzerne und Eigentumsverhältnisse der Hotels
5.7.1 Entwicklung der Eigentumsverhältnisse
5.7.2 Übersicht der Hotelkonzerne in Las Vegas
5.7.2.1 MGM Mirage, Inc
5.7.2.2 Harrah’s Entertainment, Inc
5.7.2.3 Sonstige Hotel- und Glücksspielkonzerne in Las Vegas
5.8 Die Zukunft der Themenhotels in Las Vegas
5.8.1 Dethematisierung: Themenhotels – Ein Auslaufmodell?
5.8.2 Aktuelle Trends in Las Vegas
5.8.3 Neue und zukünftige Hotelgroßprojekte in Las Vegas
5.8.3.1 Neue Wohnformen
5.8.3.2 Zukünftige Projekte im Beherbergungswesen
5.8.4 Las Vegas in China? – Konkurrenz durch internationale Destinationen

6 Praktischer Teil: Empirische Untersuchungen
6.1 Methodik und Vorgehensweise
6.1.1 Themenhotelanalyse
6.1.2 Fragebogen für Touristen
6.2 Analyse der Themenhotels in Las Vegas
6.2.1 Datenauswertung
6.2.2 Themenhotelanalyse
6.2.2.1 North Strip
6.2.2.1.1 Vollthematisierte Hotels
6.2.2.1.2 Teilthematisierte Hotels
6.2.2.2 Central Strip
6.2.2.2.1 Vollthematisierte Hotels
6.2.2.2.2 Teilthematisierte Hotels
6.2.2.3 South Strip
6.2.2.3.1 Vollthematisierte Hotels
6.2.2.3.2 Teilthematisierte Hotels
6.2.2.4 Off-Strip
6.3 Befragung internationaler Las Vegas-Touristen
6.3.1 Datenauswertung
6.3.1.1 Fragenblock I: Soziodemographisches Profil der Befragten
6.3.1.2 Fragenblock II: Destination Las Vegas
6.3.1.3 Fragenblock III: Themenhotellerie
6.3.2 Diskussion und Interpretation der Ergebnisse

7 Fazit

Literaturverzeichnis
Printmedien
Onlinemedien

Anhang

Anhangsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Aufbau der Arbeit

Abb. 2: Differenzierung des Beherbergungsgewerbes

Abb. 3: Übersicht Las Vegas Valley

Abb. 4: Geographische Lage Las Vegas

Abb. 5: Der Westen: Naturräumlich-ökologische Gliederung

Abb. 6: Colorado-Plateau

Abb. 7: Klimadiagramm Las Vegas

Abb. 8: Klimaregionen Nordamerikas

Abb. 9: Vegetationszonen Nordamerikas

Abb. 10: Graphische Darstellung der Bevölkerungsentwicklung

Abb. 11: Altersverteilung Las Vegas

Abb. 12: Wirtschaftszweige in Las Vegas

Abb. 13: Entwicklung der Touristenankünfte (in Mio.) 1990-

Abb. 14: Beherbergungsbelegungsrate 1998 bis

Abb. 15: Hauptgründe für den Las Vegas Aufenthalt

Abb. 16: Entwicklung der Brutto-Einnahmen aus den Spielbetrieben in Clark County

Abb. 17: Beliebteste Casinospiele in Las Vegas

Abb. 18: Chronologie der bedeutendsten Themenhotels in Las Vegas

Abb. 19: Aufbau der Themenhotels am Beispiel des Hotels The Venetian

Abb. 20: Strategiemix der Themenhotels in Las Vegas

Abb. 21: Thematisierungs-Zielgruppen-Matrix mit Einordnung der verschiedenen Themenhotels

Abb. 22: Besitzverhältnisse der Themenhotels in Las Vegas

Abb. 23: Zusätzliche Hotel/Motelzimmer in den Jahren 2008 bis

Abb. 24: Lage der analysierten Themenhotels

Abb. 25: Häufigkeit verschiedener Ausstattungsfaktoren

Abb. 26: Verwendete Themenkategorien

Abb. 27: Thematisierungsgrad der Themenhotels

Abb. 28: Thematisierungsgrad der einzelnen Gestaltungselemente

Abb. 29: Herkunftsländer

Abb. 30: Altersstruktur

Abb. 31: Schulabschluss (n=103)

Abb. 32: Anlass des Las Vegas-Besuchs (n=105)

Abb. 33: Unterkunftsart (n=90)

Abb. 34: Reisedauer (n=97)

Abb. 35: Gründe für die Wahl der Unterkunft (n=99)

Abb. 36: Assoziationen mit Las Vegas (n=266)

Abb. 37: Bedeutung bestimmter Angebote in Las Vegas (n=103)

Abb. 38: Wahrgenommene Angebote (n=103)

Abb. 39: Assoziationen mit den Themenhotels (n=194)

Abb. 40: Beliebtheit der Themenhotels (n=80)

Abb. 41: Beeindruckende Aspekte der Themenhotels (n=84)

Abb. 42: Normale Hotels statt Themenhotels? (n=103)

Abb. 43: Bedeutung verschiedener Aspekte bei einem Hotel in Las Vegas (n=103)

Abb. 44: Konformität der Hotelaspekte (n=103)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Temperatur und Niederschlag in Las Vegas im Jahresverlauf

Tab. 2: Bevölkerungsentwicklung

Tab. 3: Durchschnittliche Tagesausgabenanteile von Besuchern des Großraums Las Vegas im Jahr

Tab. 4: Monatliche Hotel-/Motelbelegungsrate (in Prozent)

Tab. 5: Die fünf größten Convention Center in Las Vegas

Tab. 6: Wichtigkeit der Faktoren für die Entscheidung, Las Vegas zu bereisen

Tab. 7: Pro und Contra Gambling

Tab. 8: TOP 20 Casinomärkte in den USA

Tab. 9: Umsatz der Casinohotels nach Abteilungen

Tab. 10: Einnahmen aus dem Glücksspiel nach Bundesstaat

Tab. 11: Standorte der Casinos mit über $1 Mio. Spieleinnahmen pro Jahr

Tab. 12: Die größten Hotelketten der Welt (2008)

Tab. 13: Zweidimensionale Hotelklassifizierung in den USA

Tab. 14: Hotelklassifizierungskriterien des AAA

Tab. 15: Special Interest Themenhotels in Las Vegas (Beispiele)

Tab. 16: Darstellung der Nettoeinnahmen MGM Mirage

Tab. 17: Die größten Hotel- und Glücksspielgesellschaften in Las Vegas

Tab. 18: Übersicht der Luxushotels in Las Vegas

Tab. 19: Zukünftige Hotelexpansionen im Überblick

Tab. 20: Die zehn höchsten Gebäude in Las Vegas

Tab. 21: Neue Wohnprojekte in Las Vegas (Auswahl)

Tab. 22: Zukünftige Hotels in Las Vegas (Auswahl)

Tab. 23: Hotels und Wohntürme des CityCenter

Tab. 24: Visionäre Themenhotelprojekte in Las Vegas (Auswahl)

Tab. 25: Hotelprojekte in Macau (Auswahl)

Tab. 26: Übersicht Themenhotels

Fotoverzeichnis

Foto 1: Blick in den Grand Canyon vom South Rim

Foto 2: Calico Hills im Red Rock Canyon

Foto 3: Zabriskie Point, Death Valley

Foto 4: Las Vegas Springs (um 1900)

Foto 5: Rekonstruktion der Stewart-Ranch

Foto 6: Ehemaliger Bahnhof Las Vegas (um 1940)

Foto 7: Downtown Las Vegas (um 1950)

Foto 8: Flamingo Las Vegas (um 1950)

Foto 9: Moon Las Vegas (Modell)

Foto 10: Harrods Vegas (Modell)

Foto 11: MGM Grand Macau

Foto 12: Wynn Macau

Foto 13: Circus Circus Hotel & Casino

Foto 14: Eingangsbereich Sahara Hotel & Casino

Foto 15: Riviera Hotel & Casino

Foto 16: Bellagio Fountains

Foto 17: Nachtansicht Bellagio

Foto 18: Das römisch inspirierte Caesars Palace

Foto 19: Römische Brunnenanlage (Forum Shops)

Foto 20: Imperial Palace, O’Sheas und Flamingo

Foto 21: Gebäudeensemble Imperial Palace

Foto 22: Mirage mit Palmengarten

Foto 23: Ehemaliges Castaways Hotel

Foto 24: Frontansicht Hotel Paris Las Vegas

Foto 25: Nachtaufnahme Paris Las Vegas

Foto 26: TI mit Schatzinsel

Foto 27: Straßenrandgestaltung des TI

Foto 28: Frontansicht The Venetian

Foto 29: Nachbildung des Markusplatzes

Foto 30: Eingangsbereich Bally’s Las Vegas

Foto 31: Flamingo Hilton

Foto 32: Ursprüngliches Flamingo Hotel

Foto 33: Frontfassade Harrah’s Las Vegas

Foto 34: Planet Hollywood Las Vegas

Foto 35: Ursprüngliches Aladdin-Hotel

Foto 36: Hotel Excalibur

Foto 37: Pyramide und Sphinx des Luxor

Foto 38: Hotel Monte Carlo

Foto 39: Skyline New York – New York

Foto 40: Nachbildung der Brooklyn Bridge

Foto 41: Mandalay Bay

Foto 42: Das historische Hacienda Hotel

Foto 43: Straßenansicht MGM Grand

Foto 44: Goldener MGM-Löwe

Foto 45: Tropische Holzfassade des Tropicana-Casinos

Foto 46: New Orleans-inspirierte Fassade des

Foto 47: Gigantische Gitarre vor dem Hard

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Wenn Gott Geld gehabt hätte, hätte er die Welt so gemacht wie Las Vegas.“ (STEVE WYNN in STERN.DE 2005, o. S.)

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Noch vor etwa einem Jahrhundert war Las Vegas ein unbedeutender Fleck auf der Landkarte und bestand gerade einmal aus einem Provinzbahnhof und einer Farm. Dort, wo heute künstliche Erlebniswelten die Besucher begeistern und hunderte Wasserfontänen in den Himmel schießen, lag eine der trockensten Regionen der Erde.

Als der Mexikaner Antonio Armijo vor 180 Jahren die ersten Grundwasserquellen im Las Vegas-Tal entdeckte, ahnte niemand, dass diese Gegend zu einer der am stärksten boomenden Destinationen im internationalen Tourismus werden würde. Mit der Legalisierung des Glücksspiels und dem Bau des nahe gelegenen Hoover Staudamms vor etwa 75 Jahren wurde die Basis für sämtliche touristischen Entwicklungen der Stadt geschaffen. Die ersten offiziell genehmigten Casinos eröffneten, mit ihnen kamen die Touristen – zunächst nur aus Amerika und Mexiko, später auch aus allen anderen Teilen der Welt – und mit ihnen der Reichtum, der insbesondere innerhalb der letzten vier Jahrzehnte eine explosionsartige Entwicklung der Stadt Las Vegas ermöglichte (vgl. THARLER 2006, S. 9).

