Die Seminararbeit wurde 2022 im Rahmen des Managementstudiums zum Diplomierten Bankbetriebswirt an der Frankfurt School of Finance and Management erstellt.
Der erste Teil beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Rechnungslegung von Kreditinstituten.
Es werden die Gliederungsprinzipien der Bilanz und GuV beschrieben.
Bei der Beschreibung der wesentlichen Merkmale der Aktivseite der Handelsbilanz von Kreditinstituten werden die Grundzüge der Bilanzierung von Forderungen und von Wertpapieren umrissen.
Bei der Beschreibung der wesentlichen Merkmale der Passivseite werden folgende Punkte beleuchtet:
- Bewertung von Handelsbeständen und deren Ausweis in der GuV
- Bewertungsregeln für Finanzanlagen und deren Ausweis in der GuV und Bilanz
- Bewertung von Wertpapieren der Liquiditätsreserve und deren Ausweis in der GuV
- Überkreuzkompensation
Im zweiten Teil werden die theoretischen Grundlagen in einer Analyse des Jahresabschlusses 2021 der Landesbank Baden-Württemberg angewandt.
Inhaltsverzeichnis
1. Teil I - Theoretische Grundlagen der Rechnungslegung von Kreditinstituten
1.1. Gliederungsprinzipien in der Bilanz und GuV
1.2. Wesentliche Merkmale der Aktivseite der Handelsbilanz von Kreditinstituten
1.2.1. Grundzüge der Bilanzierung von Forderungen
1.2.2. Bilanzierung von Wertpapieren
1.3. Wesentliche Merkmale der Passivseite der Handelsbilanz von Kreditinstituten
1.4. Besondere Bewertungsvorschriften für Kreditinstitute
1.4.1. Bewertung von Handelsbeständen und deren Ausweis in der GuV
1.4.2. Bewertungsregeln für Finanzanlagen und deren Ausweis in der GuV und Bilanz
1.4.3. Bewertung von Wertpapieren der Liquiditätsreserve und deren Ausweis in der GuV
1.4.4. Überkreuzkompensation
2. Teil B - Analyse des Jahresabschlusses 2021 der Landesbank Baden-Württemberg
2.1. Das Umfeld der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Geschäftsjahr 2021:
2.2. Besondere Erkenntnisse aus der Bilanzierung und Bewertung von Forderungen:
2.2.1. Forderungen an Kreditinstituten:
2.2.2. Forderungen an Kunden:
2.3. Besondere Erkenntnisse aus der Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten:
2.3.1. Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere:
2.3.2. Aktien und nicht festverzinsliche Wertpapiere / Handelsbestand:
2.4. Analyse der Eigenkapitalentwicklung, Ergebnisentwicklung und der Struktur des Jahresüberschusses 2021
2.4.1. Erträge:
2.4.2. Kosten / Aufwendungen:
2.5. Fazit Jahresabschluss LBBW 2021:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Anforderungen an die Rechnungslegung von Kreditinstituten nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) und vergleicht diese mit den allgemeinen Normen für Unternehmen. Zudem erfolgt eine konkrete Analyse des Jahresabschlusses der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für das Geschäftsjahr 2021, um die praktische Anwendung dieser bankspezifischen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Umfeldes aufzuzeigen.
- Grundlagen der bankbetrieblichen Rechnungslegung (HGB, RechKredV)
- Gliederungsschemata und Liquiditätsprinzip in der Bankbilanz
- Besondere Bewertungsvorschriften für Banken (Handelsbestand, Liquiditätsreserve)
- Analyse der Bilanzpositionen und Forderungsbewertung der LBBW 2021
- Ergebnisentwicklung und Struktur des Jahresüberschusses der LBBW
Auszug aus dem Buch
Besondere Bewertungsvorschriften für Kreditinstitute
Der Bilanzausweis erfolgt in der Aktivposition 6a und in der Passivposition 3a. Letztere wird bei Verpflichtungen aus Finanzderivaten dotiert.
Sämtliche Aufwendungen und Erträge sowie Zuschreibungen und Abschreibungen aus Geschäften mit Finanzinstrumenten des Handelsbestands werden saldiert. Ebenso werden Aufwendungen bzw. Erträge aus der Bildung bzw. Auflösung von Drohverlustrückstellungen für Finanzinstrumente des Handelsbestands eingerechnet. Alle aufgeführten Erträge und Aufwendungen sind vollständig zu verrechnen und schließen damit eine teilweise Verrechnung aus.
Der §340c Abs. 1 HGB setzt damit einen für andere Unternehmen geltenden Grundsatz außer Kraft. Das Saldierungsverbot aus §246 Abs. 2 HGB findet damit in Handelsbestand von Banken keine Anwendung. Dies soll eine bessere und transparentere Darstellung der GuV ermöglichen.
