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Das Nationalitätenproblem Kosovos

Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven im Lichte europäischer und internationaler Konfliktlösungsbemühungen

Title: Das Nationalitätenproblem Kosovos

Master's Thesis , 2009 , 138 Pages , Grade: Sehr Gut

Autor:in: B.A., M.A. Martin Krämer (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Summary Excerpt Details

Das Kosovo, das sich nach dem Scheitern der über zwei Jahre andauernden Statusverhandlungen am 17.2.2008 einseitig für unabhängig erklärt hatte, ist gegenwärtig ein beschränkt- souveräner Staat, dessen Bevölkerung mit einer äußerst tristen wirtschaftlichen und sozialen Zukunftsprognose konfrontiert wird. Dass Kosovo überhaupt 2008 die bedingte Unabhängigkeit erlangen konnte, ist auf einen jahrzehntelang andauernden, oft schmerzlich empfundenen Ablösungsprozess zurückführbar, der seine ursächliche Begründung in einem nach wie vor ungelösten ethnischen Konflikt zwischen Serben und Kosovoalbanern findet.

Die historisch bedingten Gegensätze zwischen den im Kosovo lebenden sechs verschiedenen Nationalitäten, insbesondere zwischen der serbischen und der kosovoalbanischen Volksgruppe, unterliegen einer wachsenden Verhärtung und lassen auf die zunehmend institutionalisierte Austragung eines national und international ausgetragenen ethnischen Konfliktes, der durch die zivile und militärische Präsenz internationaler Organisationen bis auf weiteres lediglich eingefroren wurde, schließen.

Trotz der seitens wichtiger EU- und NATO- Staaten unterstützten Ausrufung der Unabhängigkeit besitzt das jüngste staatliche Gebilde Europas, das von derzeit 58 Staaten diplomatisch anerkannt wird, nach wie vor nur eingeschränkte Souveränität und ist bis auf weiteres ethnisch geteilt. Man kann in diesem Zusammenhang berechtigterweise von einer Art „international administriertem Protektorat mit wachsendem Eigenleben“ sprechen.

Das gegenständliche Werk befasst sich primär mit dem bereits angesprochenen ethnischen Konflikt zwischen Serben und Kosovoalbanern und stellt folgende Fragen zur Disposition:

• Wie ist der Konflikt historisch entstanden?
• Warum dauert er nach wie vor an?
• Gibt es eine nachhaltige Konfliktlösungsperspektive, die
positiven Frieden schafft?

Nur wenn die eigentlichen Ursachen eines Konfliktes rational analysiert worden sind, kann an das Ausarbeiten von spezifischen Lösungsansätzen gedacht werden. Beginnend mit einer theoretischen kosovospezifischen Konfliktanalyse und einem historischen Rückblick, der sich punktuell auf diejenigen Ereignisse konzentriert, die den Ablösungsprozess Kosovos von Serbien mit eingeleitet hatten, versucht der Autor das sukzessive und immer stärker werdende Eingreifen internationaler Akteure in einen ursprünglich als rein innere Angelegenheit Jugoslawiens bewerteten ethnischen Disput zu beleuchten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse des Kosovokonfliktes auf Grundlage des „Zivilisatorischen Hexagons“ von Dieter Senghaas

3. Die Nationalitäten Kosovos

4. Der historisch begründete Anspruch Serbiens auf Kosovo

5. Die Zeit des Titoismus im Kosovo

6. Der Zusammenbruch des multinationalen Jugoslawien

7. Die Unruhen von 1981 und ihre Folgen

7.1 Der anwachsende serbische Nationalismus

7.2 Der Besuch von Milosevic auf dem Amselfeld 1987

8. Die Konfliktverschärfung nach Ende der Autonomie

8.1 Die Schattenrepublik Kosova

8.2 Das Entstehen der UCK

9. Rambouillet- der letzte internationale Versuch einer friedlichen Konfliktlösung

9.1 Die Massenvertreibung der Albaner im Frühjahr´99

10. UN- Resolution 1244 als Wegbereiter der Unabhängigkeit Kosovos

11. Die militärische Komponente KFOR

11.1 Das Kosovo- Schutzkorps

12. Kosovo quo vadis?

13. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert den ethnischen Konflikt im Kosovo zwischen Serben und Kosovoalbanern vor dem Hintergrund seiner historischen Entwicklung sowie der verschiedenen Versuche internationaler Konfliktlösung. Ziel ist es, die tieferliegenden Ursachen der mangelnden Koexistenzbereitschaft aufzuzeigen und die Rolle internationaler Akteure sowie die Entwicklung nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung 2008 kritisch zu beleuchten.