Dabei ist es gerade der Leidenschaft der Amerikaner, dem Glücksspiel, zu verdanken, dass diese Stadt mit ihren künstlichen Welten inmitten der Wüste Nevadas entstand, denn das Glücksspiel ist der am schnellsten wachsende Sektor der amerikanischen Tourismusbranche (vgl. ECKARDT 2007, S. 79f.). Heute ist Las Vegas ein Superlativ, der sich ständig aufs Neue selbst übertrifft. Immer größer, höher und luxuriöser – das ist die Devise der Stadt. So präsentiert sich Las Vegas heute als eine schillernde, vielfältige, abwechslungsreiche und vergnügungssüchtige Stadt der Extreme. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich das neue Zentrum der Stadt, der Las Vegas Strip, zu einer einzigen zusammenhängenden künstlichen Erlebniswelt entwickelt, mit inszenierten Vulkanausbrüchen, Seeschlachten, tropischen Paradieslandschaften, künstlichen Seen inmitten der Wüste und Nachbauten der wichtigsten Kulturdenkmäler der Welt. Nur in Las Vegas ist es möglich, innerhalb eines kurzen Fußmarsches von den ägyptischen Pyramiden, vorbei an der Freiheitsstatue und der Skyline von Manhattan, orientalischen Basaren und dem alten Rom bis zum Eiffelturm in Paris zu gelangen. Erst durch diese Inszenierung wird der Aufenthalt in der Wüstenmetropole zum einmaligen Erlebnis für die Besucher.

Es stellt sich die Frage, welche touristischen Elemente bzw. Attraktionen die Destination Las Vegas definieren und was die Stadt so beliebt macht. Darüber hinaus ist zu untersuchen, wie die Entwicklung des Tourismus in Las Vegas im Einzelnen erfolgte und welche Potentiale künftig noch im Tourismus stecken. Weiterhin soll der Einfluss der Themenhotels geprüft und der Frage nachgegangen werden, inwiefern diese selbst als touristische Sehenswürdigkeit fungieren. Welche Themen werden von den Hotels verfolgt, gibt es thematisch eventuell Schwerpunkte? Welche Arten von Themenhotels gibt es, was sind die Merkmale und wie sind die zukünftigen Potentiale? Üben die Themenhotels wirklich eine besondere Anziehungskraft als Sehenswürdigkeit für Touristen aus und welche Auswirkungen hat dies für Destinationen, die durch die künstliche Welten zu erleben sind?

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, zum einen die historische und aktuelle Entwicklung des Tourismus in Las Vegas darzustellen und zum anderen anhand einer systematisch umfassenden Analyse die touristischen Potentiale der Themenhotels herauszuarbeiten. Bei der Konzeption dieser Arbeit stellen sich dem Verfasser folgende zentrale Leitfragen:

1. Welche Faktoren machen die Attraktivität der Spielerstadt aus und in welchem Maße können die Themenhotels zu dem Erfolg des Tourismus beitragen?
2. Ist das Glücksspiel für den hohen Stellenwert des Tourismus verantwortlich und wie groß ist der Anteil der Besucher, die auch heute noch hauptsächlich zum Spielen nach Las Vegas reisen?
3. Befindet sich Las Vegas derzeit in einem erneuten Trendwandel und wenn ja, worauf basiert dieser Wandel? Kann ein solcher Trendwandel das Ende der Themenhotel-Ära bedeuten?

Diese Leitfragen ziehen sich als roter Faden durch die verschiedenen Kapitel und sollen im Rahmen der vorliegenden Arbeit beantwortet werden.

1.2 Methodische Vorgehensweise

Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden durch die Verwendung unterschiedlicher Arbeitsschritte und –methoden erlangt. Um einen ersten Einblick in das Thema zu erhalten, wurde zunächst eine Recherche und Auswertung der vorhandenen relevanten deutschen Literatur vorgenommen. Im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes in Las Vegas vom 29.04.2008 bis zum 27.07.2008 konnte eine umfangreiche Analyse des touristischen Angebotes durchgeführt werden. Neben einer mehrwöchigen Befragung der Gäste und einer ausführlichen Begehung aller Themenhotels der Stadt wurde das vorhandene Prospektmaterial der verschiedenen touristischen Attraktionen und Themenhotels sowie zahlreiche Statistiken und Publikationen ausgewertet.

Anhand verschiedener Expertengespräche mit touristischen Akteuren in Las Vegas sowie in Deutschland konnten zudem qualitative Erkenntnisse und statistische Daten über den Tourismus in der Wüstenstadt und die Themenhotellerie gewonnen werden. Die Gespräche wurden als offene, nicht standardisierte Interviews unter Zuhilfenahme eines vorher angefertigten Fragenkataloges durchgeführt. Die Ergebnisse der Expertengespräche sind als mündliche Mitteilungen im Text kenntlich gemacht.

Eine weitere Datenquelle stellte das Internet dar, das wertvolle Informationen lieferte und mit dessen Hilfe aktuelle Daten und Statistiken sowie Presse- und Jahresberichte analysiert werden konnten. Die in der Arbeit verwendeten Internetquellen sind im Literaturverzeichnis gesondert aufgelistet.

Abschließend sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Begriffe Tourismus und Fremdenverkehr sowie Glücksspiel, Gambling und Gaming in dieser Arbeit jeweils synonym verwendet werden.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich grob in fünf Teile, die insgesamt sieben Kapitel umfassen: Den einleitenden Teil (Kapitel 1), einen Definitionsteil (Kapitel 2), einen theoretischen Teil (Kapitel 3, 4 und 5), einen empirischen Teil (Kapitel 6) sowie einen abschließenden Teil (Kapitel 7).

Nach einer Einführung in das Thema sowie der definitorischen Abgrenzung der Termini Hotel, Themenhotel und Erlebniswelt in Kapitel 2 wird im theoretischen Teil zunächst die Destination Las Vegas vorgestellt (Kapitel 3). Zu Beginn wird ein landeskundlicher Überblick gegeben. Neben den physiogeographischen Merkmalen und dem naturräumlichen Potential wird die Stadt in ihrer historischen Entwicklung sowie die Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen beschrieben. Anschließend wird auf die funktionale Gliederung eingegangen, wobei dem Las Vegas Boulevard sowie der Downtown besondere Bedeutung geschenkt wird. Darauf erfolgt eine Darstellung des Tourismus in Las Vegas, die neben den touristischen Kennzahlen das touristische Angebot und die Auswirkungen des Fremdenverkehrs umfasst.

Das Glücksspiel gilt als wesentlicher Faktor in der Entwicklung der Stadt Las Vegas. Kapitel 4 wird befasst sich explizit mit dem Glücksspielmarkt, wobei zunächst auf die Entstehung allgemein sowie speziell in Las Vegas eingegangen wird. Des Weiteren wird die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges für die Metropole herausgearbeitet, die wichtigsten Formen des Glücksspiels erläutert und der generelle Aufbau der Casinos dargestellt. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einem Überblick über die Casinos der Stadt.

Kapitel 5 widmet sich der Themenhotellerie von Las Vegas. Dieses Kapitel umfasst zunächst die Beleuchtung des amerikanischen Hotelmarktes, die Entstehung der Themenhotels sowie die Bedeutung der Thematisierung. Im Anschluss daran werden die Themenhotels als touristische Angebotsform eingehend betrachtet. Des Weiteren soll untersucht werden, mit welchen Problemen die Stadt zu kämpfen hat und welche Konkurrenz für das Erlebnis- und Glücksspiel-Reiseziel Las Vegas besteht, insbesondere durch die Boomtowns Macau und Dubai. Auch ist es interessant aufzuzeigen, welche Konzerne hinter den großen Erlebnishotels und Casinos stecken. Welche gigantischen Bauvisionen könnten in Zukunft realisiert werden? Welche wurden bereits abgesegnet oder verworfen? Stehen Konzernübernahmen an? Aufgrund dieser Vielzahl an interessanten Fragen sollen diesem immobilienwirtschaftlichen Bereich ebenfalls einige Unterkapitel der Arbeit gewidmet sein. Zum Ende des fünften Kapitels folgt eine Einschätzung der Zukunft der Themenhotels, ausgelöst durch die Dethematisierungsmaßnahmen einiger großer Erlebnishotels, sowie die Diskussion der aktuellen Trends in Las Vegas.

Der empirische Teil der Arbeit wird in Kapitel 6 behandelt und beinhaltet die Konzeption, Darstellung, Diskussion und Bewertung der empirischen Erhebungen. Nach der Darlegung der methodischen Vorgehensweise wird zunächst die Analyse der Themenhotels in Las Vegas vorgenommen. Im zweiten Teil der empirischen Untersuchung erfolgt die Auswertung der Befragung der internationalen Touristen in der Wüstenmetropole. Diese Befragung hatte zum Ziel, das Image und Potential sowohl der Stadt als auch der Themenhotels zu ermitteln sowie Hintergründe für die Wahl der Destination zu generieren. Abgeschlossen wird das Kapitel mit der Diskussion und Interpretation der Ergebnisse.

Kapitel 7 fasst die im Rahmen der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse abschließend zusammen. Darüber hinaus werden die eingangs gestellten Leitfragen aufgegriffen und anhand der theoretischen und empirischen Erkenntnisse beantwortet.

Abbildung 1 zeigt nochmals den Aufbau der Arbeit im Überblick.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufbau der Arbeit

Quelle: Eigene Darstellung

2 Definitionen

2.1 Der Begriff „Hotel“

Die Bestimmung und Abgrenzung des Begriffs „Hotel“ erweist sich als nicht unproblematisch, da bislang nicht einheitlich festgesetzt ist, welche Unternehmung sich als Hotel bezeichnen darf und welche nicht. Obwohl es sowohl nationale als auch internationale Anstrengungen hinsichtlich einer allgemeingültigen Definition gegeben hat, blieben diese Bemühungen ohne Erfolg. Alleine in Deutschland existieren für den Begriff der Hotelunternehmung als höchste Ausprägungsform eines Beherbergungsbetriebes zahlreiche Definitionen. All diesen Definitionen liegt jedoch ein gemeinsames Merkmal zugrunde: Die Hauptleistung eines jeden Hotels ist das Beherbergungs- und Verpflegungsbedürfnis. Zusätzliche Leistungen, die sowohl personelle Dienstleistungen als auch gesonderte Anlagen einschließen können, gehen über die Grundfunktionen weit hinaus und entscheiden oftmals über Erfolg oder Misserfolg der Hotelunternehmung (vgl. HENSELEK 1999, S. 5).

Im Folgenden werden drei Definitionen, zwei aus touristischer und eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht, beispielhaft näher vorgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Definition von HENSELEK aus dem Jahr 1999 stellt den betriebswirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund. Komplementärleistungen, deren Leistungen als Maßstab für den Standard der Hotelleistung gelten, ergänzen die Hauptleistung. Diese umfasst sowohl Beherbergungs- als auch Bewirtungsleistungen und entsprechen somit dem Hauptzweck des Hotels. Trifft ein Definitionsmerkmal nicht zu, liegen Erscheinungsformen der Parahotellerie vor (vgl. ebd., S. 5).

Das Statistische Bundesamt hingegen charakterisiert Hotelunternehmungen als

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem deutschen Fremdenverkehrsverein eine praxisorientierte Begriffsdefinition, die sich in der deutschen Tourismuswirtschaft durchgesetzt hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben dieser Definition formuliert der DEHOGA genaue Mindestanforderungen hinsichtlich des Leistungsangebotes, die ein Hotelbetrieb erfüllen sollte (vgl. DEHOGA 2008, o. S.):

- Es werden mindestens zwanzig Gästezimmer angeboten
- Ein erheblicher Teil der Gästezimmer ist mit eigenem Bad/Dusche und WC ausgestattet
- Das Hotel verfügt über zusätzliche Einrichtungen und über eine tägliche Zimmerreinigung
- Ein Hotelempfang steht zur Verfügung

Die angeführten Definitionen umfassen ein breites Spektrum an Betrieben, denn große Kettenhotels mit 500 Zimmern fallen ebenso unter die Bezeichnung „Hotel“ wie kleine Hotels mit 20 Zimmern und Basisausstattung oder auf Wellness, Golf oder Tagungen spezialisierte Luxushotelanlagen.