Der 3. Absatz im §340e HGB regelt die Bewertung des Handelsbestands. In der Regel wird hier der „beizulegende Zeitwert abzüglich eines Risikoabschlags“ veranschlagt.
Der beizulegende Zeitwert ist zu definieren, als der Betrag, zu dem zwischen zwei sachverständigen, vertragswilligen und unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögensgegenstand getauscht wird oder eine Verbindlichkeit getilgt werden könnte. In der Regel bildet sich der Zeitwert aus dem Marktwert des Finanzinstruments. Sollte das Produkt nicht auf einem aktiven Markt gehandelt werden, ist eine andere anerkannte Berechnungsmethode zu wählen und so der Wert zu bestimmen. Falls auch keine dieser Bewertungsmethoden zum Erfolg kommt, so sind die Anschaffungskosten unter Beachtung des strengen Niederstwertprinzips zu bilanzieren. (Grundmann. 2017 S.225ff)
Der Risikoabschlag ist eine Vorsichtsmaßnahme und dient dem Entgegenwirken der Ausfallwahrscheinlichkeit. Er bemisst sich nach den Vorgaben des §340e Absatz 4 HGB. Das bedeutet, dass grundsätzlich 10% des jährlichen Nettobetrags in den Sonderposten nach §340g HGB einzustellen sind, bis der Risikoabschlag 50% des durchschnittlichen Nettoertrags aus den vergangenen 5 Jahren erreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Teil I - Theoretische Grundlagen der Rechnungslegung von Kreditinstituten: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Bilanzierung von Kreditinstituten, insbesondere die Abweichungen vom HGB durch die RechKredV sowie bankspezifische Gliederungs- und Bewertungsvorschriften.
1.1. Gliederungsprinzipien in der Bilanz und GuV: Beschreibt das nach Liquidität ausgerichtete Gliederungsschema für Bankbilanzen, das sich deutlich von der Struktur für Nichtbanken unterscheidet.
1.2. Wesentliche Merkmale der Aktivseite der Handelsbilanz von Kreditinstituten: Fokus auf die Bilanzierung von Forderungen und Wertpapieren, die bei Banken die volumetrisch bedeutendsten Positionen darstellen.
1.2.1. Grundzüge der Bilanzierung von Forderungen: Erläutert die Unterteilung von Forderungen nach Kreditnehmern und die Nettoausweis-Methode in der Bankbilanz.
1.2.2. Bilanzierung von Wertpapieren: Erläutert die Kategorisierung von Wertpapieren primär nach Rechtsstellung statt nach Bewertungskategorie und definiert den Handelsbestand.
1.3. Wesentliche Merkmale der Passivseite der Handelsbilanz von Kreditinstituten: Behandelt die Fristengliederung bei Verbindlichkeiten und die Funktion des „Fonds für allgemeine Bankrisiken“.
1.4. Besondere Bewertungsvorschriften für Kreditinstitute: Detaillierte Darstellung spezifischer Bewertungsmethoden wie dem Risikoabschlag und Saldierungsmöglichkeiten für Kreditinstitute.
1.4.1. Bewertung von Handelsbeständen und deren Ausweis in der GuV: Erläutert die Saldierung von Erträgen und Aufwendungen des Handelsbestands und die Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts.
1.4.2. Bewertungsregeln für Finanzanlagen und deren Ausweis in der GuV und Bilanz: Behandelt die Bewertung von längerfristig gehaltenen Finanzanlagen unter Nutzung von Wahlrechten zur Saldierung.
1.4.3. Bewertung von Wertpapieren der Liquiditätsreserve und deren Ausweis in der GuV: Erläutert die Bewertung nach dem strengen Niederstwertprinzip sowie die Zusammenführung mit der Risikovorsorge.
1.4.4. Überkreuzkompensation: Beschreibt die Möglichkeit der Verrechnung von Aufwendungen und Erträgen über verschiedene GuV-Positionen als Instrument der Risikovorsorge.
2. Teil B - Analyse des Jahresabschlusses 2021 der Landesbank Baden-Württemberg: Zusammenfassung der wirtschaftlichen Situation der LBBW im Jahr 2021 unter dem Einfluss der Pandemie und Inflationsentwicklungen.
2.1. Das Umfeld der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Geschäftsjahr 2021:: Analyse der makroökonomischen Rahmenbedingungen und der operativen Geschäftsentwicklung der LBBW.
