Als Community Interpreting - im deutschsprachigen Raum auch Kommunaldolmetschen genannt - bezeichnet man eine Dolmetschertätigkeit, die bei Gesprächen in institutionellen Situationen, wie zum Beispiel in einem Krankenhaus oder bei Gericht, zum Einsatz kommt. Sie soll die Kommunikation zwischen einer Person- in der Regel handelt es um Migranten mit geringeren Kenntnissen in der Sprache, die in der Institution gesprochen wird - und einem Vertreter der jeweiligen Institution ermöglichen. Oft sind die Dolmetscher sind Laiendolmetscher und keine professionellen Dolmetscher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mekmale des Community Interpreting
3. Besonderheiten von medizinischen Gesprächen am Beispiel von Aufklärungsgesprächen
3.1. Aufbau von Aufklärungsgesprächen
3.2. Sprachliche Verfahren bei Aufklärungsgesprächen
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Charakteristika des Community Interpreting am Beispiel medizinischer Aufklärungsgespräche. Ziel ist es, die Rolle und Herausforderungen von Sprachmittlern in institutionellen Settings zu beleuchten und aufzuzeigen, wie sprachliche sowie kulturelle Barrieren in Arzt-Patienten-Gesprächen die medizinische Kommunikation beeinflussen.
- Rolle und Problematik von Laiendolmetschern im Klinikalltag
- Analyse der Makrostruktur von medizinischen Aufklärungsgesprächen
- Einfluss sprachlicher Asymmetrien auf den Behandlungspfad
- Gesprächsorganisierende Techniken bei der Sprachmittlung
- Notwendigkeit einer professionellen Ausbildung für Sprachmittler
Auszug aus dem Buch
3.1. Aufbau von Aufklärungsgesprächen
Aufklärungsgespräche finden vor einem ärztlichen Verfahren wie einer Untersuchung oder einer Operation statt und sollen dazu dienen, den Patienten über den Verlauf und die möglichen Risiken einer medizinischen Maßnahme zu informieren. Aufklärungsgespräche haben in Deutschland nicht nur einen medizinischen, sondern auch einen juristischen Zweck. Ziel des Gesprächs ist unter anderem die Einwilligung des Patienten bezüglich der vorgestellten medizinischen Handlung zu erhalten(Meyer 2015). Die besondere Funktion dieses Gesprächstyps im Bereich des Community Interpreting ist Laiendolmetschern nicht immer bewusst, weil in anderen Ländern eine vergleichbare rechtliche Grundlage nicht immer existiert oder weil diese in der Praxis oft weder von Sprachmittlern noch von den Ärzten selbst berücksichtigt wird.
In dem Transkript, in dem ein Aufklärungsgespräch dargestellt wird, ist der feststehende Aufbau des Dialogs zu erkennen. Das Gespräch kann auf der Basis der von Meyer (2015) vorgeschlagenen Unterteilung folgendermaßen aufgeteilt werden:
- Ankündigen (Partiturflächen 1-4): Der Anfang des Gesprächs ist nicht in dem Transkript enthalten. Es beginnt direkt mit der Ankündigung des medizinischen Verfahrens. In diesem Fall soll sich die Patientin einer operativen Entfernung der Gallenblase unterziehen. In der Verdolmetschung der Äußerung des Arztes fügt die Krankenschwester noch hinzu, was das eigentliche Ziel des Aufklärungsgesprächs ist, nämlich die Meinung der Patientin bezüglich der Operation zu erfahren (Partiturflächen 3-4). Der Hinweis ist zwar tatsächlich nicht falsch,
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Kontext des Proseminars und fokussiert auf die Analyse von Arzt-Patienten-Gesprächen unter Einbeziehung von Sprachmittlern.
2. Mekmale des Community Interpreting: Dieses Kapitel definiert das Kommunaldolmetschen im institutionellen Rahmen und thematisiert die ethischen sowie praktischen Herausforderungen bei ungeschulten Sprachmittlern.
3. Besonderheiten von medizinischen Gesprächen am Beispiel von Aufklärungsgesprächen: Der Abschnitt analysiert den strukturellen Aufbau und die sprachlichen Strategien in medizinischen Aufklärungsgesprächen.
3.1. Aufbau von Aufklärungsgesprächen: Hier wird der spezifische Dialogverlauf eines Aufklärungsgesprächs in verschiedene Phasen wie Ankündigung, Beschreibung und Einwilligung unterteilt.
3.2. Sprachliche Verfahren bei Aufklärungsgesprächen: Das Kapitel untersucht, wie Sprachmittler durch ihre Strategien Macht- und Wissensasymmetrien sowie Kommunikationsschwierigkeiten in medizinischen Fachgesprächen handhaben.
4. Schlussfolgerung: Das Fazit unterstreicht das Risiko des Laiendolmetschens und plädiert für die Implementierung einer professionellen Ausbildung für Sprachmittler im Gesundheitswesen.
Schlüsselwörter
Community Interpreting, Kommunaldolmetschen, medizinische Aufklärungsgespräche, Sprachmittlung, Interkulturelle Kommunikation, Laiendolmetscher, Arzt-Patienten-Gespräch, Gesprächsanalyse, ट्रांसक्रिप्ट (Transkript), Sprachbarrieren, institutionelle Kommunikation, medizinische Fachsprache, Patientenaufklärung, Dolmetscherstrategien, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Merkmalen und Herausforderungen des Community Interpreting, insbesondere anhand von medizinischen Aufklärungsgesprächen zwischen Ärzten und Migranten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Rolle von Laiendolmetschern bei Arzt-Patienten-Gesprächen, die Bedeutung des institutionellen Rahmens sowie die sprachliche und ethische Problematik der Übersetzung medizinischer Fachinformationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Komplexität der Rolle des Sprachmittlers aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie die Kommunikation durch unterschiedliche Wissensstände und kulturelle Barrieren beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorinnen nutzen die Analyse eines transkribierten Gesprächs ausgehend von theoretischen Modellen der interkulturellen Kommunikation, insbesondere basierend auf dem Raster von Rehbein (1985).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Merkmalen des Community Interpreting, die detaillierte Analyse der Phasen eines Aufklärungsgesprächs sowie die Untersuchung spezifischer sprachlicher Verfahren beim Dolmetschen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Community Interpreting, Laiendolmetschen, interkulturelle Kommunikation, institutionelle Sprachmittlung und medizinische Beratung.
Warum ist der Einsatz von Laiendolmetschern oft kritisch zu betrachten?
Da ihnen oft das medizinische Fachwissen und das Bewusstsein für die rechtlichen Rahmenbedingungen fehlen, besteht die Gefahr von Missverständnissen, Fehlern bei der Wiedergabe risikoreicher Informationen und einer Beeinflussung der informierten Einwilligung.
Was unterscheidet ein medizinisch-juristisches Aufklärungsgespräch von anderen Gesprächen?
Es dient nicht nur dem medizinischen Informationstransfer, sondern ist eine notwendige juristische Voraussetzung, um die rechtsgültige Einwilligung eines Patienten für einen Eingriff zu erhalten.
Welches Fazit ziehen die Autorinnen zur Ausbildung von Sprachmittlern?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine professionelle Ausbildung für Sprachmittler dringend notwendig ist, da diese in der Lage sein müssen, komplexe und oft heikle medizinische Informationen adäquat und ethisch verantwortungsvoll zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Sara Colace (Autor:in), 2017, Merkmale des Community Interpreting am Beispiel von medizinischen Gesprächen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315463