Zusammen mit der Gastronomie lässt sich das Beherbergungswesen dem Gastgewerbe zuordnen. Die Beherbergungsindustrie wird in die klassische Hotellerie und in Parahotellerie unterschieden. Die nachstehende Abbildung gibt einen Überblick über die vielfältige Beherbergungslandschaft. In der vorliegenden Arbeit wird jedoch nur auf die klassische Hotellerie eingegangen, zu der die Betriebsart Hotel und die Sonderform des Themenhotels zählt (vgl. FREYER 2001, S. 118).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Differenzierung des Beherbergungsgewerbes

Quelle: Eigene Darstellung nach FREYER 2001, S. 118

2.2 Themenhotels als Sonderform der Hotelbetriebe

Eine spezielle Form der Hotelbetriebe stellen die Themen- oder Erlebnishotels dar. Diese Betriebe verfolgen eine Nischenstrategie, denn sie versuchen, mit einer aufwändigen Inszenierung eine künstliche Erlebniswelt zu erstellen und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verwirklichen.

Themenhotels sind in nahezu allen Teilen der Welt verbreitet. Ihre Bandbreite reicht von thematisierten Hotels in Themen- und Freizeitparks (z.B. Hotel Santa Fe/EuroDisney Paris) über ganze Ferienlandschaften (z.B. Dorfhotel Fleesensee/Deutschland), Kunst- und Theaterhotels bis hin zu den Hotels der Hard Rock-Kette und den weltweit bekannten Megaresorts in Las Vegas (z.B. das ägyptisch gestaltete Luxor), Macao (z.B. The Venetian Macao), Dubai (z.B. Dubailand) und auf den Bahamas (z.B. The Atlantis at Paradise Island) (vgl. STEINECKE 2003, S. 128). Obwohl in der Literatur immer wieder Bezug auf die Themenhotellerie genommen wird, existiert jedoch weder eine einheitliche Definition noch eine klare Begriffsabgrenzung. Folgende Kriterien sind laut STEINECKE maßgebend für die Betriebsform Themenhotel:

- Themengerecht gestaltete Zimmer,
- Thematische Gastronomie,
- Themengerechter Einzelhandel und
- Shows.

Die Thematisierung eines Hotels dient dazu, dem Gast ein Erlebnis zu vermitteln. Menschen suchen in ihrer Freizeit einen Kontrast zu ihrem Alltagsleben, sie wollen in andere Welten eintauchen, fremde, vergangene oder futuristische Welten erleben. Um einen hohen Erlebniswert zu erzielen, muss ein Themenhotel einzigartig und authentisch sein. Neben der subjektiven Wahrnehmung eines jeden Menschen und der Umsetzung des Themas ist vor allem das Thema selbst wichtig, denn es muss so gewählt werden, dass es die Gäste anspricht und in ihren Bann zieht. Bei Betrachtung des Themenhotelmarktes in Las Vegas fällt auf, dass ein solches Hotel nicht zwingend über die von STEINECKE geforderten Einzelhandelsgeschäfte und Shows verfügen muss. Stattdessen ist es wichtig, dass das gewählte Thema in möglichst allen Bereichen der Hotelanlage zur Anwendung kommt, um die Immersion des Gastes in die fremde Welt möglichst einfach zu machen (vgl. OPASCHOWSKI 2000, S. 44ff.).

Mithilfe der oben genannten Kriterien von STEINECKE sowie unter Berücksichtigung des Erlebnismotives und des Hotelmarktes der Stadt Las Vegas definiert der Verfasser dieser Arbeit den Begriff „Themenhotel“ wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Der Erlebnisbegriff

Die Vorstellung ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis!“ (Oscar Wilde)[1]

Künstliche Erlebniswelten sind keine Erfindungen unserer Zeit, sondern wurden schon seit jeher zur Unterhaltung der Bevölkerung und zum Ablenken von den Missständen des Alltags eingesetzt. Beispiele hierfür sind die Theateraufführungen im antiken Griechenland oder die Showkämpfe im alten Rom, die zur Volksbelustigung dienen sollten. Neuere Formen künstlich gestalteter Ideallandschaften sind beispielsweise die französischen Barockgärten des 17. und 18. Jh. sowie die seit Mitte des 19. Jh. stattfindenden Weltausstellungen (vgl. STEINECKE 2007, S. 129). Durch gesellschaftliche Entwicklungen, technologischen Fortschritt sowie aufgrund sozialer und politischer Faktoren haben sich zwar die Rahmenbedingungen geändert, der Kerngedanke der Erlebniswelten bleibt jedoch der gleiche: Es geht darum, dem Besucher die Flucht in eine andere, bessere Welt zu ermöglichen. Darüber hinaus können Erlebnisse sogar als eigenständiges wirtschaftliches Angebot neben Einzelgütern, Massengütern und Dienstleistungen gesehen werden (vgl. PINE/GILMORE 2000, S. 15).

Doch was genau wird unter dem Begriff Erlebnis bzw. künstliche Erlebniswelt verstanden und wieso erfreut sie sich solcher Beliebtheit?

Erlebnisse sind Begegnungen, Aktivitäten oder Genüsse, die tiefer gehen als die gängigen Konsumerfahrungen. Erlebnisse entstehen erst durch eigene Erfahrungen in der Umwelt und liefern einen Beitrag zur Lebensqualität. Sie beruhen auf Einmaligkeiten, Besonderheiten, zusätzlichen Werten und der Einbettung in eine besondere Umgebung (vgl. SCHROEDER o.J., S. 95).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erlebniswelten können in unterschiedliche Typen eingeteilt werden: Neben Urban Entertainment Center (z.B. Caesars Palace Forum Shops), Themenparks (z.B. Disneyland), Ferienparks (z.B. CenterParcs), Wasserparks (z.B. Wet’n’Wild Las Vegas), Indoor-Skianlagen (z.B. Alpincenter Bottrop), Sportarenen (z.B. KölnArena), Brand/Corporate Lands (z.B. Autostadt Wolfsburg) und anderen zählen laut STEINECKE (2007, S. 127ff.) auch die Themenhotellerie (z.B. The Venetian) und die Erlebnisgastronomie (z.B. Hard Rock Café) zu den künstlichen Erlebniswelten. Aufgrund ihres breiten Angebotsspektrums werden die Erlebniswelten als Mixed-Use-Center bezeichnet.

Multifunktionalität, Thematisierung und Erlebnisorientierung stellen die Kennzeichen dieser neuartigen Angebotstypen dar. Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist der Kontrastwelt- bzw. Paradiescharakter. Erlebniswelten bieten eine Plattform für die Phantasien der Nutzer. Es geht nicht darum, ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen, sondern es soll das verwirklicht werden, was die Menschen sich in ihren Träumen vorstellen. Um es den im Alltag oft gestressten, gelangweilten und gesättigten Menschen zu ermöglichen, für einen bestimmten Zeitraum in eine andere, der Alltagsrealität ferne Welt zu entfliehen, sind bestimmte Maßnahmen erforderlich (vgl. KAGELMANN 2004, S. 78ff.):

- Das Alleinstellungsmerkmal Einzigartigkeit, um sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben,
- dauerhafte Attraktionen und wechselnde Events,
- den Gästen muss eine Kette von emotionalen Erlebnissen präsentiert werden,
- Entertainment-Architektur,
- perfekter Service und ausgezeichnete Dienstleistungsqualität,
- Sicherheitsvermittlung: Ein Gefühl der Sicherheit muss den Gästen, die sich auf eine kriminalitätsfreie Erlebniswelt einlassen, ebenso vermittelt werden wie das Vertrauen auf eine gleichbleibende Qualität,
- Thematisierung/Storytelling: Ein innovatives Thema, das in der gesamten Erlebniswelt beibehalten wird, intensiviert das Erlebnisgefühl.

Künstliche Erlebnislandschaften können durchaus interessanter und faszinierender sein als die realen Naturlandschaften. Wer kann es sich beispielsweise schon zeitlich und finanziell leisten, echte Krokodile in fernen Ländern zu beobachten? Und während das echte Krokodil langweilig vor sich hin döst, fesselt das Disney-Krokodil die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Es rollt mit den Augen, verschwindet unter der Wasseroberfläche, taucht wieder auf und macht bedrohliche Geräusche. Dieses Beispiel zeigt, dass die Erlebniswelt nicht zwingend dem Anspruch von Wahrheit und Wirklichkeit entsprechen muss, viel wichtiger ist es, den Erlebnishunger der modernen Gesellschaft zu befriedigen (vgl. OPASCHOWSKI 2000, S. 44ff.).

Auf diesen Prinzipien der künstlichen Erlebniswelten beruht auch der Erfolg der Themenhotels in Las Vegas. Die Thematisierung dient dazu, dem Gast einen Mehrwert in Form eines besonderen Erlebnisses zu vermitteln. Die Themen der großen Casinohotels sind daher so gewählt, dass sie die Sehnsüchte der heutigen Erlebnisgesellschaft widerspiegeln. Dabei dient sowohl die Konzentration der Attraktionen auf eine relativ geringe Distanz – wo sonst kann man innerhalb eines Fußmarsches von etwa einer Stunde so viele internationale Top-Sehenswürdigkeiten auf einmal bewundern – als auch die Darstellung einer Über-Wirklichkeit dem intensiveren Empfinden des Erlebnisses. Diese Hyperrealität (vgl. FREYERMUTH 2000, o. S.) wird dadurch erreicht, dass die Imitationen auf die Schattenseiten der Originale verzichten. So ist das Wasser der Kanäle im kopierten Venedig nicht trüb und übel riechend, sondern glasklar. Im Planet Hollywood Hotel kann ein stündlich inszenierter Gewittersturm betrachtet werden, ohne dass die Zuschauer dabei nass werden und im Straßenrandbereich des Mirage Hotels werden die Besucher Zeuge eines spektakulären Vulkanausbruchs, ohne dabei Lavamassen oder Ascheregen fürchten zu müssen. Selbst die Schwefelgerüche der pyrotechnischen Effekte werden durch einen wohl riechenden Piña Colada-Duft überlagert (vgl. HAHN 2005, S. 25 und THARLER 2006, S. 57). „Las Vegas hat sich zu einem Disneyland in der Wüste entwickelt.“ (HAHN 2005, S. 25)

Gerade diese Perfektionierung der Wirklichkeit bietet aber auch eine hohe Angriffsfläche für die Gegner der Kunstwelten. Die Mehrzahl der Gegenargumente dreht sich um das Problem der Echtheit touristischer Erfahrungen. Vor allem die Ursprünglichkeit der authentischen Erfahrungen gehe nach Meinung der Kritiker verloren. Der Architekt Michael Sorkin kritisiert die architektonische Gestaltung der Themenlandschaften in Las Vegas und bezeichnet sie sogar abwertend als „Architektur der Täuschung“ (vgl. FREYERMUTH 2000, o. S.).

3 Destination Las Vegas

Welcome to Fabulous Las Vegas !“[2]

Im Folgenden wird die Destination Las Vegas aus geographischer und touristischer Sicht vorgestellt. Zunächst wird ein landeskundlicher Überblick zur Einordnung der Stadt mit ihrem Umland in die Region Südwest-USA gegeben. Anschließend wird die touristische Entwicklung beleuchtet sowie die heutige Situation und zukünftige Potentiale im Tourismus aufgezeigt.

