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Veränderungen im Gefüge des parlamentarischen Regierungssystems durch die europäische Einigung

Titel: Veränderungen im Gefüge des parlamentarischen Regierungssystems durch die europäische Einigung

Seminararbeit , 2022 , 28 Seiten , Note: 13

Autor:in: Tommi Nimmler (Autor:in)

Jura - Andere Rechtssysteme, Rechtsvergleichung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit untersucht die Veränderungen der formalrechtlichen und machtpolitischen Stellungen des Bundestages im Kontext des Vertrags von Lissabon. Hierbei wird durch ausgewählte Bereiche des EUV, AEUV sowie EUZBBG überblicksweise
Veränderungen hervorgebracht, die die Stellung des Bundestages neu qualifizieren. Dabei findet keine Erläuterung der Begleitgesetzgebung oder Ausführung über das Lissabonner BVerfG-Urteil sowie IntVG statt, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen. Hat das Parlament an Mitwirkungsrechten zu normalen Rechtsetzungsakten der EU hinzugewonnen? Bedeutet diese Ausweitung der parlamentarischen Kontrolle gleichzeitig einen faktischen politischen Machtgewinn der Legislative? Die Beantwortung dieser Fragen soll zur Lösung der These "Entparlamentarisierung durch Europäisierung?" beitragen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A) Einleitung

B) Veränderungen im Kontext des Vertrags von Lissabon

I. Informations- und Mitwirkungsrechte des Bundestages

1. Informationsrechte und Zuleitung von Dokumenten

2. Ausschussberatungen und Stellungnahmen

3. Rechtsetzungsakte der EU

a) Primärrecht: EU-Verträge und Erweiterungen

aa) Ordentliches Änderungsverfahren und Konventsmethode

bb) Brückenverfahren

cc) Beitritt neuer Mitgliedstaaten zur Union

b) Sekundärrecht: Verordnungen und Richtlinien

c) Subsidiaritätskontrolle

aa) Subsidiaritätsfrühwarnmechanismus

bb) Subsidiaritätsrüge

cc) Subsidiaritätsklage

II. Machtpolitische Stellung des Bundestages in der Europapolitik

C) Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die formalrechtlichen und machtpolitischen Veränderungen der Stellung des Deutschen Bundestages im Zuge des Vertrags von Lissabon. Der Fokus liegt dabei auf der Beantwortung der Forschungsfrage, inwieweit die neuen Informations-, Mitwirkungs- und Kontrollrechte dem Trend einer „Entparlamentarisierung durch Europäisierung“ entgegenwirken oder diesen möglicherweise sogar verstärken.

  • Analyse der Informationsrechte und der Zuleitung von EU-Dokumenten
  • Untersuchung der Mitwirkung bei Rechtsetzungsakten (Primär- und Sekundärrecht)
  • Bewertung der Subsidiaritätskontrolle als neues Kontrollinstrument
  • Evaluation der machtpolitischen Machtverschiebung zwischen Bundestag und Bundesregierung

Auszug aus dem Buch

1. Informationsrechte und Zuleitung von Dokumenten

Rechte, die einen Zugang zu Dokumenten und Informationen regeln, sollen sicherstellen, dass die Parlamente bzw. ihre Mitglieder über Vorhaben der EU informiert sind und sich dadurch eine Meinung bilden können, bevor die EU verbindliche Rechtsakte erlässt. Bis zur Anwendung des VvL war die Bundesregierung dazu verpflichtet, dem Bundestag Informationen über EU-Vorhaben zuzuleiten. Diese Verpflichtung hat durch Lissabon einen Wandel erfahren: nunmehr ist die EK bzw. das EP und der Rat für die Übermittlung von Informationen, Dokumenten sowie weiteren Materialien zuständig. Der Art. 12 lit. a EUV schreibt die unmittelbare Informations- und Unterrichtungspflicht der EU-Organe ggü. dem Bundestag vor. Diese Bestimmung wird konkretisiert durch die Ausgestaltung des PNP. Im Protokoll 1 wird eine direkte Zuleitungspflicht der europäischen Institutionen in Bezug auf Entwürfe zu einzelnen Gesetzgebungsakten bis auf Dokumente, die mit einem europäischen Gesetzgebungsprozess im Zusammenhang stehen, vorgenommen. Der Art. 2 PNP sieht als Entwürfe von Gesetzgebungsakten Vorschläge der EK, Initiative einer Gruppe von Mitgliedstaaten, Initiative des EP, Anträge des EuGH und weitere Empfehlungen vor.

