Im Rahmen dieser Hausarbeit wird die Frage beleuchtet, ob das Ehegattensplitting als staatliche Familienpolitik noch zeitgemäß ist. Daher werden die nachgeordneten Fragen "Was führte zur Einführung dieses Steuermodells?", "Ist das Ehegattensplitting eine Familienpolitik?" und vor allem "Wie sieht die aktuelle Situation von Partnerschaft, Familie und Erwerbsleben im Jahr 2020 aus?" genauer betrachtet, um im Anschluss ein Fazit zu ziehen.
Das Thema Ehegattensplitting wird in der politischen Debatte immer wieder diskutiert, ohne dass sich in den letzten Jahrzehnten eine Veränderung oder gar Abschaffung des Splittings ergeben hätte. Vollmer führt aus, dass das Ehegattensplitting von einigen als negativer Anreiz durch Steuersubvention in Bezug auf die Erwerbstätigkeit eines Ehepartners, meistens der Frau, wahrgenommen wird. Hiermit verbunden wird eine steuerrechtliche Schieflage zwischen Familienentlastung und Eheförderung angeführt und verfassungsrechtliche Bedenken genannt. Andere sind der Meinung, dass es sich dabei keineswegs um eine Form der Subvention handele, sondern dem Gebot der Steuerlast nach tatsächlicher Leistungsfähigkeit entspreche und dadurch durchaus verfassungsrechtlich zulässig sei.
Beblo legt ebenfalls die konträren Standpunkte dar, eines der wohl prominentesten Argumente gegen das Ehegattensplitting sei, dass es Fehlanreize für die Erwerbsbeteiligung von verheirateten Frauen berge. Hingegen wird bei den Befürwortern die Wahlfreiheit bezüglich der internen Arbeitsteilung angeführt. Die gemeinsame Veranlagung ermögliche steuerlich alle Arbeitsaufteilungen von 100:0 bis 50:50 mit der insgesamt gleichen Steuerlast beider Partner bei Ehepaaren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ehegattensplitting und die Einordnung im System Sozialstaat Deutschland
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Wie funktioniert das Ehegattensplitting?
2.3 Einordnung im System Sozialstaat Deutschland
2.4 Bedeutung des Ehegattensplittings für die Erwerbstätigkeit
3 Veränderung in Familienstruktur und Lebensformen
4 Diskussion
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Relevanz des Ehegattensplittings als Instrument der staatlichen Familienpolitik vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Gesellschaft, veränderter Lebensformen und der Erwerbssituation von Frauen.
- Historische Herleitung und Funktionsweise des Ehegattensplittings
- Einordnung des Steuermodells im Kontext des deutschen Sozialstaats
- Analyse der Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit und ökonomische Unabhängigkeit von Frauen
- Wandel von Familienstrukturen und modernen Lebensentwürfen im Jahr 2020
- Kritische Diskussion von Fehlanreizen und Alternativen zur Familienförderung
Auszug aus dem Buch
2.2 Wie funktioniert das Ehegattensplitting?
Ehegattensplitting bedeutet seit 1958 in der Bundesrepublik, dass Eheleute, welche nicht dauernd getrennt leben, zwischen einer getrennten oder einer gemeinsamen steuerlichen Veranlagung wählen können. Wersig beschreibt weiter, dass bei der Zusammenveranlagung die beiden Partner als „ein Steuerpflichtiger“ behandelt werden. Beide zu versteuernde Einkommen werden zunächst zusammengerechnet und dann durch zwei dividiert. Der neue, hälftige Betrag wird zur Errechnung der Steuerlast pro Person verwendet. Durch diese Berechnung wird sichergestellt, dass die Ehestrafsteuer nicht eintreten kann, da Verheiratete nun so viel zahlen wie zwei Unverheiratete, die jeweils die Hälfte des gemeinsamen Einkommens des Paares verdienen.
Weiterhin ergibt sich für Ehepaare ein flacherer Progressionsverlauf mit Steuerentlastung. Je größer die Differenz zwischen zwei Einkommen ist, desto höher ist die individuelle Steuerlast desjenigen mit dem geringeren Einkommen. Diese Person zahlt eine höhere Einkommenssteuer auf ihren Verdienst, da die Zusammenlegung insgesamt für die Eheleute vorteilhafter ist (Wersig 2013a: 6).