3.1 Landeskundlicher Überblick

Der landeskundliche Überblick soll Einblicke in die geographische Lage und die geomorphologischen Hintergründe, in klimatische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlagen sowie in die Stadtgeschichte der Wüstenmetropole ermöglichen.

3.1.1 Geographische Lage und Ausdehnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Las Vegas befindet sich im Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika inmitten der Mojave-Wüste. Im äußersten Süden des 36. amerikanischen Bundesstaates Nevada im Las Vegas-Valley gelegen wird die Stadt im Osten von den kahlen Bergen der Muddy Mountains, im Südosten vom künstlich angelegten Lake Mead, im Süden durch die Black Mountains, im Westen von den Spring Mountains mit dem 3.630 m hohen Charleston Peak und im Norden von den Quartzite Mountains eingegrenzt. Die Kernstadt (City of Las Vegas) befindet sich auf 36°19‘ nördlicher Breite und 115°22‘ westlicher Länge auf einer Höhe von 616 m ü. NN und erstreckt sich über ein Gebiet von 340 km². Das Agglomerationsgebiet (MSA Las Vegas) umfasst neben der Kernstadt die Städte Boulder City, Henderson, Primm, Mesquite und North Las Vegas. Las Vegas ist Verwaltungssitz der Region Clark County und liegt in der Pacific Standard Time Zone (= MEZ -9h) (vgl. US-INFOS.DE 2008, o. S. und EMPORIS 2008, o. S.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kernstadt Las Vegas besteht im Grunde aus drei Teilen: Der älteren, historischen Downtown um die Fremont Street, die heute trotz vieler Revitalisierungsmaßnahmen im Vergleich zum Strip immer noch heruntergekommen wirkt, dem modernen Las Vegas Boulevard (besser bekannt als „Strip“) südwestlich der Downtown mit einer Vielzahl hypermoderner Hotel- und Kasinokomplexe und den seit einigen Jahren immer weiter ausufernden Vorortwohngürteln rund um die Stadt, besonders aber im Westen der Downtown. Die wirtschafts- und verkehrsgeographisch äußerst günstige Lage als Verkehrsknotenpunkt, vor allem aber die Nähe zum riesigen Ballungszentrum Los Angeles, hat seit etwa drei Jahrzehnten zu einem hohen kontinuierlichen Besucher- und Einwohnerzuwachs geführt. Nach Los Angeles und Dallas/Fort Worth besitzt Las Vegas mit 46,2 Millionen Passagieren pro Jahr (2006) den drittgrößten Verkehrsflughafen im Südwesten der USA. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Zuwachs von 5% festzustellen (vgl. AIRPORTS COUNCIL INTERNATIONAL 2007, o. S.). Der McCarran International Airport gilt als einer der modernsten und dynamischsten Flughäfen der USA. Mit fast 1.700 Starts und Landungen pro Tag rangiert er auf Platz sechs der Flughäfen mit dem weltweit höchsten Verkehrsaufkommen. Aufgrund des enormen Passagieraufkommens ist der Bau eines zweiten Flughafens ca. 30 km südlich der Stadt absehbar (vgl. ebd., o. S. und LVCVA 2007, S. 3).

3.1.2 Physiogeographische Merkmale

3.1.2.1 Geomorphologie

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Umgeben von der Mojave-Wüste befindet sich Las Vegas im Südwesten des Großen Beckens (auch Great Basin oder Range genannt). Diese geomorphologische Großregion mit einer Ausdehnung von etwa 540.000 km² ist eine sehr trockene Landschaft, die sich im Westen der USA zwischen der Sierra Nevada im Westen und der Wasatchkette im Osten erstreckt. Von der Nordgrenze Nevadas reicht das Große Becken etwa 1.600 km weit nach Süden bis zum Rio Grande. Das Great Basin ist kein eigentliches Becken, sondern ein riesiges Gebiet mit Gebirgen und Tälern ohne Abfluss ins Meer. Die Region ist das größte zusammenhängende trockene und halbtrockene Gebiet in Nordamerika (vgl. HARRIS 2003, S. 15ff.). Während sich im nördlichen Bereich besonders viele Berge und Täler befinden, ist der Süden, in dem auch die Stadt Las Vegas liegt, durch große Wüstengebiete geprägt.

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Diese einzigartige Landschaft wurde in Millionen von Jahren durch die Subduktion der Pazifischen Platte unter die Nordamerikanische Platte geformt. Als Folge dieses Prozesses entstanden zum einen die deutlich sichtbaren Ausprägungen der amerikanischen Kordilleren, zum anderen aber auch kleinräumigere Vorgänge wie Vulkanismus, Überschiebungs-, Faltungs- und Bruchschollentektonik. Die Entstehung des Großen Beckens in seiner heutigen Form resultiert aus einer spättertiären Hebungsphase vor etwa 19 Millionen Jahren, in der eine Dehnung der Erdkruste des amerikanischen Kontinents erfolgte. Die Dehnung bewirkte tiefe Brüche und Störungen, aus denen Gebirgshorste und Gräben entstanden. Die große Zahl der parallel angeordneten Bergketten (z.B. die Spring Mountains im Westen von Las Vegas) und Becken (z.B. das Las Vegas-Tal) im Südwesten der USA ist die Folge dieser Bruchtektonik (vgl. HAHN 2002, S. 387 und BARETH 1998, S. 12).

Im Folgenden wird die Entstehung der besonderen geomorphologischen Gegebenheiten, die das Las Vegas-Tal umgeben, erläutert. Dabei handelt es sich im Einzelnen um den Grand Canyon im Osten, den Red Rock Canyon im Westen der Stadt sowie das Death Valley, das Tal des Todes, an der Grenze zu Kalifornien.

3.1.2.1.1 Der Grand Canyon und das Colorado-Plateau

Das Colorado-Plateau ist mit 1.500 bis 3.300 m das höchstgelegene Plateau der USA. Es erstreckt sich schüsselförmig vom Grenzgebiet Nevada-Arizona über den Norden Arizonas, den Südwesten Utahs und über Teile von New Mexico und Colorado (vgl. SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 28).

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Abb.6: Colorado-Plateau

Quelle: NATIONAL GEOGRAPHIC 2005, o. S.

Das heutige Gebiet des Colorado-Plateaus war vor etwa zwei Milliarden Jahren zur Zeit des Präkambriums von einem Meer bedeckt, an dessen Grund sich Sand, Schlamm und Muschelkalke ablagerten. Aufgrund vulkanischer Aktivitäten wurden die oberen Sedimentschichten von Lava bedeckt, die tieferen Schichten versteinerten zu Sandstein und Schieferton. Tektonische Plattenverschiebungen bildeten Gebirge mit Brüchen, Verwerfungen, Rissen und Faltungen. Vor etwa 60 Millionen Jahren (vgl. TEUSCHL 2001, S. 55) begann sich das Colorado-Plateau zu heben, wobei die Sedimentschichten um mehr als 1000 m zum heutigen Plateau nach oben gedrückt wurden. Gleichzeitig wurde das Gebiet durch den Colorado River, den Green River und andere Flüsse abhängig von den Gesteinshärten der unterschiedlichen Schichten erodiert und es entstanden verschiedenste Canyonbildungen (vgl. PRESS/SIEVER 1995, S. 196).

Der berühmteste dieser Canyons ist der Grand Canyon, etwa 420 km östlich von Las Vegas gelegen. Der Grand Canyon ist eine steile, 450 km lange und bis zu 27 km breite Schlucht im Nordwesten des Bundesstaates Arizona (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 180), die im Laufe von Jahrmillionen vom Colorado River ins Gestein des Colorado Plateaus gegraben wurde. Die Erosionsform des Grand Canyons ist erdgeschichtlich gesehen relativ jung. Seit etwa sechs Millionen Jahren gräbt sich der Fluss in das sich immer noch hebende Colorado-Plateau ein, gleichzeitig sind die Sandsteinschichten an den Canyonwänden der Abtragung durch Wind, Niederschlag und Eis ausgesetzt. Im Gebiet des Grand Canyons ist die Schichtenfolge in getreppten Steilhängen in der über 1.500 m tiefen Schlucht sehr gut ersichtlich. Der Colorado River, der sich aufgrund endogener Hebungen in die Tiefe gegraben hat und immer noch gräbt, hat eine äußerst breite Canyon-Landschaft mit isoliert herausragenden Tafelbergen, „mesas“ genannt, und Insel- oder Zeugenbergen erschaffen, die aufgrund der unterschiedlichen Resistenz der Gesteinsarten verschiedene Höhen und Mächtigkeiten besitzen (vgl. SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 30).

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Die gewaltigste Schlucht der Erde ist Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Touristen. Über vier Millionen Urlauber kommen jedes Jahr, um dieses atemberaubende Naturschauspiel zu erleben. Besonders in den frühen Morgen- und Abendstunden, wenn die Sonne über der Schlucht auf- bzw. untergeht, leuchten die Gesteinsschichten in spektakulären Grün-, Blau- und Rottönen. Neben der Aussicht werden den Touristen Rafting-Trips, Helikopterflüge, Maultierausritte und mehrtägige Wanderungen zum Boden der Schlucht angeboten. Die neueste Attraktion ist der Skywalk am Nordrand des Canyons, der die Möglichkeit bietet, mitten in die Schlucht hinaus zu schreiten. Eine hufeisenförmige Stahlkonstruktion, die 22 Meter weit über eine fast senkrecht abstürzende Felswand hinausragt, bietet den Besuchern den freien Blick in die Erdgeschichte und auf den 1200 m tiefer fließenden Colorado River (vgl. BISSINGER 2007, S. 47f.).

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3.1.2.1.2 Red Rock Canyon

Der Red Rock Canyon liegt nur wenige Meilen westlich von Las Vegas mitten in der Mojave Wüste. Das 800 km² große Naturschutzgebiet umfasst unzählige Schluchten, Felsnadeln und glühende Bergflanken. In diesem Terrain stehen mehrere Millionen Jahre alte Sandsteintürme und Kakteen in staubtrockener Erde. Die erosive Kraft des Windes hat hier unweit der Glitzerwelt von Las Vegas Wunderwerke geschaffen: Die Oberflächengestalt reicht von grauem Kalkstein aus dem Paläozoikum über versteinerte Dünen des hellroten Sandsteins aus dem Jura bis zu von eisenroten Spuren durchzogenen geologischen Formationen (vgl. BISSINGER 2007, S. 102).

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Die spektakulären Gesteinsformationen (vgl. Foto 2) sind das Resultat des Keystone-Thrust-Fault, einer Verwerfung in der Erdkruste, bei der eine Gesteinsplatte direkt über eine andere gehoben wurde. Vor etwa 65 Millionen Jahren begann die aus grauem Kalkstein bestehende Gesteinsplatte, die einst Meeresboden eines alten Ozeans war, sich über den rotbraunen Sandstein hinweg zu bewegen. Das Kernstück des Red Rock Canyon bildet eine mehr als 20 km lange und etwa 900 m hohe, nahezu senkrecht aufragende, Felswand. Schmelzwasser und Niederschläge haben den Fels entlang bestehender Vertiefungen und Risse im brüchigen Gestein ausgehöhlt (vgl. RRCIA 2006, o. S.).