Die Unterrichtungspflicht beinhaltet auch entsprechende Informationspflichten des EP bzw. des Rates nach Art. 2 bis 5 PNP. Dem Bundestag werden somit die legislativen Entschließungen und Initiativen, die auf den Erlass des Gesetzgebungsakt abzielen, vom EP zugeleitet. Darüber hinaus erhält der Bundestag vom ERH den Jahresbericht unmittelbar, vgl. Art. 7 PNP. Im Verhältnis zum Vertrag von Maastricht (VvM), werden alle Konsultationsdokumente in Form von Grün- und Weißbüchern sowie Mitteilungen der Rechtsetzungsprogramme von der Kommission direkt an das Parlament zugestellt. Der Lissaboner PNP weitet die Informationsrechte des Bundestages auch in Hinsicht auf die nicht legislativen Dokumente weiter aus, indem der EK die Pflicht aufgetragen wird, dem Bundestag auch das Jahresprogramm der legislativen Planung sowie weitere Dokumente mit politischer Strategieabsicht, zuzuleiten.

Zusammenfassung der Kapitel

A) Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung der europäischen Einigung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage zur Rolle des Bundestages nach dem Vertrag von Lissabon.

B) Veränderungen im Kontext des Vertrags von Lissabon: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die neuen Informations- und Mitwirkungsrechte, die Beteiligung an Rechtsetzungsakten sowie das Instrumentarium der Subsidiaritätskontrolle.

I. Informations- und Mitwirkungsrechte des Bundestages: Dieser Abschnitt beleuchtet die passiven Informationsrechte und die Rolle der Ausschussberatungen im Gesetzgebungsprozess.

1. Informationsrechte und Zuleitung von Dokumenten: Es wird die direkte Zuleitungspflicht europäischer Institutionen an den Bundestag und deren Bedeutung für die parlamentarische Kontrolle untersucht.

2. Ausschussberatungen und Stellungnahmen: Dieser Teil betrachtet die Verfahren, nach denen Ausschüsse EU-Vorlagen prüfen und Stellungnahmen an die Bundesregierung abgeben.

3. Rechtsetzungsakte der EU: Das Kapitel differenziert zwischen Mitwirkungsrechten bei Primär- und Sekundärrecht sowie der Implementierung der Subsidiaritätskontrolle.

a) Primärrecht: EU-Verträge und Erweiterungen: Hier werden das ordentliche Änderungsverfahren, die Konventsmethode, das Brückenverfahren und die Mitwirkung bei Beitrittsanträgen analysiert.

aa) Ordentliches Änderungsverfahren und Konventsmethode: Erläutert die Möglichkeiten des Parlaments, bei Vertragsreformen in einem Konvent mitzuwirken.

bb) Brückenverfahren: Diskutiert die Einführung des Brückenverfahrens und die neuen Vetomöglichkeiten des Bundestages.

cc) Beitritt neuer Mitgliedstaaten zur Union: Untersucht die Informations- und Mitwirkungsrechte bei EU-Erweiterungsprozessen.

b) Sekundärrecht: Verordnungen und Richtlinien: Analysiert die paradoxe Situation der eingeschränkten Gestaltungsmacht bei der Umsetzung von sekundärem EU-Recht.

c) Subsidiaritätskontrolle: Beschreibt das Verfahren der Subsidiaritätskontrolle als Mittel zur Wahrung nationaler Zuständigkeiten.

aa) Subsidiaritätsfrühwarnmechanismus: Erläutert das im Primärrecht verankerte Frühwarnsystem.

bb) Subsidiaritätsrüge: Beschreibt die Möglichkeit, bei Verstößen gegen das Subsidiaritätsprinzip eine Rüge an die EU-Organe zu übermitteln.

cc) Subsidiaritätsklage: Analysiert die Möglichkeit der Klageerhebung vor dem EuGH bei Verstößen gegen das Subsidiaritätsprinzip.