  • Historische Konfliktanalyse mittels des "Zivilisatorischen Hexagons" von Dieter Senghaas
  • Die demografische und ethnische Struktur des Kosovo und ihre politische Instrumentalisierung
  • Die Rolle des "Kosovo-Mythos" und die politische Zuspitzung unter Slobodan Milosevic
  • Internationale Interventionen, insbesondere der Rambouillet-Prozess und die UN-Resolution 1244
  • Die heutige sicherheitspolitische Situation unter Präsenz internationaler Organisationen wie UNMIK, KFOR und EULEX

Auszug aus dem Buch

3. Der historisch begründete Anspruch Serbiens auf Kosovo

Als Einleitung zu diesem Kapitel lässt der Autor den 1953 geborenen serbischen Schriftsteller und Essayist Dragan Veliki, der einer der namhaftesten kritischen Journalisten während des Milosevic- Regimes in Serbien war und derzeit Serbiens Botschafter in Wien ist, zu Wort kommen.

In einem am 29.1.2009 in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ veröffentlichten Interview äußert sich Veliki zu aktuellen kosovospezifischen Fragestellungen folgendermaßen:

„Serbien hat den Kosovo niemals gewaltsam erobert, denn der Kosovo war lange vor der osmanischen Eroberung dieses Territoriums bereits serbisches Gebiet. Davon zeugen zahlreiche Dokumente und Denkmäler, die Kosovo zur Wiege der serbischen Staatlichkeit, Geschichte, Bildung und Kultur machen……Leider hat dies nicht verhindern können, dass gerade in den letzten zehn Jahren- vor den Augen der schweigenden internationalen Truppen-150 eben dieser serbischer Kirchen, Klöster und Friedhöfe von albanischen Extremisten zerstört, niedergebrannt und geschändet wurden. Dazu sind seit Juni 1999 bis heute- wieder vor den Augen der internationalen Truppen- mehr als 300.000 Serben, Montenegriner, Roma und andere Nicht- Albaner aus ihren Häusern vertrieben worden, sodass hunderte Ortschaften im Kosovo buchstäblich ethnisch gesäubert worden sind……….Serbien hat in Kosovo und Metohija niemals Völkermord begangen. Keiner der Angehörigen der serbischen Polizei oder Armee oder auch der serbischen Regierung wurde wegen Genozids im Kosovo verdächtigt oder angeklagt. Kosovoalbanische Politiker können versuchen, Tatsachen zu verdrehen und die Wahrheit zu leugnen, aber damit können sie keine neue Wirklichkeit erschaffen. Herr Thaci wäre besser beraten, wenn er etwas unternehmen würde, um das Schicksal der in den letzten zehn Jahren getöteten, entführten und verschwundenen Serben sowie dem serbischen Staat gegenüber loyalen Albaner im Kosovo endlich zu klären……“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des ethnischen Konflikts zwischen Serben und Kosovoalbanern ein, der nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung 2008 zu einer eingeschränkten Souveränität des Kosovo geführt hat.

2. Analyse des Kosovokonfliktes auf Grundlage des „Zivilisatorischen Hexagons“ von Dieter Senghaas: Unter Verwendung des theoretischen Analyseinstruments von Dieter Senghaas wird aufgezeigt, dass die Voraussetzungen für Frieden und Stabilität durch das Fehlen grundlegender zivilisatorischer Bausteine nicht erfüllt waren.

3. Die Nationalitäten Kosovos: Das Kapitel bietet einen Überblick über die ethnische Zusammensetzung des Kosovo mit der albanischen Mehrheit und verschiedenen Minderheiten, deren demografische Entwicklung politisch instrumentalisiert wurde.

4. Der historisch begründete Anspruch Serbiens auf Kosovo: Hier wird der serbische Anspruch auf das Kosovo als „Wiege der serbischen Kultur“ untersucht und kritisch mit historischen Fakten sowie der Rolle des Amselfeld-Mythos hinterfragt.

5. Die Zeit des Titoismus im Kosovo: Das Kapitel beleuchtet die politische Situation unter Josip Broz Tito, die durch ein föderatives System und eine zeitweise Stabilität, aber auch durch Unterdrückung gekennzeichnet war.

6. Der Zusammenbruch des multinationalen Jugoslawien: Hier werden die wirtschaftlichen und politischen Ursachen für den Zerfall Jugoslawiens in den 1980er Jahren sowie die zunehmenden nationalistischen Tendenzen analysiert.