3.1.2.1.3 Death Valley

Das Death Valley („Tal des Todes“) erstreckt sich im Osten Kaliforniens im Grenzgebiet zu Nevada und stellt eine etwa 230 km lange, bis zu 26 km breite abflusslose Senke dar. Das Tal liegt in der Mojave-Wüste östlich der Sierra Nevada und ist die trockenste Region der Vereinigten Staaten. 1994 wurde das Death Valley zum Nationalpark erklärt, das Parkgebiet umfasst neben dem eigentlichen Tal auch weite Teile des umliegenden Panamint Range-Gebirges mit Höhen von bis zu 3.368 m über NN. Rund ein Fünftel des Tal des Todes liegt unterhalb des Meeresspiegels, der tiefste Punkt Nordamerikas befindet sich mit 86 m unter NN am so genannten Badwater (vgl. U.S. NATIONAL PARK SERVICE 2008, o. S.).

Die vor ungefähr 200 Millionen Jahren im Paläozoikum abgelagerten Sedimentschichten wurden infolge tektonischer Aktivitäten erst vor etwa 50 bis 5 Mio. Jahren zu einem Graben abgesenkt, während die umliegenden Bergketten zur gleichen Zeit durch Faltung und Vulkanismus entstanden sind. Auch heute noch kommt es in diesem Gebiet zu tektonischen Bewegungen, was Störungen im geologisch noch sehr jungen Vulkangestein am östlichen Grabenrand belegen. Die heutige Morphologie des Talbodens ist geprägt von Erosionsschutt der umgebenden Berge sowie von Terrassenbildung durch in Feuchtperioden des Quartärs entstandenen Seen (vgl. SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 30f.). Einer dieser Seen war der Lake Manly, der während der Eiszeit im Pleistozän vor etwa 50.000 Jahren das Death Valley füllte. Die Uferlinien und –terrassen des Lake Manly sind heute noch etwa 120 bis 150 m über dem Talboden zu erkennen. Nach der Verdunstung des Sees aufgrund des trockener und wärmer werdenden Klimas blieb ein Salzbecken in der Talsohle des Beckens zurück. Durch die hohe Verdunstungsrate und die tiefe Lage füllt der Salzsee auch heute noch große Teile des Death Valley aus (vgl. BARETH 1998, S. 126).

Das Tal des Todes ist nicht nur das tiefste, sondern auch das trockenste und heißeste Gebiet Nordamerikas. Das bisher gemessene Maximum liegt bei 57 Grad Celsius; der Ort Furnace Creek im Death Valley bekommt im Jahresmittel nur 59 mm Niederschlag. Das Death Valley ist eine orographisch bedingte Wüste, das heißt, die geringen Niederschläge in dem in den mittleren Breiten liegenden Gebiet treten dadurch auf, dass die feuchtgesättigten Winde auf dem Weg von ihrem Sättigungsgebiet, dem Pazifischen Ozean, neben der hohen Gebirgskette der Sierra Nevada von vier weiteren Bergrücken abgehalten werden. Zusätzlich spielt auch der Föhneffekt eine bedeutende Rolle. Nach dem Überwinden der Sierra Nevada sinken die Luftmassen auf der Leeseite des Gebirges ab, dabei kommt es zur Erwärmung und Austrocknung der Luft. Je weiter die Luft absinkt, desto mehr nimmt die Trockenheit zu. Der große Höhenunterschied zwischen dem über 3.350 m hohen Telescope Peak und dem 86 m unter Null gelegenen Badwater Point auf sehr kurzer Distanz (weniger als 25 km) ergibt einen besonders ausgeprägten Föhneffekt, weshalb das Death Valley zu den niederschlagsärmsten Gebieten der Welt zählt (vgl. HAHN 2002, S. 380).

3.1.2.2 Klima und Vegetation

Das Klima in Las Vegas ist geprägt von Extremen: Durchschnittlich 320 Sonnentage im Jahr (vgl. LVCVA 2007, o. S.), Höchsttemperaturen von bis zu 46 bis 49 Grad Celsius in den Sommermonaten, extreme Trockenheit bei 3 bis maximal 12 mm Niederschlag pro Monat und mit 29% eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 190)!

Über dem heißen Süden Nevadas bildet sich im Sommer aufgrund der permanent hohen Sonneneinstrahlung ein kontinentales, äußerst stabiles Tiefdruckgebiet in Bodennähe aus. Dadurch können die vom Pazifik kommenden feucht-warmen Luftmassen in das Gebiet vordringen und seltene, aber lokal äußerst heftige Gewitter mit Überschwemmungen verursachen. Im Winter verlagern sich die Tiefdruckgebiete weiter nach Norden, so dass die Niederschlagsmenge im Vergleich zum Sommer zunimmt. Dass die Niederschläge in Las Vegas dennoch im Jahresmittel nur bei geringen 109 mm liegen erklärt sich durch die Lage im Windschatten der hohen Gebirgsketten (vgl. BARETH 1998, S. 16).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund des sehr niedrigen Regenfalls ist die Region um das Las Vegas-Valley sehr trocken und heiß. Die geringe Niederschlagsmenge ist allerdings nicht breitengradabhängig, sondern eine Folge der Reliefenergie. Die vom Pazifischen Ozean kommenden feuchtigkeitsgesättigten Luftmassen werden durch das natürliche Hindernis der Sierra Nevada dazu gedrängt, aufzusteigen, um die hohe Gebirgskette zu überwinden. Beim Aufsteigen kondensieren die Luftmassen und die Niederschläge fallen auf der westlichen Gebirgsseite. Der von den Gipfeln der Gebirge nach Osten herab wehende Wind erwärmt sich durch das Absinken der Luftmassen, gleichzeitig nimmt die relative Luftfeuchtigkeit ab, woraus noch geringere Niederschläge resultieren. Las Vegas und die die Stadt umgebende Mojave-Wüste liegen im Regenschatten der westlichen Gebirge, die von Westen stammenden Winde haben all ihre Feuchtigkeit abgegeben, lange bevor sie die Stadt erreichen (vgl. PRESS/SIEVER 1995, S. 316). Die sommerlichen Temperaturwerte liegen in Las Vegas bei ca. 30°C, das mittlere tägliche Maximum sogar bei knapp 40°C, wobei die Temperaturen im Jahresmittel nicht unter 19°C absinken. Im Winter dagegen sind durchaus Temperaturen von 5-7°C möglich, von November bis Februar kann sogar Frost auftreten, im Hochwinter (Januar) bis zu -10°C. Demnach beträgt die Differenz zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monatsmittel in Las Vegas 25°C (vgl. Abb. 7 und Tab. 1). Die Region um Las Vegas ist somit eine der trockensten und heißesten Gegenden der Vereinigten Staaten (vgl. BARETH 1998, S. 18).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1: Temperatur und Niederschlag in Las Vegas im Jahresverlauf

Quelle: Eigene Darstellung nach www.klimadiagramme.de (12.04.08)

In Abb. 8 werden die Klimaregionen Nordamerikas nach KÖPPEN dargestellt. Die Klimazonen spiegeln sich in klar abgrenzbaren Vegetationszonen wider. Nach dieser Karte liegt Las Vegas in der Klimazone Bwh, die einem heiß-trockenen Wüstenklimat mit Trockenzeit im Winter und einer mittleren Jahrestemperatur von über 18°C entspricht.

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Abb.8: Klimaregionen Nordamerikas

Quelle: SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 21 (nach BIRDSALL und FLORIN 1992)

In Abb. 9 sind die Vegetationszonen Nordamerikas dargestellt. Im Gegensatz zum Großteil Nevadas liegt Las Vegas in der Zone Dss, die durch Zwergstrauch- und Vollwüste gekennzeichnet ist. Entscheidend für die Ausprägung der Vegetation ist das Vorhandensein von Wasser. Aufgrund der äußerst geringen Menge an verfügbarem Wasser überwiegen im Las Vegas-Tal ausgedehnte Trockenbuschgebiete, Mischformationen von Grasländern und Kleinsträuchern sowie verschiedene Kakteenlandschaften.

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Abb.9: Vegetationszonen Nordamerikas

Quelle: SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 22 (nach BIRDSALL und FLORIN 1992)

In der trockenen Beckenlandschaft im Südosten Nevadas überwiegen die Xerophyten, die sich gegen die hohe Verdunstung dadurch schützen, in dem sie kleine Blätter mit dicker Außenwand oder sogar nur als Dornen umgeformte Blätter ausbilden. Die Vielzahl wasserspeichernder Sukkulenten in der Mojave-Wüste, z.B. der Orgelpfeifen-Kaktus (Organ pipe), verschiedene Yucca-Arten oder die plüschigen Teddybear Chollas, haben sich der Dürre angepasst. An den Hängen der das Las Vegas-Valley umgebenden Bergketten überwiegt niedriges Buschwerk aus Wacholder, Nußkiefer, Wermutsträuchern und buschigem Gramagras, die der Vegetationsform Trockenbusch zugerechnet werden. Die untere, durch Trockenheit bedingte Baumgrenze liegt im Südwesten der USA bei etwa 1.500 bis 1.800 m über dem Meeresspiegel (vgl. BARETH 1998, S. 18).

Die klimatische Differenzierung spiegelt sich auch in der Verteilung der Böden wider. Nach BIRDSALL und FLORIN kennzeichnen das trockene Las Vegas-Tal ausschließlich Aridisole. Hierzu zählen sowohl die Wüsten- und Halbwüstenböden der Mojave, als auch die Solontschake, Salzböden, die sich in trockenen Klimaten mit hoch anstehendem, salzhaltigem Grundwasser entwickeln. Aridisole entstehen dort, wo über eine längere Zeit die Zufuhr größerer Wassermengen in den Boden ausbleibt. Aufgrund des harten, sandigen Bodens und des geringen Niederschlags ist die einzige effektive Landnutzung die nomadische Weidewirtschaft (vgl. STRAHLER/STRAHLER 1999, S. 539).

3.1.3 Stadtgeschichte

3.1.3.1 Ureinwohner

Vor etwa 13.000 Jahren begann nach dem Ende der letzten Eiszeit die Besiedelung des nordamerikanischen Kontinentes. Sibirische Jäger zogen ihrer Beute hinterher und überschritten die damals noch bestehende Landbrücke bei der heutigen Beringstraße zwischen Ostrussland und Alaska. Infolge dieser ersten Einwanderungswellen siedelten sich erste Kulturen im Südwesten der USA an. Diese frühen Jäger und Sammler, die Vorfahren der späteren Indianer, werden zur Clovis-Jägerkultur gezählt, der ältesten allgemein anerkannten menschlichen Kultur in Amerika. Benannt wurde diese Kultur nach dem Ort Clovis im Norden New Mexicos, in dessen Umgebung als erste Hinweise auf diese Kultur charakteristisch geformte, fein gerillte Speerspitzen, mit denen sie vermutlich auf die Jagd nach Mammuts gingen, gefunden wurden (vgl. DIE INDIANER IN NORD-, MITTEL- UND SÜDAMERIKA 2006a, o. S.). Die ab ca. 10.700 v. Chr. folgende Folsom-Kultur dehnte ihren Lebensraum vom Südwesten der USA bis zu den Großen Seen aus. Diese Kultur verfügte bereits über ausgefeilte Jagdtechniken mit weiterentwickelten Speerspitzen. Diese beiden Kulturen trugen mit ihrem Jagdprinzip wesentlich zur Dezimierung des Mammutbestandes in Nordamerika bei. Nach dem Aussterben der Mammuts manifestierten sich in Südwest-USA verschiedene Übergangskulturen. Die bekannteste dieser Übergangskulturen ist die nach dem Fundort in Cochise County/Arizona benannte Cochise-Kultur, die Vorfahren der Hohokam- und Mogollon-Indianer (vgl. BARETH 1998, S. 30f.). Im Gebiet des heutigen Las Vegas ließen sich ab ca. 500 n. Chr. die Anasazi-Indianer nieder, deren Kultur um das Jahr 0 aus der Mogollon-Kultur und der Oshara-Kultur entstand. Die Anasazi lebten in oberirdischen Pueblo-Behausungen, meistens in Form zugemauerter Halbhöhlen oder unter Felsüberhängen, Cliff Dwellings genannt , sowie in Canyons. Diese frühen Wohnformen sind heute noch gut erhalten in Ostnevada, Utah, Arizona und New Mexico zu finden (vgl. DIE INDIANER IN NORD-, MITTEL- UND SÜDAMERIKA 2006b, o. S.).