II. Machtpolitische Stellung des Bundestages in der Europapolitik: Zusammenfassende Bewertung der tatsächlichen Wirksamkeit der parlamentarischen Rechte in der politischen Praxis.

C) Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und schließt, dass der formale Kompetenzzuwachs durch die eingeschränkte Nutzung in der Praxis kaum zu einer echten Stärkung geführt hat.

Schlüsselwörter

Vertrag von Lissabon, Deutscher Bundestag, Europäische Einigung, Subsidiaritätskontrolle, Mitwirkungsrechte, Parlamentarische Kontrolle, Gesetzgebungsverfahren, EU-Sekundärrecht, Informationsrechte, Entparlamentarisierung, Vertrag über die Europäische Union, Gesetzgebung, Integration, Europapolitik, Europarecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich die formalen Mitwirkungs- und Kontrollrechte des Deutschen Bundestages durch den Vertrag von Lissabon verändert haben und welche Auswirkungen dies auf seine reale machtpolitische Stellung innerhalb der EU-Politik hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Informationsrechte, die Beteiligung des Bundestages bei Rechtsetzungsakten (Primär- und Sekundärrecht) sowie die Einführung der Subsidiaritätskontrolle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Ausweitung der Mitwirkungsrechte den Prozess der „Entparlamentarisierung“ aufhalten konnte oder ob die parlamentarische Bedeutung im politischen Prozess faktisch abgenommen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechts- sowie politikwissenschaftliche Analyse der Verträge (EUV, AEUV), ergänzt durch die Auswertung parlamentarischer Daten und empirischer Studien zur Gesetzgebungspraxis.

Was wird primär im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die neuen Kodifizierungen der Parlamentsrechte, die verschiedenen Stufen der Mitwirkung an EU-Recht sowie die Nutzung und die Limitationen des Subsidiaritäts-Kontrollmechanismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentlich sind Begriffe wie Vertrag von Lissabon, Subsidiaritätskontrolle, parlamentarische Kontrolle, Mitwirkungsrechte und Integrationsverantwortung.

Inwiefern hat sich die Informationspflicht durch Lissabon gewandelt?

Der Bundestag erhält nun Informationen nicht mehr nur über die Bundesregierung, sondern direkt von den europäischen Institutionen (EK, EP, Rat), was eine eigenständigere Informationsgrundlage ermöglichen soll.

Was ist das Ergebnis bezüglich der Subsidiaritätsklagen?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Instrument der Subsidiaritätsklage zwar eine historisch neue Klagemöglichkeit bietet, aufgrund der ressourcenintensiven Arbeit jedoch nur sehr selektiv und zurückhaltend genutzt wird.

Warum wird von einer „Entparlamentarisierung“ gesprochen?

Der Begriff hinterfragt, ob der Bundestag aufgrund der hohen Dichte europäischer Richtlinien und Verordnungen seine Funktion als primärer Gesetzgeber an die EU-Ebene verliert, da er dort nur begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten hat.

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Details

Titel
Veränderungen im Gefüge des parlamentarischen Regierungssystems durch die europäische Einigung
Veranstaltung
Zulassungsseminar
Note
13
Autor
Tommi Nimmler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
28
Katalognummer
V1315365
ISBN (PDF)
9783346790309
ISBN (Buch)
9783346790316
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Öffentliches Recht Staatsorganisationsrecht Europarecht Völkerrecht Seminararbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tommi Nimmler (Autor:in), 2022, Veränderungen im Gefüge des parlamentarischen Regierungssystems durch die europäische Einigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315365
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Leseprobe aus  28  Seiten
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