7. Die Unruhen von 1981 und ihre Folgen: Die Studentenproteste von 1981 werden als Zäsur dargestellt, die zu einer weiteren Verschärfung des interethnischen Klimas und zur Stärkung des serbischen Nationalismus beitrugen.

8. Die Konfliktverschärfung nach Ende der Autonomie: Das Kapitel behandelt die systematische Unterdrückung der albanischen Bevölkerung durch Belgrad sowie die Entstehung der UCK als Reaktion auf die zunehmende Marginalisierung.

9. Rambouillet- der letzte internationale Versuch einer friedlichen Konfliktlösung: Die Konferenz von Rambouillet wird als gescheiterter Versuch analysiert, eine friedliche Lösung zu erzielen, bevor es zur NATO-Intervention kam.

10. UN- Resolution 1244 als Wegbereiter der Unabhängigkeit Kosovos: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der UN-Resolution 1244 für das internationale Engagement und die Verwaltung des Kosovo nach dem Krieg.

11. Die militärische Komponente KFOR: Hier wird der Auftrag der KFOR als Sicherheitspräsenz beschrieben, die das notwendige Umfeld für den Aufbau ziviler Strukturen schaffen sollte.

12. Kosovo quo vadis?: Der abschließende Teil wirft einen Blick auf die aktuelle Situation unter EU-geführten Institutionen wie EULEX und diskutiert die Herausforderungen für eine langfristige Versöhnung.

Schlüsselwörter

Kosovo, Serbien, ethnischer Konflikt, Unabhängigkeit, UN-Resolution 1244, Rambouillet-Abkommen, UCK, KFOR, UNMIK, Minderheitenpolitik, Ahtisaari-Plan, Titoismus, Nationalismus, Friedenskonsolidierung, Zivilisatorisches Hexagon.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Nationalitätenkonflikt im Kosovo, seiner historischen Genese, der Eskalation und den Versuchen der internationalen Gemeinschaft, den Konflikt zu zivilisieren und eine friedliche Zukunft zu gestalten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Analyse der ethnischen Spannungen, die Rolle internationaler Akteure, die historische Interpretation des Kosovo-Mythos durch Serbien sowie die Herausforderungen der staatlichen Konsolidierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit geht den Fragen nach, wie der Konflikt historisch entstand, warum er so lange anhielt und welche Perspektiven für einen positiven, nachhaltigen Frieden existieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt das „Zivilisatorische Hexagon“ von Dieter Senghaas als theoretisches Analyseinstrument, um die Bedingungen für Stabilität und Frieden zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung seit der Zeit Titos, die Zuspitzung des Konflikts ab 1981, die diplomatischen Bemühungen in Rambouillet und die Zeit der internationalen Administration unter der UN-Resolution 1244.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kosovo, Serbien, ethnischer Konflikt, Zivilisatorisches Hexagon, UN-Resolution 1244, Nationalismus und Versöhnungsstrategie.

Inwiefern spielt der Amselfeld-Mythos eine Rolle für den serbischen Anspruch?

Der Amselfeld-Mythos dient als identitätsstiftendes Element für Serbien, das das Kosovo als Wiege der eigenen Geschichte betrachtet und diesen Anspruch zur Legitimierung der territorialen Integrität heranzieht.

Wie bewertet der Autor die Rolle der UNMIK?

Die UNMIK wird als „Protektor wider Willen“ betrachtet, deren Arbeit durch die schwierige Balance zwischen internationaler Verwaltung und dem Streben der Kosovaren nach Souveränität gekennzeichnet ist.

Warum wird das Rambouillet-Abkommen kritisch hinterfragt?

Der Autor hinterfragt Rambouillet kritisch, da insbesondere die geheimen Militäranhänge für Serbien unannehmbar waren, was nach Ansicht einiger Experten eine friedliche Einigung von vornherein erschwerte.

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Details

Title
Das Nationalitätenproblem Kosovos
Subtitle
Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven im Lichte europäischer und internationaler Konfliktlösungsbemühungen
College
Donau-Universität Krems  (Department für Europäische Integration und Wirtschaftsrecht)
Grade
Sehr Gut
Author
B.A., M.A. Martin Krämer (Author)
Publication Year
2009
Pages
138
Catalog Number
V131568
ISBN (eBook)
9783640390274
ISBN (Book)
9783640390434
Language
German
Tags
Kosovo Serbien Nationalitätenproblem Lösungsansätze Vielvölkerstaat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A., M.A. Martin Krämer (Author), 2009, Das Nationalitätenproblem Kosovos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131568
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