Nach den Anasazi folgten nomadische Indianerstämme, vor allem die Paiute, Washoe und Shoshonen. Diese Stämme konnten in dem lebensfeindlichen Gebiet der Mojave-Wüste aufgrund ihrer Kenntnis der natürlichen Quellen des Gebietes längere Zeit überleben. Diese artesischen Quellen entstanden in prähistorischer Zeit, als der Süden Nevadas noch aus Marschland mit viel Wasser und üppiger Vegetation bestand. Im Laufe der folgenden Jahrtausende versiegten die Flüsse und zurück blieb eine trockene, von der Sonne ausgedörrte Landschaft. Die geologischen Formationen unter dem Las Vegas-Tal hatten jedoch genügend Wasser gespeichert, welches auf seinem Weg zum Fluss Colorado sporadisch an die Oberfläche trat (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 14).

3.1.3.2 Gründung der Stadt Las Vegas

Im Jahr 1776 betrat der Missionar Francisco Garces als erster Europäer das Gebiet des späteren Las Vegas und entdeckte den „Spanish Trail“, den Spanischen Weg, der Santa Fé mit Los Angeles verbindet. Knapp 50 Jahre später wurde die Gegend um Las Vegas von spanischen Eroberern entdeckt (vgl. BISSINGER 2007, S. 126). 1829 geriet der Mexikaner Antonio Armijo, der mit seiner etwa 60 Mann großen Karawane auf dem Spanish Trail nach Los Angeles unterwegs war, ca. 160 Kilometer nördlich der heutigen Stadt in Wassernot. Nach tagelangem Ritt durch die Mojave-Wüste stießen die ausgesandten Kundschafter im fruchtbaren Umland des Colorado auf eine Wasserquelle, die heute als Las Vegas Springs bekannten artesischen Quellen. Die Entdecker nannten diese wasserreiche und fruchtbare Oase „Las Vegas“, was aus dem Spanischen übersetzt „Die Wiesen“ bedeutet (vgl. BRITTNER-WIDMANN/SCHRÖDER 2006, S. 37).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto4: Las Vegas Springs (um 1900)

Quelle: CHUNG 2007, S. 6

Als im Jahr 1844 der berühmte Entdecker, Pfadfinder und Forscher John Fremont die Oase aufsuchte und über sie in seinen Forschungen schrieb, weckte er damit erstes Interesse an dem Tal. Bisher war Las Vegas vor allem der ortsansässigen indianischen Bevölkerung und den spanischen Pionieren und Missionaren bekannt. Nach Ende des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges (1846-1848) musste Mexiko das Gebiet des späteren Nevadas an die USA abtreten. Der größte Teil dieses Gebietes geriet unter die Verwaltung von Utah, das Las Vegas-Tal unter die von New Mexico. Nach der Teilung des Staates New Mexico fiel Las Vegas zunächst ins nun neue Territorium Arizona, wurde allerdings vier Jahre später 1867 an den Nachbarn Nevada abgegeben (vgl. BISSINGER 2007, S. 126). Hier errichtete der Mormone William Bringhurst mit 29 weiteren Missionaren aus Utah im Juni 1855 ein kleines Fort aus ungebrannten Lehmziegeln, das allerdings aufgrund häufiger Indianerüberfälle und dem Scheitern der Übernahme indianischer landwirtschaftlicher Techniken 1858 wieder aufgegeben wurde. Dieses Fort stellt die erste nicht-indianische Besiedlung in der Region Las Vegas dar (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 15 und NEVADA STATE PARKS o. J, o. S.). 1865 erwarb Octavius Gass das Grundstück mitsamt dem Mormonenfort und errichtete dort eine große Ranch, um Reisende mit Vorräten zu versorgen. Als Gass 1881 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wechselte das Grundstück an die neuen Besitzer Archibald und Helen Stewart. Obwohl Helen Stewart nach dem Tod ihres Mannes 1884 die Farm erfolgreich bewirtschaftete und erweiterte, verkaufte sie unter dubiosen Umständen 1902 das ganze Land an den korrupten Eisenbahn-Tycoon und Senator des Bundesstaates Montana William A. Clark (vgl. THARLER 2006, S. 9). Nachdem im Las Vegas-Tal wertvolle Metalle entdeckt wurden, begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bergbau in der Region. Dies und das Wirtschaftswachstum in Los Angeles, aus dem ein zunehmender Handelsverkehr in Richtung Salt Lake City, Chicago und New York resultierte, führte dazu, dass die Bahnstrecke zwischen Südkalifornien und Salt Lake City fertiggestellt und in Las Vegas eine Eisenbahnstation angelegt wurde. Dank seiner enormen Wasservorkommen war Las Vegas der ideale Ort zum Rasten und Auftanken der Wasserdampfloks (vgl. HAHN 2002, S. 350).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto5: Rekonstruktion der Stewart-Ranch Foto6: Ehemaliger Bahnhof Las Vegas (um 1940)

Quelle: Eigenes Foto 2008 Quelle: CHUNG 2007, S. 48

Zur eigentlichen Stadtgründung kam es, als am 15. Mai 1905 in einer Landauktion das 110 ha große Landstück zwischen der Stewart Avenue im Norden, Garces Avenue im Süden, Main Street im Westen und 5th Street (heute Las Vegas Boulevard) im Osten, das der Union Pacific Railroad gehörte und auf dem die Bahnarbeiter vorübergehend gelebt hatten, an einem Tag versteigert wurde. Zusätzlich beschloss die Bahngesellschaft, weitere 1.200 Parzellen Farmland zu verkaufen. Die Nachfrage war groß, denn im Jahr zuvor wurde in der Gegend um das Tal Gold gefunden. Las Vegas, das bisher im Wesentlichen aus der Stewart-Ranch bestand, wurde über Nacht zur Stadt. Im selben Jahr wurde bereits mit dem „Las Vegas Hotel“ das erste Hotel der Stadt errichtet (vgl. WRIGHT o. J., S. 6 und BISSINGER 2007, S. 126). Die am weiteren Ausbau der Eisenbahn beteiligten Unternehmen nutzten Las Vegas als zentrales Lager und Schlafmöglichkeit, was einen ersten Bevölkerungsschub bewirkte. Für diese Arbeiter wurden im Bereich der heutigen Downtown die ersten Saloons und primitiven Spielhöllen errichtet. Im Bahnhof, der an der Stelle des heutigen Plaza Hotels stand, wurde einige Jahre später für die Kunden der Bahn das erste Hotel mit Casino eröffnet. 1911 erhielt Las Vegas als erste Stadt in Nevada offizielles Stadtrecht und seine erste Gründungsurkunde. Obwohl die Stadt zu dieser Zeit auf 50 km² erst 1.500 Einwohner zählte, war Las Vegas aufgrund des Glücksspiels bereits so bekannt, dass sich der Staat Nevada gezwungen sah, das Glücksspiel zu verbieten (vgl. BRITTNER-WIDMANN/SCHRÖDER 2006, S. 37).

Das Wachstum und die wirtschaftliche Prosperität dauerten etwa bis zum Jahr 1917 an, als sich die ersten Krisen der Eisenbahnindustrie abzuzeichnen begannen. Allgemeine Rezession, Arbeitnehmerstreiks im ganzen Land und erste Anzeichen der Weltwirtschaftskrise führten Las Vegas in eine depressive Phase. Erst der Beschluss zur Erbauung des Hoover-Staudamms 1930 änderte diese trübe Stimmung (vgl. BETGAMES.DE 2008, o. S.).

Da das „Anti-Gambling-Law“ vor allem das illegale Glücksspiel forcierte, wurde das Gesetz im Jahr 1931 wieder aufgehoben und das Glücksspiel legalisiert. Dies geschah genau im rechten Moment, denn im selben Jahr begann der Bau des Hoover Dams im Black Canyon, der für einen Zustrom von mehreren tausend spiellustigen Bauarbeitern sorgte. Mit dem Dammbau verbunden war ein wirtschaftlicher Aufschwung nach der großen Depression, der die Einwohnerzahl innerhalb eines Jahres von 5.165 (1930) auf 7.500 ansteigen ließ (vgl. BISSINGER 2007, S. 127).

3.1.3.3 Vom ersten Hotel zur heutigen Entertainment-Metropole

Infolge des durch Dammbau und Glücksspiel bedingten Aufschwungs beginnt das touristische Interesse an Las Vegas stark zu wachsen, was die Gründung von weiteren Casinos und Freizeitangeboten mit sich zog. 1940 hatte Las Vegas mittlerweile 8.500 Einwohner, von denen ein großer Teil im Zuge des Zweiten Weltkrieges durch die Ansiedelung der Rüstungsindustrie ins Las Vegas-Tal kam. Die isolierte Lage, reichliches Wasservorkommen und günstige Energie waren ideale Standortfaktoren für die Rüstungsindustrie, die bis heute nach dem Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region ist (vgl. BISSINGER 2007, S. 127). Am 03. April 1941 eröffnete das El Rancho Vegas mit 63 Zimmern als erstes Hotel am Las Vegas Boulevard, dem so genannten Strip. Im gleichen Jahr wurde in Downtown Las Vegas das El Cortez Hotel geöffnet, welches allerdings 19 Jahre später durch ein Feuer zerstört wurde. Ein Jahr später, am 30. Oktober 1942, eröffnete bereits das zweite Hotel am Strip, das Last Frontier. Das Hotel mit integrierter Casinoanlage, das später zunächst in „Frontier“ und anschließend in „New Frontier“ umbenannt wurde, war einem alten Westernsaloon nachempfunden (vgl. LVCVA 2007, S. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto7: Downtown Las Vegas (um 1950) Foto8: Flamingo Las Vegas (um 1950)

Quelle: CHUNG 2007, S. 52 Quelle: CHUNG 2007, S. 62

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden luxuriösere Hotels und Spielcasinos mit exklusivem Unterhaltungsangebot. Die Tourismus- und Entertainment-Branche schaffte nun die meisten Arbeitsplätze im Las Vegas-Valley. Das erste dieser neuen Hotels war das Flamingo Las Vegas, das am 26. Dezember 1946 vom legendären jüdischen Mafioso Benjamin „Bugsy“ Siegel eröffnet wurde. Siegel kam 1941 nach Nevada, da dort das Glücksspiel legalisiert war, und investierte zunächst in die bestehenden Hotels El Rancho und El Cortez. 1945 kaufte er sich in ein neues Bauvorhaben ein und errichtete daraufhin das Flamingo Hotel, das mit seinen damaligen 105 Zimmern zum luxuriösesten Hotel der Welt gekürt wurde. Mit dem Flamingo wurde auch das organisierte Verbrechen in Las Vegas heimisch, die Mafia besetzte fortan für Jahrzehnte wichtige Schlüsselpositionen im Hotel- und Glücksspielgewerbe (vgl. BISSINGER 2007, S. 127).