2.2. Besondere Erkenntnisse aus der Bilanzierung und Bewertung von Forderungen:: Untersuchung der Anpassungen der Risikovorsorge und Forderungsausfälle der LBBW im Jahr 2021.
2.2.1. Forderungen an Kreditinstituten:: Detaillierte Betrachtung der Bestandsveränderungen bei Forderungen an Kreditinstitute, beeinflusst durch den Auslauf von Einlagenfazilitäten.
2.2.2. Forderungen an Kunden:: Analyse der Steigerung der Forderungen an Kunden trotz hoher wirtschaftlicher Unsicherheit.
2.3. Besondere Erkenntnisse aus der Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten:: Darstellung der Anwendung des Vorsichtsprinzips bei der Bewertung von Wertpapieren und Derivaten.
2.3.1. Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere:: Aufschlüsselung der Veränderungen im Portfolio festverzinslicher Wertpapiere der LBBW.
2.3.2. Aktien und nicht festverzinsliche Wertpapiere / Handelsbestand:: Analyse der Reduktion der Handelsaktiva aufgrund veränderter Marktwerte für Zinsprodukte.
2.4. Analyse der Eigenkapitalentwicklung, Ergebnisentwicklung und der Struktur des Jahresüberschusses 2021: Bewertung der Kapitalquote, des Ergebnisses aus normaler Geschäftstätigkeit und der Ertragsquellen der LBBW.
2.4.1. Erträge:: Analyse der Zins- und Provisionsüberschüsse als Haupttreiber des Geschäftserfolgs 2021.
2.4.2. Kosten / Aufwendungen:: Untersuchung der Verwaltungsaufwendungen sowie der Entwicklung der Wertberichtigungen auf das Kreditportfolio.
2.5. Fazit Jahresabschluss LBBW 2021:: Zusammenfassende Bewertung des Geschäftserfolgs der LBBW im Vergleich zur Helaba.
Schlüsselwörter
Rechnungslegung, Kreditinstitute, HGB, Bankbilanz, GuV, LBBW, Forderungsbewertung, Handelsbestand, Finanzinstrumente, Liquiditätsreserve, Zinsüberschuss, Risikovorsorge, Jahresabschluss, Überkreuzkompensation, Niederstwertprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den speziellen handelsrechtlichen Vorschriften für die Rechnungslegung von Kreditinstituten in Deutschland und der praktischen Anwendung anhand des Jahresabschlusses der LBBW für das Jahr 2021.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Gliederung von Bankbilanzen, die Bewertung von Finanzinstrumenten und Forderungen nach bankspezifischen Vorgaben sowie die Analyse von Ertrags- und Kostenstrukturen im Bankensektor.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die banktypischen Abweichungen in der Bilanzierung und Bewertung gegenüber allgemeinen Unternehmensvorschriften theoretisch zu fundieren und empirisch anhand eines konkreten Bankjahresabschlusses darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse der geltenden Bilanzierungsvorschriften (HGB, RechKredV) sowie eine deskriptive Analyse und Auswertung des vorliegenden Geschäftsberichts 2021 der Landesbank Baden-Württemberg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block, der die regulatorischen Besonderheiten für Banken erläutert, und einen praktischen Block, der die Bilanzkennzahlen sowie die Risiko- und Ertragsentwicklung der LBBW detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bankbilanzierung, HGB, Risikovorsorge, Handelsbestand, Jahresabschlussanalyse und Finanzinstrumente charakterisiert.
Welchen Einfluss hatte das Niedrigzinsumfeld auf die Rechnungslegung der LBBW 2021?
Trotz des weiterhin bestehenden Niedrigzinsumfelds konnte die LBBW den Zinsüberschuss durch ein starkes Neugeschäft steigern, was zeigt, dass die operative Geschäftsleistung die Belastungen aus dem Marktumfeld überkompensieren konnte.
Wie geht die LBBW konkret mit Unsicherheiten in ihrem Kreditportfolio um?
Die LBBW hat einen Mehrszenario-Ansatz zur Schätzung von Adressausfallrisiken gewählt und ihre Risikovorsorge moderat erhöht, um auf externe Einflüsse wie die Pandemie und Lieferkettenprobleme zu reagieren.
Warum ist die Überkreuzkompensation für externe Leser der Bankbilanz schwer nachvollziehbar?
Da die Verrechnung von Aufwendungen und Erträgen innerhalb einer einzigen GuV-Position erfolgt, ist das Ausmaß dieser risikopolitischen Maßnahme für Außenstehende in der Bilanz oder dem Anhang nicht direkt ersichtlich.
- Citation du texte
- Michael Hefele (Auteur), 2022, Rechnungslegung von Kreditinstituten. Theoretische Grundlagen und praktische Anwendung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315866