Eine freigewählte interne Arbeitsteilung gibt Beblo an. Im Ehegattensplitting ist es steuerlich unerheblich, durch welche Aufteilung ein Gesamteinkommen erwirtschaftet wird. Alle denkbaren Aufteilungsmöglichkeiten von 100:0 bis 50:50 werden mit der gleichen Steuerlast belegt (Beblo 2007: 270).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die politische und kontroverse Debatte zum Ehegattensplitting ein und definiert die zentrale Fragestellung der Hausarbeit hinsichtlich der Zeitgemäßheit dieses Modells.
2 Ehegattensplitting und die Einordnung im System Sozialstaat Deutschland: Das Kapitel erläutert die historische Entwicklung, die mathematische Funktionsweise sowie die verfassungsrechtliche Einbettung des Ehegattensplittings innerhalb der deutschen Sozialstaatlichkeit.
3 Veränderung in Familienstruktur und Lebensformen: Hier wird der soziologische Wandel der Haushalte in Deutschland seit 1972 analysiert, wobei insbesondere der Rückgang von Mehrpersonenhaushalten und die Pluralisierung von Lebensentwürfen hervorgehoben werden.
4 Diskussion: In diesem Teil werden die negativen Auswirkungen des Splittings auf die Frauenerwerbsbeteiligung und das damit verbundene Risiko zur Altersarmut sowie alternative Bündelungsmodelle der Familienförderung kritisch debattiert.
5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Ehegattensplitting vor dem Hintergrund moderner Lebensrealitäten und des fachkräftemangelbedingten Bedarfs an Erwerbspersonen kritisch zu bewerten ist und keinen zeitgemäßen Beitrag zur gelebten Gleichberechtigung leistet.
Schlüsselwörter
Ehegattensplitting, Familienpolitik, Sozialstaat, Steuerrecht, Erwerbstätigkeit, Hausfrauenehe, Familienstruktur, Geschlechtergerechtigkeit, Altersarmut, Einkommenssteuer, Sozialversicherung, Frauenerwerbsquote, Haushaltsbesteuerung, Lebensformen, Vereinbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Es geht um die kritische Überprüfung des Ehegattensplittings, eines steuerrechtlichen Instruments in Deutschland, und die Frage, ob dieses nach über 60 Jahren noch den Anforderungen einer modernen Gesellschaft und Familienpolitik entspricht.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind das deutsche Steuer- und Sozialrecht, die wirtschaftliche Situation von Frauen, der Wandel von Familienmodellen und die Auswirkungen von Steueranreizen auf die Erwerbsbiografien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Ist das Ehegattensplitting als staatliche Familienpolitik noch zeitgemäß?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung von statistischen Daten verschiedener Quellen, darunter das Statistische Bundesamt und wissenschaftliche Fachartikel.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Modells, eine Darstellung des soziologischen Wandels der Familienformen und eine Diskussion über ökonomische Fehlanreize für Zweitverdiener.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ehegattensplitting, Familienpolitik, Gleichberechtigung, Altersarmut und Wandel der Familienstrukturen charakterisiert.
Warum wird das Ehegattensplitting oft als „hausfrauenfördernd“ kritisiert?
Die Kritik basiert darauf, dass das Splitting aufgrund der steuerlichen Progressionsersparnis primär dann finanziell attraktiv ist, wenn ein Partner deutlich weniger als der andere verdient, was in der Praxis oft zu einer dauerhaften Spezialisierung der Frau auf Haus- und Familienarbeit führt.
Welchen Bezug stellt die Autorin zur Altersarmut von Frauen her?
Die Arbeit betont, dass durch die steuerlichen Anreize zur Minijob-Beschäftigung oder Hausfrauenehe geringere Rentenansprüche erworben werden, was im Scheidungsfall oder im Alter maßgeblich zum Risiko der Altersarmut von Frauen beiträgt.
Wie werden alternative Familienfördermodelle in der Arbeit bewertet?
Alternativen, wie die Kindergrundsicherung oder eine Bündelung staatlicher Leistungen, werden als zielführender diskutiert, da sie die Förderung des Kindeswohls und die Ermöglichung von Erwerbstätigkeit unabhängig vom Familienstand in den Vordergrund stellen.
- Arbeit zitieren
- Damaris Lahmann (Autor:in), 2020, Immer noch Ehegattensplitting. Ist die staatliche Familienpolitik noch zeitgemäß?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315674