In den 1950er Jahren kamen viele Besucher in die Stadt, um die Atombombentests zu sehen, die in der Wüste Nevadas nur knapp 100 km entfernt stattfanden. Infolge dieses neuen Besucheransturms öffneten am 7. Oktober 1952 zunächst das Sahara und am 15. Dezember 1952 das Sands Las Vegas, beides große Casinohotels am Strip. Sieben Jahre später erhielt die Unterhaltungsindustrie mit dem Stardust-Hotel weiteren Aufschwung. 1959 wurde das Las Vegas Convention Center fertig gestellt, zeitgleich wurde das von Betty Willis entworfene „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Schild aufgestellt, das von nun an am südlichen Strip alle Besucher der Stadt willkommen hieß. Zu dieser Zeit lebten in Las Vegas auf 64 km² 64.500 Einwohner, dies entsprach mehr als 22% der Gesamtbevölkerung Nevadas auf weniger als 0,02% der Staatsfläche (vgl. VEGAS-INFOS 2008, o. S.)!

In den 1950er und 60er Jahren erwuchs Las Vegas zum Sinnbild von Glamour, Glitter und Vergänglichkeit. Stars wie Frank Sinatra mit seinen Rat Pack-Kollegen Sammy Davis Jr. und Dean Martin sowie Marlene Dietrich und Louis Armstrong hatten zu dieser Zeit ihre weltberühmten Auftritte und zogen zahlreiche Touristen an, die an der verruchten Atmosphäre von Sin City teilhaben wollten. Erst die ab Mitte der 1960er Jahre einsetzenden riesigen Investitionen des milliardenschweren Unternehmers Howard Hughes und Engagements von Managern wie Kirk Kerkorian und Steve Wynn brachen mit Hilfe von Aktiengesellschaften in der Hotel- und Entertainmentbranche die noch immer anhaltende Macht der Mafia in Las Vegas, in dem vor allem Hughes auf seiner milliardenschweren Einkaufstour nach und nach die Casinos und Hotels der Mafia aufkaufte. Das „Gambling“ genannte Glücksspiel wurde zu „Gaming“ und somit allmählich zu einem legalen Geschäft, das 1975 erstmals mehr als eine Milliarde Dollar an Steuergeldern in die Kassen von Nevada schwemmte (vgl. BISSINGER 2007, S. 127). Die Eröffnung des Caesars Palace 1966 und des Circus Circus zwei Jahre später unterstützten den Imagewandel der Stadt. Diese neuen Resorts schufen eine familienfreundliche Atmosphäre, indem sie speziell auf Kinder ausgerichtete Programme sowie internationale Sportereignisse, Musikauftritte und Shows anboten (vgl. ECKARDT 2007a, S. 80).

In den 1970ern und 80ern galt die Stadt jedoch noch immer als zunehmend heruntergekommen, da vor allem im Bereich der Downtown neben dem Glücksspiel Nacktbars und illegale Prostitution florierten. Die Wende leitete Steve Wynn 1989 mit dem Bau des Mirage ein, das wieder neue und vor allem sehr zahlungskräftige Kundschaft anziehen konnte. Das Mirage gilt mit seiner polynesischen Einrichtung und Aufmachung sowie mit dem feuerspeienden Vulkan vor dem Gebäude als erstes themenorientiertes Hotel in Las Vegas. Neben der Thematisierung führte Steve Wynn auch die stärkere Ausrichtung auf Familien mit Kindern ein, die als zukunftsträchtige Klientel in Las Vegas gerne begrüßt wurden. Um diesem Trend zu folgen sowie um sich von der Konkurrenz anderer aufkeimender amerikanischer Glücksspielstädte – allen voran Atlantic City – abzuheben, eröffneten in der Folgezeit viele weitere große Casinohotels, die allesamt familiengerecht und thematisch ausgerichtet waren. 1993 öffnete das MGM Grand Hotel, damals mit über 5.000 Zimmern das größte Hotel der Welt. Im selben Jahr empfingen auch das Luxor und das Treasure Island (heutiger Name: TI at the Mirage) ihre ersten Gäste (vgl. SWR WISSENSPOOL 2006, o. S.).

Ein jährliches Bevölkerungswachstum von etwa 7% erhöhte die Einwohnerzahl von 186.500 im Jahr 1985 auf 368.500 (1995). Zudem konnte in dieser Zeit ein 4%-Wachstum der Hotelkapazitäten sowie ein 9%-Wachstum auf dem Arbeitsmarkt in Las Vegas verzeichnet werden (vgl. BISSINGER 2007, S. 127). Durch das Glücksspiel nimmt Nevada erstmals mehr als sechs Milliarden Dollar an Steuergeldern ein.

Zur Revitalisierung der alten Downtown wird 1995 die „Fremont Street Experience“, die größte Lichtershow der Welt, eingeweiht. Im selben Jahr öffnet das weltweit erste Hard Rock Hotel in Las Vegas, ein Jahr später der Stratosphere Tower, mit 356 m der höchste freistehende Turm der USA, sowie das Monte Carlo Hotel. Aus dem Bauboom der 1990er resultierte jedoch schnell ein enormer Platzmangel am Strip, so dass viele der „Gründerzeit“-Hotels abgerissen werden mussten, um neue Bauvorhaben zu ermöglichen. 1996 wurde das Sands gesprengt, an seiner Stelle steht heute das Venetian Resort Las Vegas. Platz machen mussten auch das Hacienda, hier steht seit 1999 das Mandalay Bay Resort, sowie das Dunes, auf dessen Boden das Bellagio, erstes 5-Sterne-Hotel der Stadt, seit dem 15. Oktober 1998 seine Gäste begrüßt. Im Jahr 1997 öffnete das New York-New York Hotel, ein Jahr später steigt die Besucherzahl auf über 30 Millionen. In den darauf folgenden Jahren entstand eine Vielzahl weiterer großer Themenresorts am Strip, beispielsweise das Paris Las Vegas (1999) und das New Aladdin (2000). Im Jahr der Jahrtausendwende besuchten über 35 Millionen die boomende Unterhaltungsmetropole, in der mittlerweile auf einem Gebiet von 292 km² 478.500 Einwohner lebten. Las Vegas ist damit die größte Metropole unter den im 20. Jahrhundert gegründeten Städten der USA (vgl. VEGAS-ONLINE 2008, o. S.)

Mit Beginn des dritten Jahrtausends setzte allerdings erneut ein Wandel ein. Der neue Fokus der Stadt liegt seit der Eröffnung des Four Seasons (1999) auf exklusiven Luxushotels, die Thematisierung tritt zunehmend in den Hintergrund. 2003 weihte das Mandalay Bay seinen neuen Luxus-Tower THEhotel mit 1.120 Suiten ein. 2005 feierte der Hotel-Tycoon Steve Wynn neben dem hundertsten Geburtstag der Stadt das Opening seines Mega-Resorts Wynn Las Vegas, das zu der Zeit mit 2,7 Milliarden Dollar teuerste Hotel der Welt. 2006 erreichte die Besucherzahl den Rekord von 39 Millionen Ankünften (vgl. ebd., o. S.).

Um der rasant steigenden Touristenzahl auch in Zukunft gewachsen zu sein, gibt es bereits Pläne für weitere Megahotels am Strip, die noch luxuriöser und noch teurer sein werden. Damit ausreichend Platz verfügbar ist, wurde 2006 das legendäre Stardust sowie 2007 das New Frontier gesprengt (vgl. Kapitel 5.9.3.2).

3.1.4 Bevölkerung

3.1.4.1 Bevölkerungsgeographische Entwicklung

In den ersten zwei Jahrzehnten seit der Gründung der Stadt Las Vegas wurde die demographische Entwicklung nahezu ausschließlich von den Arbeitern der am Bau der Eisenbahn beteiligten Unternehmen geprägt. Zu dieser Zeit hat die Stadt gerade einmal knapp 2.000 Einwohner (1920). Erst durch den Bau des Hoover Staudamms ab 1931 nahm die Bevölkerungszahl rapide zu. Der Bau des Damms sorgte für einen starken Zustrom von Bauarbeitern aus allen Teilen der USA, gleichzeitig ließ der wirtschaftliche Aufschwung nach der Großen Depression die Einwohnerzahl rasch auf über 8.000 (1940) ansteigen (vgl. BRITTNER-WIDMANN/SCHRÖDER 2006, S. 37).

In den 1940er Jahren brachte die Rüstungsindustrie infolge des Zweiten Weltkrieges einen weiteren Bevölkerungsschub im Las Vegas Tal. Angezogen durch die Legalisierung des Glücksspiels und die Atombombentests in der Wüste unweit der Stadt entwickelte sich der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. 1950 betrug die Einwohnerzahl in Las Vegas fast 25.000. 1951 eröffnete in Las Vegas eine Zweigstelle der University of Nevada, acht Jahre später das Convention Center, wodurch die Stadt attraktiv für junge Menschen und Geschäftsleute wurde (vgl. BISSINGER 2007, S. 127).

Die Konkurrenz durch andere Glücksspieldestinationen in den USA Mitte der 1970er Jahre führte dazu, dass sich Las Vegas durch die Erweiterung der Casinohotels hin zu Erlebniswelten zu einem außerordentlich attraktiven Urlaubs- und Wohngebiet entwickelte, das vor allem Einwanderer aus Europa anlockte. Prunkvolle Hotels und Wohnanlagen, exklusive Shows und die höchste Dichte an Spielcasinos weltweit führten zwischen 1985 und 1995 zu einem siebenprozentigen Bevölkerungswachstum und zu einer Einwohnerzahl von 478.500 im Jahr 2000. Damit ist Las Vegas die am schnellsten wachsende Stadt und die größte Metropole unter den im 20. Jahrhundert gegründeten Städten der USA (vgl. ebd., S. 127 und OFFICE OF BUSINESS DEVELOPMENT 2007, S. 49).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Bevölkerungsentwicklung Abb.10: Graphische Darstellung der

Las Vegas City Bevölkerungsentwicklung

Quelle beider Grafiken: Eigene Darstellungen nach OFFICE OF BUSINESS DEVELOPMENT 2007, S. 49

3.1.4.2 Gegenwärtige bevölkerungsgeographische Strukturen

Die aktuelle Bevölkerungszahl (2007) von Las Vegas beträgt 603.093 Einwohner in der Kernstadt (City of Las Vegas) und 1.996.542 Einwohner im Großraum Las Vegas (MSA Las Vegas) bei einer Bevölkerungsdichte von im Schnitt 1.604 E/km² (vgl. LVCVA 2008a, S. 1). Somit ist Las Vegas die größte Stadt Nevadas.

Im Vergleich zu den anderen amerikanischen Großstädten ist allerdings sowohl die Kernstadt als auch der Großraum Las Vegas eher als klein zu betrachten, denn laut U.S. CENSUS BUREAU (2007, o. S.) stand die City of Las Vegas 2006 nur an Stelle 28 der größten Kernstädte und die MSA auf Rang 31 der größten Metropolregionen in den Vereinigten Staaten.

Die Bevölkerung setzt sich als Ergebnis der Arbeiterzuwanderung zu Beginn der Stadtentwicklung und der Oberschicht-Wohnzuwanderung in den letzten Jahrzehnten aus einer Vielzahl unterschiedlicher ethnischer Gruppen zusammen:

- Weiße: 58,0%
- Hispanics: 23,6%
- Afroamerikaner: 10,4%
- Asiaten: 4,8%
- Indianischer Abstammung: 0,8%

18,9% der Bevölkerung von Las Vegas sind nicht in den Vereinigten Staaten geboren. Von dieser zugezogenen Bevölkerung stammen zwei Drittel aus Lateinamerika (vor allem Mexiko), 19% aus Asien und knapp 11% aus Europa. Die meisten europäischen Immigranten stammen aus Deutschland, Irland, Großbritannien und Italien (vgl. CITY-DATA.COM 2008a, o. J.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Las Vegas ist eine ausgesprochen junge Stadt: Das Durchschnittsalter der Bevölkerung lag 2006 bei 34,8 Jahren (Gesamt-USA: 36,4 Jahre). Auffällig ist der hohe Anteil der 25 bis 44-jährigen und der unter 18-jährigen, sowie die vergleichsweise geringe Zahl an 18 bis 24-jährigen Bewohnern (vgl. Abb. 11).

3.1.5 Wirtschaft

Grundlage und treibende Kraft der Wirtschaft in Las Vegas ist der Tourismus. Durch die knapp 40 Millionen Touristen, die jedes Jahr die Wüstenmetropole bereisen und den Hotels eine Auslastung von 94% sichern (vgl. LVCVA 2008b, S. 1), profitieren vor allem die Unterhaltungs-, Glücksspiel-, und Beherbergungsindustrie sowie der Einzelhandel, der Tagungs- und Kongressmarkt und der Gastronomie- und Servicebereich. Auf letztere entfällt die größte Zahl der Arbeitsplätze, wobei hier die Gruppe der Niedriglohneinkommen (Putzfrauen, Pagen und Zimmermädchen, Kellner etc.) dominiert. Im Gegensatz dazu steht eine kleine Gruppe von Beschäftigten mit hohem bis sehr hohem Einkommen, die auf die Hotel- und Casinomanager, Bau- und Immobilientycoone und andere Geschäftsleute entfallen.

Dieser Kontrast zwischen Niedrig- und Spitzenverdienern führt zu einem gespaltenen Arbeitsmarkt (vgl. HAHN 2002, S. 351.).

Aufgrund der zentralen Lage der Stadt zwischen Los Angeles im Westen, Tucson und Phoenix im Süden sowie Salt Lake City im Norden stellen die Logistik- und Auslieferungsbetriebe einen weiteren Wirtschaftsbereich dar. Auch einige Betriebe der verarbeitenden Industrie sind im Las Vegas-Tal beheimatet, wie beispielsweise Fabriken zur Herstellung von Glücksspielautomaten und Reklametafeln. Der Trend hin zu weiteren, immer größeren Hotel- und Wohnanlagen sowie der anhaltende Bevölkerungszuwachs fördert die Bau- und Planungsindustrie.[3] Und nicht zuletzt spielen auch die vielen Hochzeits- und Scheidungsunternehmen eine wichtige Rolle auf dem lokalen Arbeitsmarkt. Seit einigen Jahren lassen sich in Las Vegas auch immer mehr Rentner nieder, angezogen durch die vielfältigen Business- und Kommunikationsmöglichkeiten, von dem Image der Stadt, den niedrigen Lebenshaltungskosten sowie dem guten Klima. Damit einher geht eine sprunghafte Steigerung der Anzahl an Krankenhäuser[4] sowie ein allgemeiner Boom im Gesundheitssektor (vgl. ebd., S. 350f.).

Las Vegas ist Standort vieler bekannter Kommunikations- und Technologieunternehmen, von denen die meisten auch hier gegründet wurden. Telekommunikation, Software- und Spieleentwicklung sowie Luftfahrt dominieren diesen Wirtschaftszweig (vgl. CITY-DATA.COM 2008b, o. S.). Die bekanntesten Unternehmen sind Bigelow Aerospace in North Las Vegas, Petroglyph Games, Westwood Studios und Yellowpages.com in Las Vegas.

Im Dezember 2007 konnte der Großraum Las Vegas 922.300 Beschäftigten einen Arbeitsplatz bieten, 55.200 Einwohner waren arbeitslos, was einer Erwerbslosenquote von 5,6% (zum Vergleich: USA 4,9%) entspricht. Die meisten Arbeitsplätze entfallen auf das Freizeit- und Gastgewerbe, in dem etwa 29,3% der Erwerbstätigen beschäftigt sind[5] (vgl. Abb. 12) (vgl. DETR 2008, o. S.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.12: Wirtschaftszweige in Las Vegas 2008

Quelle: Eigene Darstellung nach DETR 2008, o. S.

Da das in Las Vegas umgesetzte Kapital zum größten Teil von außen, also von den aus aller Welt angereisten Touristen, kommt, ist die Wirtschaft stark vom Ausland abhängig. Regionale Wirtschaftsschwankungen können jedoch durch das große national ausgerichtete Einzugsgebiet weitgehend egalisiert werden (vgl. HAHN 2002, S. 351). Dennoch ist die Stadt besonders anfällig für Phasen der Tourismusrezession, wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 gezeigt haben. Nach Angaben der Wirtschaftsforschungsfirma Ecomomy.com führte Las Vegas nach den Anschlägen die Liste der am schlimmsten betroffenen Städte mit an. Die Touristen blieben kurzfristig aus, 15.000 Mitarbeiter der Hotels und Casinos wurden entlassen und die Arbeitslosenquote stieg zeitweise auf über sieben Prozent an (vgl. VOLKERY 2001, o. S.).

3.2 Funktionale Gliederung der Stadt Las Vegas

Las Vegas besteht im Wesentlichen aus zwei eigenständigen Stadtzentren, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Dem modernen, familienorientierten Las Vegas Strip und der historischen, etwas heruntergekommenen Downtown. Um diese beiden Zentren, die durch den von Ost nach West verlaufenden Charleston Boulevard getrennt werden, erstreckt sich ein kleiner Industriegürtel, der den Rotlichtbezirk und die kriminellsten Teile der Stadt umfasst, sowie ein weit reichender Vorortgürtel mit überwiegender Einzelhausbebauung und bewachten Gated Communities. Die Mehrheit der namhaften Hotels und Attraktionen liegen im Innenstadtbereich oder entlang des Strips, in den einzelnen Querstraßen befinden sich überwiegend billigere Motels und Casinohallen. Nordöstlich des Strips, zwischen der Paradise Road und dem South Maryland Parkway, ist der Messe- und Conventionbereich der Stadt angesiedelt. Südlich davon, zwischen East Flamingo Road und East Tropicana Avenue, befindet sich das Universitäts- und Kulturviertel mit der University of Nevada Las Vegas (UNLV) und verschiedenen Museen (vgl. STRATTON 2005, S. 195ff.). Im Osten der Downtown, zwischen East Charleston Boulevard und Fremont Street, liegt das Künstlerviertel Las Vegas Arts District mit vielen bekannten Kunstgalerien und Studios (vgl. LVCVA 2007e, S. 48f.).

Im Folgenden werden die beiden Zentren der Metropole, der Las Vegas Strip und die Downtown, näher vorgestellt.

3.2.1 Las Vegas Boulevard (Strip)

Der Las Vegas Boulevard, der in etwa von Süden nach Nordosten durch die Mitte der Stadt parallel zum Interstate 15 verläuft, ist die bekannteste Straße und das Herz des modernen Las Vegas. Die orthogonal kreuzende Fremont Street in Downtown unterteilt den Las Vegas Boulevard in die Abschnitte North und South. Der etwa 7,5 km umfassende Bereich zwischen Russel Road im Süden und Charleston Boulevard im Norden wird auch Las Vegas Strip (kurz: Strip) genannt, er ist das Kernstück und touristisches Zentrum des Las Vegas Boulevard. Genau genommen befindet sich der Strip außerhalb der Stadtgrenzen der Kommune Las Vegas in den Orten Paradise und Winchester (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 34f.).

Der Name Las Vegas Strip geht auf das Ende der 1960er Jahre zurück, als der damalige Sheriff des Bezirks diesen lichter- und neongesäumten Teil des Las Vegas Boulevard aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Sunset Strip in seiner Heimat Los Angeles umgetauft hat (Mündliche Mitteilung DOERR 2008).

So gut wie alle namhaften Hotels und Sehenswürdigkeiten befinden sich am Strip oder in unmittelbarer Nähe. 14 der 20 nach Anzahl der Zimmer größten Hotelanlagen der Welt mit zusammen über 50.000 Hotelzimmern stehen hier. In den Anfangstagen war der Las Vegas Boulevard nur ein breiter Boulevard, der sich durch das karge Las Vegas-Tal schlängelte. Bereits ab den 1940er Jahren entstanden die ersten Casinohotels am Strip, in der Folgezeit wurden immer weitere errichtet und die Stadtgrenze damit kontinuierlich weiter Richtung Süden verlagert. Das erste außerhalb der Stadtgrenzen mehrere Kilometer südlich der Innenstadt am Strip angesiedelte Hotel war das 1941 eröffnete El Rancho. Weitere Meilensteine stellten die Eröffnung des Caesars Palace, das erste intensiv thematisierte Casinohotel, im Jahre 1966 sowie Steve Wynn’s familienorientiertes Themenhotel Mirage von 1989 dar. Waren die ersten Hotelanlagen noch einzeln stehende, weit voneinander entfernt gebaute und durch breite Wüstenstreifen getrennte Niedriggeschoßkomplexe im Stil heutiger Motels, deren riesige Neonleuchtreklamen dafür sorgten, dass sie von den Autofahrern überhaupt wahrgenommen wurden, so steht der Strip heute für die auf engstem Raum erbauten modernsten künstlichen Erlebnislandschaften weltweit. Ausschlaggebend für die Wahl des Strips als zukünftiger Standort der großen Hotels war die Tatsache, dass der Strip über riesige, unbebaute Grundstücke verfügte, die reichlich Platz für die notwendigen, uferlosen Parkplätze boten. Wie auch in vielen anderen amerikanischen Städten (z.B. Orlando), in denen der Unterhaltung dienende Satellitenviertel die Innenstadtbereiche ins Abseits gedrängt haben, wurde auch in Las Vegas die Downtown zugunsten des Las Vegas Strip vernachlässigt (vgl. ANDERTON/CHASE 2001, S. 6ff.).

[...]


[1] Quelle: http://www.meiers-weltreisen.de

[2] Der Satz „Welcome to Fabulous Las Vegas“ steht seit 1959 auf dem berühmten Schild, das 1959 von Betty Willis entworfen wurde und seitdem den südlichen Beginn des Las Vegas Boulevard markiert (vgl. BISSINGER 2007, S. 127).

[3] Knapp 25.000 neue Häuser werden jedes Jahr im Großraum Las Vegas errichtet und verkauft (vgl. CITY-DATA.COM 2008a, o. S.).

[4] 2005: über 30 Krankenhäuser und Hospize in Las Vegas (vgl. KLEE 2005, o. S.).

[5] Von den Beschäftigten im Freizeit- und Gastgewerbe teilen sich wie folgt auf: 64% Hotel und Casino, 27% Gastronomie und 7% Unterhaltung (vgl. DETR 2008, o. S.).

Ende der Leseprobe aus 213 Seiten

Details

Titel
Viva Las Vegas! Die Entwicklung des Tourismus in Las Vegas: Themenhotels
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
213
Katalognummer
V131528
ISBN (eBook)
9783640374922
ISBN (Buch)
9783640375042
Dateigröße
8913 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Las Vegas, Nevada, Themenhotels, Hotellerie, Tourismus, Glücksspiel, Gambling, Unterhaltung, Show, Las Vegas Strip
Arbeit zitieren
Dipl.-Tourismusgeograph Daniel Steffens (Autor:in), 2008, Viva Las Vegas! Die Entwicklung des Tourismus in Las Vegas: Themenhotels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131528

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